Inhaltsverzeichnis
1. Erkenntnisinteresse
2. Analyse
3. Fazit
4. Bibliographie
4.1 Dokumentarfilm / Geschichte im Film
4.2 Allgemeine Filmanalyse
4.3 Widerstand im Dritten Reich
5. Filmographie zum 20. Juli 1944
6. Anhang
6.1 Projektdaten
6.2 Filmregest
6.3 TV-Quoten
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1. Erkenntnisinteresse
Das letzte Jahr 2004 wartete mit zwei bedeutenden historischen Jubiläen auf: dem neunzigsten Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs und dem sechzigsten Jahrestag des Attentatsversuches auf Hitler, gleichzeitig dem Todestag Stauffenbergs, der diesen Versuch vom 20. Juli 1944 - wie auch einige Mitverschwörer - noch am selben Tag mit seinem Leben bezahlte.
Stauffenberg - sowie das gesamte Dritte Reich - hat gut sechzig Jahre nach dem Hitler-Attentat Konjunktur. Fernsehfilme, Theaterstücke und Romane interpretieren die Ereignisse des 20. Juli 1944.
Wer Claus Schenk Graf von Stauffenberg war, was er wollte und was er bewirkt hat - darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Ob Vorkämpfer der Menschenrechte, Militarist oder Romantiker: Jede Seite streitet für ihre Sicht. Ein Ende der Kontroversen ist nicht in Sicht. i
Auch der für diese Arbeit relevante Film ist der Vielzahl von Jubiläumsprojekten zuzuordnen. Mit dem Fernsehfilm „Stauffenberg“ widmet sich die ARD/der Südwestrundfunk (SWR) mit einem üppigen Budget von fünf Millionen Euro den dramatischen Ereignissen des 20. Juli 1944. In deren Mittelpunkt stellt Autor und Regisseur Jo Baier ii mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Offizier, der in Hitlers Hauptquartier Wolfsschanze gegen Mittag eine Bombe zündete, die den Diktator jedoch knapp verfehlte.
Stauffenberg war nicht nur Offizier und Attentäter, er war das vielleicht letzte Produkt des deutschen Bildungsromans, sein Ziel womöglich, mit Sicherheit aber sein Ende. Die beiden besten Bücher zum 20. Juli - die großartige Biographie von Peter Hoffmann iii und das nicht minder grundlegende Werk von Christian Müller iv - haben bis hin zu den wörtlichen Zitaten das Material für eine solche, die Mehrdeutigkeit und das Symbolische respektierende Darstellung geliefert.
Ohne Frage ist es eine Herausforderung, einen Spielfilm über Stauffenberg zu drehen. Die Vorgänge um das Attentat auf Hitler sind bereits mehrfach verfilmt worden, in der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren als „Unternehmen Walküre“ von Bernhard Wicki v , doch seit den 50er Jahren hat sich in Deutschland niemand mehr daran versucht.
Jo Baier hat es für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gewagt. Als das Stauffenberg-Thema an ihn herangetragen wurde, bat Baier sich Bedenkzeit aus. "Ich hatte Vorbehalte", erinnert er sich. "Mir kamen sofort Adel und Militär in den Sinn, auch Vorurteile". Die Arbeiten am Film haben seine Sicht verändert. Baier hat mit einem hoch betagten Freund Stauffenbergs gesprochen, las Bücher und Briefe. Hinter der Figur aus den Geschichtsbüchern
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entdeckte er schließlich einen humorvollen, lockeren Menschen, der ihm sehr sympathisch war.
"Stauffenberg ist ein Held", sagt er. Ein Mann, der etwas Denkmalhaftes habe, etwas Unantastbares. Wer kennt nicht das Datum 20. Juli 1944, den Tag des Attentats gegen Hitler? Doch Baiers Film, der am Mittwoch den 25. Februar, um 20.15 Uhr in der ARD vi zu sehen war, soll 60 Jahre später mehr bieten als Bewunderung.
