INHALT
Homo homini lupus et deus?
Zum Menschenbild in der
politischen Philosophie Thomas Hobbes
Einleitung
1. Thomas Hobbes
1.1 Leben, Werk und politische Situation
1.2 Hobbes Definition von Frieden in Zeiten des Krieges
2. Die Entwicklung der Gedanken
3. Der Naturzustand
4. Der menschliche Wille
5. Recht
5.1 Das Naturrecht
5.2 Subjektive Rechte und objektive Gesetze im Naturzustand
5.3 Das Recht des Menschen und seine Befreiung aus der Tradition
6. Widersprüche bei Hobbes
7. Vernunft und Effekt
7.1 Homo homini lupus und Homo homini deus ?
7.2 Krieg der Affekte?
7.3 Krieg der Vernunft?
7.4 Die Rolle der Vernunft bei Thomas Hobbes
Untersuchungsergebnis
Literaturverzeichnis
II
Einleitung
HOMO HOMINI LUPUS
? &
HOMO HOMINI DEUS
Das oft zitierte Wort vom Homo homini lupus 1 gilt vielen Interpreten als Leitspruch des Menschenbildes in der politischen Philosophie von Thomas Hobbes. Dabei werden viele Brüche in seiner Argumentation und vor allem die Möglichkeit des ebenfalls von ihm zitierten Homo homini deus 2 übersehen. Ziel der vorliegenden Arbeit soll es sein, sich aufgrund dieser scheinbaren Gegensätze dem Menschenbild des Thomas Hobbes zu nähern. Dabei müssen vor allem die Gründe und Voraussetzungen, warum Menschen sich wölfisch oder göttlich zueinander verhalten, fokussiert werden. Hobbes stellt das wölfische Gegeneinander im Zustand der Staaten untereinander, ergo auch im Naturzustand des Menschen, und das göttliche Zueinander im innerstaatlichen Zustand fest Um Hobbes Menschenbild möglichst vielseitig zu erfassen, wird diese Fragestellung nicht nur philosophisch, sondern auch soziologisch, historisch, politisch und juristisch betrachtet. Bereits die Titel der angegebenen Bücher lassen die unterschiedliche Herangehensweise erkennen und führen hoffentlich im Laufe dieser Betrachtung zu einem philosophischen Ganzen.
Generell lohnt sich bei der Beschäftigung mit der politischen Philosophie von Thomas Hobbes ein zweites Hinschauen. Er benutzt oft alte Termini für neue Denkansätze, was in der Rezeptions -geschichte nicht selten dazu geführt hat, das der neue Gedanke in alter Hülle, vor allem beim Naturrecht, nicht als solcher wahrgenommen worden ist.
Auch den biografische Abriss und eine Betrachtung seiner Zeit halte ich, abgesehen davon, dass es mir bei vielen Philosophen als Schlüssel zum Werk ersche int, für sehr erhellend in Bezug auf meine Fragestellung. Muss nicht in Kriegszeiten das Menschenbild ein düstereres, animalischeres und der Glaube an die Vernunft ein kleinerer sein?
1 Hobbes, Thomas: De Cive, Widmungsschreiben. In: Thomae Hobbes Malmesburiensis opera philosophica
quae latine scripsit omnia in unum corpus nunc primum collecta / studio et labore Gulielmi Molesworth, Vol. II.,
London 1839. S. 135.
2 Ebd..
1
Thomas Hobbes wird überraschende Antworten geben.
