VORWORT
Im Rahmen des Vorwortes möchte ich mich für die Unterstützung bedanken, die ich während der Examensarbeit von verschiedener Seite erhalten habe. Zunächst gilt mein Dank Herrn Professor Dr. Miethling, der mir das vorliegende Thema gestellt und meine Untersuchung auch in finanzieller Hinsicht ermöglicht hat. Des Weiteren danke ich Tanja Buttkus für ihre Hilfsbereitschaft und konstruktive Kritik sowie für die Zeit, die sie meinen Fragen stets eingeräumt hat. Ebenso danke ich Sabine Kalis, der freundlichen Sekretärin der Abteilung Sportpädagogik, die mir netterweise mit materiellen Dingen ausgeholfen hat. Auch den Sportlehrerinnen und Sportlehrern der Hamburger Gymnasien, darunter denen an meiner ehemaligen Schule, dem Gymnasium Dörpsweg, bin ich aufgrund der regen Teilnahme an meiner Studie zu Dank verpflichtet. Weiterhin danke ich meinen Eltern Christel und Hasso Haupt und meiner Freundin Maike Eggers für die ermutigenden Worte und das fleißige Korrekturlesen. Last, not least bedanke ich mich bei meinem Freund Stephen Thomas, meinen Freundinnen Dorothee Schade und Kathrin Kraft sowie meinen Mitbewohnern Anne Laß und Michael Burmeister für ihr Verständnis und ihre Zuwendung.
II
INHALTSVERZEICHNIS
VERZEICHNIS DER VERWENDETEN ABKÜRZUNGEN. V
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN. VI
VERZEICHNIS DER TABELLEN. VIII
1 EINLEITUNG. 1
2 THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN. 5
2.1 Stress- und Ressourcentheorien. 5
2.1.1 Überblick über die Stressforschung 5
2.1.2 Das transaktionale Stressmodell von Lazarus und Launier (1981) 7
2.1.3 Das Ressourcenmodell von Hobfoll (1988) 11
2.2 Widerstandsressourcen. 13
2.2.1 Die Bedeutung und Entstehung von Gesundheit. 15
2.2.2 Die Theorie der sozialen Unterstützung. 19
2.3 Ein Vergleich der Lehrpläne und der schulischen Gegebenheiten
von Gymnasien in Hamburg und Schleswig-Holstein. 21
2.3.1 Demographische Angaben zu Hamburg und Schleswig-Holstein. 22
2.3.2 Die Geschlechterverteilung der Gymnasiallehrkräfte und
ihr Arbeitsverhältnis. 25
2.3.3 Arbeitszeiten der Lehrerinnen und Lehrer an Gymnasien in
Hamburg und Schleswig-Holstein - Mehr Unterrichtsstunden für
Hamburger Sportlehrkräfte durch das Lehrerarbeitszeitmodell? 28
2.3.4 Ein Vergleich der Lehrpläne der Gymnasien Hamburgs
und Schleswig-Holsteins für das Fach Sport. 39
2.4 Stand der Forschung zu Arbeitsanforderungen, Belastungen
und deren Bewältigung bei Lehrerinnen und Lehrern. 47
2.4.1 Die Abfolge zentraler Themen in der Berufslaufbahn von Lehrern
nach Huberman (1989) 48
2.4.2 Psychische Gesundheit im Lehrerberuf nach Schaarschmidt (2004) 51
III
2.5 Stand der Forschung zu Arbeitsanforderungen, Belastungen und deren Bewältigung bei Sportlehrerinnen und Sportlehrern................ 56
2.6 Ableitung der Forschungsfragen............................................................... 65
3 FORSCHUNGSMETHODE.............................................................................. 68
3.1 Beschreibung der Untersuchungsplanung und des Instruments der
Datenerhebung.......................................................................................... 68
3.2 Beschreibung der Untersuchungsdurchführung........................................ 71
3.3 Empirische Forschungshypothesen und Techniken der 72 Datenauswertung.......................................................................................
75 4 DARSTELLUNG UND DISKUSSION DER ERGEBNISSE.............................. 75 4.1 Deskriptive Statistik................................................................................... 76 4.1.1 Darstellung der Stichprobe Hamburgs und Schleswig-Holsteins...... 4.1.2 Ausprägungen der wahrgenommenen Stressoren und
90 4.2 Prüfende Statistik....................................................................................... 4.2.1 Vergleich der Bundesländer bezüglich der Ausprägungen 1 )........................... 90 von Stressoren und Widerstandsressourcen (H 4 ,
4.2.2 Vergleich bezüglich der Geschlechter (H 1 1 )..................................... 94 ,
4.2.3 Vergleich bezüglich der absolvierten Berufsjahre (H 2 1 )................... 96 ,
4.2.4 Darstellung und Diskussion signifikanter Zusammenhänge
104 5 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT.................................................................
LITERATURVERZEICHNIS................................................................................... 107
ANHANG................................................................................................................ 118
IV
VERZEICHNIS DER VERWENDETEN ABKÜRZUNGEN
Hrsg. Herausgeber AM Arithmetisches Mittel SD Standardabweichung HH Hansestadt Hamburg SH Schleswig-Holstein BBS Behörde für Bildung und Sport GEW Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft BzgA Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BmI Bundesministerium des Inneren DBb Deutscher Beamtenbund BRD Bundesrepublik Deutschland
V
VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN
Abbildung 1: Darstellung des transaktionalen Stressmodells von Lazarus und Launier (1978)................................................................................... 9
Abbildung 2: Das Ressourcenmodell modifiziert nach Hobfoll (1988).................... 12
Abbildung 3: Das Modell der Salutogenese modifiziert nach Antonovsky (1979).. 17
Abbildung 4: Die Abfolge zentraler Themen in der Berufslaufbahn von Lehrern modifiziert nach Huberman (1989).................................................... 49
Abbildung 5: Bewältigungsmuster im Lehrerberuf modifiziert nach
Schaarschmidt (2004)....................................................................... 53
Abbildung 6: Berufsbiographische Entwicklungen von Sportlehrerinnen und Sportlehrern im Zeitraum von 30 Jahren nach Miethling (2002)....... 57
Abbildung 7: Stichprobenerweiterung im Rahmen der Studie von Miethling und Brand (2004) modifiziert nach Henningsen (2005)............................ 68
Abbildung 8: Geschlechterverteilung in der Stichprobe von HH............................. 76
Abbildung 9: Familienstand der Sportlehrkräfte an Gymnasien in HH und SH in Abhängigkeit vom Geschlecht........................................................... 80
