I N H A L T
1. Einführung in die Thematik, Vorgehensweise und Literatur
2. Jugend in der Weimarer Republik
3. Die Bündische Jugendbewegung
3.1. Entstehung und Struktur
3.2. Selbstverständnis, Ideologien und politische Leitvorstellungen
4. Die Hitler-Jugend
4.1. Entstehung und Struktur
4.2. Ideologien und politische Leitvorstellungen
5. Bündische Jugend und Hitler-Jugend im Vergleich
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1. Einführung in die Thematik, Vorgehensweise und Literatur
„Die Hitlerjugend, eine legitime Fortsetzung [...] der Jugendbewegung?“ 1 Diese von Michael Jovy formulierte Frage kann nur unter Berücksichtigung der ideologischen und politischen Einstellungen der Hitler-Jugend und der Bündischen Jugend als vermeintlich letzte Entwicklungsstufe der Jugendbewegung, beantwortet werden.
Um diese Ideologien und politischen Leitvorstellungen soll es in dieser Arbeit gehen. Im Folgenden werde ich den Versuch unternehmen Werte, Einstellungen und Selbstbilder der beiden Jugendgruppierungen darzulegen, um diese dann vergleichend gegenüber zu stellen.
Hierfür halte ich es für unerlässlich, zunächst die grundlegende soziale und psychologische Situation der Jugend nach dem Ersten Weltkrieg zu schildern, damit die Motivationen für die Entstehung von Jugendbünden und Beweggründe für das Bekenntnis der Jugend zum Nationalsozialismus und der Hitler-Jugend deutlich werden. Nur unter Einbeziehung des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Kontextes können die jugendspezifischen Entwicklungen in der Weimarer Republik verstanden, nachvollzogen und bewertet werden. Selbstverständlich kann im Rahmen dieser Arbeit nur auf die themenrelevanten Aspekte eingegangen werden. Behilflich waren für diese Darstellung insbesondere die in den Fußnoten genannten Darstellungen von Felix Raabe, Hermann Giesecke und Matthias von Hellfeld. Aber auch Karl-Dietrich Bracher lieferte jugendspezifische Hintergründe, die letztendlich zur Auflösung der Weimarer Republik geführt haben. In Bezug auf die soziale Lage und die Zukunftsaussichten der Jugendlichen konnte ich auch auf Literatur von Detlev J.K. Peukert zurückgreifen. Ein Aufsatz von Irmtraud Götz von Olenhusen, in dem die Krise der jungen Generation als ein Grund für den Aufstieg des Nationalsozialismus betrachtet wird, war aus psychologischer Sicht ebenfalls aufschlussreich.
Um im weiteren dann auf die Ideologien der Bünde eingehen zu können, habe ich einen groben Überblick über ihre Entstehung und ihre Organisationsstruktur vorangestellt. Dieser Darstellung, die Grundkenntnisse über die Jugendbewegung in
1 Jovy, Michael: Jugenbewegung und Nationalsozialismus. Zusammenhänge und Gegensätze. Versuch einer Klärung. Münster 1984. S. 132
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Deutschland voraussetzt, musste aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Bünde und unterschiedlicher Entstehungsgeschichten und Strukturen recht oberflächlich und generalisierend erfolgen. Auf die Benennung und Charakterisierung einzelner Bünde habe ich deswegen, wie auch in den dann folgenden Ausführungen, bewusst verzichtet.
So werden auch bezüglich der Werte und Selbstverständnisse der Bünde ausschließlich diejenigen genannt, die themenrelevant sind für einen Großteil der Bünde Gültigkeit besitzen.
Die Literatur zu diesem Thema ist genau wie die Literatur zum Thema Hitler-Jugend sehr zahlreich. Als eine Art Leitfaden hat sich die Arbeit von Matthias Hellfeld bewährt, die Bündische Jugend und Hitler-Jugend in der Zeit von 1930 bis 1939 gegenüberstellt. Zudem habe ich auch die genannte Literatur von Felix Raabe und Hermann Giesecke, sowie Arbeiten von Arno Klönne, Franz-Josef Krafeld und Michael Jovy verwenden können.
