Anhangsverzeichnis
Anhang 1: Gegenüberstellung der unterschiedlichen Gesellschaftstypen Anhang 2: Entwicklung des reziproken Handels zur Redistribution an einem Beispiel
Abkürzungsverzeichnis
Aufl. Auflage bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise d.h. das heißt evtl. eventuell i.d.R. in der Regel n. Chr. nach Christus u.a. und andere v. Chr. vor Christus Vgl. Vergleiche z.T. zum Teil
II
Inhaltsverzeichnis
Anhangsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Die unterschiedlichen Stadien des evolutionären Entwicklungsprozesses. 2
2.1 Einführung. 2
2.2 Die Gruppe 3
2.3 Der Stamm 4
2.4 Das Häuptlingsreich 4
2.5 Der Staat 6
2.5.1 Der ursprüngliche Staat 7
2.5.2 Der nachfolgende Staat. 7
3 Gründe für die Herausbildung der unterschiedlichen Gesellschaftstypen. 8
3.1 Einführung. 8
3.2 Einfluss der Landwirtschaft auf die Entwicklung komplexer Gesellschaftstypen. 8
3.2.1 Allgemeiner Einfluss der Landwirtschaft. 8
3.2.2 Einfluss der Landwirtschaft auf egalitäre Gesellschaften. 9
3.3 Die Entwicklung von Führung und Hierarchie 10
3.3.1 Einführung. 10
3.3.2 Entwicklung von Big- man-Gesellschaften. 11
3.3.3 Entwicklung von Führung und Hierarchie in Häuptlingsreichen. 12
3.3.4 Weiterentwicklung der Führung und Hierarchie im Staat. 13
3.4 Die Entstehung und Ausbildung von Kleptokratie. 14
4 Fazit 15
5 Anhang 18
6 Literaturverzeichnis V
III
1 Einleitung
Seit der letzten Eiszeit, vor ca. 13.000 Jahren, hat die Menschheit eine Entwicklung durchgemacht, die zu der heutigen, in den überwiegenden Teilen der Welt vorherrschenden, Gesellschaftsform (Staat) geführt hat.
Aus Untersuchungen von Archäologen und Anthropologen ist bekannt, dass die Menschheit vor 13.000 Jahren noch nicht in solch komplexen Gesellschaftsstrukturen, wie wir sie heute kennen, organisiert war. So weist Diamond darauf hin, dass „noch im Jahr 1.500 n. Chr. (...) weniger als 20 Prozent der Landfläche unseres Planeten zu Staatswesen mit festen Grenzen, Verwaltungsapparaten und Rechtsordnungen“ 1 gehörte. Heute sind alle Gebiete der Welt mit Ausnahme der Antarktis zwischen Staaten aufgeteilt. 2
Klimatische sowie geographische Veränderungen der natürlichen Umwelt, in der die Menschen leben bzw. lebten, haben zu dieser Entwicklung geführt. Die Suche nach alternativen Nahrungsquellen begann als Ergebnis der Einführung der Landwirtschaft und der Entwicklung unterschiedlicher Gesellschaftsformen. Diese Gesellschaftsformen unterscheiden sich z.T. deutlich in Struktur, Hierarchie und Führung und lassen sich nach Diamond bzw. Service in fo lgende vier Gesellschaftsformen gliedern: Gruppe, Stamm, Häuptlingsreich und Staat.
Daraus resultieren die Fragen, welche Organisationsformen vor der Staatsform bestanden haben und durch welche Bedingungen diese Entwicklung angestoßen und vorangetrieben wurde. Weiter ist von Interesse, wieso es heutzutage noch Gruppen von Menschen gibt, die sich diesem Entwicklungsprozess bewusst entzogen haben und noch so leben, wie vor 13.000 Jahren. 3
Im nachfolgenden Kapitel findet sich eine grundlegende Einordnung der einzelnen Klassifikationen der Gesellschaftstypen, wobei die Übergänge der unterschiedlichen Phasen einen fließenden Prozess darstellen.
Im Anschluss an diese Einordnung werden die zu dieser Entwicklung führenden Gründe dargelegt und im Fazit kritisch diskutiert.