Abbildung 10: Die Ausprägungen der wahrgenommenen
Abbildung 11: Die Ausprägungen der psychischen Widerstandsressourcen von
Abbildung 12: Ausprägung der Belastungsbedingungen der Sportlehrkräfte an Gymnasien in HH in Abhängigkeit der Berufsjahre........................... 85
Abbildung 13: Ausprägung der psychischen Widerstandsressourcen der
Abbildung 14: Signifikante Unterschiede in der Ausprägung der
Abbildung 15: Signifikante Unterschiede in der Ausprägung der psychischen
Abbildung 16: Die Ausprägungen der wahrgenommenen
Abbildung 17: Die Ausprägungen der psychischen Widerstandsressourcen von
Abbildung 18: Ausprägung der Belastungsbedingungen der Sportlehrkräfte an Gymnasien in SH in Abhängigkeit der Berufsjahre............................ 98
Abbildung 19: Ausprägung der psychischen Widerstandsressourcen der
VERZEICHNIS DER TABELLEN
Tabelle 1: Bevölkerungsdaten von Hamburg (HH) und Schleswig-Holstein
Tabelle 2: Anzahl der Schüler an öffentlichen und privaten allgemein
Tabelle 3: Vollzeitbeschäftigte Lehrkräfte an Gymnasien innerhalb
Tabelle 4: Verpflichtende Arbeitsstunden pro Woche für eine Lehrkraft an
Tabelle 5: Beispiele von Jahresarbeitszeitberechnungen (JAB) für die Fächer
Tabelle 6: Mittelwerte der Faktoren verschiedener Unterrichtsfächer der
Tabelle 7: Die Entwicklung der Schüler-Lehrer-Relation für die Gymnasien in
Tabelle 8: Der Themenbereich „Sich fit halten - Fitness trainieren“ des
Tabelle 9: Anforderungen des Hamburger Lehrplans Sport zum Themenfeld
Tabelle 10: Der Themenbereich Schwimmen des Lehrplans Sport für
Tabelle 11: Vorgegebene Inhalte des Fachs Sport in der Studienstufe in den
Tabelle 12: Beschreibung des Fragebogenabschnitts über Stressoren in der Sportlehrertätigkeit............................................................................. 70
Tabelle 13: Beschreibung des Fragebogenabschnitts über die psychischen Widerstandsressourcen der Sportlehrkräfte...................................... 71
Tabelle 14: Mittelwerte der demographischen Angaben von Sportlehrkräften an den Gymnasien in HH................................................................... 77
Tabelle 15: Mittelwerte der demographischen Angaben von einer zufälligen Auswahl der Sportlehrkräfte an Gymnasien in SH............................ 78
Tabelle 16: Signifikante Unterschiede in der Ausprägung des
Tabelle 17: Signifikante Zusammenhänge der wahrgenommenen Stressoren
Tabelle 18: Signifikante Zusammenhänge der wahrgenommenen Stressoren
PROBLEMSTELLUNG
1 PROBLEMSTELLUNG
Es stellt keine Neuigkeit dar, dass Lehrer 1 in Folge ihrer Berufsausübung psychischen Belastungen ausgesetzt sind (vgl. Rudow, 1994; Schaarschmidt, 2004; u.a.). Alarmierend ist jedoch der bis zum Jahr 2001 auf 54% angestiegene bundesweite Anteil der Lehrkräfte, die in jenem Jahr aufgrund von Dienstunfähigkeit pensioniert wurden. Als Ursachen werden vorwiegend psychische oder psychisch bedingte Beschwerden und Beeinträchtigungen angegeben, was bedauerlicherweise mit dem hohen Anteil der Lehrer an den Patienten in psychosomatischen Praxen und Kliniken übereinstimmt (näheres dazu vgl. u. a. Hillert & Schmitz, 2004). Die Betroffenen sehen sich einer Erhöhung ihrer Arbeitsaufgaben ausgesetzt, während die Bedingungen um sie herum sich verschlechtern. Z.B. werden vermehrt Verhaltensprobleme der Schüler und eine geringere Unterstützung von Seiten der Eltern wahrgenommen (vgl. Schaarschmidt, 2005, S. 132). Im Jahr 2002 ist der Anteil der als dienstunfähig attestierten Lehrkräfte auf 41% gesunken. Gründe hierfür liegen wahrscheinlich weniger in einem verbesserten Gesundheitszustand der älteren Lehrkräfte als vielmehr in einer Änderung des „Versorgungsrechts“, wonach seit 2001 Pensionierungen aufgrund von Dienstunfähigkeit vor dem 63. Lebensjahr mit „Versorgungsabschlägen“ verbunden sind (Statistische Kurzinfos Nr. 156, 2003,
19. Dezember). Anscheinend kann es sich der Bundeshaushalt nicht mehr leisten, einen so hohen Anteil an der größten Berufsgruppe Deutschlands vorzeitig in einen entsprechend finanzierten Ruhestand gehen zu lassen. Aufgrund der angekündigten Kürzung der Renten ist zu erwarten, dass einige Lehrer trotz gesundheitlicher Probleme bis zum 63. Berufsjahr im Amt bleiben, was eine Verschlechterung der bestehenden Situation bewirken könnte. Folgen dieser Entwicklungen betreffen auch die Qualität der Lehre, die in langer Sicht nur mit psychisch gesunden Lehrkräften auf einem hohen Niveau erfolgen kann (vgl. Schaarschmidt, 2005, S. 132).
___________________________________
1 Aufgrund eines verbesserten Leseflusses wird im Folgenden die maskuline Form bei der
Benennung von Personengruppen verwendet. Es sind hiermit sowohl weibliche als auch männliche
Personen gemeint, es sei denn, der Text weist ausdrücklich auf eine getrennte Betrachtung der
Geschlechter hin.
- 1 -
PROBLEMSTELLUNG
Sportlehrer haben darüber hinaus noch mit anderen Schwierigkeiten wie einem eher negativen Berufsimage in der Gesellschaft und im Kollegium zu kämpfen (vgl. ebenda). Untersuchungen, die durch Unternehmensberater-Firmen durchgeführt wurden, haben jetzt auch empirisch nachgewiesen, dass das Fach Sport durchschnittlich mit einem geringeren Arbeitsaufwand verbunden ist als andere Fächer (gemessen an Unterrichtszeiten, Vor- und Nachbereitungen, Korrekturen, Konferenzen, Klassenfahrten sowie Fort- und Weiterbildungen) (vgl. Cachay, 2003, S. 33). Auf diese Erhebungen stützt sich auch das seit 2003 bestehende Hamburger Lehrerarbeitszeitmodell, das im Rahmen der theoretischen Grundlagen dieser Arbeit eine kurze Erläuterung finden wird. Die zu erbringenden Unterrichtsstunden der Lehrkräfte ergeben sich demnach anhand einer „Fächer-Faktorisierung“, bei der das Fach Sport am schlechtesten abschneidet, was bedeutet, dass von den betroffenen Lehrkräften in diesem Fach im Schnitt mehr Unterrichtsstunden geleistet werden müssen, als in anderen Fächern (vgl. ebenda). Als Folge dieser Umstellungen hat ein Großteil der Hamburger Sportlehrer ihr Engagement bezüglich der Organisation und Ausführung von Sportwettkämpfen nahezu vollständig eingestellt, da der Arbeitsaufwand dieser Veranstaltungen nicht in entsprechendem Maße berücksichtigt wird, und neben den zusätzlich zu leistenden Unterrichtsstunden keine Zeit dafür verbleibt.
