Christian Helbich
PS Der röm. Kaiser Marc Aurel
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Vorwort
Religionen waren oft Opfer staatlicher Repressionen. Die Ausübung einiger Kulte wurde verboten, ihre Anhänger teils gnadenlos verfolgt. Auch die Christen waren im Römischen Reich mehrere Jahrhunderte lang Repressionen und z.T. harten Verfolgungen und Ausschreitungen ausgesetzt. Bis zur Anerkennung ihrer Religion durch Maxentius und das sogenannte „Mailänder Toleranzedikt“ Cons-tantins des Großen 313 konnten sie oftmals ihres Lebens und Besitzes nicht sicher sein. Doch waren die Verfolgungen so gnadenlos, wie von christlichen Gelehrten dargestellt? Das Problem ist, dass heidnische Quellen zu den Christenprozessen und -verfolgungen weitgehend fehlen und man auf christliche Schriftsteller zurückgreifen muss, die allerdings kaum unparteiisch berichteten, zudem sie oft selbst Bischöfe und andere geistliche Würdenträger waren. Wenn es Gerichtsprotokolle etc. der Verfolger gab - wovon zumindest in einigen Fällen wohl auszugehen ist - so wurden diese, nachdem das Christentum durch Edikt Theodosius I. Staatsreligion wurde, sicherlich beseitigt, damit sich keine andere Sicht der zurückliegenden Ereignisse verbreiten konnte und der Mythos der mutig und fröhlich in den Tod gehenden Märtyrer erhalten blieb. Trotz der Verfolgungen überlebte das Christentum nicht nur, sondern konnte - entgegen der Absichten der Kaiser und seiner Beamten - immer mehr Anhänger finden, was an der oft unkonsequenten Vorgehensweise des Staates liegen kann, der lange Zeit - bis ins 3.Jh. hineinnur eingriff, wenn er die öffentliche Ordnung gefährdet sah. Nach %LUOH\, 401f sollen die Verfolgungen der offiziellen christlichen Kirche sogar eher genutzt als geschadet haben, da diese das Entstehen von Sekten und Irrlehren begrenzten, das Christentum nach Innen stärkten und die Anhänger durch standhafte Märtyrer in ihrem Glauben ermutigten.
Es erscheint tragisch, dass es gerade unter dem friedliebenden und hochgebildeten Kaiser Marc Aurel, dem „Philosophen auf dem Kaiserthron“, zu den wohl bisher schwersten Ausschreitungen und Verfolgungen gegen Christen bis zu den Verfolgungen unter Decius 249/50 n.Chr. kam, auch wenn der Kaiser diese persönlich nicht angeordnet hatte. In dieser Hausarbeit soll es nun um die Christenpolitik des Kaisers gehen. Dazu werde ich einleitend auf die Entstehung und Ausbreitung des Christentums, Gründe für den Christenhass, vorherige Verfolgungen unter Nero, Domitian und den Antoninen sowie auf die für die Christenprozesse bedeutenden juristischen Grundlagen eingehen. Anschließend werde ich die drei wichtigsten Prozesse und Verfolgungen in Rom, Asien und Gallien behandeln sowie das persönliche Verhältnis des Kaisers zu Religion und Christentum und seine Beurteilung in der antiken christlichen Apologie betrachten. Schließen werde ich mit einer Einschätzung, ob er ein Verfolger war, und einen kleinen Ausblick auf die weiteren Christenverfolgungen bis zum 4. Jh. n.Chr.
Christian Helbich
PS Der röm. Kaiser Marc Aurel
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Inhaltsübersicht
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Nach der Hinrichtung Jesus von Nazareths in Jerusalem verbreitete sich der neue Glauben auch außerhalb Palästinas. Die Apostel brachten diese neue Religion v.a. in den Osten des Reiches. Frühe Gemeinden befanden sich zumeist in Kleinasien und Syrien, aber auch in den Provinzen Arabia und
Ägypten. Dagegen konnte sich das Christentum im Westen des Reiches nur sehr langsam verbreiten .
Der Gedanke des Monotheismus, der Glaube an einen allmächtigen Gott, war nicht neu. Schon Echnaton wollte mit seinem obersten Gott Aton, dem Sonnengott, den Monotheismus in Ägypten einführen, wenn auch ohne großen Erfolg. Dagegen entstand in Palästina mit dem Judentum ein
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monotheistischer Glaube, der bis heute erhalten blieb . Das Judentum war auch der Ursprung des
Christentums. Jesus selbst und seine Jünger waren Juden, keine Christen, da es diese Unterscheidung anfangs noch nicht gab. Vielmehr wurden die Anhänger der Lehre Christi als Angehörige einer jüdischen Sekte von den römischen Behörden angesehen. Anders als das Judentum konnte sich das aufstrebende Christentum aber weiter verbreiten als das Judentum. Die jüdische Lehre durfte nach ihren eigenen Gesetzen nur begrenzt verbreitet und nur an die Angehörigen des Volkes Israels weitergegeben werden. Dagegen beschlossen die Apostel schon bald, das Christentum auch auf Angehörige anderer Völker und Religionen auszudehnen und verabschiedeten sich damit von der ursprünglichen Praxis, dass nur Juden die Taufe empfangen durften. Und dieser neue Glauben fand schnell - v.a. in den armen und ungebildeten
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Volksmassen - Anhänger, weil er so verschieden zu den griechisch-römischen Vorstellungen war .
