Inhaltsverzeichnis
Erkl ärung zur Diplomarbeit Fehler Textmarke nicht definiert.
Abbildungsverzeichnis. IV
Abk ürzungsverzeichnis V
1. Einführung. 1
2. Besonderheiten beim Absatz von Investmentfonds 2
2.1. Funktionsweise von Investmentfonds 2
2.2. Investmentfonds: Vertrauens- oder Erfahrungsgüter? 4
2.3. Das Problem der Qualitätsunsicherheit. 6
2.3.1. Annäherung an den Qualitätsbegriff für Investmentfonds. 6
2.3.2. Methoden der Produktqualitätsmessung 8
2.4. Informationsasymmetrien und Interessenskonflikte 10
2.5. Vertrauen in der Beratung zu Investmentfonds 12
2.5.1 Vertrauen als Mechanismus zur Überwindung der PA-Problematik. 12
2.5.2. Wie kann eine Bank Vertrauenswürdigkeit signalisieren? 16
3. Fremdfondsvertrieb deutscher Banken 20
3.1. Definition Fremdfondsvertrieb. 20
3.2. Marktüberblick. 21
3.3. Darstellung der Argumente der Branche. 24
3.3.1. Argumente für den Fremdfondsvertrieb aus Bankensicht 24
3.3.2. Argumente gegen den Fremdfondsvertrieb aus Bankensicht 26
4. Auswirkungen des Fremdfondsvertriebes 27
4.1. Fremdfondsvertrieb als Qualitätsmotor? 27
4.1.1. Auswirkungen auf die Beratungsqualität 27
4.1.2. Auswirkungen auf die Produktqualität 30
4.2. Fremdfondsvertrieb als Vertrauenssignal? 38
II
5. Zertifizierung als zusätzliches Signal 39
5.1. Fremdfondsvertrieb der Commerzbank AG. 41
5.2. Die TÜV-Zertifizierung „Geprüfte Fondsauswahl“ 43
5.3. Problemfelder des Zertifikates 44
5.4. Wirkung des TÜV-Zertifikates 47
5.4.1. Wirkung als Vertrauenssignal? 48
5.4.2. TÜV-Zertifikat als Qualitätsmotor? 49
6. Fazit 50
Literaturverzeichnis. 52
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Organisation eines Investmentfonds
Abbildung 2: Übersicht Gütertypologie, Vertragsarten, Unsicherheit.
Abbildung 3: Vertrauensbeziehung als Prinzipal-Agent-Beziehung
Abbildung 4: Payoff-Matrix in der Beratung mit und ohne Moral Hazard
Abbildung 5: Umfrageergebnisse TNS Emnid
Abbildung 6: Reziproke Prinzipal-Agent-Beziehung
Abbildung 7: Formen des Fremdfondsvertriebes.
Abbildung 8: Konzernzugehörigkeit der 6 größten deutschen KAGen
Abbildung 9: Stufen auf dem Weg zum Drittfondsvertrieb.
Abbildung 10: Anzahl der Kooperationspartner im Drittfondsvertrieb.
Abbildung 11: Prognose Vertriebsanteile für das Jahr 2010
Abbildung 12: Kritische Fondsgröße
Abbildung 13: Entscheidungsmatrix Banken/KAG.
Abbildung 14: Rating-Matrix.
Abbildung 15: Übersicht Prüfverfahren der TÜV Management Service GmbH.
IV
Abkürzungsverzeichnis
ADIG Allgemeine deutsche Investmentgesellschaft
AG Aktiengesellschaft
BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V.