Im nächsten Teil meiner Arbeit soll die Hitler-Jugend näher betrachtet werden. Hier habe ich, ähnlich wie im vorhergegangenem Abschnitt, zunächst die Entstehung und Organisationsstruktur der Hitler-Jugend skizziert, wobei diese natürlich stärker an Daten gebunden und detaillierter nachzuvollziehen ist als die der bündischen Gruppierungen. Eine Beschränkung dieser Betrachtung von der Entstehung bis zum Verbot der Bünde halte ich vor dem Hintergrund der Aufgabenstellung für sinnvoll. Dieser Zeitraum, in dem sich die Existenz von Bünden und Hitler-Jugend überschneidet, ist für einen Vergleich der Wertvorstellungen und Einstellungen entscheidend.
Für die Darstellung der Entstehung und Organisation der HJ habe ich mich ausschließlich auf die viel zitierte und verlässliche Monographie von Hans-Christian Brandenburg gestützt.
Um die Grundeinstellungen und Werte der Hitler-Jugend geht es in dem darauf folgendem Teil dieser Arbeit. Auch bei dieser Betrachtung habe ich die Entwicklung der HJ von ihrer Gründung bis in die Jahre 1933/34 in den Mittelpunkt gestellt. Auf Sonderrollen, wie zum Beispiel die des Deutschen Jungvolkes konnte ich im Rahmen dieser Arbeit nicht eingehen, da der Arbeitsschwerpunkt generell im Vergleich der eigentlichen HJ mit der Bündischen Jugend liegt.
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Die bereits in den vorangegangenen Teilen verwendete Literatur konnte zum größten Teil auch für diesen Abschnitt zu Hilfe gezogen werden. Zusätzlich habe ich mich weiterer Arbeiten von Arno Klönne und einer Darstellung über die Hitler-Jugend von Christoph Schubert-Weller, die ihren Schwerpunkt ebenfalls im Vergleich mit den bündischen Gruppen hat.
Abschließend fasse ich die gewonnenen Erkenntnisse in einem Vergleich der Ideologien zusammen.
2. Jugend in der Weimarer Republik
Der verlorene Erste Weltkrieg mit seinen politischen, wirtschaftlichen, psychologischen und sozialen Folgen war das entscheidende Sozialisationskriterium der Jugend in der Weimarer Republik.
Die junge Generation war in eine „Umbruchzeit“ 2 hineingewachsen, die seitens größter Bevölkerungsteile durch Misstrauen gegenüber der Demokratie als neuer Staatsform geprägt war. Nahezu alle Gruppen der Gesellschaft fühlten sich durch den Kriegsausgang betrogen. 3 Die neue Staatsform, die sich parallel zur Annahme der alliierten Kapitulationsbedingungen nach der Revolution im November 1918 bilden konnte und somit nicht am Ende einer demokratischen Evolution stand, sondern Folge des „militärische(n) Zusammenbruch(s) des Absolutismus“ 4 und „Notlösung zur Rettung des zusammengebrochenen Reiches“ 5 war, wurde von vielen nach dem Abschluss des Vertrags von Versailles wieder verworfen. Die neue Demokratie wurde somit für die Kriegsniederlage und ihre Folgen verantwortlich gemacht. 6 Als weitere Belastungen in der jungen Republik wurden die materiellen Belastungen durch den Versailler Vertrag empfunden. Diese waren mitverantwortlich für ständige wirtschaftlichen Krisen, die ihren Höhepunkt mit der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1929 und 1930 erreichten. Neben einer zunehmenden Bevölkerungsarmut resultierten hieraus auch eine anhaltende politische Instabilität 7 und eine steigende Arbeitslosigkeit. Während es vor dem Krieg fast keine Arbeitslosigkeit gegeben hatte, kam es in den Jahren nach 1922 zu dem bis dahin unbekannten Phänomen der
