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Prüfer: Dipl. Sozw. Alexander Endress
Autor: Nicolas Kelly
Abgabetermin: 05. April 2002
Forschungsarbeiten auf der Grundlage photographischen Datenmaterials
I. Einleitung: Stellenwert der Bildanalyse in der empirischen Forschung
gestern und heute
II. Hauptteil
1. Allgemeine Betrachtungen zur Bildanalyse und dem weiteren Vorgehen.
2. Inszenierte Demokratie
3. Händeschütteln, kein Handschlag - atque tertium datur
III. Eigene Ergänzungen und Fazit
Literaturverzeichnis
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Die sozialwissenschaftliche Analyse photographischen Datenmaterials wurde um die Jahrhundertwende (19. / 20. ) in den USA intensiv betrieben, was die Auszählung der publizierten Artikel zu diesem Thema im „American Journal of Sociology“ belegt: Es wurden hier 31 Artikel mit 244 photographischen Abbildungen veröffentlicht. Allerdings war das Medium damals neu, was das große Interesse zumindest teilweise erklären könnte.
Wenn man den Stellenwert der Untersuchung des Internet heute als Vergleich heranzieht, erscheint die Annahme plausibel. In der )25,6 ± 'DWHQEDQN der *(6,6, die die gemeldeten empirischen Forschungsprojekte in den Sozialwissenschaften der letzten 3 Jahre umfasst, wurden bei einer unreflektierten, nicht spezifizierten Suchanfrage, für das Wort „Internet“ im Titel, 133 Treffer angezeigt. Für die Anfragen „Photographie“, „photographisch“, „fotografisch“, „fotographisch“, „Fotographie“ sowie „Film und „filmisch“ jedoch kein einziger. Die Anfrage Video ergab immerhin 9 Treffer. Dies zeigt eine enorme Vernachlässigung dieses Themengebietes in der empirischen Sozialforschung in den letzten Jahren.
Ein so bedeutsamer und quantitativ großer Sektor des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens kann doch für die Soziologie nicht uninteressant sein. Man denke nur an die tägliche Nachrichtenberichterstattung, auf die ein Großteil unserer politischen Urteilskraft aufbaut. Hier wäre es interessant, zu erforschen, ob Trends, national oder international in der soziologischen Forschung nachzuweisen wären. Auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft qualitative Sozialforschung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, (http://www.soziologie.de/sektionen/m04/index.htm) wurde jedoch für die Konferenz 2002 der Schwerpunkt Interaktions - und Gesprächsanalysen gewählt. Auch soll hier auf den interpretativen Aspekt qualitativer, empirischer Forschung eingegangen werden.
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Dies ist insofern von Bedeutung, da bei der Betrachtung von Bilddokumenten zwei Ebenen der Untersuchung zu unterscheiden sind:
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Im Folgenden sollen zwei rezente Beispiele aus der Forschungsarbeit von Henrik Kreutz im Hinblick auf ihren Beitrag zur Weiterentwicklung der qualitativen Sozialforschung vorgestellt werden. Beide Beiträge beruhen auf einem pragmatischen Forschungsverständnis, auf das im Laufe der Betrachtung noch ausführlicher einzugehen sein wird.
Zunächst wende ich mich der 1999 entstandenen Studie Ä,QV]HQLHUWH'HPRNUDWLH³zu. Diese Arbeit darf hier wohl als eine Schnittmenge der beiden oben bezeichneten Vorgehensweisen gesehen werden. Bevor Kreutz die Ebene des subversiven Verstehens betritt, erfolgt eine genaue Auswertung und Erfassung der real ablaufenden Vorgänge.
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Wir haben die Studie im Rahmen des Seminars „qualitative Methoden der Sozialforschung“ besprochen. Meiner Meinung nach liegt hier jedoch keine klar zuordenbare Arbeit in der Form vor, als dass sie als eindeutig qualitativ oder quantitativ im herkömmlichen Sinne zu klassieren wäre. Vielmehr bewegt sich +HQULN .UHXW] Studie in einer Synthese beider empirischen Richtungen und zeigt hierbei alternativ eine umfassende Möglichkeit der Betrachtung eines gesellschaftlichen Tatbestandes auf. Die qualitative Arbeit der sinnhaften Durchdringung eines Forschungsgegenstandes im Hinblick auf sein vollständiges Begreifen in einem soziologischen Kontext, wird mit der exakten quantitativen Erfassung als Sichtbarmachung, Verdeutlichung und Beweismittel kombiniert.
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+HQULN .UHXW] versucht den Systemumbruch in Rumänien 1989 genauer zu erfassen als es der systematischen Geschichtsschreibung bis jetzt gelungen ist. Nach dem Zusammenbruch der Diktatur Ceauscescus, den nach Meinung von .UHXW] ein Putsch und keine Revolution bewerkstelligte, war die Versammlung zur Gründung eines Rates der Nationalen Rettungsfront ein Schlüsselereignis in der Geschichte des Umbruchs, da hier die Weichen für ein neues Rumänien gestellt werden sollten. Eine scheinbar umfassende Vorlage von Berichten und Absichtserklärungen und die daraus folgenden Deskriptionen des Ablaufs des Umsturzes werden einer kritischen Prüfung unterzogen.
Die genaue Beschäftigung mit der Gründung dieses Rates durch die Auswertung eines Videomitschnittes soll die realen Vorgänge beschreiben, aber auch „Dichtung und Wahrheit“ der Geschichtsschreibung soll mit empirischen Verfahren nachgeprüft werden. Es geht also vereinfacht gesagt darum nicht das zu erforschen was jemand geschrieben hat, sondern zu ergründen was wirklich geschehen ist und warum.
Arbeit zitieren:
Nicolas Kelly, 2001, Forschungsarbeiten auf der Grundlage photographischen Datenmaterials, München, GRIN Verlag GmbH
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