Der Regisseur sieht in den Medien ein wichtiges Instrument zur Vermittlung von Geschichte. Ziel seines Films sei es gewesen, eines der wichtigsten Kapitel der deutschen Geschichte interessant darzustellen, ohne es medienwirksam zu rechtzubiegen. "Historisch genau, aber spannend wie ein Krimi". Die ARD unternahm zur Verwirklichung dieses Projekts ungekannte finanzielle Anstrengungen. 34 Drehtage, rund 75 Schauspielerrollen für einen (längeren) Einteiler gehören auch bei den Öffentlich-Rechtlichen nicht eben zum Produktionsalltag.
Der folgende Aufsatz verfolgt das Ziel einer
kommunikatororientierten Filmanalyse des Films „Stauffenberg“ von Jo Baier. Hierbei werden der Anspruch des Films und die Ambitionen seines Regisseurs auf erfolgreiche Umsetzung zu überprüfen sein.
Zu diesem Zweck wird der Film als Quelle behandelt; sämtliche Analyseschritte sollen intersubjektiv überprüfbar (nachvollziehbar, wiederholbar) sein.
Unbedingt dabei zu berücksichtigen ist die Tatsache, dass es sich bei Baiers Werk nicht um eine dreiviertelstündige Dokumentation nach heuer gebräuchlichem Muster handelt. Im Gegensatz zur im Abendprogramm bewährten "Knoppschen" Machart, hat Baier einen Fernsehfilm gedreht, der ähnlich wie ein Krimi die Zuschauer über neunzig Minuten fesseln soll. Allerdings mit historisch gesichertem Inhalt. Dies hat Konsequenzen für das Erzählen und die Dramaturgie. Statt großer Bilder und Gesten sind im Fernsehfilm eher atmosphärische Dichte und darstellerische Qualitäten gefragt. Historisches Material, wie etwa Beiträge der Wochenschau lassen sich bei dieser Konzeption nur äußerst mühsam integrieren. Auf die dokumentartypischen Zeitzeugen muss natürlich ganz verzichtet werden.
Bei der Analyse soll die Konzeption des Films als
Ausgangsposition verwendet werden, um seine Gesamtheit zu erörtern.
Besonderes Augenmerk soll dabei erster Linie nicht auf rezensionstypischen Merkmalen wie dem Faktor der Unterhaltung, der Kurzweiligkeit des vermittelten Handlung oder der Qualität der Darsteller gelegt werden. Details sollen ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Vielmehr soll untersucht werden, inwiefern der im Medium Fernsehen entscheidende erste Eindruck nach der Rezeption mit der Hauptaussage, Intention oder Botschaft des Films korreliert
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und inwiefern die vom Regisseur gewählte Konzeption und die damit einhergehende Authentizität diesbezüglich zu bewerten sind. Wie also sind die historischen Ereignisse, Personen, Ziele usw. aufbereitet und welche - möglicherweise intendierte -Wirkung hat diese Konzeption auf den Rezipienten? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Platzierung des Filmes im Abendprogramm der ARD? Die oben genannten (ohne Zweifel filmprägenden) Parameter erfahren demnach also keine isolierte Bewertung. Nur in ihrer eventuell partiellen Bedeutung für die Gesamtaussage finden sie in dieser Analyse Berücksichtung.
Da Baiers „Stauffenberg“ aber ausdrücklich historisch fundierten Ansprüchen genügen will, muss auch der Quellenwert in die Untersuchung mit einbezogen werden. Da der Fernsehfilm historische Sachverhalte an ein breites, disperses Publikum vermitteln will, ist auch die Frage der Faktenrichtigkeit entscheidend. Stimmt die historische Gesamtaussage mit der Forschung überein? Werden die geschichtlichen Abläufe richtig und möglichst vollständig dargestellt? Der Inhalt des Films, dessen Kenntnis für den Leser zum Verständnis der folgenden Analyse nur bedingt notwendig ist, kann im Anhang ab Seite 31 nachgelesen werden.
