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1 Inhaltsverzeichnis
1 Inhaltsverzeichnis 1
2 Kurzdarstellung (Abstract) 3
3 Einleitung. 4
4 Allgemeine Informationen über ältere Menschen 5
5 Methodische Besonderheiten in Umfragen mit Älteren. 6
6 Fragenverständnis von älteren Personen. 11
7 Gedächtnis und ältere Menschen. 13
8 Zusammenfassung Fazit. 22
9 Literatur: 24
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2 Kurzdarstellung (Abstract)
In der vorliegenden Arbeit werden die wissenschaftlichen Aspekte zum Thema Befragung von älteren Personen behandelt. In diesem Zusammenhang sind die allgemeinen Veränderungen des Alterns sowie spezielle Effekte, die sich aufgrund des chronologischen Alters von Probanden ergeben, von besonderem Interesse. Zum einen wird auf die physiologisch-psychischen Umstände hingewiesen, die die Forschung vor eine Reihe methodische Besonderheiten stellt. Darüber hinaus werden Fakten zum Frageverständnis zusammengetragen und durch grundlegende Auswirkungen von Gedächtnisleistungen in Verbindung mit Inhaltsrelevanz für ältere Befragte ergänzt. Die Arbeit über alle genannten Bereiche rundet eine Zusammenfas- sung ab, die zusätzlich um ein paar eigene Gedanken zum Thema bereichert wurde.
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3 Einleitung
In den Industrienationen leben die Menschen aufgrund hervorragender gesundheitlicher Versorgung und hochwertiger Ernährung immer länger. Zusätzlich zeichnet sich eine Resignation der Geburtenrate ab 1 , so dass der Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung immer größer wird. Auch in Deutschland wächst der Anteil älterer Menschen. Heute sind etwa 25 Prozent der Bevölkerung 60 Jahre 2 oder älter und die Zahl der Älteren wird weiter zunehmen. Schon in naher Zukunft wird es eher die Regel als die Ausnahme sein, dass Menschen älter als 80 Jahre 3 werden. Doch was bedeutet das für die Natur- und Sozialwissenschaft? In vielen Studien werden die teilnehmenden Personen mit Fragebögen konfrontiert oder müssen sich in Interviews zu den verschiedensten Themen äußern. Oft handelt es sich um ganz spezifische Verhaltensweisen, welche kategorisch nach der Häufigkeit ihres Auftretens innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums erfragt werden. Den Inhalten sind dabei keine Grenzen gesetzt, was wiederum neue Fragen bezüglich des Verständnisses der Inhalte aufwirft. Begriffe aus der modernen Technik, Medizin, Mediennutzung, Mode oder gar Elemente aus fremden Sprachen sind für ältere Personen nicht selbstverständlich und gleichermaßen umgänglich. Sowohl Marktforschungsinstitute als auch Behörden sind kontinuierlich daran interessiert, wie oft ein spezielles Ereignis (Krankheit, Unfall, Symptome) oder Verhalten (Arztbesuche, Konsum) im Alltag auftritt. Die Zielgruppenmerkmale spielen dabei eine große Rolle, denn Alter, Geschlecht oder Bildungsgrad der Befragten können das Ergebnis der Studie enorm beeinflussen. Eine genauso wichtige Position nehmen Modus und Gestaltung von der Frage und der Antwortskala ein. Ausgehend von diesen allgemeinen Überlegungen sollen in der folgenden Arbeit vor allem die Besonderheiten bei der Befragung älterer Menschen dargelegt werden. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Themen „Methodische Probleme, Frageverständnis und Gedächtnis“. Zusätzlich sollen einige ausgewählte Studien in diesem Zusammenhang detaillierter erörtert werden.