DIT Deutscher Investment Trust
DWS Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen
InvG Investmentgesetz
KAG Kapitalanlagegesellschaft
PA Prinzipal-Agent
PWC PricewaterhouseCoopers
SEB Skandinaviska Enskilda Banken
TNS Taylor Nelson Sofres plc
TÜV Technischer Überwachungsverein
WphG Wertpapierhandelsgesetz
V
1. Einführung
Vertrauen ist der Anfang von allem, so der ehemalige Werbespruch einer deutschen Großbank. 1 Man mag es bezeichnend für die Lage der Banken in Deutschland finden, dass dieser Werbespruch mittlerweile durch einen anderen ersetzt wurde, denn eine aktuelle Umfrage von TNS-Emnid zeigte, dass nur 34% aller Befragten ihrer Bank oder Sparkasse sehr vertrauen. Fast jeder Fünfte der Befragten misstraut den Banken sogar. 2 Aber gerade wenn es um einen für das tägliche Leben so enorm wichtigen Bereich wie das Thema Geld geht, ist Vertrauen eine Grundvoraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit. Um das Kundenvertrauen wieder zu stärken ist eine objektive Beratung, welche auch Fremdprodukte einbezieht, eine gute Strategie, denn 61% der Befragten halten dies für sehr wichtig, bei Depotbesitzern liegt dieser Anteil mit 80% nochmals höher. 3 Im Folgenden wird der Vertrieb von Investmentfonds deutscher Banken näher betrachtet, denn in diesem Bereich sind die Banken mehrheitlich dazu übergegangen, zunehmend auch Fremdprodukte von in- und ausländischen Anbietern in ihre Produktpalette aufzunehmen. Eine Begründung der Banken ist der Kundenwunsch verknüpft mit der Hoffnung, verlorenes Vertrauen so wieder zurückzugewinnen, denn der Vertrauensverlust in der Vergangenheit resultierte bei Investmentfondsbesitzern vielfach aus Fehlberatungen sowie der schwachen Performance hauseigener Fondsprodukte. Daher erhoffen sich sowohl Banken als auch Anleger von dieser Öffnung eine höhere Qualität von Produkten und Beratung. Die zentrale Frage dieser Arbeit wird sein, ob der Fremdfondsvertrieb die in ihn gesetzten Erwartungen hinsichtlich der Erhöhung des Vertrauens und der Qualität gerecht werden kann.
Um diese Frage zu beantworten wird im folgenden Kapitel der Absatz des Gutes Investmentfonds näher analysiert. Dabei spielen die Besonderheiten des Investmentfondsvertriebes aus Sicht der Neuen Institutionenökonomie eine besondere Rolle, ebenso das Konstrukt Vertrauen. Im dritten Kapitel wird ein kurzer Marktüberblick über die verschiedenen Formen des Drittfondsvertriebes sowie den Argumenten für und gegen die Öffnung der Banken für fremde Produkte gegeben. Die Frage aus dem Titel der Arbeit, ob der Fremdfondsvertrieb ein Qualitätsmotor und ein Vertrauenssignal darstellen kann, wird im vierten Kapitel genauer untersucht. Die Commerzbank AG ist als erste Bank in
1 Vgl. Ripperger 1998, S. 1.
2 Vgl. Commerzbank AG 2004, S. 6.
3 Vgl. Commerzbank AG 2004, S. 8.
1
Deutschland dazu übergegangen, ihren Fondsauswahlprozess zertifizieren zu lassen. Ist dies nur ein Marketinggag oder hat diese Zertifizierung wirklich einen Signalwert? Diese Frage wird im fünften Kapitel diskutiert, bevor im abschließenden Fazit die zentralen Ergebnisse zusammengefasst werden.
2. Besonderheiten beim Absatz von Investmentfonds
Bankleistungen sind Dienstleistungen, d.h. sie unterscheiden sich in ihren Merkmalen nicht grundsätzlich von anderen Dienstleistungen. 4 Die Eigenschaften von Dienstleistungen werden als bekannt vorausgesetzt, wenn Investmentfonds im folgenden Kapitel aus dem Blickwinkel der Neuen Institutionenökonomik betrachtet werden. Dabei soll zunächst eine informationsökonomische Betrachtung erfolgen, danach sind die Informationsasymmetrien sowie die vorliegenden Interessenskonflikte Gegenstand der Untersuchung. Dem schließt sich ein Kapitel zur Qualität und Qualitätsmessung an, um abschließend auf dieser Grundlage die Frage zu beantworten, welche Rolle Vertrauen beim Absatz von Investmentfonds spielt.
2.1. Funktionsweise von Investmentfonds
Das Investmentgesetz (InvG) definiert einen Investmentfonds als ein Sondervermögen, welches durch eine Kapitalanlagegesellschaft (KAG) verwaltet wird. 5 Bei Kapitalanlagegesellschaften handelt es sich um Kreditinstitute, deren Geschäftsbetrieb auf die Verwaltung von Sondervermögen ausgerichtet ist. 6 Unter einem Sondervermögen versteht man die Vermögenswerte, die mit dem durch die Ausgabe der Investmentzertifikate eingenommenen Geld angeschafft wurden. Dies geschieht für gemeinsame Rechnung der Anleger nach Maßgabe des Investmentgesetzes und den Vertragsbedingungen zwischen Anleger und KAG. 7 Die Kapitalanlagegesellschaft führt die Bücher des Fonds, verfasst die Rechenschaftsberichte sowie Verkaufsprospekte und ist für den Erwerb und Verkauf einzelner in den Sondervermögen enthaltener Vermögensgegenstände verantwortlich. Als Kontrollinstanz dient die Depotbank, welche die Vermögenswerte des Fonds verwahrt, An- und Verkaufsaufträge abwickelt und für die Ausgabe und Rücknahme der Zertifikate verantwortlich ist. 8 Das Zusammen-
4 WeitereAusführungen zum Dienstleistungscharakter finden sich in Schäfer 1994.
5 Vgl. § 2 (Begriffsbestimmungen) Abs. 1 Investmentgesetz.
6 Vgl. § 6 (Kapitalanlagegesellschaften) Abs. 1 Investmentgesetz.
7 Vgl. § 2 (Begriffsbestimmungen) Abs. 2 Investmentgesetz.
8 Vgl. Beike/Schlütz 2001, S. 681ff.
2
wirken von Anleger, Depotbank und Kapitalanlagegesellschaft 9 verdeutlicht folgende Graphik.
Die Angaben über die genaue Anzahl der in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Fonds schwanken sehr stark. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zählt 1406 Publikumsfonds nach deutschem Recht und 5262 ausländische Fonds. 10 Neben den zum öffentlichen Vertrieb für Privatleute zugelassenen Publikumsfonds gibt es die sogenannten Spezialfonds, die institutionellen Anlegern, wie z.B. Banken, Versicherungen und Pensionskassen, vorbehalten sind. 11 Diese werden im Folgenden jedoch nicht weiter betrachtet.
9 Auf weitere Ausführungen zu den rechtlichen Grundlagen und der Funktionsweise eines Investmentfonds wird an dieser Stelle verzichtet und auf Grill/Perczynski 2004, S. 245ff.
verwiesen.
10 Allerdings ist auch dieser Wert nicht ganz exakt, da die Angaben der BaFin auf unterschiedlichen Stichtagen beruhen, des Weiteren gibt es von vielen Fonds verschiedene Tranchen
eines Fonds, z.B. thesaurierend und ausschüttend, die von der Bundesanstalt nicht erfasst werden. Vgl. Brandes, online im Internet, Stand 11.08.2005.
11 Vgl. Bundesverband Investment und Asset Management e.V. 2004, S. 62ff.
3
2.2. Investmentfonds: Vertrauens- oder Erfahrungsgüter?
Bankdienstleistungen kann man in standardisierte und individualisierte Leistungen einordnen. Standardisierte Dienstleistungen sind weitgehend homogen, d.h. sie werden von vielen Anbietern in gleicher oder ähnlicher Form angeboten und bieten geringe Anpassungsmöglichkeiten auf den individuellen Kundenbedarf. Individuelle Dienstleistungen hingegen weisen eine deutlichere Heterogenität im Angebot auf, die Anpassungsmöglichkeiten an den Kundenbedarf sind weitaus größer. 12 In der informationsökonomischen Betrachtung haben einfache, standardisierte Bankprodukte - wie z.B. ein Girokonto - vorwiegend Such- und Erfahrungsguteigenschaften 13 , bei hoch individualisierten Bankdienstleistungen, wie z.B. einer Rentenversicherung, dominiert der Vertrauensgutcharakter 14 . Welche Eigenschaften liegen bei Investmentfonds stärker vor? Theoretisch kann sich der Kunde einige Zeit nach der Leistungserstellung ein Qualitätsurteil bilden, inwiefern die ihm verkauften Investmentfonds seine Anlageziele erreicht haben. Bei der Qualitätsbeurteilung muss man beachten, dass Investmentfonds als Hauptleistung i.d.R. im Verbund mit der Nebenleistung Beratung abgesetzt werden. 15 Daher kommt es sowohl auf die Produktqualität der Investmentfonds wie auch auf die Beratungsqualität seitens der Bank an. So hängt die Vorteilhaftigkeit einer bestimmten Fondsanlage nicht nur von der Performance, sondern auch von der Passgenauigkeit in das gesamte Anlageportfolio des Kunden ab. 16 Die Frage, „[...] wie sehr sich die Bank bzw. das Bankpersonal wirklich angestrengt hat, wie sorgfältig sie gearbeitet haben - ob sein 17 , ist für den Anleger im Finanzbedarf nicht effizienter hätte befriedigt werden können“ Nachhinein jedoch sehr schwer zu beantworten. Dies spricht für eine Einordnung als Vertrauensgut. Daneben existieren exogene Unsicherheiten 18 , zu nennen wäre hier vor allem die bei Vertragsabschluss unsichere Kapitalmarktentwicklung, die auf das spätere Ergebnis der Leistungserstellung einwirken, ohne das Berater oder Kunde diese bei Vertragsabschluss vorhersehen kann. Weiterhin muss man von einem stärkeren Vertrauensgutcharakter von Investmentfonds ausgehen, da eine überdurchschnittliche Performance 19 eines Fonds in der Vergangenheit keinen