1 Diamond (1998), S. 324.
2 Vgl. Diamond (1998), S. 324.
3 Hierbei sei bspw. auf den neuguineanischen Stamm der Fayu verwiesen. (Vgl. Diamond (1998), S. 322ff).
1
2 Die unterschiedlichen Stadien des evolutionären Entwicklungsprozesses 2.1 Einf ührung
Die weltweite Menschheitsgeschichte - insbesondere die Entwicklung der letzten 13.000 Jahre - lässt sich in unterschiedliche Zeitalter einteilen, die unterschiedliche Gesellschaftsformen hervorgebracht haben. Lenski/Lenski/Nolan treffen dabei eine Unterscheidung in folgende vier Zeitalter: 4
- Zeitalter der Jäger und Sammler (bis ca. 7.000 v. Chr.),
- Zeitalter der Hortikulturen (von ca. 7.000 v. Chr. bis ca. 3.000 v. Chr.),
- Zeitalter der Agrarwirtschaft (von ca. 3.000 v. Chr. bis 1.800 n. Chr.),
- Industriezeitalter (seit ca. 1.800 n.Chr.).
Lee/Daly hingegen teilen die Menschheitsgeschichte in folgende drei Phasen ein: 5
- Phase des primitiven Kommunismus 6 ,
- Phase des Sesshaftwerdens (Tribal Society),
- Phase des Staatswesens (Early Agrarian States).
Auch Montesquieu beschreibt und unterscheidet die Kultur- und Menschheitsentwicklung in drei Phasen, wobei er als einzige Neuerung die Begriffe Wildheit, Barbarei und Zivilisation, die unterschiedliche Stadien der Entwicklung darstellen, prägte. 7 Kulturanthropologen hingegen unterteilen die unterschiedlichen Gesellschaften teilweise in bis zu sechs unterschiedliche Kategorien. Bei allen Versuchen der Klassifikation ist kritisch zu berücksichtigen, dass sich die einzelnen Stadien nur sehr unscharf voneinander trennen lassen, da sie über den gesamten Entwicklungsprozess fließend ineinander übergehen. Darüber hinaus „mangelt es Entwicklungsphasen an Homogenität, so dass ins gleiche Stadium eingeordnete Betrachtungsgegenstände in Wirklichkeit sehr heterogen sein können“ 8 . In der weiteren Betrachtung dieser Arbeit findet die von Service vorgeschlagene und von Diamond übernommene Klassifikation Verwendung. 9 Hierbei handelt es sich um die Einteilungen in Gruppe, Stamm, Häuptlingsreich und Staat.
4 Vgl. Mizera (1995) S. 52.
5 Vgl. Mizera (1995), S. 52f.
6 In der Phase des primitiven Kommunismus hat die Gleichheit aller geherrscht, d.h. diese Phase ist durch einen
sehr stark ausgeprägten Egalitarismus gekennzeichnet. (Vgl. Mizera (1995), S. 52).
7 Vgl. Vogt (1992), S. 13.
8 Diamond (1998), S. 325.
9 Vgl. Diamond (1998), S. 325ff.
2
2.2 Die Gruppe
Die kleinste der vier Gesellschaftsformen stellt die Gruppe dar. Die Beziehungen der Gruppenangehörigen sind verwandtschaftlich geprägt und umfassen i.d.R. zwischen fünf bis 80 Personen. 10
Klassische Vertreter dieser ursprünglichsten Gesellschaftsform sind Jäger- und Sammlergesellschaften. Hierbei handelt es sich um egalitär organisierte, d.h. auf Gleichheit aller Mitglieder beruhende Gesellschaften, denen formal definierte Führungspositionen, soziale Schichtung und formale/politische Macht fremd sind. 11 12 Die im häuslich-familiären Bereich vo rkommenden hierarchischen Statusstrukturen stellen jedoch keine offizielle Autoritätshierarchie innerhalb der gesamten Gruppe dar. 13
Führung wird immer dann durch eine Person wahrgenommen, wenn die Gruppe eine Führung benötigt. 14 „Differences in skill, while widely known and acknowledged, do not confer power over others, although they may lead to same advantages in procuring food or mates.“ 15 Es gibt in Jäger- und Sammlergesellschaften so viele Autoritäten, wie es Aufgabenbereiche gibt. 16 Unter egalitär ist in diesem Zusammenhang zu verstehen, dass die Führung der Gruppe lediglich informell ist und auf Qualifikationen wie Charakterstärke, physische Kraft, Intelligenz und Kampfgeschick beruht. 17
Die starke Abhängigkeit von Jäger- und Sammlergesellschaften von der natürlichen Fortpflanzungsrate der Tiere und Pflanzen ist ein Grund für das Fehlen jeglicher Art von Siedlung. 18 Gründe, die eine Siedlung begünstigen (bspw. Landwirtschaft), liegen nicht vor. Zur Vormeidung von Konflikten bedienen sich Gruppen dem reziproken 19 Austausch von Gaben. 20 Trotzdem fehlt es der Gruppe an politischen und sozialen Mechanismen zur friedlichen Konfliktbewältigung. 21
10 Vgl. Diamond (1998), S. 325 sowie Johnson (2000), S. 43 - Die meisten Mitglieder der Gruppe sind durch
Geburt und Heirat miteinander verwandt.
