Inhalt
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1. Verortung Butlers Theorie 3
2. Judith Butlers Theorie 4
2.1 Macht 4
2.2 Zwangsheterosexualität 6
2.3 Materialisierung des Geschlechtskörper 8
2.4 Performanz, Anrufung, Zitat 9
3. Butlers politisches Konzept 11
4. Kritik an Butlers Theorie 14
4.1 Kritik am Konzept des „Gender Trouble“ 14
4.2 Kritik an Butlers subjektfeindlichem Dekonstruktivismus 15
5. Fazit 17
Literaturverzeichnis
2
1. Verortung Butlers Theorie
Judith Butler, geboren 1956 in Cleveland/Ohio, ist eine der profiliertesten Vertreterinnen poststrukturalistischer Theorien. Mit ihrem einflußreichsten Buch "Das Unbehagen der Geschlechter" (Gender Trouble, 1990), positioniert sie sich selbst als feministische Theoretikerin in der Geschlechterforschung. Sie setzt sich vor allem mit den Phänomenen Macht, Geschlecht, Sexualität und Identität auseinander und wendet sich an zweiter Stelle dem Gebiet der "queer studies", der Lesben- und Homosexualitätsforschung, zu.
Butler kritisiert vor allem die feministische Forschung, die Frauen, ihrer Meinung nach, fälschlicherweise als homogene Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen und Interessen betrachte. Der Feminismus habe durch diese Voraussetzung das binäre System der Geschlechter, geteilt in zwei deutlich differenzierte Gruppen von Männern und Frauen, nur noch bestätigt und die Auffassung einer patriarchalen Kultur gefestigt, die ein binäres System der Zweigeschlechtlichkeit als naturgegeben hinstellt 1 .
Butler dagegen beabsichtigt durch Aufdecken der Konstruktion von Geschlecht die Reintegration von ausgeschlossenen Individuen, die Erweiterung des gesellschaftlich Anerkannten und die Pluralisierung und Integration ausgegrenzter und verworfener Identitätsformen. Sie fordert außerdem eine selbstkritische feministische Analyse, die die Unterdrückungsstrategien nicht einfach nur umkehrt, sondern die grundlegenden Begriffe, die solch eine Unterdrückung hervorrufen, dekonstruiert. Durch ihren radikalen Gestus hat Judith Butler eine breite Debatte ausgelöst und gilt in der feministischen Theorie der Neunzigerjahre als "Superstar". Ihre Theorie provoziert vor allem dadurch, daß sie den Körper in seiner materiellen Existenz in Frage stellt. Sie nimmt dabei eine erkenntnistheoretische Position ein, die in die (de)konstruktivistische Geschlechterforschung einzuordnen ist. Butlers Theorie unterscheidet sich von vorherigen Theorien besonders durch ihre radikale Position in
1 Hannelore Bublitz: Judith Butler zur Einführung. Hamburg 2002, S. 48
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der sie nicht nur gender und desire, Geschlechtsidentität und Begehren, als ein kulturelles Konstrukt entlarvt, sondern auch den sex, das biologische Geschlecht, in Frage stellt und ihn ebenfalls als eine Konstruktion und Produkt der Maschinerien der Macht dekonstruiert.
Diese These ist in der Frauen-Literatur auf großen Widerstand gestoßen. Barbara Duden z.B. wirft Butler eine zynische Praxis der Entkörperung vor (siehe 4. Kritik). Butler räumt bei ihrer Reaktion auf diese Kritik zwar körperliche Gegebenheiten wie leben, sterben, schlafen, essen, Schmerz, Freude, Krankheit, Gewalt usw. ein, relativiert allerdings nicht die These der durchgängigen Konstruiertheit geschlechtlicher Körper, denn die Konzepte der Materie und des Körpers dekonstruieren heißt bei ihr nicht, sie zu verneinen oder abzulehnen. Einen Begriff zu dekonstruieren bedeutet bei Butler, zunächst eine Genealogie dieses Begriffs zu entwickeln, die die patriarchale Macht- und Herrschaftsgeschichte aufzeigt 2 . Um den Prozeß der Materialisierung und das Infragestellen des sexus weiter erläutern zu können, bedarf es nun einiger Begriffserklärungen und den Einstieg in die Theorie Judith Butlers.