1. Thomas Hobbes
1.3 Leben, Werk und politische Situation
Thomas Hobbes kam am 5. April 1588 als Frühgeburt zur Welt, weil die Angst vor einer nahenden spanischen Armada 3 seine Mutter ins Kindbett warf. Für einige Interpreten liegt bereits in diesem Ereignis die Ursache für "den düsteren Hintergrund seines Bildes vom Menschen und vom Staate." 4 Sein Vater, ein Landgeistlicher in Westport bei Malmesbury mit bescheidener Bildung, muß nach einer Tat im Affekt fliehen. Der Onkel nimmt sich des geistig frühreifen Kindes an, sorgt für sein Studium der klassischen Sprachen und der "aristotelischen Physik und Logik im Lichte der scholastischen Interpretation" 5 in Oxford, die er 1607 mit dem Baccalarureus Artium beschließt. Hobbes wurde Erzieher im Hause des Barons Cavendish (ab 1613 Earl of Devonshire), mit dessen Sohn er sich ab 1610 drei Jahre in Frankreich und Italien aufhielt. Dabei übersetzte er Thykidides Werk über den Peloponnesischen Krieg "als Warnung vor den Gefahren von Demagogie und Demokratie" 6 und freundete sich mit Francis Bacon an, den er bis zu dessen Tod 1626 unterstützte. Auf dem Kontinent bricht 1618 der Dreißigjährige Krieg aus. Die zweite Festlandsreise, im Dienste der Familie Clinton, läßt Hobbes Euklids "Elemente der Geometrie" kennenlernen.
Wieder im Hause Devonshire begleitete Hobbes den Sohn seines ehemaligen Schülers nach Frankreich und Italien, wo die Begegnung mit Descartes, Gassendi, Mersenne (in Paris) und Galilei (in Florenz) den Gedanken der alles zu Grunde liegenden Bewegung in ihm reifen lies.
1 Die Hinrichtung von Maria Stuart 1587 löste den offenen Konflikt mit Spanien aus. Im Geburtsjahr Hobbes`
konnte die englis che Flotte einen Angriff der spanischen Armada in deren vollständige Vernichtung ummünzen.
Weitere Angriffe 1596/97 und 1599 bedrohen die Insel nicht mehr, der Konflikt wird 1604 beigelegt.
Vgl.: dtv-atlas Weltgeschichte. Bd.1, hrsg. von Herrmann Kindler und Werner Hilgemann, München 1999. S.
247.
4 Hier: Mayer-Tasch, P.C. (Hrsg.): Biografischer Grundriss, in: Hobbes, Thomas: Leviathan, München 1969. S.
289.
5 Mayer-Tasch, P.C. (Hrsg.): Biografischer Grundriss, in: Leviathan, München 1969. S. 303.
6 Ebd.. S. 304.
2
Im Frühjahr 1640, während der Sitzungsperiode des kurzen Parlaments, erscheint mit Elements of Law, Natural and Politic seine erste politische Schrift, zur Stärkung der Rechte des Souveräns. Der Bürgerkrieg in England ist nicht mehr aufzuhalten. Hobbes flieht im Herbst, während das lange Parlament tagt nach Frankreich, verfolgt allerdings von den Königstreuen, denen seine These von der Gleichheit aller Menschen missfiel.
Im Jahr der ausbrechenden Gewalttätigkeiten erscheint 1642 im pariser Exil De Cive, dass den aristotelischen und scholastischen Gedanken des menschlichen Triebes zur Vergesellschaftung verwirft. Statt dessen wird beschrieben, wie die Begierde immer nur alleinige Macht anstrebt und erst die Furcht den Menschen zur Gemeinschaft fähig macht. 7
1649 wird Karl I. Stuart hingerichtet und Hobbes beginnt die Arbeit am Leviathan. Dessen Erscheinen in englischer Sprache zwei Jahre später zieht ihm die Kritik des französischen Königshofes zu, weil er "die englische Republik als einen durch Unterwerfung der Staatsbürger zustande gekommenen Staat legitimierte". 8 Nach zehn Jahren im Exil kehrt er zurück nach England, wo Cromwell diejenigen seiner Thesen verbreitet, die seine Diktatur legitimieren sollen.
Auch nach der Restauration der Stuarts 1660 schätzt der neue Machthaber Karl II. seinen ehemaligen Lehrer und zahlt ihm eine Pension. Die lateinische Ausgabe des Leviathan 1668 präzisiert die Stellung des Souveräns und mildert die Anklage gegen die Kirche.
"Viel bewundert und viel gehaßt, bis zuletzt in Studien vertieft, heiter und gelassen, stirbt Hobbes am 4. Dezember [1679] im Schoße der Familien Cavendish zu Hardwick". 9
7 Den unterschiedlichen Charakter und die Entwicklung innerhalb der Werke zur politischen Philosophie hat der
Übersetzer vieler Schriften von Thomas Hobbes, Ferdinand Tönnies, sehr anschaulich herausgearbeitet.