2. Analyse
Der Film "Stauffenberg" beginnt und endet mit der standrechtlichtlichen Erschießung Stauffenbergs im Hof des Bendlerblocks. Dazwischen konzentriert Jo Baier sich auf das Attentat vom 20. Juli 1944.
Im Mittelpunkt ein integrer Held und Soldat, zudem ein treu sorgender Familienvater, der sein Leben für eine gerechte Sache hingibt.
Baier konzentriert sich in seiner Verfilmung auf die Persönlichkeit Stauffenbergs und spannt den Bogen von 1933 bis zu seiner Hinrichtung. Die anfängliche Unbekümmertheit eines ehrgeizigen, jungen Offiziers weicht mit dem Überfall auf Polen und Berichten von Massakern an der Bevölkerung bald blankem Entsetzen und später der Entschlossenheit.
Zur Analyse werden nun Anspruch, Botschaft, Authentizität, Verständlichkeit und die tatsächliche Wirkung des Filmes genauer betrachtet.
Der Sendeplatz im Abendprogramm der ARD lässt Rückschlüsse auf die Ausrichtung der Produzenten zu, welche zum Jahrestag des Attentatsversuchs einen Fernsehfilm über den Protagonisten, einem großen Zuschauerkreis präsentieren wollten. Diesem
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Umstand musste natürlich auch der Autor und Regisseur Rechnung tragen.
Der Intendant des SWR, Peter Voß, fasste zusammen, warum die ARD sich dieses Themas angenommen hat: "Das Besondere des Fernsehfilms "Stauffenberg" liegt darin, dass er Geschehnisse nacherzählt, die dramatischer und tragischer nicht erfunden werden könnten. Für uns, die wir mehrheitlich in verlässlichen demokratischen Zusammenhängen leben, ist der Konflikt, in dem die Männer des Aufstands vom 20. Juli unentrinnbar steckten, schier unvorstellbar: sich selbst aufgeben, um der Gemeinschaft eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Heldenmut und Opferbereitschaft sind keine pathetischen Vokabeln - auch daran erinnert der Film 'Stauffenberg'. Im Geschichtenerzählen Werte vermitteln, im Nachbilden das Vergangene in die Zukunft retten: Es gibt historische Ereig nisse, die nicht vergessen werden dürfen, weil sich in ihnen Momente unseres ethischen Selbstverständnisses erhalten. Dass es gelingt, solche Momente für eine breite Öffentlichkeit im Fernsehen erfahrbar zu machen, zeichnet "Stauffenberg" aus und kann alle, die an der Herstellung des Filmes beteiligt waren, mit Stolz erfüllen." vii
Regisseur und Autor Jo Baier äußerte sich in einem Interview wie folgt über sein bezwecktes Ziel: „Ich wollte Stauffenberg vom Sockel holen und zu einem Menschen machen". Und weiter: "Ich fühle mich verpflichtet, diesem Menschen mit dem Film gerecht zu werden". viii
Die Botschaft, also der leitende Hauptgedanke, den der Regisseur beim Zuschauer vermitteln will, liegt auf der Hand und ist für jeden Rezipienten sichtbar. Sehet her, will er sagen, dieser Stauffenberg war auch nur ein Mensch, ein Mensch wie du und ich. Aber Stauffenberg, wiewohl ganz sicher "auch nur ein Mensch", war eben gerade nicht ein "Mensch wie du und ich". Er war vielmehr, und das allein machte ihn fähig, so tapfer und konsequent mit den Verhaltensweisen seiner Kaste zu brechen und jene moralische Befreiungstat zu begehen, die uns Deutsche heute mit Recht so ehrfurchtsvoll auf ihn blicken lässt, er war, dieser württembergische Adelsspross, ein Held, der über sich selbst hinauszuwachsen vermochte und also gerade die Kuhstallwärme des Kollektivs überwand. Es wird wahrscheinlich auf ewig ein Geheimnis bleiben, warum gerade er sich zu solchem Heldenmut emporzuschwingen vermochte. Aber ein Faktor wird dabei kaum zu überschätzen sein, und dieser Faktor ist seine intellektuelle Prägung durch Stefan George und seinen Kreis. Man assoziiert heute