1,2,3 Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 06.06.2003 (siehe auch http-Link im Lite- raturverzeichnis)
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4 Allgemeine Informationen über ältere Menschen
Die Grenze zwischen älteren und noch nicht alten Menschen wird in der Regel beim 65. Lebensjahr gezogen. Dies ist eher der Sozialpolitik zuzuschreiben als der Tatsache, dass das 65. Lebensjahr einen allgemeinen Wendepunkt darstellt, an dem sämtliche physischen und psychischen Alterungsprozesse plötzlich einsetzen würden. In der Gerontologie werden Menschen daher zur besseren Beschreibung der Vielfalt ab diesem Alter in drei Gruppen eingeteilt: Die jüngeren Alten zwischen 65 und 74; die älteren Alten zwischen 75 und 84 und die Ältesten ab 85 Jahren (Davison, & Neal, 2002). Der Gesundheitszustand dieser Gruppen unterscheidet sich stark. Der Alterungsprozess beim Menschen vollzieht sich in erster Linie auf physiologischer Ebene und spiegelt sich vor allem in strukturellen und funktionellen Veränderungen wider (Birbaumer, & Schmidt, 1999). So spricht das Herz im Laufe der Zeit weniger auf β-rezeptorvermittelte sympathische Reize an, und die unter Belastung maximal erreichbare Herzfrequenz sinkt um ca. ½ Schlag pro Jahr ab. Die nachlassende strukturelle Integrität der glatten Gefäßmuskelzellen ist Ursache für die im Alter oft auftretende Arteriosklerose und deren damit einhergehenden Folgen, wie z.B. die Erhöhung des Blutdrucks. Auch die schwindende Lungenkapazität vermindert den Gasaustausch und die herabgesetzten pulmonalen Abwehrmechanismen bedingen eine höhere Infektanfälligkeit. Ebenso macht sich im Verdauungstrakt eine reduzierte Motilität bemerkbar und zu Obstipationserscheinungen führt. Im zentralen Nervensystem kommt es zum Verlust von Nervenzellen, ohne dass dies zwangsläufig eine Intelligenzminderung nach sich zieht. Vielmehr betrifft dieser Verfall das allgemeine Reaktionsvermögen und die Reaktionsgeschwindigkeit. Darüber hinaus treten auch Gedächtnis- und Merkstörungen auf. Die allgemeine Sinneswahrnehmung verzeichnet einen ähnlichen Verlauf. Sowohl die Sehkraft als auch das Gehör nehmen kontinuierlich ab. Schließlich bleibt festzuhalten, dass die Immunabwehr über immer weniger T-Lymphozyten verfügt und deren verringerte Aktivität auch die Funktion der B-Lymphozyten beeinträchtigt. Es entsteht daher ein erhöhtes Risiko, für Infekte, Autoimmunprozesse und Tumore anfällig zu werden. Statistisch überwiegen im hohen Alter die chronischen Erkrankungen, die vor allem das Herz-Kreislauf-System und den Bewegungsapparat belasten. Der physiologische Exkurs weist darauf hin, dass die zunehmenden körperlichen Veränderungen für ältere Menschen nahezu zwingend zur Alltagsbeobachtung werden lassen. Das stellt einen entscheidenden Punkt bei der Befragung nach eben solchen Erscheinungen dar, was im Zuge dieser Arbeit
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sowohl theoretisch als auch empirisch noch genauer erörtert wird. Doch auch darüber hinaus macht sich das abnehmende Leistungsniveau im Alter noch bei weiteren Gesichtspunkten bemerkbar, die mit einer Befragung in unmittelbarem Zusammenhang stehen.
5 Methodische Besonderheiten in Umfragen mit Älteren
In der psychologischen Forschung ist das chronologische Alter bei der experimentellen Durchführung nicht unproblematisch. Bereits im Vorfeld einer wissenschaftlichen Studie muss sich der Forscher drei wichtiger Effekte bewusst werden, die mit dem Alter der Probanden bzw. der Zeit einhergehen. Jedes Lebensalter ist stets mit einer Vielzahl verschiedener sozio-ökonomischer Faktoren (Krieg, Frieden, wirtschaftliche Situation, technologischer Fortschritt etc.) verknüpft. An erster Stelle steht der allgemeine Alterseffekt, der im Wesentlichen die Folgen eines ganz bestimmten chronologischen Alters beschreibt. Beispielsweise werden Männer in Deutschland mit 65 Jahren in Rente bzw. Pension geschickt und stehen ab diesem Zeitpunkt ganz neuen Herausforderungen gegenüber und verfügen selbstverständlich über andere Möglichkeiten als ein 30jähriger Berufseinsteiger. In einer Befragung oder in einem Interview zum Thema „Freizeitgestaltung“ würden sich allein aufgrund dieses Faktors e-norme, nicht immer gewünschte Abweichungen ergeben. Ein weiterer Effekt ergibt sich aus unterschiedlichen Messzeitpunkten von Untersuchungen. Die Folgen der zeitlichen Entwicklung machen sich als dominierender Faktor im Ergebnis bemerkbar. Beispielsweise waren Menschen in den 90er Jahren bei Umfragen zu ihrem Sexualverhalten deutlich offener und ehrlicher als diejenigen, die die gleichen Fragen in den 50er Jahren beantworten sollten. Die gesellschaftliche Enttabuisierung des Themas „Sexualität“, welche sich über ca. 40 Jahre entwickelt hat, machte es für Menschen in den 90ern viel leichter, über solche Belange zu sprechen. Man spricht vom so genannten Messzeitpunkteffekt. Der dritte wichtige Einfluss befasst sich mit den Folgen, die daraus entstehen, in einem speziellen Jahr geboren zu sein und in einer bestimmten Zeit aufgewachsen zu sein. Viele Menschen, die Ende der 90er Jahre in den Aktienmarkt investierten, sahen darin eine sichere und lukrative Geldanlage. Ganz im Gegenteil dazu stehen die Meinungen derjenigen, die Ende der 30er oder 60er Jahre (Weltwirtschaftskrise, Ölkrise) fast alles an der Börse verloren hat- ten. In der Literatur spricht man daher vom Kohorteneffekt, einem Phänomen, dass
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sich Menschen gleichen chronologischen Alters je nach Zeitpunkt ihrer Geburt erheblich voneinander unterscheiden können. Dieser Effekt hat weit reichenden Einfluss auf die Interpretation von Daten, denn die Diskrepanzen zwischen den Kohorten können umfangreich werden. Jüngere Kohorten haben zum großen Teil mehrere Vorteile auf ihrer Seite, denn die Zugehörigen genießen eine bessere Ausbildung, eine hochwertige medizinische Grundversorgung und verbesserten Lebensstandard (Schaie, 1996). Ältere Kohorten erlebten in diesen Punkten nicht in jedem Fall das gleiche Niveau. In der experimentellen Durchführung von Umfragen oder Interviews stellt die Art und Weise, wie man Fragen für ältere Menschen präsentiert ebenfalls einen wichtigen Punkt dar. Umfragen oder Interviews sind im digitalen Zeitalter der Technik nicht nur mit Papier und Bleistift oder von Angesicht zu Angesicht zu realisieren. Vielmehr stehen den Forschern heutzutage eine Menge unterschiedlicher Medien zur Verfügung, um an Daten von Personen zu gelangen (Tourangeau, Rips, & Rasinski, 2000). Grundsätzlich zeichnen zwei Kriterien den Charakter einer Befragung aus: (1) die Methode der Kontaktaufnahme zum Befragten (method of contact), der in erster Linie die Informationsschnittstelle durch ein spezielles Medium festlegt und (2) der Assistenzmodus durch den Fragstellenden (assistance mode), welcher im Grunde die traditionellen Papier-und-Bleistift (paper-and-pencil) Erhebungsverfahren von den computergestützten Methoden (computer-assisted) abgrenzt. In Tabelle 01 sind alle weit verbreiteten Arten der Datenerhebung zusammengefasst:
Tourangeau, Rips, & Rasinski, 2000)
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Jede einzelne Form der Datensammlung zu beschreiben, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Daher wird an dieser Stelle lediglich auf die wichtigen Vertreter, die im Zusammenhang mit Befragungen älterer Menschen stehen, eingegangen. Unabhängig davon, ob man eine alterspezifisch homogene oder heterogene Stichprobe untersuchen möchte, sind nicht alle Methoden der Kontaktaufnahme zum Probanden gleichberechtigt, nicht alle technischen Möglichkeiten optimal anwendbar. Wie eine aktuelle Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes 4 verlauten lässt, nimmt zwar die Internetbeteiligung für berufliche oder private Zwecke durch die ältere Bevölkerung zu (2002 waren 16% der über 54jährigen online, im ersten Quartal 2004 über 54%), wird aber dadurch relativiert, dass sich bereits aktive Internetnutzer mit zunehmendem Alter weniger intensiv mit diesem Medium beschäftigen. Die wöchentliche Nutzungsdauer nimmt in den höheren Altersgruppen insgesamt ab. Nur 12% der über 54-Jährigen verbringen mehr als fünf Stunden pro Woche im Internet. Zwischen Nutzungshäufigkeit oder Dauer zeigen sich keine nennenswerte Unterschiede zwischen 55- bis 64-Jährigen und den über 64-Jährigen. Wenn also ältere Personen den Sprung ins Internet einmal gewagt haben, lässt sich in den beiden Altersgruppen über 54 Jahren ein sehr ähnliches Nutzungsverhalten beobachten. Überträgt man diese Zahlen auf die Email/Internet-Methode der Datenerhebung in Umfragen, so kommt man zu zwei verschiedenen Schlussfolgerungen: Die vorbereiteten Datenmasken in Umfragen auf Webseiten oder Emails erreichen unter Umständen nur einen sehr geringen Teil der älteren Bevölkerung, da die meisten immer noch Berührungsängste mit der neuen Technik haben und sie erst schrittweise lernen, zu überwinden. Dieser Trend trägt allerdings ein positives Vorzeichen, denn es kommen jeden Tag neue „alte“ Nutzer hinzu.
4 Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung vom 18.04.2005 (siehe auch http-Link im Litera- turverzeichnis)
Arbeit zitieren:
Daniel Jäger, 2005, Befragung von älteren Menschen: Besonderheiten in Methode, Verständnis und Gedächtnis, München, GRIN Verlag GmbH
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