In einem Brennpunkt-Beitrag der Zeitschrift Sportpädagogik schreibt Cachay (2003, S. 33) zu diesem Thema:
„Warum ... scheiden eigentlich so viele Sportlehrkräfte vorzeitig aus dem Dienst aus, reduzieren mit zunehmendem Alter ihre Stundenzahl im Sport erheblich oder wechseln sogar völlig in ihr anderes (eigentliches?) Fach? Können sie den ‚Spaßfaktor’ ihres Faches nicht mehr ertragen, oder sind es nicht eher Belastungen, die bislang der Öffentlichkeit gar nicht bewusst sind? Ist es vielleicht gar nicht so spaßig, Sport zu unterrichten, sondern vielmehr harte körperliche und psychische Arbeit?“
Der Zeitfaktor alleine scheint also die Anforderungen an die Sportlehrer nicht adäquat widerzuspiegeln. Hierin sieht sich die vorliegende Untersuchung zu Belastungen und Bewältigungsweisen von Sportlehrerinnen und Sportlehrern begründet. Den Rahmen dieser Arbeit bildet ein umfangreiches Forschungsprojekt zur Erfassung von Stressoren und psychischen Widerstandsressourcen von
- 2 -
PROBLEMSTELLUNG
Sportlehrkräften, das auf den qualitativen Studien Miethlings (1986, 2002) zu Belastungssituationen im Sportunterricht basiert, welche anhand der quantitativen Querschnittsuntersuchung von Miethling und Brand (2004) überprüft wurden. Die vorliegende Arbeit stellt eine Stichprobenerweiterung dieser
Querschnittsuntersuchung auf die Hansestadt Hamburg dar und ermöglicht somit differenzierte Betrachtungen der Ergebnisse. Ein Vergleich der Resultate derselben Schulform in verschiedenen Bundesländern ist bisher noch nicht ohne Einschränkungen der Stichprobe erfolgt. Ziel dieser Arbeit ist es, Erkenntnisse über die Bewältigungsweisen von Alltagsproblemen der untersuchten Sportlehrer zu gewinnen, die im Rahmen der Aus- und Fortbildung dieser Berufsgruppe von besonderem Interesse sind. Zudem werden Belastungen und Bewältigungsweisen von Sportlehrkräften in Abhängigkeit des Geschlechts betrachtet, was zu einer Klärung der diesbezüglich vorherrschenden, widersprüchlichen Forschungslage beitragen kann. So gehen die meisten Autoren von einer stärkeren Belastungen auf Seiten der Lehrerinnen aus (vgl. u. a. Schaarschmidt 2004), während Huberman (1989) weiblichen Lehrkräften eine bessere Bewältigung von Stresssituationen als ihren männlichen Kollegen nachweist. Miethling und Brand (2004) wiederum können in ihrer Untersuchung keinerlei Geschlechtsunterschiede feststellen. Der Aufbau der vorliegenden Arbeit gliedert sich folgendermaßen: Den Anfang bildet die Darstellung der theoretischen Grundlagen, wobei zunächst ein Überblick über die Stressforschung und eine Erläuterung der Stress- und Ressourcenmodelle von Lazarus und Launier (1981) sowie Hobfoll (1988) erfolgt. Im Anschluss werden bedeutsame Widerstandsressourcen wie die soziale Unterstützung vorgestellt, und ein Blick auf die Theorien von Antonovsky (1997) und Becker (1992) zur Bedeutung und Entstehung von Gesundheit geworfen. Das darauf folgende Kapitel beschäftigt sich mit einem Vergleich der Lehrpläne und schulischen Gegebenheiten der Gymnasien in Hamburg und Schleswig-Holstein, und ist somit im Hinblick auf die vergleichende Analyse der Ergebnisse beider Bundesländer von Interesse. Weiterhin werden die für die vorliegende Arbeit relevanten Untersuchungen zu Arbeitsanforderungen, Belastungen und deren Bewältigung bei Lehrerinnen und Lehrern vorgestellt, worunter die Studie Hubermans (1989) zur Abfolge zentraler Themen in der Berufslaufbahn von Lehrern sowie das Werk Schaarschmidts (2004) zur psychischen Gesundheit im Lehrerberuf fallen. Im Anschluss erfolgt eine
- 3 -
PROBLEMSTELLUNG
Darstellung aktueller Forschungen, die sich mit diesen Themen speziell in Bezug auf Sportlehrer befassen. Dabei werden neben der Untersuchung Heims und Klimeks (1999) die zuvor genannten, dieser Arbeit zugrundeliegenden Studien von Miethling (1986, 2002) sowie Miethling und Brand (2004) beschrieben. Aus der Darstellung der theoretischen Grundlagen erfolgt sodann die Herleitung der Forschungsfragen. Im weiteren Verlauf dieser Studie werden im Rahmen der Untersuchungsmethode die empirischen Forschungshypothesen aufgestellt. Die sich anschließende Darstellung und Diskussion der Ergebnisse findet zunächst deskriptiv und des Weiteren hinsichtlich der Forschungshypothesen statt. Nachdem die Resultate dargestellt und vergleichend analysiert wurden, bilden die Zusammenfassung und Einordnung der Resultate in den aktuellen Forschungsstand den abschließenden Teil der Arbeit.
- 4 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
2 THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
Im Folgenden werden die für diese Arbeit relevanten theoretischen Grundlagen und die daraus hergeleiteten Forschungshypothesen dargestellt. Den Anfang bilden ausgewählte stress- und ressourcentheoretische Modelle, die sich mit der Entstehung von Stress und dem Einfluss von Ressourcen auf diesen Kontext beschäftigen. Es handelt sich dabei um Theorien zur Belastungsforschung, die als Grundlage für Untersuchungen zu Bewältigungsvorgängen dienen (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 28). Im Anschluss an Studien zu verschiedenen Widerstandsressourcen, die auch die Bedeutung und Entstehung von Gesundheit zum Thema haben, folgt ein Vergleich der Lehrpläne und schulischen Gegebenheiten der Gymnasien in Hamburg und Schleswig-Holstein. Schließlich wird der aktuelle Forschungsstand zu Arbeitsanforderungen, Belastungen und deren Bewältigung bei Lehrern im Allgemeinen und Sportlehrern im Besonderen vorgestellt.
