II
Gliederung
Einleitung
A Grundlagen Macht 1
I Was ist Macht? 1
II Komponenten der Macht nach Cartwright und Kipnis 2
III Machtquellen nach French und Raven 2
IV Warum Machthandeln? Das Machtmotiv 3
V Entwicklungsstufen des Machtmotivs nach McClelland 4
B Macht in Organisationen 5
I Organisation - ein soziales Gebilde 5
II Verteilung und Nutzung von Macht in Organisationen 6
III Motivstruktur von Führungskräften 8
1 Ausprägungen Leistungs-, Macht- und Anschlußmotiv 8
2 Führungsmotivmuster S 9
Einleitung
Dem Thema Machtmotivation in Organisationen soll sich in dieser Arbeit in zwei Schritten genähert werden. Im ersten Teil werden Grundlagen der Macht und der Machtmotivation erarbeitet. Die Fragen nach Abläufen von Machthandlungen, Machtquellen und Gründen des Machthandelns werden dabei geklärt und wo möglich bereits in den organisationalen Kontext gebracht. Im zweiten Teil der Arbeit liegt der Fokus auf der Betrachtung von Macht und Machtmotivation in Organisationen. Dazu sind zunächst die Besonderheiten des Umfeldes „Organisation“ zu prüfen. Wie wird Macht in Organisationen verteilt und genutzt? Schließlich soll die besondere Rolle von Machtmotivation in der Motivstruktur von Führungskräften analysiert werden.
A Grundlagen Macht
I Was ist Macht?
Überall dort, wo Menschen zusammen leben, interagieren sie. Sie stehen in Wechselbeziehungen zu ihren Mitmenschen. Diese Wechselbeziehungen werden in der Sozialpsychologie in verschiedene Klassen bzw. nach Rheinberg in „Grund-Situationen“ eingeteilt. Rheinberg nennt beispielhaft die vertrauensvolle Kontakt-Aufnahme, Hilfeleistung und Sexualität. 1 Daneben ist „eine dieser Grundsituationen (…) dadurch charakterisiert, dass in sozialen Beziehungen Person A absichtlich versuchen kann, das Verhalten und Erleben von Person B zu beeinflussen“. 2 Wenn A erfolgreic h ist, so besitzt A Macht über B. „Macht ist ein alltäglicher Mechanismus unserer sozialen Existenz. Sie ist (…) eine nicht aus der Welt zu Schaffende Dimension jeder zwischenmenschlichen Beziehung.“ 3 In seiner berühmten Definition bezeichnet der Soziologe Max Weber Macht als „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht“. 4 Der Sozialpsychologe Kurt Lewin sieht "Macht als Quotient der maximalen Kraft, die B über A hat und des maximalen Widerstands, den A aufbieten kann." Das Streben nach Rang und Macht ist ebenso wie die Bereitschaft zur Unterordnung gegenüber Stärkeren in allen Kulturen zu finden. Es besteht die Annahme von genetischer Disposition zu diesem Verhalten. Auch im Tierreich werden Machthandlungen, wie z.B. in der „Hackordnung“ auf einem Hühnerhof oder im Dominanzverhalten von Rudeltieren beobachtet.
1 Vgl. Rheinberg, F.: Motivation. Stuttgart, Kohlhammer, 2000, S. 99.
2 ebenda.
3 Vgl. Küpper, W. & Felsch, A.: Organisation, Macht und Ökonomie: Mikropolitik und die Konstitution organisationaler Handlungssysteme. Wiesbaden, Westdt. Verlag, 2000, S. 18.
4 Vgl. Rheinberg, 2000, S. 99.
II Komponenten der Macht nach Cartwright und Kipnis
Die Komponenten des Machthandelns charakterisie ren Cartwright und Kipnis in ihrem deskriptiven Modell des Machthandelns in sechs Schritten. 5 Zu Beginn einer Machthandlung besteht bei einer Person A eine Machtmotivation. Diese ist ein temporäres Bedürfnis, welches nur durch ein bestimmtes Verhalten einer oder mehrerer anderer Personen B zu befriedigen ist ( Schritt 1: Motivation des Machthandelns). Die Zielperson oder Zielgruppe ist jedoch nicht bereit, der Aufforderung von A Folge zu leisten. Sie will also nicht im Sinne von A handeln und gleicht damit nicht dessen Bedürfnis aus (Schritt 2: Widerstand). Um doch die Befriedigung des Bedürfnisses durchzusetzen, greift Person A auf Machtquellen zurück (Schritt 3: Machtquellen). Gleichzeitig überwindet Person A dabei eine innere Barriere, die sie daran hindert, Machtquellen zu mobilisieren. Diese Barriere kann aus entgegenwirkenden Wertüberzeugungen, drohenden Kosten, Selbstzweifel oder Angst vor Gegenmacht bestehen (Schritt 4: Machthemmung). Sind Machtquellen mobilisiert und Hemmungen zu deren Einsatz überwunden, gilt es für Person A, geeignete Machtmittel auszuwählen. Beruft sich Person A auf die Machtquelle „ich bin formaler Vorgesetzter von B“, so könnte er eine Strafe androhen oder auch eine Gehaltsanhebung in Aussicht stellen (Schritt 5: Machtmittel ). Aus der Reaktion der Zielperson B ergibt sich ein Teil der Machtwirkungen. Sie können sich in Zustimmung, Ablehnung oder Ärger äußern. Der andere Teil der Machtwirkungen zeigt sich in Person A in der Änderung des Bedürfniszustands, Gefühlen von Stärke oder Angst vor Vergeltung (Schritt 6: Machtwirkungen). Ist A in der Lage durch sein Handeln bei B Präferenzen und Wünsche zu beeinflussen, handelt A nicht nur machtmotiviert, sondern verfügt über Motivationsmacht. 6
III Machtquellen nach French und Raven
Zu den in Schritt drei zu mobilisierenden Machtquellen äußern sich French und Raven bzw. Raven und Kruglanski. 7 Sie teilen mögliche Machtquellen in die sechs Kategorien Belohnungsmacht, Bestrafungsmacht, Legitimierte Macht, Vorbildmacht, Expertenmacht und Informationsmacht ein.
Belohnungsmacht besteht in dem Grad, in dem B glaubt, dass A ihn für erwünschtes Verhalten belohnen könnte. In Organisationen besteht diese Belohnungsmacht zum Beispiel in Bonus-Systemen, die gewissermaßen einen Köder für besondere Leistung eines Mitarbeiters darstellen. Zwangs- oder Bestrafungsmacht existiert in dem
5 Vgl. Rheinberg, 2000, S. 100f.
6 Vgl. Baumann, P.: Motivation und Macht: zu einer verdeckten Form sozialer Macht. Göttingen, Opladen, 1993, S. 56.
7 Vgl. Saam, N.J.: Prinzipale, Agenten und Macht. Tübingen, Mohr Siebeck, 2002, S. 152ff.
Arbeit zitieren:
Thorsten Lampe, 2004, Machtmotivation in Organisationen, München, GRIN Verlag GmbH
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Eine kritische Betrachtung der Motivationstheorien
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