Siehe Tönnies, Ferdinand: Studien zur Philosophie und Gesellschaftlehre im 17. Jahrhundert, hrsg. von E.G.
Jacoby, Stuttgart 1975. S. 200 - 240.
8 Dieselhorst, Malte: Nachwort. In: Hobbes, Thomas: Leviathan, übers. v. Jacob Peter Mayer, Stuttgart 1970.
S. 309.
9 Mayer-Tasch, P.C. (Hrsg.): Biografischer Grundriss, in: Leviathan, München 1969. S. 307.
3
1.4 Hobbes` Definition von Frieden in Zeiten des Krieges
In seinen ersten fünfzehn Lebensjahren lebte Thomas Hobbes unter dem gemäßigten Absolutismus der Tudors (1485 bis 1603). Die nachfolgende absolute Alleinherrschaft der Stuarts (1603 bis 1688) gefährdete den brüchigen Frieden zwischen Adeligen der weißen und roten Rose. Auch brachte die religiöse Intoleranz des schwachen Königs Karl I. das Land um seine Emanzipation gegenüber dem Kontinent und den wirtschaftlichen Aufschwung, der vielen in England zum ersten Mal Existenminima und Standesbewußtsein bedeutete. 10 Dieses miterleben zu müssen, und auch, wie der Demokratie und Wirtschaft belebende Calvinismus vom rigorosen Katholizismus der Krone bekämpft wurde 11 , hatte seine Auswirkung auf die hobbes`sche Definition von Krieg und Frieden:
"For war, consisteth not in battle only, or the act of fighting; but in a tract of time, wherein the will to contend by battle is sufficiently known: and therefore the notion of time, is to be considered in the nature of war; as it is in the nature of weather. For as in inclination thereto of many days together: so the nature of war, consisteth not in actual fighting; but in the known dispostion thereto, during all the time there is no assurance to the contrary. All the other time is peace". 12
10 Vgl.: dtv-atlas Weltgeschichte, Bd.1, München 1999, S. 247.; Mayer-Tasch, P.C. (Hrsg.): Biografischer
Grundriss, in: Leviathan, München 1969. S. 289.
11 Nach: Mayer-Tasch, P.C. (Hrsg.): Biografis cher Grundriss, in: Leviathan, München 1969. S. 289.
12 Hobbes, Thomas: Leviathan, or The Matter, Form, and Power of a Commonwealth Ecclesiastical an Civil
(1651). Edited by J.C.A. Gaskin, Oxford, 1996. S. 85.
Das Grundgerüst dieser Definition, das auch in dem Ausspruch "Frieden ist mehr als die Abwesenheit von
Krieg" liegt, würde auch den Naturzustand, wie John Locke ihn beschreibt als Kriegszustand bezeichnen.
Gerade weil diese Stelle vielen Interpreten als Merkmal der Unterschiede zwischen Hobbes und Locke gilt, sei
darauf verwiesen, dass bei Locke die Wenigen, die er "entartet" nennt, den Frieden gefährden. Locke benennt
diese Situation zwar nicht als Krieg aller gegen aller, sie ist aber so gefährlich, dass es gilt, den Staatszustand
anzustreben. Ist aber dieses Bedrohungspotential gegeben, so ist der Naturzustand, wie Locke ihn konzipiert,
nach der Definition von Hobbes ein Kriegszustand.
4
Arbeit zitieren:
Simon Hollendung, 2003, Homo homini lupus et deus? Zum Menschenbild in der politischen Philsophie des Thomas Hobbes, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Ursprünge des protestantischen Fundamentalismus in den USA
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Der Begriff der Freundschaft bei Aristoteles (Nikomachische Ethik, Buc...
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 18 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Simon Hollendung's Text Homo homini lupus et deus? Zum Menschenbild in der politischen Philsophie des Thomas Hobbes ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Simon Hollendung hat den Text Homo homini lupus et deus? Zum Menschenbild in der politischen Philsophie des Thomas Hobbes veröffentlicht
Simon Hollendung hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare