Inhaltsverzeichnis
1. Pietismus, August Hermann Francke und die Universität Leipzig -
Eine kurze Einführung 3
2. Pietismus - die neue Frömmigkeitsbewegung 5
3. August Hermann Francke 6
3.1 Franckes Zeit vor der Universität Leipzig - Kindheit, Jugendalter
und studentische Anfänge 6
3.2 Franckes Wirken an der Universität Leipzig 7
3.2.1 Die Jahre 1684 - 1687 8
3.2.2 „Bekehrung“ und „Wiedergeburt“ 10
3.2.3 Studium in Hamburg und Aufenthalt bei Spener 12
3.2.4 Francke als Dozent in Leipzig - das Jahr 1689 13
3.2.5 Pietistische Unruhen und Vorlesungsverbot 15
3.3 Franckes weiterer Werdegang 17
4. Zusammenfassende Betrachtung 18
5. Abbildungen 20
6. Quellenverzeichnis 21
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1. Pietismus, August Hermann Francke und die Universität Leipzig -Eine kurze Einführung
Nachdem die Reformation im 16. Jh. für eine Glaubensspaltung innerhalb des Christentums sorgte, wurde bereits einige Jahrzehnte später oftmals ein „praktischer Atheismus“ 1 beklagt. Johann Arndt (1555 - 1621) rief zur „praxis pietatis“, einer gelebten Frömmigkeit, auf. Aus dem Wunsch nach einem praktischen Christentum mit regem Gebetsleben um dadurch zu wahrer Frömmigkeit zu gelangen entstand der Pietismus.
Der Kirchenhistoriker Martin Brecht sieht im Pietismus die „bedeutendste Frömmigkeitsbewegung des Protestantismus nach der Reformation“. 2 Dabei stellte der mitteldeutsche Raum um Leipzig und Halle, somit auch die Universität Leipzig, ein Zentrum dar. Die wichtigsten und einflussreichsten Persönlichkeiten dieser religiösen Strömung waren Philipp Jakob Spener (1635 - 1705) und August Hermann Francke (1663 - 1727). Spener selbst war zwar nicht in Leipzig oder Halle aktiv, dennoch beeinflusste er diese beiden Städte durch seine Tätigkeit als Mitglied des Oberkonsistoriums 3 in Dresden und in Berlin. Franckes Wirken soll Gegenstand dieser Untersuchung sein, wobei das Hauptaugenmerk auf seiner Zeit an der Leipziger Universität liegen wird (1684 - 1687 und 1689). Hier gründete Francke mit dem „Collegium Philobiblicum“ eine theologische Versammlung, die rasch an Mitgliedern und Bedeutung gewann und somit für die gesamte pietistische Bewegung von Bedeutung war. Auf Spener soll dagegen nur am Rande eingegangen werden.
Einen weiteren Schwerpunkt soll Franckes „Bekehrung“ 4 mit den Vorstufen „Dämmerung“ und „Durchbruch“, typische Stadien auf dem Weg zum wahren Glauben im Pietismus, darstellen.
Es soll geklärt werden, wodurch der Pietismus charakterisiert ist und auf welche Art und Weise Francke Anhänger gewann. Inwieweit unterschied sich das „Collegium Philobiblicum“ von anderen Collegien und weshalb erfreute es sich bei den Teilne h-
1 Kühlmann(1996), 168.
2 Brecht (1993), 1.
3 Oberste Behörde der evang. Landeskirche.
4 Die „Bekehrung“ ist ein persönliches, bewusstes spirituelles Erlebnis, das für das Individuum, von
weit reichender Bedeutung ist. Der „bekehrte“ erlangt eine „neue“ Existenz, auch „Wiedergeburt“ ge-nannt, die durch eine Veränderung hin zum lebendigen christlichen Glauben gekennzeichnet ist. Auf
dem Weg zur „Bekehrung“ befindet sich die betreffende Person zunächst in einem Zustand der
„Dämmerung“, welcher durch eine tiefe innere Unzufriedenheit gekennzeichnet ist. Die nächste Stufe
ist der „Durchbruch“, ein konkreter Vorfall, durch den die „Bekehrung“ unmittelbar ausgelöst wurde.