11 Vgl. Mizera (1995), S. 58.
12 Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass jede noch so kleine primitive Gesellschaft organisiert ist
und ein auf relevante Weise strukturiertes Sozialverhalten kennt. (Vgl. Service (1977), S. 79).
13 Vgl. Service (1977), S. 80f.
14 Vgl. Johnson (2000), S. 44.
15 Vgl. Johnson (2000), S. 44.
16 Vgl. Mizera (1995), S. 58.
17 Vgl. Diamond (1998), S. 328.
18 Vgl. Harris (1978), S. 33.
19 Fried unterscheidet drei unterschiedliche Formen des reziproken Handels: (1) unausgeglichener reziproker
Handel, (2) ausgeglichener Handel und (3) negative reziproker Handel. (Vgl. Fried (1967), S. 36).
20 Dabei kommt es zu einem einseitig freiwillig, gegebenen, wertvollen Geschenk an eine andere Gruppe, was
diese dann dazu verpflichtet, zu einem späteren Zeitpunkt, entsprechend zu reagieren. (Vgl. Service (1977), S.
93f).
21 Vgl. Diamond (1998), S. 323.
3
2.3 Der Stamm
Die nächste Entwicklungsstufe stellt die Gesellschaftsform des Stammes dar. Dabei handelt es sich um an einem festen Ort zusammenlebende unterschiedliche Sippengemeinschaften (Clans) mit einer Stärke von mehreren hundert Personen, die untereinander Heiratspartner austauschen. 22 Das besiedelte Land wird unter den unterschiedlichen Clans des Stammes aufgeteilt. 23
Der Stamm ist immer noch durch eine egalitäre Gesellschaftsstruktur ohne nennenswerte Hierarchien geprägt. Dennoch gibt es erste Tendenzen, die eine Hierarchieentwicklung erkennen lassen. 24
In Stämmen bilden sich Personen mit besonderem Status (sog. Big- men) heraus, die unter den Stammesangehörigen das größte Ansehen genießen, jedoch auch auf das Wohlwollen dieser Stammesangehörigen angewiesen sind. Der Big- man hat keine formellen Mittel seine Autorität durchzusetzen. Seine Anhänger leisteten den Befehlen nur freiwillig Folge. 25 Der Status des Big- man stellt somit kein offizielles Amt dar.
Wie sich der Status des Big- man aufbauen und bis zu einem gewissen Grad erhalten läßt, beschreibt das nachfolgende Zitat:
„Seine Stärke [die des Big -man] manif estiert sich in verschiedener Weise; am bemerkenswertesten sind die Verschenk-Feste, bei denen er seine Macht demonstriert, von seinen Gefolgsleuten Güter, vor allem Schweine, einzufordern, die er dann bei einem verschwenderischen Fest an eine andere Gruppe wieder austeilt.“ 26 Die Entwicklung des Stammes ist durch die beginnende Entwicklung der Landwirtschaft begünstigt worden. Dies erklärt u.a. auch die Siedlung sowie die zunehmende Bevölkerungsgröße und -dichte des Stammes.
Der Handel bzw. Austausch von Gütern ist, wie in der Gruppe auch, reziprok organisert, mit dem Ziel Konflikte zwischen Clans und anderen Stämmen zu vermeiden, da Sichheitsinstitutionen in dieser Phase (noch) nicht entwickelt sind. 27
2.4 Das Häuptlingsreich
Der Unterschied des Häuptlingsreiches zum Stamm manifestiert sich in der Größe von mehreren tausend bis zehntausend Angehörigen. Das in dieser Phase entstehende ernste Konfliktpotential resultierend aus der zunehmenden Bevölkerungsgröße und -dichte und der
22 Vgl. Johnson (2000), S. 125f sowie Diamond (1998), S. 330.
23 Vgl. Diamond (1998), S. 330.
24 Vgl. Johnson (2000), S. 126.
25 Vgl.Service (1977), S. 109 sowie Diamond (1998), S. 331f.
26 Service (1977), S. 108.
27 Vgl. Diamond (1998), S. 332.
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Arbeit zitieren:
Thorben Wicht, 2005, Vom Egalitarismus zur Kleptokratie - die Evolution von Herrschaft und Kleptokratie, München, GRIN Verlag GmbH
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