2.1 Stress- und Ressourcenmodelle
Dieses Kapitel dient der Erläuterung ausgewählter stress-und
ressourcentheoretischer Ansätze, die verschiedene inhaltliche Schwerpunkte aufweisen. Nach einem Überblick über die Entwicklung der Stressforschung erfolgt die Darstellung des transaktionalen Stressmodells von Lazarus und Launier (1981), das für diese Arbeit insofern von Bedeutung ist, als das es Aufschlüsse darüber liefert, unter welchen Voraussetzungen eine Anforderung bzw. Situation für die betroffene Person psychischen Stress bewirken kann. Schließlich wird das Ressourcenmodell von Hobfoll (1988) beschrieben, das die Bedeutung von Widerstandsressourcen für die Entstehung von Stress zum Thema hat.
2.1.1 Überblick über die Stressforschung
Es existiert eine Vielzahl von Arbeiten aus verschiedenen Forschungsrichtungen, die sich mit dem Phänomen Stress beschäftigt. Ein Grund hierfür ist die Tatsache, dass Stress eine Wirkung auf den Menschen als „Ganzes“ ausübt, was diesen Forschungsgegenstand unter anderem für psychologische, physiologische,
- 5 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
pädagogische und soziologische Disziplinen interessant macht (vgl. Starke, 2000, S. 2). Weiterhin lässt dieser Umstand erahnen, wie komplex Vorgänge der Stressentstehung sind, und dass es viele Ausgangspunkte zu deren Betrachtung gibt. Dabei lassen sich drei Ansätze unterscheiden, die im Folgenden kurz dargestellt werden: Der reaktionsbezogene Ansatz, der situationsbezogene Ansatz und der relationale Ansatz.
Einen frühen Vertreter des reaktionsbezogenen Ansatzes stellt Selye (1950) dar, der auf der Basis der Werke Cannons (1914, 1929) Stress als einen körperlichen Belastungszustand darstellt, der durch „Anspannung, Widerstand gegenüber Belastungen und - bei länger anhaltender oder häufig widerkehrender Belastungkörperliche Schädigung“ gekennzeichnet ist (Krohne, 1990, S. 263). Als Stressoren werden Einflüsse mit schädigender Wirkung auf den Körper bezeichnet. Die Entstehung von Stress erfolgt in Form einer Reaktion des Organismus auf einen externen Stressor, der nicht genauer beschrieben wird, außer dass er sowohl negativ als auch positiv sein kann. Der aus positiven Ereignissen resultierende „angenehme Stress“ wird als „Eustress“ bezeichnet, wohingegen intensiver, als unangenehm empfundener Stress, der über eine lange Zeitspanne hinweg andauern kann, „Distress“ genannt wird (Nitsch, 1981, S. 15). Da die Arbeiten Cannons und Selyes sich ausschließlich mit Tieren beschäftigen, finden psychologische Faktoren dort keine Berücksichtigung. Deren Bedeutsamkeit spiegelt sich jedoch in Studien der Gesundheitspsychologie wider, die direkte und indirekte Zusammenhänge zwischen psychologischen Vorgängen und einer Vielzahl physischer Symptome und Erkrankungen nachweisen konnten (vgl. Krohne, 1990, S. 271). Einen weiteren Zugang zur Entstehung von Stress bietet der situationsbezogene Ansatz. Demnach stellt Stress einen Reiz dar, den bestimmte Umweltbegebenheiten auslösen können. Die Begriffe Stress und Stressor werden dabei synonym verwendet. Als besonders bedeutsam für die Entstehung von Stress gelten kritische Ereignisse (live-events), die eine Veränderung im Leben der betroffenen Person bewirken (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 30). Unter arbeitswissenschaftlichen Aspekten zählen auch Lärm und Zeitdruck zu den Stressoren. Auf Einflussgrößen von Seiten der betroffenen Person geht dieser Ansatz allerdings nicht ein. Es werden zudem in den vorgestellten Theorien die dynamischen Anteile der Stressbewältigung vernachlässigt und Vorgänge außer Acht gelassen, durch die „objektive“
- 6 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
Geschehnisse subjektive Bedeutungen erhalten (vgl. Krohne, 1990, S. 263). Nur in neueren reaktionsbezogenen Konzeptionen spielt die Interaktion zwischen Person und Umwelt bereits eine Rolle (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 30). Besondere Beachtung finden derartige Wechselwirkungen in den relationalen Modellen, die besonders durch die Forschergruppe um Lazarus (1966) geprägt wurden. Stress wird hier als eine empfundene Überforderung einer Person in ihrer jeweiligen Situation verstanden. Grundlegend dafür ist die subjektive Einschätzung eines Ungleichgewichtes zwischen als bedeutsam empfundenen Anforderungen und den der betroffenen Person zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten (vgl. Jerusalem, 1990). Umso geringer die eigene Kompetenz befunden wird, desto wahrscheinlicher werden objektiv gleiche Anforderungen als bedrohlich erlebt und umgekehrt. In der von Lazarus & Launier (1981) vollzogenen Weiterentwicklung des relationalen zum kognitiv-transaktionalen Ansatz wird außerdem die Entwicklung der subjektiven Bewertungsprozesse über die Zeit berücksichtigt, die durch gegenseitige Beeinflussungen von Person und Umwelt veränderbar ist (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 33). Die Entstehung von Stress stellt somit einen komplexen Vorgang „zwischen einer sich verändernden Situation und einer denkenden, fühlenden und handelnden Person“ dar (Kramis-Aebischer, 1996, S. 33). Da die vorliegende Arbeit sich mit Stressoren auf der Basis von Person-Umwelt-Interaktionen beschäftigt, liegt ihr eine transaktionale Auffassung von Stress zu Grunde, die im Folgenden anhand des Konzepts von Lazarus & Launier (1981) und des Ressourcenmodells von Hobfoll (1988) näher erläutert wird.
2.1.2 Das transaktionale Stressmodell von Lazarus und Launier (1981)
Seit den sechziger Jahren vertritt Lazarus das kognitiv-transaktionale Stressmodell. Im deutschen Raum wurde es u.a. aufgegriffen von Jerusalem (1990) und Krohne (1990). Kernpunkt des Modells ist die bereits angesprochene Interaktion zwischen Person und Umwelt, die hier als Transaktion bezeichnet wird, da es sich um eine komplexe, gegenseitige Beeinflussung beider Komponenten handelt (vgl. Lazarus & Launier, 1981, S. 214). Psychischer Stress basiert demnach auf den kognitiven Einschätzungen (appraisals) des betroffenen Menschen, die durch verschiedene Faktoren sowie Gefühle beeinflusst werden (vgl. Kramis-Aebischer, 1996). Die
- 7 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
betroffene Person erhält aus ihrer Umwelt zudem Rückmeldungen über die Angemessenheit erfolgter Bewältigungshandlungen, welche wieder auf die subjektive Bewertung der Situation einwirken. Schwarzer (1997, S. 155) schreibt dazu: „Objektive Bedingungen liegen den kognitiven Einschätzungen zugrunde, aber entscheidend bleibt, wie das Subjekt die Dinge sieht; nicht die tatsächlichen Gefahren der Umwelt und nicht die tatsächlichen Eigenschaften einer Person machen die Stresserfahrung aus, sondern vielleicht die persönliche, verzerrte Sichtweise“.