12 Vgl. Schäfer 1999, S. 4.
13 Für grundlegende Ausführungen zu Such- und Erfahrungsgütern siehe Nelson 1970, S. 312.
14 Für grundlegende Ausführungen zu Vertrauensgütern siehe Darby/Karni 1973, S. 68f.
15 Vgl. Schäfer 1995b, S. 532, Ausnahme hiervon ist der Fondsabsatz bei Internetbrokern ohne Beratung.
16 Vgl. Sondermann 2000, S. 244f. 17 Schäfer 1995b, S. 533.
18 Vgl. Schäfer 1997, S. 185.
19 Wertentwicklung
4
Aussagewert für die Zukunft hat, da das zukünftige Anlageergebnis von der nicht vorhersehbaren Entwicklung der Kapitalmärkte abhängt. 20 Ob Erfahrungsgut-oder Vertauensguteigenschaften bei Investmentfonds dominieren, hängt ebenso vom Anleger selbst ab. Wie ist sein Anlagehorizont, wie erfahren ist er in Kapitalmarktgeschäften? Werden Investmentfonds über einen langen Anlagezeitraum gehalten, z.B. für die Altersvorsorge, und liegt dabei eine geringe Häufigkeit an Transaktionen vor, aufgrund dessen Erfahrungen im Trial-and-Error-Prozess nicht gemacht werden können, überwiegen Vertrauensguteigenschaften die prinzipiell vorliegenden Erfahrungsguteigenschaften. 21 Man spricht in solch einem Fall von Finanzdienstleistungen mit „Quasi-Vertrauensqualitäten“ 22 .
Aus Sicht der Neuen Institutionenökonomie kann man Investmentfonds aufgrund ihrer stärkeren Vertrauensguteigenschaften 23 sowie der Tatsache, dass es sich bei der Investmentfondsanlage nicht um ein fertiges Produkt, sondern um ein Leistungsversprechen handelt 24 , als Kontraktgüter einordnen. Kontraktgüter sind neben dem vorliegenden Leistungsversprechen durch zwei weitere Besonderheiten gekennzeichnet: „Die eine besteht darin, dass die Güter singulär, komplex und hochwertig sind. Die andere besteht darin, dass ihre Herstellung ohne die Einwilligung oder ohne Mitwirkung des Kunden nicht möglich oder nicht sinnvoll ist. Beide Eigentümlichkeiten 25 zusammen bewirken, dass besondere Informations- und Verhaltensunsicherheiten entstehen.“ Singulär ist ein Investmentfonds, da eine anlegergerechte Produktion durch die Integration des externen Faktors, in diesem Fall der Informationen des Anlegers über bisherige Anlagen, Anlagementalität, etc., auf die Bedürfnisse des Kunden individualisiert wird. Die Beratungsleistung als Nebenleistung des Investmentfonds gestaltet sich komplex, da sie sich an den Zielen des Anlegers orientieren sollte. Folglich ergibt sich eine hochwertige Dienstleistung, da die Beratung für einen Anleger i.d.R. für einen Zweiten wenig zielführend ist. 26 Der Vertrag zwischen Kunde und Bank über den Kauf eines Investmentfonds ist in die Zukunft gerichtet. Im Regelfall können nicht alle zukünftigen externen Risiken ausgeschlossen, ebenso wenig in der Gegenwart alle Verhaltensweisen der Vertragspartner verbindlich festgeschrieben werden. 27 „Damit verbleiben jedem Vertrag zwischen Bank und Kunde endogene Unsicherheiten, die sich mit Qualitätsunsicherheit,
20 Vgl. Sondermann 2000, S. 245.
21 Vgl. Schäfer 1999, S. 6.
22 Schäfer 1999, S. 6.
23 Vgl. Schäfer 1997, S. 185.
24 Vgl. Sondermann 2000, S. 244. 25 Kaas 1992, S. 885.
26 Vgl. Sondermann 2000, S.245.
27 Vgl. Schäfer 1995a, S.122.
5
28 Eine Übersicht über die bisherigen Hold Up und Moral Hazard strukturieren lassen.“ Ausführungen bietet folgende Abbildung.
Das Problem der Qualitätsunsicherheit sowie die dem zu Grunde liegenden Informationsasymmetrien und Interessenskonflikte werden im Folgenden genauer untersucht.
2.3. Das Problem der Qualitätsunsicherheit
In diesem Kapitel soll eine Annäherung an einen Qualitätsbegriff für Investmentfonds versucht werden, sowie die Methoden der Qualitätsmessung, namentlich Rating und Ranking, gegeneinander abgegrenzt und verglichen werden.
2.3.1. Annäherung an den Qualitätsbegriff für Investmentfonds 29 , so das griffige Statement „Die Qualität eines Fonds misst sich an der Performance“ einiger Autoren. Betrachtet man die bereits getroffene Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenleistung beim Fondsabsatz 30 , wird klar, dass diese Aussage zu kurz greift. Man muss folglich zwischen Produkt- und Beratungsqualität unterscheiden. 31 Als weitere Folgerung kann Qualitätsunsicherheit, auch Hidden Characteristics 32 genannt, sowohl im Produkt, wie auch in der Beratung ihren Ursprung haben.
In der Beratung hat die Qualitätsunsicherheit ihren Ursprung in der „[...] Begabung, Talent oder Qualifikation des Bankpersonals - im Vertriebs - wie im Betriebsbereich einer
28 Schäfer 1995a, S.122.
29 Balk 2001, S. 20.
30 Vgl. Kapitel 2.2. sowie Schäfer 1995b.
31 Vgl. Sondermann 2000, S. 244.
32 Vgl. Allgemein dazu Arrow 1991, S. 1184ff.
6
33 , beziehungsweise im Fehlen derselben. 34 Jedoch trägt auch der Kunde als Bank“
externer Produktionsfaktor eine Verantwortung für eine hohe Beratungsqualität. Denn hierfür sind seitens des Kunden gezielte Informationen über seine Bedürfnisse, Kenntnisse, Ziele und Erwartungen erforderlich. 35 Er übernimmt eine Mitverantwortung am Produktionsergebnis, denn nur bei vollständigen Informationen 36 kann der Berater ein optimales Beratungsergebnis erzielen. 37 Der Anlageerfolg des Kunden wird von einigen Autoren als Gradmesser der Qualität einer Beratung gesehen. 38 „Der Erfolg der Beratung ist der Erfolg der vermittelten Dienstleistung selbst - gemessen daran, ob sie im Kontext der Lebensverhältnisse des Kunden 39 Eine qualitativ hochwertige Beratung ist folglich eine sinnvoll ist.“ bedarfsgerechte Beratung.
Die Beurteilung der Produktqualität ist für den Kunden mit noch größeren Unsicherheiten verbunden. Denn hier kann man Performance nicht automatisch mit Qualität gleichsetzen. 40 Erstens lässt die Vergangenheitsperformance, wie bereits beschrieben, keinen Rückschluss auf zukünftige Performance zu 41 , des Weiteren müssen auch die eingegangenen Risiken bei der Qualitätsbeurteilung gewürdigt werden, z.B. anhand der Maßzahl der Volatilität, welche die Schwankungsbreite eines Fonds misst. 42 So ist von zwei Fonds mit gleicher Performance derjenige vorzuziehen, der diese Performance bei geringerem Risiko erwirtschaftet. Die Performance ist bei der Betrachtung der Fondsqualität zwar kein ausreichendes Kriterium, allerdings ist sie auch nicht ganz auszuschließen. Als Kriterien für einen qualitativ hochwertigen Investmentfonds sollte man die Erfahrung der Fondsgesellschaft, die Qualität des Fondsmanagements, die Vergangenheitsperformance sowie das Risikoprofil eines Fonds betrachten. 43
33 Schäfer 1995b, S. 536.
34 Vgl. Sondermann 2000, S. 263.
35 Vgl. Schäfer 1995a, S. 127.
36 Die vorliegende Informationsasymmetrie wird in Kapitel 2.4. thematisiert.
37 Bezüglich der Messung der Beratungsqualität sei hier für weitere Ausführungen auf Kallhardt 1997 verwiesen.
38 Vgl. Evers/Krüger/Reifner 2000, S. 52ff. 39 Evers/Krüger/Reifner 2000, S. 53.
40 Vgl. Balk 2001, S. 20.
41 Vgl. Sondermann 2000, S. 245.
42 Vgl. Conelly 2004, S. 26.
43 Vgl. Corsten/Martula 2000, S. 61f.
7
2.3.2. Methoden der Produktqualitätsmessung
Die zwei populärsten Orientierungshilfen bezüglich der Produktqualität beim Fondskauf sind Rankings und Ratings. 44 Die zwei Methoden unterscheiden sich wie folgt: „Ein Ranking bietet lediglich eine reine quantitative Performance-Betrachtung über einen bestimmten Zeitraum. Ein Rating berücksichtigt quantitative Faktoren wie Risiko und Volatilität ebenso wie qualitative Aspekte, die Rückschlüsse auf die Qualität des 45 Fondsmanagements zulassen.“
Bei einem Ranking handelt es sich um eine Aussage über die ordinale Rangfolge von Investmentfonds 46 , welche anhand der Wertentwicklung in der Vergangenheit aufgestellt wird. Der Vorteil eines Rankings ist der einfache Aufbau sowie die leichte Verständlichkeit dieser Fondshitliste. 47 Zu selten wird dabei jedoch auf die Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Fonds geachtet. Prinzipiell kann die Wertentwicklung nur zwischen Fonds gerankt werden, die der gleichen Fondsart 48 angehören, den gleichen Anlageschwerpunkt (branchenbezogen wie auch geographisch) verfolgen und die Gelder nach dem gleichen Anlagestil (value, blend oder growth 49 ) sowie in der gleichen Währung anlegen. 50 Des Weiteren ist auf die Wahl der Betrachtungszeiträume zu achten, denn je nach Wahl des Betrachtungszeitraumes variiert die Performance eines Fonds eventuell, so sind beispielsweise 50% Wertsteigerung nach einem vorhergegangenen Verlust von 50% immer noch ein Verlust. 51 Daneben werden die eingegangenen Risiken eines Fonds in einem Ranking nur unzureichend bzw. gar nicht gewürdigt. 52 Außerdem ergab eine Untersuchung in den USA, „[...] dass die Fonds, die in einem bestimmten Jahr jeweils die Spitzenpositionen einnahmen, im Folgejahr durchschnittlich auf Platz hundert 53 Folglich ist ein Ranking kein geeignetes Mittel, um eine Aussage über landeten.“ die Produktqualität zu machen.
Während Rankings sich auf die Vergangenheitsperformance stützen, versuchen Ratings diejenigen Fonds herauszufiltern, die eine stetige Mehrrendite aufweisen
44 Vgl. Gutenberger 2002, S. 320. 45 Gutenberger 2002, S. 38.
46 Vgl. Hockmann/Thießen 2002, S. 411.
47 Vgl. Gutenberger 2002, S. 38.
48 Es gibt verschiedene Kriterien, um Fonds voneinander abzugrenzen. Mit Fondsart sind hier Aktien-, Renten-, Misch-, Dach-, Immobilienfonds und Geldmarktfonds gemeint. Vgl. Grill/Perczynski 2004, S. 247ff.
49 Value Fonds konzentrieren sich auf Substanzwerte, Growth-Fonds hauptsächlich auf Wachstumswerte, während Blend-Fonds beide Ansätze mischen, Vgl. Beike/Schlütz 2001, S. 714ff.