den Dichter George vor allem mit seinem "ästhetischen Fundamentalismus", wie der Soziologe Stefan Breuer das, nicht ganz unzutreffend, genannt hat. Aber viel wichtiger, weil elementarer ist ein anderer Zug, den George den Seinen mitzugeben vermochte, und das ist der entschiedene Widerstand gegen jede Art von Zeitgeist, ja Zeitgenossenschaft. Was man bei George lernen konnte, war: erhobenen Hauptes allein für seine Überzeugung geradezustehen. Das bringt Entbehrungen mit sich. Und Verzicht, Skepsis, Verschlossenheit, ernstestes Darüberstehen müssten sich auf
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dem Gesicht eines Stauffenberg-Darstellers abzeichnen. Die freundliche Belanglosigkeit, mit der ein Sebastian Koch aufwartet, verfehlt Stauffenberg völlig und sorgt für Verwirrung. Wie Koch den Stauffenberg verkörpert, das verschafft dem Zuschauer ein merkwürdiges Doppelerlebnis von Nähe und Ferne zu dieser Figur. Koch spielt einen Stauffenberg, der nur die Uniform ausziehen und in Cordhose und Trenchcoat schlüpfen müsste, um in der Bundesrepublik der heutigen Zeit anzukommen. In seine Rolle sind Erkennungszeichen eingeschrieben, die sagen, dass in diesem deutschen Offizier, der das Attentat wagte, schon jener zivilbürgerliche Habitus angelegt war, der heute kulturell vorherrschend geworden ist: Im Umgang der Eheleute Stauffenberg miteinander erkennt man solche Zeichen oder in der Erschütterbarkeit des Frontoffiziers in Afrika.
Doch Jo Baiers Fernsehfilm kann sich nicht entscheiden, ob er Stauffenberg heilig sprechen oder zum Kumpel-Typ für heutige Fernsehzuschauer machen will. Einerseits verordnet Baier seinem Helden trockenen Humor: Auf die Frage eines Offiziers, ob er, Stauffenberg, kurz unter vier Augen zu sprechen sei, antwortet der: "Das wird schwierig. Ich habe nur eins." Auf der anderen Seite entschwindet der Held auch hier in einsame Höhen. Während SS-Truppen schon das Büro der Verschwörer stürmen, hat Stauffenberg-Darsteller Sebastian Koch noch die Zeit für einen Monolog in aller Stille: „Ich hatte einen Traum…“ Für viele Zuschauer wird nach Ansicht des Filmes die Geschichtsikone Stauffenberg die Züge des Schauspielers Sebastian Koch tragen. Ob dies aber der vom Regisseur beabsichtigten Entmystifizierung Stauffenbergs zuträglich ist, darf als höchst fragwürdig bezeichnet werden, zumal der Zuschauer nicht mit einem entzerrten Bild der Figur zurückbleibt, sondern Stauffenberg fortan mit dem Bild des Schauspielers Koch verbindet.
Die Botschaft des Films kann also als deutlich, aber nicht ausnahmslos überzeugend beschrieben werden. Abgesehen von der (durch Koch bedingten) ambivalenten Wirkung des Stauffenberg auf den Zuschauer, lässt der Film eine völlige Entschlüsselung der Person nicht zu. Denn auch wenn uns Baiers Stauffenberg in vielen Szenen als zeitgenössisch und menschlich erscheint, so bleiben die Motive seines Handelns nahezu gänzlich im Dunkeln und führen so zu einer Mystifizierung - wenn auch auf einer anderen Ebene. Wie aus dem passionierten Offizier und Anhänger des Nationalsozialismus der Hitler-Attentäter wurde, lässt sich für den Zuschauer nicht entschlüsseln . Für den Wandel vom Saulus zum Paulus reicht Jo Baier eine einzige (erfundene) Sequenz, in der eine junge Frau, die die Auslöschung ihres Dorfes durch die Deutsche Wehrmacht überlebt hat und nun mit stockender Stimme Stauffenberg von ihren traumatischen Erlebnissen berichtet. Und schon scheint der Oberst entschlossen, dass der Führer weg muss. Nichts von einem Reifungsprozess, Gewissensnöten oder den langwierigen Diskussionen im Vorfeld des Umsturz -Unternehmens "Walküre".