Weiterhin wichtig ist die zeitliche Entwicklung der Bewertungsprozesse. Durch Wechselwirkungen zwischen Person und Umwelt können sich die subjektiven Einschätzungen verändern und eine vollständige Neueinschätzung der Situation bewirken (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 35). Abbildung 1 stellt das Modell graphisch dar und dient als Orientierungshilfe für die im Folgenden beschriebenen Abläufe innerhalb dieses Stresskonzepts.
Im Verlauf des Prozesses treten drei Arten von Bewertungsvorgängen einer vorliegenden Situation auf: Die primären Einschätzungen, die sekundären Einschätzungen und die Neueinschätzungen. Im Rahmen der primären Einschätzungen bewertet die betroffene Person objektive Stressfaktoren vor dem Hintergrund der eigenen Ziele, Persönlichkeitsmerkmale und der momentanen Lebenssituation. Das persönliche Wohlbefinden spielt dabei eine große Rolle. Die Situation wird je nach erachteter Bedeutsamkeit für das subjektive Wohlbefinden als irrelevant, stressrelevant oder angenehm bzw. positiv eingestuft. Eine für stressrelevant befundene Situation fällt weiter unter eine der Kategorien „Bedrohung“, „Schaden-Verlust“ oder „Herausforderung“, die als stressbezogene Kognitionen bezeichnet werden (Lazarus & Launier, 1981, S. 235 - 236). Eine Bedrohung prägt sich häufig im Zusammenhang mit einer vorherrschenden Misserfolgserwartung aus, während eine Herausforderung durch eine erfolgszuversichtliche Einstellung gekennzeichnet ist. Beide Empfindungen sind mit zukünftigen Ereignissen verbunden, während die Kognition „Schaden-Verlust“ sich auf vergangene oder gegenwärtige Situationen bezieht, mit denen die betroffene Person negative Gefühle verbindet. Ziel ist dabei, das subjektive Wohlergehen wieder zu verbessern.
- 8 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
Abbildung 1: Darstellung des transaktionalen Stressmodells von Lazarus und Launier (1978)
- 9 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
Je nach emotionalem Befinden kann es zu verschiedenen Reaktionen auf die Bewertungsprozesse kommen. Negativbeispiele sind Ärger, Trauer, Resignation oder Angst. Positive Beispiele stellen Interesse, Hoffnung oder Neugier dar. Es treten auch Vermischungen von Bewertungen und Befindlichkeiten auf. Herausforderungen sind mit einer Einschätzung des möglichen Nutzens oder Gewinns verbunden, Bedrohungen hingegen werden Ursachen zugeschrieben, die deren Bewertung wiederum beeinflussen können. Die sekundäre Situationseinschätzung erfolgt auf der Basis subjektiver Bewältigungsmöglichkeiten und -kompetenzen. Beide Bewertungsvorgänge laufen zur selben Zeit ab und sind von der gleichen Bedeutung für den gesamten Prozess. Im Zentrum der sekundären Einschätzungen steht die subjektive Wahrnehmung der eigenen, erforderlichen Ressourcen hinsichtlich ihres zu erwartenden Nutzens für die Bewältigung der vorliegenden Situation (vgl. Jerusalem, 1990). Schließlich führt das betroffene Individuum
Bewältigungshandlungen aus, die allerdings auch aus unterlassenem Handeln bestehen können und über die das Individuum wiederum Rückmeldungen erhält. Solche können in Form von Einschätzungen außenstehender Personen, Fortschritten bei der Lösung des Problems und / oder Veränderungen des emotionalen Befindens erfolgen. Sind neue, relevante Informationen aufgetreten, resultiert daraus eine Neueinschätzung der Situation, die in Form einer Wiederholung der primären und sekundären Einschätzungsprozesse verläuft. Das Erleben einer Stresssituation kann auf diese Weise kontinuierlich verändert werden (vgl. Lazarus & Launier, 1981).
Als Coping oder Bewältigungsverhalten beschreiben Lazarus & Folkmann (1984) andauernd variierende Bemühungen einer Person in der Auseinandersetzung mit bestimmten internen und / oder externen Anforderungen, die ihre Ressourcen in hohem Maße beanspruchen oder sogar übersteigen. Lazarus (1966) unterscheidet zwei Funktionen des Coping: Eine ist auf die Lösung des bestehenden Problems gerichtet und die andere dient der Abschwächung emotionaler Belastungen. Als Folgen der Bewältigungsbemühungen können sich kurzfristige oder langfristige Effekte einstellen. Kurzfristige Effekte stellen Affekte oder körperliche Veränderungen dar, langfristige Effekte beeinflussen das psychische, körperliche und soziale Wohlergehen (vgl. Lazarus & Launier, 1981). Kritisch anzumerken ist an diesem Modell, dass es auf den genauen Ablauf der Bewältigungsprozesse nicht eingeht.
- 10 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
Zudem haben sich nur wenige empirische Studien mit der Überprüfung des Konzepts beschäftigt und allgemeingültige Resultate erbracht. Dabei sind besonders Möglichkeiten zur Erhebung der Bewertungsvorgänge noch in der Entstehung. Des Weiteren wird der Einfluss von Ressourcen in dieser Theorie nur ansatzweise behandelt, weshalb das Ressourcenmodell von Hobfoll (1988) als eine „konzeptuelle Ergänzung“ zum Modell von Lazarus und Launier (1981) angesehen werden kann (Kramis-Aebischer, 1996, S. 38).
2.1.3 Das Ressourcenmodell von Hobfoll (1988)
Ebenfalls um ein transaktionales Stressmodell handelt es sich bei dem Ressourcenmodell von Hobfoll (1988) (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 38). Es unterscheidet sich insofern von dem Konzept von Lazarus und Launier (1981), als dass die subjektiven Einschätzungen weniger Beachtung finden. Im Mittelpunkt steht hier die Bewältigung von Stress und das Vermeiden des Verlustes von Ressourcen, das für die Entstehung von Stress verantwortlich gemacht wird. Der Aspekt der Herausforderung findet hier nur geringe Beachtung. Hobfoll (1988) fasst Ressourcen unter den Kategorien der Gegenstände, Bedingungen, Persönlichkeitsmerkmale und Energien zusammen. Mit Gegenständen sind Dinge gemeint, die ein Gefühl von Sicherheit vermitteln können wie Nahrungsmittel, Kleidungsstücke und Wertgegenstände. Bedingungen sind nichtmaterielle Ressourcen wie z.B. beruflicher Aufstieg, Eheschließung und Beamtenstatus (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 38). Unter Persönlichkeitsmerkmale fallen subjektive Überzeugungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten wie Klugheit, Geschicklichkeit, eine optimistische Grundeinstellung, aber auch zwischenmenschliche Aspekte wie Liebe und Wertschätzung. Energien stellen Hilfen dar, durch die weitere Unterstützung wie z.B. in Form von Zeit, Geld und Wissen erschlossen werden kann. Wie Abbildung 2 darstellt, kann ein Individuum sich im Wechselspiel mit der Umwelt aktiv Ressourcen aneignen, die daraufhin geschützt und im Falle eines Verlustes nach Möglichkeit wiederhergestellt werden. Hobfoll (1988) geht davon aus, dass die vorhandenen Ressourcen nach eigenem Ermessen der jeweiligen Person eingesetzt werden können. Je mehr Ressourcen vorhanden sind, umso besser können Stresssituationen gemeistert werden. Aus diesem Grund strebt jede Person nach einer Vermehrung der vorhandenen und dem
- 11 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
Aufbau neuer Ressourcen, um das vorhandene Bewältigungsrepertoire auszubauen und den psychologischen Stress zu minimieren (vgl. Freedy & Hobfoll, 1994).
Abbildung 2: Das Ressourcenmodell modifiziert nach Hobfoll (1988).
- 12 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
Stress tritt infolge von Situationen in der Mensch-Umwelt-Interaktion auf, die eine Bedrohung, einen Verlust oder eine Fehlinvestition von Ressourcen der betroffenen Person bewirken. Die erfolglose Investition der Hilfsquellen ist deshalb so folgenschwer, weil Ressourcen zur Sicherung anderer Ressourcen benötigt werden wie z.B. das Aufwenden von Zeit, Energie und Zuwendung zum Erhalt einer Partnerschaft (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 39). Diese Tatsache ist in Abbildung 2 unter dem Begriff der Ressourcen-Kosten zu verstehen. Wie schon beschrieben wurde, ist das Vorhandensein eines großen „Ressourcenpools“ für ein erfolgreiches Coping förderlich, während nur wenige verfügbare Ressourcen in Übereinstimmung mit dem Konzept von Lazarus und Launier (1981) die Einschätzung von Stresssituationen negativ beeinflussen. Misslungenes Coping wirkt sich aufgrund von Ressourcen-Kosten wieder negativ auf die vorhandenen Ressourcen aus. Zudem können negative Spiralen auftreten, bei denen der Verlust, den eine Person erfährt, zu weiteren Einbußen an Ressourcen führt oder zeitgleich mit zusätzlichen Verlusten auftritt (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 39). Derartige Spiralen existieren jedoch auch in positiver Form, z.B. wenn ein Individuum eine als hoch empfundene Anforderung erfolgreich bewältigt und dadurch Anerkennung aus ihrem sozialen Umfeld erfährt. In Hinsicht auf die Persönlichkeitsentwicklung kann die Erfahrung eines Verlustes und dessen als positiv oder negativ bewertete Bewältigung besondere Verletzbarkeit oder aber den Aufbau spezieller Widerstandskräfte bewirken (vgl. Schwarzer, 1990, S. 21). Auf derartige Widerstandsressourcen wird im folgenden Kapitel eingegangen.
2.2 Widerstandsressourcen
Wie an dem transaktionalen Stressmodell von Lazarus und Launier (1981) sowie dem Ressourcen-Modell von Hobfoll (1988) verdeutlicht wurde, spielen die subjektiven Ressourcen und die persönliche Art der Wahrnehmung und Bewertung von beanspruchenden Situationen für deren Bewältigung eine entscheidende Rolle. Die Folgen der Bewältigungshandlungen können Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit der betroffenen Person haben. Erfolgreiche bzw. angemessene Bewältigungsstrategien stellen daher gesundheitliche Ressourcen dar, die den Umgang mit Alltagsproblemen erleichtern.
- 13 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
In diesem Kapitel werden die Ressourcen genauer betrachtet, die einem Individuum dabei helfen, als belastend empfundene Situationen besser zu bewältigen und / oder negative Folgen auf die Gesundheit zu mildern. Dabei stehen Theorien zur Bedeutung und Entstehung von Gesundheit vorgestellt, die sich an dem transaktionalen Stresskonzept von Lazarus & Launier (1981) und an vorangegangenen Arbeiten von Lazarus (1966) orientieren, im Zentrum der Betrachtung. Zunächst wird das Salutogenese-Modell von Antonovsky (1979) dargestellt, in dessen Rahmen Bedingungen von Gesundheit sowie Faktoren, die die Gesundheit schützen und erhalten können, aufgezeigt werden. Dabei ist unter anderem von sogenannten generalisierten Widerstandsressourcen die Rede, unter denen individuelle Faktoren wie Intelligenz und Bewältigungskompetenzen sowie soziale und kulturelle Komponenten wie soziale Unterstützung, finanzielle Möglichkeiten und kulturelle Stabilität verstanden werden (vgl. Antonovsky, 1997). Sie sind in dem Sinne generalisiert, als dass sie in allen möglichen Situationen von Nutzen sein können, indem sie die Widerstandsfähigkeit der betroffenen Person erhöhen. Im Anschluss wird das interaktionistische Anforderungs-Ressourcen-Modell der Gesundheit von Becker (1992) vorgestellt. Demnach stellt die „seelische Gesundheit“ eine bedeutsame Ressource zur Bewältigung von Anforderungen dar und steht im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand der betroffenen Person. Schließlich wird die Bedeutung von sozialer Unterstützung für die Bewältigung von Stresssituationen erläutert, da diese Ressource Gegenstand vieler Untersuchungen sowie für die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit von besonderem Interesse ist. Ein allgemeiner Zusammenhang zwischen Stressoren und Ressourcen besteht bezüglich des Fehlens oder Vorhandenseins eines Merkmals. Beispielsweise wird das Vorhandensein von sozialer Unterstützung als Ressource klassifiziert, das Fehlen von sozialer Unterstützung aber stellt einen Stressor dar. In diesem Sachverhalt zeigt sich erneut der Aspekt der Transaktion, der in dem Stresskonzept von Lazarus & Launier (1981) beschrieben wurde.