Neben Jesus als Gott bzw. Gottessohn wachten Engel und Heilige als überirdische Helfer über die Menschen. Besonders wichtig war den Menschen die Lehre der Auferstehung und des himmlischen Lebens. Viele hofften so auf ein besseres Leben im Jenseits, das ihnen andere Religionen nicht in Aussicht stellten. Auch christliche Gebote wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit trugen zum Erfolg dies neuen Glaubens bei. Durch ihre Ablehnung von Staat, bedingt durch den Glauben an den nahen Weltuntergang, und Kaiserkult sowie ihrem Anspruch, die einzig wahre Religion zu sein, gerieten sie in Konflikt mit der heidnischen und jüdischen Bevölkerung und den römischen Behörden, die in dieser Religion eine Bedrohung für die bestehende Ordnung und den Staat sahen.
Doch nicht nur der Staat bedrohte das Christentum. Gefahr ging auch von den sich zahlreich bildenden
£ Sekten aus, die gegenüber der offiziellen Kirche immer mehr Einfluss gewannen. Als gemäßigt galten noch die *QRVWLNHU, die besonders in Syrien, Ägypten und Gallien verbreitet waren. Sie stellten für den Staat kaum eine Bedrohung dar, da sie die strenge hierarchische Gliederung der Kirche und das Martyrium ablehnten und einen Ausgleich mit dem Staat suchten. Weitaus gefährlicher, sowohl für Staat
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Reallexikon für Antike und Christentum (RAC), 1139-59; YRQ*ODVHQDSS. Die fünf Weltreligionen, 233; 257ff
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§ =XGHQ6HNWHQ %HUZLJ.Mark Aurel und die Christen, 82; 0RUHDX. Die Christenverfolgung im römischen Reich,
50ff; 6SHLJO. Der römische Staat und die Christen, 177f; *UDQW. The Antonines, 120ff
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als auch Kirche, waren die radikalen Sekten, die jede Annährung an den heidnischen Staat ablehnten und nach dem Martyrium strebten, um direkt in den Himmel zu gelangen. Zu diesen Fanatikern zählten die 0RQWDQLVWHQ. Diese Sekte entstand etwa zur Zeit Marc Aurels in Phrygien, wo sie ein Christ namens Montanus begründet haben soll. Durch ihren Radikalismus und ihrer Sehnsucht nach einem möglichst grausamen Tod brachten sie die gesamte Kirche bei den Heiden in Verruf und steigerten den Hass noch mehr.
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Die römische Staatsreligion war eine typische polytheistische Religion, die stark von griechischen
Einflüssen geprägt war. An der Spitze stand die kapitolinische Trias mit dem Göttervater Jupiter Optimus Maximus, seiner Frau Juno Regina und seiner Tochter Minerva. Diese drei besaßen in Rom auf dem Kapitol ihren Tempel. Während diese Hauptgötter auch in der Kaiserzeit nicht an Bedeutung verloren, verdrängte der Kaiserkult in Rom allmählich die anderen Staatsgötter, deren Verehrung immer mehr in die Provinzen verdrängt wurde, wo sich deren Kulte teilweise mit denen von Lokalgottheiten vermischten.
Der römische Staat tolerierte grundsätzlich fremde Kulte und Religionen und war diesen aufgeschlossen, da der römische Polytheismus sich nicht von Einflüssen anderer Kulte völlig abschottete
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. Voraussetzung für Toleranz war allerdings, dass die fremden Religionen auch die römische anerkannten und den Kaiser die ihm gebührende Verehrung entgegenbrachten. Ein Vorgehen der Behörden gegen Religionen und Kulte war, abgesehen von den Christen, relativ selten. Doch wurde meist nicht die Religion als solche bekämpft; der Staat griff nur ein, wenn er die öffentliche Ordnung durch eine neue Religion gefährdet sah und Aufruhr und Verbrechen vermutete. 186 v.Chr. ging der Staat gegen den Bacchanalienkult in Rom und Italien vor. Die Anhänger dieses z.T. von zügellosen Orgien beherrschten Kultes zu Ehren des Gottes des Weines wurden verdächtigt, einen Staatsstreich zu planen. Daher beschloss der Senat, besonders radikale Anhänger hinzurichten oder zu exilieren, während die Ausübung des Kultes in Rom verboten, in der Provinz jedoch in der ursprünglichen, gemäßigten Form weiterhin erlaubt wurde. Auch gegen andere Kulte wie den Isiskult in der julisch-claudischen Zeit ging der Staat vor, ebenso gegen die gallischen Druiden und andere Magier, denen unsoziales Verhalten, Frevel (VFHOHUD) oder Schandtaten (IODJLWLD) wie Menschenopfer vorgeworfen wurde. So war es im Zusammenhang mit den IODJLWLD ein todeswürdiges Verbrechen, sich als Druide zu bekennen. Im 3. Jh. schließlich wurde neben dem Christentum auch der aus Persien stammende 0DQLFKlLVPXV sowohl von
den römischen als auch von den persischen Behörden bekämpft.
'D]X :LQNOHU. „Der Staatskult“. In: Kaiser Marc Aurel und seine Zeit, 161
=XP9RUJHKHQGHV6WDDWHV 0RUHDX, 19ff; 6SHLJO, 250ff; 9RJW. „Christenverfolgung I“. in: RAC, 1162ff
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Arbeit zitieren:
Christian Helbich, 2002, Kaiser Marc Aurel und die Christen, München, GRIN Verlag GmbH
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