2 Raabe, Felix: Die Bündische Jugend. Stuttgart 1961. S. 32
3 Vgl. Giesecke, Hermann: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. München 1981. S. 82
4 Bracher, Karl Dietrich: Die Auflösung der Weimarer Republik. Düsseldorf 1984. S. 15
5 Raabe, Felix. 1961. S.32
6 Bracher, Karl Dietrich. 1984. S. 15f
7 Von Hellfeld, Matthias: Bündische Jugend und Hitlerjugend. Zur Geschichte von Anpassung und Widerstand 1930 - 1939. Köln 1987. S. 28
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„Massenarbeitslosigkeit“. 8 Aufgrund der stagnierenden Volkswirtschaft und der demographischen Entwicklung, die durch die geburtenstarken Vorkriegsjahrgänge geprägt war, ergab sich für die Jugendlichen in der Weimarer Republik, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung noch nie so hoch war wie nach 1918, eine fast aussichtslose Zukunftsperspektive, denn der Arbeitsmarkt bot für einen Großteil dieser Generation keinen Platz. 9 So spricht Detlev Peukert sogar von einer „überflüssigen Jugend-Generation“. 10
Zu diesen politischen,wirtschaftlichen und sozialen Problemen, unter denen die Jugend in der Weimarer Republik aufgewachsen ist, kommen aber auch psychologische Schwierigkeiten. Die Kriegserlebnisse bewirkten die Zerstörung „traditioneller Gefüge frühkindlicher und kindlicher Sozialisation“ 11 und vielfach auch die Auflösung von Familien. Hunger, Not und Angst prägten das Leben der „Kriegsjugendgeneration“ und das Fehlen der Väter veränderte die Erziehung. 12 Irmtraud Götz von Olenhusen führt an dieser Stelle an, dass diese Jugendlichen keine „Ich-Struktur“ entwickelten und sie so den besonderen Anforderungen, denen sie in der krisengeprägten Zeit nach dem dem Ersten Weltkrieg ausgesetzt waren, nicht gerecht werden konnten. 13
Der jugendlichen Generation fehlten vor allem Identifikationsmöglichkeiten mit der neuen parlamentarischen Republik, die die monarchische Ordnung den älteren Generationen noch geboten hatte. Die Weimarer Republik dagegen schien die Ursache einer kalten politischen Welt zu sein. Und so führte die Sehnsucht nach einem politischen Zusammenhalt ohne Parteien und ähnlichen Gruppierungen zunehmend zu dem Ruf nach „Gemeinschaft“, der auch die Sehsucht der Erwachsenengeneration widerspiegelte. 14
8 Giesecke, Hermann. 1981. S. 85f
Vgl. auch Peukert, Detlev J. K.: Jugend zwischen Krieg und Krise. Lebenswelten von Arbeiterjungen in der Weimarer Republik. Köln 1987. S. 30 - 56
9 Peukert, Detlev J. K. 1987. S. 31-56
10 Peukert, Detlev J. K. 1987. S. 38
11 Von Olenhusen, Irmtraud Götz: Die Krise der jungen Generation und der Aufstieg des Nationalsozialismus. Eine Analyse der Jugendorganisationen der Weimarer Zeit. In: Jahrbuch des Archivs der deutschen Jugendbewegung 12/1980. Hrsg. vom Archiv der deutschen Jugendbewegung. Burg Ludwigstein, Witzenhausen 1980. S. 61
12 Raabe, Felix. 1961. S. 28
13 Von Olenhusen, Irmtraud Götz. 1980. S. 61
14 Giesecke, Hermann. 1981. S.84
Vgl. auch Krafeld, Franz Josef: Geschichte der Jugendarbeit. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Weinheim und Basel 1984. S. 64
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Arbeit zitieren:
Dirk Brandes, 2005, Die ideologischen und politischen Leitvorstellungen der Bündischen Jugend und der Hitler-Jugend, München, GRIN Verlag GmbH
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