2.2.1 Die Bedeutung und Entstehung von Gesundheit
Das Salutogenese-Modell von Antonovsky (1979) lässt sich durch die Frage charakterisieren, was Menschen trotz vieler belastender und potentiell
- 14 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
gesundheitsgefährdender Lebensumstände und Umwelteinflüsse dazu befähigt, gesund zu bleiben. Im Mittelpunkt stehen also Faktoren, die mit der Erhaltung und Entstehung von Gesundheit zusammenhängen. Das Konzept bildet damit einen Gegensatz zu vorherrschenden Werken der Pathogenese, die sich der Entstehung und Behandlung von Krankheiten widmen. Grundlage von Antonovskys (1979) Konzept der Salutogenese ist die Auffassung, dass Stressoren einen körperlichen Spannungszustand auslösen, der auf der Ungewissheit beruht, wie die betroffene Person sich in einer subjektiv belastenden Situation verhalten soll. An der Bewältigung solcher Zustände sind verschiedene Faktoren und Ressourcen beteiligt. Darüber hinaus betrachtet Antonovsky (1979) den Gesundheitszustand einer Person innerhalb eines Kontinuums mit den Endpolen körperlichen Wohl- und Missbefindens, den er als Gesundheits-Krankheits-Kontinuum bezeichnet. Es treten dabei immer nur „Mischzustände“ auf, d.h. ein Mensch, der sich gesund fühlt, weist immer auch kranke Anteile auf und umgekehrt. Im Folgenden soll das Modell genauer erläutert werden. Abbildung 3 gibt den Inhalt graphisch wieder. Im Zentrum des Modells steht das Kohärenzgefühl, das eine Art individuelle Grundhaltung darstellt, die bewirkt, dass die Welt als zusammenhängend, vorhersagbar und sinnvoll erlebt wird. Antonovsky (1979, S. 10) beschreibt diese als „... a global orientation that expresses the extent to which one has a pervasive, enduring though dynamic, feeling of confidence that one’s internal and external environments are predictable and that there is a high probability that things will work out as well as can reasonably be expected.” Durch ein eingeschränktes Kohärenzgefühl herrscht bei dem betroffenen Individuum das Gefühl vor, nur über wenige Ressourcen zur Bewältigung von Stresssituationen zu verfügen. Dieser Umstand muss allerdings nicht der Wahrheit entsprechen, sondern kann beispielsweise eine Folge eines geringen Selbstvertrauens darstellen. Das Kohärenzgefühl setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Dem Gefühl der Verstehbarkeit, dem Gefühl von Handhabbarkeit bzw. Bewältigbarkeit, und dem Gefühl von Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit (vgl. ebenda). Verstehbar ist eine Situation, wenn sie als durchschaubar wahrgenommen wird. Handhabbarkeit beschreibt die subjektive Überzeugung, dass ein Problem lösbar ist. Dabei spielt das Vertrauen in die eigenen Ressourcen ebenso wie das Wissen um die Unterstützung von anderen eine große Rolle. Sinnhaftigkeit beschreibt, inwiefern das eigene Leben
- 15 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
und der Einsatz von Bewältigungsstrategien als sinnvoll empfunden werden. Dieser Faktor spiegelt die allgemeine Motivation und eine optimistische oder pessimistische Grundeinstellung wider. Demnach verwundert es nicht, dass diese Komponente als die wichtigste angesehen wird und dass niedrige Ausprägungen dieses Faktors trotz hoher Ausprägungen der anderen nur zu einem geringen Ausmaß an Kohärenzgefühl führen. Bei der Entwicklung des Kohärenzgefühls spielen die unter 2.2 beschriebenen „generalisierten Widerstandsressourcen“, mit denen individuelle, soziale und kulturelle Faktoren gemeint sind, eine wichtige Rolle. Wie Abbildung 3 verdeutlicht, bestehen umfangreiche Quellen von generalisierten
Widerstandsressourcen, aus denen jedes Individuum in Abhängigkeit des eigenen soziokulturellen und historischen Hintergrunds sowie erfahrender Erziehungsmuster und sozialer Rollen einen eigenen Ressourcenbestand ausbildet (vgl. Antonovsky, 1979). Auch persönliche Einstellungen und zufällige Ereignisse sind dabei von Bedeutung. Diese zur Verfügung stehenden Widerstandsressourcen prägen individuelle, bedeutsame Lebenserfahrungen, die sich auf das Kohärenzgefühl auswirken. Positive Wirkungen gehen von gehaltvollen Erfahrungen aus, auf die die betroffene Person wirkungsvoll Einfluss nehmen konnte und die sie weder übernoch unterfordert hat. Die Ausprägung des Kohärenzgefühls beeinflusst die optimale Nutzung der Widerstandsressourcen. Es können daher positive oder negative Verstärkungen auftreten, z.B. bewirkt das Vorhandensein weniger
Widerstandsressourcen ein schwach ausgeprägtes Kohärenzgefühl, das wiederum zu einer erschwerten Nutzung dieser Ressourcen führt. Mobilisierte Widerstandsressourcen sind jedoch bedeutsam für den Umgang mit Stressoren und dadurch bedingte vorherrschende Spannungszustände. Erfolgreiche
Bewältigungsbemühungen üben darüber hinaus positive Rückwirkungen auf das Kohärenzgefühl aus. Zudem sorgen sie dafür, dass der derzeitige Stand auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum konstant bleibt und im günstigen Falle, also bei überwiegen der „gesunden“ Anteile, neue Widerstandsressourcen leichter erschlossen werden können. Bleiben Spannungsbewältigungen ohne Erfolg, treten Stresszustände auf und führen im Zusammenspiel mit vorhandenen krankheitserregenden Einflussfaktoren und Verletzbarkeiten zu einer
Verschlechterung der Lage auf dem Gesundheits-Krankheits-Kontinuum.
- 16 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
Abbildung 3: Das Modell der Salutogenese modifiziert nach Antonovsky (1979)
In seiner zweiten Arbeit stellt Antonovsky (1987) den generalisierten Widerstandsressourcen die sogenannten generalisierten Widerstandsdefizite gegenüber, die das Kohärenzgefühl negativ beeinflussende Stressoren darstellen. Lebenserfahrungen können demnach in Abhängigkeit von ihrer Bedeutung für das Kohärenzgefühl in ein Kontinuum zwischen den Polen der Widerstandsressourcen und Widerstandsdefizite eingeordnet werden.