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mern rasch wachsender Beliebtheit? Was machte Francke für die Universität und die Kirche so gefährlich, so dass er 1689 Vorlesungsverbot erhielt und 1690 ein Verbot über jede Art von pietistischen Versammlungen erging? Was ist das Vermächtnis von August Hermann Francke?
Als Hauptquelle dienten die Lebensläufe August Hermann Franckes. Diese bestehen aus dem Lebenslauff, von Francke im Alter von 27 Jahren selbst geschrieben, der die Jahre 1663 bis 1687 umfasst, und der Kurtze[n] Nachricht, die anlässlich seines Todes verfasst wurde. Vor allem der Erstgenannte liefert einen sehr genauen Einblick in Franckes persönliche religiöse Entwicklung und bietet detaillierte Informationen zu den Leipziger Geschehnissen.
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2. Pietismus - die neue Frömmigkeitsbewegung
Der Begriff „Pietismus“ ist eng mit den Ereignissen in Leipzig im Sommer 1689 ver-bunden. Zu dieser Zeit tauchte das Wort „Pietismus“ erstmals in der Öffentlichkeit auf. Joachim Feller, ein Leipziger Poesieprofessor, griff es auf und sorgte mit seinem Gedicht anlässlich des Begräbnisses von Martin Born 5 für weitere Verbreitung 6 : ES ist jetzt Stadt-bekannt der Nahm der Pietisten; Was ist ein Pietist? der Gottes Wort studirt, Und nach demselben auch ein heilges Leben führt Das ist ja wohl gethan, ja wohl von iedem Christen. Denn dieses machts nicht aus, wenn man, nach Rhetoristen Und Disputanten Art, sich auf der Cantzel ziert, Und nach der Lehre nicht lebt heilig, wie gebührt, Die Pietät, die muß vor aus im Hertzen nisten. Der baut auch zehnmal mehr, als wohlgesetzte Wort, Ja alle Wissenschafft, sie nutzt auch hier und dort. […] 7 Der Wortursprung für diese im 17. Jh. innerhalb des Protestantismus einsetzende religiöse Bewegung leitet sich vom lateinischen „pietas“, Frömmigkeit, ab und hatte eine geistliche Erneuerung der Kirche zum Ziel. Der Pietismus stellte die Gegenströmung zur lutherischen Orthodoxie dar. Während diese u. a. durch streng rationale Denkformen geprägt war, zielte der Pietismus auf ein an der Bibel orientiertes, praktisches Christentum ab, dass sich in Frömmigkeit und tätiger Nächstenliebe äußern soll. Grundlagen sind dabei das regelmäßige Bibelstudium und die individuell bewusst erlebte „Bekehrung“ 8 .
Die Wurzeln des Pietismus reichen bis ins 16. Jh., beispielsweise auf den zuvor angesprochenen Johann Arndt zurück. Den Höhepunkt stellte der Zeitraum vom ausgehenden 17. Jh. bis Mitte des 18. Jh. dar, welcher nicht von ungefähr mit Franckes Hauptschaffensperiode korreliert.
Der deutsche lutherische Pietismus wurde nachhaltig von Philipp Jakob Spener geprägt, der 1675 mit den „Pia Desideria“ die programmatische Schrift des Pietismus
5 Zur pietistischen Bewegung gehörender Student .
6 Vgl. vom Orde (2004), 359.
7 Abdruck in Leube (1975), 91.
8 Brockhaus (1998), 158
5
veröffentlichte und mit den „Collegia Pietatis“ die für den Pietismus typische Ver-sammlungsform ins Leben rief. August Hermann Francke legte, vergleichend zu Spener, noch mehr Wert auf die christliche Praxis.
Im Bereich des kirchlichen Lebens entfaltete der Pietismus nachhaltig seine Wirkung. So wurden etwa Bibelstunden und Konfirmation gefördert, sowie Gottesdienst und Predigt belebt. Darüber hinaus erlangte er Verdienste um Schulwesen, Armenfürsorge, Mission und Annäherung der Konfessionen. 9
Pietistische Strömungen sind auch heute noch in einigen evangelischen Gemeinden zu finden.
9 Brockhaus (1998), 158.
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Eric Petermann, 2005, Die Universität Leipzig und der Pietismus - Die Person August Hermann Francke, München, GRIN Verlag GmbH
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