2. Judith Butlers Theorie
2.1 Macht
Butler geht in ihrer Theorie davon aus, daß Worten eine Macht innewohnt, die Dinge wie den biologischen Körper hervorbringen können. Es gibt dabei kein Außerhalb dieser Macht und unabhängig von ihr kann nichts gedacht werden. So wie es nichts Existentes außerhalb dieser Macht gibt, die sich vermittels des herrschenden Diskurses zeigt, kann es auch keine vordiskursiven, natürlichen Körper geben. Zeichen und Sprache sind dabei in ihrer symbolischen und diskursiven Bedeutung die Voraussetzung für die Materialisierung des Körpers. Butlers These ist also, daß Diskurse mittels performativer Sprechakte körperliche Gestalt annehmen. Jedes Individuum obliegt dieser diskursiven Matrix kohärenter Normen, die die Gesamtheit normativer Zwänge darstellt. Durch sie wird jedes Individuum in seiner Entwicklung geprägt und ohne sie könnte ein Individuum nicht intelligibel - gesellschafts - und
2 Karin Ludewig: Die Wiederkehr der Lust. Körperpolitik nach Foucault und Butler.
(Inaug.Diss.) Frankfurt/Main 2002, S. 185
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lebensfähig - sein. Diese Matrix erzwingt laut Butler bei jedem Menschen die Entwicklung einer eigenen Identität und appelliert dauerhaft an diese. Die Allgegenwart von sozialen Regeln wird hergestellt durch die Regeln des Diskurses. Sprache ist dabei nur dann verständlich und realitätsmächtig, wenn sie den grammatischen, syntaktischen, semantischen Regeln entspricht. Alle Gesetze, Normen, Zwänge und Regeln kann man zusammenfassen unter einem regulierenden Regime, welches die Gesamtheit aller vorhandenen Ein-richtungen und Verfahrensweisen der Macht in der Gesellschaft darstellt, durch welche diese von Grund auf bestimmt wird.
Auch ein Subjekt mit autonomem Willen kann aus dieser Matrix der Macht nicht ausbrechen, da alle Handlungsmöglichkeiten und Willensentscheidungen innerhalb dieses Feldes begründet sind. Es enthält die jeweils aktuelle Konstellation gesellschaftlicher Kräftebeziehungen, welche die Möglichkeiten von Willensentscheidungen und Handlungen hervorbringt und reguliert.
Da die Macht allumfassend ist, gibt es auch keinen Widerstand außerhalb von ihr. Dieser wäre zudem selbst eine machtvolle Praxis und kann nur gegen eine bestimmte Ausformung der Macht geleistet werden, nicht aber gegenüber der übergeordneten Macht als solche. Butler bezeichnet eine allumfassende Überschreitung der Macht als unmöglich 3 .
Butler untersucht ausschließlich zwei Formen der Macht, an welche sie die Gesellschaftskritik anknüpft: Zwangsheterosexualität bzw. Heterosexismus und Phallogogzentrismus/männliche Hegemonie. Diese bilden das Macht/Diskurs-Regime, in das alle Menschen ohne Ausnahme durch Normen, Tabus, Verbote, Gesetze, Zwänge und Regeln eingebunden sind.
Wie Foucault, stellt auch Butler die Macht mit einer Doppelfunktion als juridische und produktive Macht dar. Erstere hat die Fähigkeit sich mittels beschränkender, verbietender, regulierender und kontrollierender Mechanismen durchzusetzen. Die produktive Macht dagegen wirkt sich nicht nur unterdrückend aus, sonder auch gen- 3 Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt/M. 1991 (Gender
Trouble, 1990), S. 183 ff.
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Arbeit zitieren:
Fabienne Krause, 2003, Die Entstehung des Geschlechtskörpers, München, GRIN Verlag GmbH
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