Studien zu Antonovskys Salutogenese-Modell wurden vor allem in Schweden und Israel durchgeführt und konnten einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Kohärenzgefühl und der psychischen Gesundheit nachweisen. Ein direkter Einfluss des Kohärenzgefühls auf die körperliche Gesundheit stellte sich jedoch nicht heraus. Kritisch anzumerken ist zudem, dass das Modell von einem Informationstransfer zwischen den beteiligten Ebenen und Teilsystemen ausgeht, dessen Ablauf aber nicht genauer beschrieben wird. So finden auch Prozesse, die Stresszustände pathogen wirken lassen, keine Berücksichtigung. Ob ein linearer Zusammenhang
- 17 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
zwischen der Abnahme von Gesundheit und der Zunahme von Krankheit besteht, erscheint zudem fragwürdig. Die empirische Überprüfung des Modells ist von Problemen gekennzeichnet, da das Kohärenzgefühl ein sehr komplexes Konstrukt ist, das sowohl kognitive als auch subjektive Aspekte enthält und auf langjährigen Prozessen beruht. Schließlich findet auch keine Unterscheidung zwischen akuten Stressreaktionen und anhaltender Stressbelastung statt. Becker (1992) versteht sein interaktionistisches Anforderungs-Ressourcen-Modell der Gesundheit als eine Erweiterung des Salutogenese-Modells von Antonovsky (1979). Beide Modelle liefern eine Erklärung für Gesundheit, Becker (1992) unterscheidet dabei jedoch zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit. Ausgangspunkt von Beckers (1992) Modell ist die Annahme, dass externe und interne Anforderungen (wie z.B. psychische und physische Bedürfnisse oder Rollenerwartungen) bestehen, zu deren Bewältigung externe und interne Ressourcen mobilisiert werden. Interne Ressourcen stellen dabei Eigenschaften einer Person dar, wie z.B. spezielle Fähigkeiten, Einstellungen, Erwartungen, Selbstwertgefühl und emotionale Stabilität. Externe Ressourcen bezieht eine Person aus ihrer Umwelt. Zu diesen zählen soziale Unterstützung, zufriedenstellende Arbeitsbedingungen und materielle Mittel (vgl. Aschauer, Blumenberger, Harringer, Keppelmueller, Niederberger & Ratzenboeck, 2004). Für die Bewältigung einer Anforderung spielt nach Becker (1995, S. 53) die interne Ressource der „seelischen Gesundheit“ eine wichtige Rolle, die als Fähigkeit zur Bewältigung interner und externer Anforderungen bezeichnet wird und die Aspekte „seelisch-körperliches Wohlbefinden“, „Selbstaktualisierung“ und „selbst-und fremdbezogene
Wertschätzung“ beinhaltet. Gekennzeichnet ist diese Ressource durch eine positive Sicht von der eigenen Person, der Umwelt und der Zukunft (vgl. Becker, 1992). Durch Einflüsse auf das aktuelle Bewältigungs- und Gesundheitsverhalten und eine Abschwächung von Emotionen angesichts belastender Situationen wirkt sich seelische Gesundheit direkt und indirekt auf den Gesundheitszustand der betroffenen Person aus. Besonders förderlich für das körperliche und seelische Wohlbefinden eines Individuums sind erfolgreiche Bewältigungsversuche, die nach diesem Modell von den bestehenden Anforderungen und verfügbaren Ressourcen abhängen (vgl. Becker, 1992).
- 18 -
THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
Studien ergaben, dass seelisch gesunde Personen über bessere externe Ressourcen verfügen als seelisch weniger gesunde (vgl. Becker, 1991). Außerdem wurden Anzeichen dafür gefunden, dass eine stärkere Ausprägung der seelischen Gesundheit zu weniger Unruhe, Deprimiertheit und Ängstlichkeit bei der Bewältigung von Alltagsbelastungen führt (vgl. Perrez, 1988). In Übereinstimmung mit dem Modell der Salutogenese von Antonovsky (1979) kommt kognitiven Verarbeitungsmustern im wechselseitigen Zusammenspiel von Anforderungen und Ressourcen eine große Bedeutung für die Erhaltung und Entstehung von Gesundheit zu. Aufgrund der Komplexität dieser Beziehungen stößt aber auch das Modell von Becker (1992) auf methodische Schwierigkeiten bei der empirischen Überprüfung.
2.2.2 Die Theorie der sozialen Unterstützung
Die Forschung zur sozialen Unterstützung fragt nach der Bedeutung von sozialen Kontakten einer Person für deren Gesundheit und Befindlichkeit (vgl. Schwarzer & Leppin, 1990, S. 395). Eine Voraussetzung für diesbezügliche Untersuchungen stellt die soziale Integration der betroffenen Person dar, also der Zustand, eingebettet zu sein in ein Netz von Sozialbeziehungen (vgl. Kramis-Aebischer, 1996, S. 76). Liegt dieser Zustand vor, können soziale Interaktionen und Beziehungen zwischen Menschen auftreten, die nach Hobfoll (1988, S. 121) soziale Unterstützung darstellen, wenn sie mit der tatsächlichen Unterstützung einer Person oder mit dem Erfahren von Liebe, Fürsorge oder Zuwendung verbunden sind. In dieser Definition spiegeln sich zwei Arten von sozialer Unterstützung wider: Eine ist die tatsächlich erfahrene, beobachtbare Unterstützung, die im Allgemeinen als erhaltene Unterstützung bezeichnet wird und empirisch bisher kaum untersucht wurde (vgl. Schwarzer & Leppin, 1990, S. 399). Eine zweite, umfangreich erforschte Form stellt die erwartete Unterstützung dar, die das Gefühl einer Person beschreibt, „anerkannt und geliebt zu werden und sozial gut eingebettet zu sein“ (vgl. Schwarzer & Leppin, 1990, S. 398). Beide Arten der sozialen Unterstützung weisen die Dimensionen emotionaler, instrumenteller und informationeller Unterstützung auf. Beispiele sind der Erhalt von Mitleid auf der emotionalen Seite, eine Situation, in der einer Person ein Gefallen getan wird auf der instrumentellen und die Teilhabe an Informationen
- 19 -
Arbeit zitieren:
Miriam Haupt, 2005, Eine vergleichende Analyse von unterrichtlichen Belastungen und Bewältigungsweisen von Sportlehrerinnen und Sportlehrern an Gymnasien in Hamburg und Schleswig-Holstein, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Victorian gender roles and Dickens’s image of women as represented in ...
Hausarbeit, 22 Seiten
Berufliche Belastungen von schulischen Sportlehrkräften
Sport - Sportpädagogik, Didaktik
Examensarbeit, 87 Seiten
Oscar Wilde: 'The Importance of Being Earnest' - Making fun of...
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Vorkenntnisse im mathematischen Anfangsunterricht
Mathematik - Mathematik als Schulfach
Seminararbeit, 17 Seiten
Miriam Haupt's Text Eine vergleichende Analyse von unterrichtlichen Belastungen und Bewältigungsweisen von Sportlehrerinnen und Sportlehrern an Gymnasien in Hamburg und Schleswig-Holstein ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Miriam Haupt hat den Text Eine vergleichende Analyse von unterrichtlichen Belastungen und Bewältigungsweisen von Sportlehrerinnen und Sportlehrern an Gymnasien in Hamburg und Schleswig-Holstein veröffentlicht
Miriam Haupt hat einen neuen Text hochgeladen
Erlebnis Physik/ Chemie 7/10. Schülerband. Bremen, Hamburg, Schleswig-...
Hauptschule
Dieter Cieplik, Horst-Dietmar Kirks, Hans Tegen
Faktor 10. Schülerband. Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Schleswig-Hols...
Mathematik für Realschulen
Das IGL-Buch. Neubearbeitung. Schülerbuch 5./6. Schuljahr. Ausgabe für...
Gesellschaftslehre Gesamtschul...
Natur bewusst 2. Schülerband. Gemeinschaftsschule. Hamburg, Schleswig-...
Naturwissenschaften Ausgabe 20...
0 Kommentare