50 Vgl. Noe/Nagel 2001, S. 24.
51 Vgl. Beck 2005a, S. 21.
52 Vgl. Connelly 2004, S 26. 53 Beike/Schlütz 2001, S. 760.
8
im Gegensatz zu den Fonds, die nur kurzfristig eine Fondshitliste anführen. 54 Hierbei werden je nach Ratinggesellschaft 55 sowohl quantitative Faktoren, wie Risiko, Schwankungsbreite, Vergangenheitsperformance, etc., als auch qualitative Kriterien, wie Managementfähigkeiten, Fondsphilosophie, Investmentprozess, etc. betrachtet. 56 Dadurch erhält ein gutes Rating eines Fonds ein höheres Gewicht als die Platzierung in einer Fondshitliste. Jedoch ist ein gutes Rating kein ausreichendes Merkmal für die Kaufentscheidung. Viele Berater verweisen im Verkaufsgespräch nur auf den externen Sachverstand, ohne sich die Mühe zu machen, eventuell auftretende Klumpenrisiken 57 im Fondsportfolio des Kunden zu analysieren. Des Weiteren stellt auch ein Rating kein absolutes, sondern eher ein relatives Maß dar, da einige Ratinggesellschaften ein festes Verteilungsschema für ihre Bewertungen verfolgen. Die Ratinggesellschaft Morningstar bewertet z.B. 10% der gerateten Fonds mit dem höchsten Rating, egal wie qualitativ hoch oder niedrig die gesamte Vergleichsgruppe im Hinblick auf andere Vergleichsgruppen ist. 58 Als weiteres Problem können vorliegende Interessenskonflikte angesehen werden, die insbesondere dann auftreten, wenn das Bewertungsverfahren von der Fondsgesellschaft bezahlt wird, deren Fonds geratet werden sollen. 59 Die Vergabe unterdurchschnittlicher Bewertungsnoten könnte den Auftraggeber in Zukunft von der Beauftragung dieser Ratingagentur abhalten. Seriöse KAGen versuchen diesen Interessenkonflikt mittels Mehrfachratings zu lösen. 60 Wichtig für die Nutzung ist die leichte Verständlichkeit der Bewertungen, was nicht immer gegeben ist. So lassen sich z.B. aus den drei Rating-Komponenten der Ratinggesellschaft Moody’s - Managementqualität, Investmentqualität und Performance - gleich 1280 unterschiedliche Notenkombinationen ableiten. 61 Diese einzelnen Abstufungen sind für einen Anleger kaum mehr in ihren Unterschieden zu überblicken. Neben dieser Kritik ist es wichtig festzuhalten, dass auch Ratings keine Garantie für einen Anlageerfolg in der Zukunft bieten und daher bestenfalls ein Qualitätsindiz 62 sein können. Für den
54 Vgl. Gutenberger 2002, S. 40.
55 Einen Überblick über die verschiedenen Fondsratingagenturen und ihre Vorgehensweise bietet Lau 2004, S. 119.
56 Vgl. Gutenberger 2002, S. 40.
57 Klumpenrisiken entstehen, wenn in verschiedenen Fonds ein Titel überproportional vertreten ist. Dann wird das Gesamtportfolio von diesem abhängig, was man im Sinne der Risikostreuung
mit den Fonds eigentlich verhindern wollte. Abhilfe kann in solch einem Fall die sogenannte Portfolio X-Ray-Analyse von Morningstar bieten. Vgl. Connelly 2004, S. 32ff.
58 Vgl. Connelly 2004, S. 30f.
59 Vgl. Mann 2004, S. 28.
60 Vgl. allgemein hierzu Heinke 2003, S. 320.
61 Vgl. Mann 2004, S. 28.
62 Selbst der Deutsche Investment Trust (DIT) sieht in regelmäßigen guten Ratings nur ein „Qualitätsindiz“. Vgl. Fundsnetwork, online im Internet, Stand 29.08.05.
9
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Diplom-Kaufmann Alexander Schmidt, 2005, Fremdfondsvertrieb von Banken - 'Open Architecture' als Vertrauenssignal und Qualitätsmotor?, München, GRIN Verlag GmbH
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