Der Tod in Zeichentrickfilmen
von: Karin Lederer
Inhalt
1. Vorbemerkungen
2. Quantitative Analyse
2.1. Forschungsfragen
2.2. Zur Überprüfung der Hypothese
3. Qualitative Analyse
3.1. Inhaltsangabe – Beispiel A
3.2. Inhaltsangabe – Beispiel B
3.3. Forschungsfragen
3.4. Hypothesen
3.5. Kategorienschema
3.5.1. F1
3.5.2. F2
3.5.3. F3
3.5.4. F4b
3.6. Überprüfung der Hypothesen in Bezug auf Beispiel A
3.6.1. H1: Der Tod kommt vor
3.6.2. H2: Der Tod wird realistisch, traurig und gerecht dargestellt
3.6.3. H3a: Die Fragen nach Opfer-TäterInnen-Rollenverteilung bzw. Gerechtigkeit werden eindeutig geklärt, es bleiben keine Widersprüche offen.
3.6.4. H4a: Es wird keine Sterbeszene ganz am Schluß gezeigt, die dann nicht mehr erklärt werden könnte.
3.7. Überprüfung der Hypothesen in Bezug auf Beispiel B
3.7.1. H1a+: Der Tod kommt nicht oder nur implizit / indirekt vor
3.7.2. H2+: Der Tod wird humorvoll dargestellt
3.7.3. H3a+: Die beiden Protagonisten wechseln sich in der Opfer-Täter-Rolle ab
3.7.4. H4a: Es wird keine Sterbeszene am Schluß gezeigt, die dann nicht mehr erklärt werden könnte
1. Vorbemerkungen
Die Inhaltsanalyse unterscheidet sich nicht prinzipiell von anderen empirischen Erhebungsverfahren, denn mit Hilfe theoretisch begründeter Begriffe und Kategorien und nach objektiven, systematischen und verallgemeinerbaren Kriterien sollen Erkenntnisse über ein Untersuchungsobjekt gegeben werden. 1 Ist die Inhaltsanalyse auch ohne weiteres auf Fernsehsendungen und im speziellen auf Zeichentrickserien anwendbar? Jede Fernsehsendung sollte als eine selbständige Symbolwelt angesehen werden, die vom Zuschauer als Wirklichkeit erlebt werden kann. Die Wirklichkeitserfahrung wird nicht dadurch aufgehoben, daß die Akteure fiktive Personen sind und daß der Zuschauer die künstliche Konstruktion der Zeichentrickfiguren durchschaut.2 Es ist also durchaus möglich, die vermittelten (fiktiven) Inhalte zu untersuchen. Soll nun ein quantitatives oder ein qualitatives Verfahren angewendet werden? In der Literatur findet sich dazu der Hinweis: Es ist jedoch nicht unbedingt zu fordern, daß das standardisierte Verfahren der Inhaltsanalyse zugleich ein quantifizierendes ist. Eine qualitative Inhaltsanalyse eignet sich sehr wohl zu explorativen und deskriptiven Zwecken. Wie bei anderen Forschungstechniken auch sind jedoch die Ergebnisse einer quantitativen Analyse nicht nur präziser (und in der Regel zuverlässiger), sondern quantitative Ergebnisse sind insbesondere für die Hypothesenforschung mittels inhaltsanalytischer Verfahren notwendig.3 Wir haben uns schließlich dafür entschieden, beides zu versuchen und die Verfahren miteinander zu verbinden, haben unser Hauptaugenmerk aber auf die qualitative Analyse gelegt.
2. Quantitative Analyse
Wir haben uns zunächst die Frage gestellt, ob unser Thema überhaupt ein Thema ist, d.h. Kommt der Tod in Zeichentrickfilmen überhaupt vor? Und wenn ja, in welcher Form? Stirbt dabei jemand? Zur Überprüfung dieser Fragestellungen haben wir erstmal eine quantitative Analyse durchgeführt. Die Stichprobe für für diese erste Untersuchung umfaßte einen Samstagvormittag (3.1.98) KRTL (Kinder-RTL) von 5 Uhr 20 bis 13 Uhr 15. Dabei wurden 15 verschiedene Zeichentrickserien gezeigt: “Denver, der letzte Dinosaurier”, “Die Abenteuer der T-Rex”, “Die Abenteuer der Wüstenmaus”, “Captain Planet”, “Quack Pack: Onkel D. & die Boys”, “Donald Duck (classics)”, “Schnookums und Meat”, “Pith Possum”, “Tex Tinstar”, “Aladdin”, “Goofy”, “Doug”, “Woody Woodpecker”, “Chilly Willy, the Penguin”, “The Bearys”.
2.1. Forschungsfragen:
1 – Wie viele Figuren sterben tatsächlich und bleiben auch tot?
2 – Wie viele davon durch Krankheit, Unfall, Mord, Krieg, Suizid?
3 – Wie oft wird vom Tod gesprochen?
Hypothese : Es wird öfter über den Tod gesprochen als daß tatsächlich Figuren sterben.
2.2. Zur Überprüfung der Hypothese:
Mittels einer quantitativen (zählenden) Inhaltsanalyse konnte festgestellt werden, daß keine einzige Figur tatsächlich stirbt und auch tot bleibt. (Am Beginn der Folge von “Schnookums und Meat” sterben zwar die beiden Protagonisten durch einen Autounfall und kommen in den Himmel – am Ende der Episode stellt sich jedoch heraus, daß das nur ein Irrtum war und sie dürfen wieder zurück auf die Erde.) Die zweite Forschungsfrage konnte daher gar nicht untersucht werden. Das Ergebnis beim Zählen der sprachlichen Einheiten, die für die dritte Forschungsfrage relevant sind, lautet: 23 mal werden insgesamt explizit die Wörter “Tod”, “töten”, “sterben” oder eindeutige Synonyme wie “um die Ecke bringen” verwendet. Damit konnte die Hypothese 1 eindeutig verifiziert werden. Tatsächliche, realistische Tode sind also selten, beziehungsweise untypisch für Kinder – Zeichentrickserien.
3. Qualitative Analyse
Für ein qualitative Analyse von Kinder - Zeichentrickserien haben wir uns in dieser Hinsicht zumindest ein eher untypisches Beispiel ausgesucht. Wir führen einen Vergleich durch von je einer Episode der Serien “Als die Tiere den Wald verließen” (Titel: “Eine bessere Zukunft”. ORF, 27.10.1997) – Beispiel A, und “Tom und Jerry” (Titel: “Tom wird berühmt”. ORF, 27.10.1997) – Beispiel B. 4 Nicht berücksichtigt wurden einerseits der fortlaufende Handlungsstrang der Serie “Als die Tiere den Wald verließen” und andererseits die zweite Geschichte der “Tom und Jerry”-Folge.
3.1. Inhaltsangabe – Beispiel A:
[...]
1 Dipl.
2 Dipl.
3 Mayntz, Renate u.a.: Einführung in die Methoden der empirischen Sozologie, Opladen 1972
4 Aus Sicherheitsgründen haben wir darauf verzichtet, die japanische Zeichentrickserie “Pocket Monsters” zu untersuchen, die mit allzu grellen Blitz-Szenen dazu geführt hat, daß über 1000 japanische Kinder mit Atembeschwerden, Schwindel- und Krampfanfällen ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Unser Thema war ja nicht “Krankheit und Tod durch Zeichentrickfilme” sondern “Der Tod in Zeichentrickfilmen”. (Vgl. Standard, 20./21.12.1997)
Arbeit zitieren:
Karin Lederer, 1998, Der Tod in Zeichentrickfilmen, München, GRIN Verlag GmbH
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