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Die - für das Verständnis und somit für eine erfolgreiche Entmystifizierung notwendige Entwicklung - der Hauptfigur Claus Graf Stauffenberg vom Offizier zum Hochverräter lässt sich der Film also zu großen Teil entgehen. Es gibt - neben der oben erwähnten Sequenz - die Szene in der Oper, in der er Nina Freiin von Lerchenfeld einen Heiratsantrag macht. Es gibt Briefauszüge aus der Zeit der Feldzüge in Polen und Russland, es gibt den Versuch von Oberst Henning von Tresckow im Jahr 1942, Stauffenberg zu überzeugen, dass Hitler beseitigt werden müsse, worauf Stauffenberg sich auf den Fahneneid beruft. Und es gibt schließlich die Bemerkung Stauffenberg zu General Fellgiebel im Februar 1943, auch er halte den Krieg im Osten militärisch und menschlich für eine Katastrophe. Die tatsächliche Entwicklung Stauffenbergs aber vom unabhängig denkenden Offizier zum Kritiker des Nationalsozialismus, der Weg vom Nachdenken über das Wesen des Soldatentums und die Rolle des Offiziers bis zur Verurteilung der Verbrechen an der russischen Zivilbevölkerung und den Juden während des Ostfeldzuges und zu dem Entschluss, den obersten Befehlshaber zu stürzen - das alles fehlt ganz besonders den Zuschauern, die mit der Person des Stauffenbergs nicht gut vertraut sind und macht es unmöglich, die Wandlung des Offiziers zu verstehen. Sie kann höchstens zur Kenntnis genommen werden.
So wirkt dieser Stauffenberg zwar wie "einer von uns", Baier gelingt es also ihn "vom Sockel zu holen", seine tatsächlichen Motive aber bleiben unverstanden. Man möchte so viel wissen über Stauffenberg. Warum legte gerade dieser national gesinnte Adelige die Bombe? Er war zwar nie ein glühender Anhänger Hitlers, anfänglich aber auch nicht gegen ihn. Wer Stauffenberg war oder auch nur gewesen sein könnte, erfährt man nicht. Der Zuschauer bleibt irritiert zurück.
Zwar kann die allgemeine Verständlichkeit des Filmes durchaus als gut bezeichnet werden, dies bezieht sich aber lediglich auf den im Film gezeigten, sehr oberflächlich gehaltenen Handlungsstrang der Person Stauffenberg. Tiefergehende, komplexere Schilderungen der Zusammenhänge lässt Baier möglicherweise bewusst außen vor, um den großen Adressatenkreis Rechnung zu tragen und diesen nicht zu überfordern. Auch wesentliche Charakterzüge des Stauffenberg lässt Baier ungenannt. Nur einmal zitiert Stauffenberg jene berühmten zwei Zeilen aus Stefan Georges Gedicht "Der Täter", das er, wie viele seiner Biographen meinen, am Vorabend gelesen hatte. Wer soll verstehen, was damit gemeint ist außer einer bildungsbürgerlichen Assoziation? Wer soll wissen, dass der Attentäter, der den Mut hatte, Hitler zu töten, auch eine literarische Figur war. Rilke sagte schon dem Elfjährigen etwas Zukünftiges voraus, und der Dichter Stefan George, an dessen Totenbett er wachte, schrieb das Gedicht vom Widerchrist, in dem Stauffenberg später den Namen Hitlers lesen sollte.
Aber auch wenn der Film in seiner zeitlichen Begrenztheit nicht mehr von der Vorgeschichte des Attentats erzählen kann oder
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Mirko Berger, 2005, "Stauffenberg" - Eine Filmanalyse., Munich, GRIN Publishing GmbH
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