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Inhaltsverzeichnis
Einleitung und Überblick
Seite : 3
1 Der Markt
1.1 Definition
Seite : 4
1.2 Die neoklassische Markttheorie
Seite : 4
1.3 Marktversagen
Seite : 5
2 Staatliche Intervention
2.1 Möglichkeiten und Ziele
Seite : 5
2.2 Die Notwendigkeit staatlichen Eingreifens
2.2.1 Externe Effekte Seite: 6
2.2.2 Öffentliche Güter Seite: 6
2.2.3 Informationsdefizite Seite: 7
2.2.4 Unteilbarkeit und Marktmacht Seite: 9
2.2.5 Anpassungsmängel Seite: 10
2.2.6 Nichtrationalität Seite: 10
2.3 Keynesianismus versus Angebotstheorie
Seite : 11
3 Die Gefahr des Staatsversagens
Seite : 13
Fazit und Ausblick
Seite : 15
Literaturliste
Seite : 17
Einleitung und Überblick
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„Der tradierte Staat als besonderes Wesen ist am Ende“ 1 . Mit dieser Diagnose bringt Carl Böhret das wachsende Unbehagen in bezug auf die Problemlösungsfähigkeit des Staates auf den Punkt. Renten-, Gesundheits-, Arbeitsmarktreform, Privatisierungs- und Fusionswellenselten zuvor wurde die Zukunft des Sozialstaates so umfassend diskutiert wie derzeit. Die Agenda 2010 ergibt ein ganzes Maßnahmenpaket an Deregulierungen einzelner Märkte. In der Kritik stand der Staat in Bezug auf seine Interventionen in den Wirtschaftskreislauf im Prinzip schon immer. Spätestens als Adam Smith im 18. Jahrhundert als Begründer der klassisch- liberalen Nationalökonomie absoluten Freihandel forderte, wurden staatliche Interventionen heftig diskutie rt. Das Spektrum der Debatte reicht von der Forderung nach dem totalen Staat bis hin zur totalen Marktwirtschaft. So geht Karl Marx in „Das Kapital“ davon aus, dass sich der Kapitalismus selbst überwinden und das Volk die „unsichtbare Hand des Marktes“ (Smith) aufdeckt. Friedrich Hayeks predigt in „Der Weg zur Knechtschaft“ hingegen absolute Marktwirtschaft - jenseits aller Diktaturen.
Doch wurde über Wirtschaftspolitik keineswegs nur ökonomisch debattiert, sondern schon immer auch philosophisch, historisch, soziologisch, rechts- und politikwissenschaftlich. 2 Ganz gemäß Isaac Newton, für den die Wirklichkeit in Teile zerlegbar ist. Diese Hausarbeit beschäftigt sich auf Grundlage der Ökonomie mit dem Für und Wider staatlicher Eingriffe bei Marktversagen. Kämpft die Wirtschaft mit zu wenig oder zu viel Staat? Wo muss der Staat tatsächlich eingreifen, weil der Markt versagt und unerwünschte Ergebnisse bringt - oder sind es vielleicht sogar eher die staatlichen Interventionen, die Probleme schaffen? Um diese Fragen zu beantworten, sollen im ersten Teil der Arbeit der Begriff Markt kurz definiert und die Grundzüge der neoklassischen Markttheorie erläutert werden. Anschließend wird herausgearbeitet, was demgegenüber Marktversagen bedeutet.
Der zweite Teil gibt einen Überblick über die Mittel, die dem Staat zur Verfügung stehen, um in den Markt einzugreifen und zeigt auf, welche Ziele er damit verfolgt. Bis einschließlich Teil drei, geht es um die Diskussion der Kernfrage: Sind staatliche Interventionen notwendig? Wenn ja, welche und in welchem Maße und inwieweit bergen sie die Gefahr des Staatsversagens? Überaus interessant wäre es, im Zuge dieser Diskussion näher auf gerade ethische und philosophische Aspekte der Problematik einzugehen und die Wissenschaften - entgegen Newton - am Ende wieder zusammenzuführen. Das allerdings würde den Rahmen dieser Hausarbeit deutlich sprengen.
1 Böhret, C: „Funktionaler Staat. Ein Konzept für die Jahrhundertwende?“ u.a. Frankfurt 1993, S.5
2 Lippens, W.: „Der Staat als wirtschaftspolitische Instanz“ in: „Im Kreislauf der Wirtschaft“, Bank-Verlag GmbH, Köln 1988, S.57
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1 Der Markt
1.1 Definition
In den Wirtschaftswissenschaften bezeichnet man mit Markt jene gesellschaftliche Institution, auf der Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen und Preise gebildet werden. Der Zweck des Marktes ist der Güteraustausch. Entsprechend gibt es Warenmärkte, Dienstleistungsmärkte, Arbeitsmärkte, Kapitalmärkte und viele andere mehr. Märkte beschränken sich dabei keineswegs auf real existierende Orte, sie beschreiben - unabhängig von Raum und Zeit - alle Tauschbeziehungen. Sinn des Marktes ist der gegenseitige Nutzen der Akteure. Diesen wird ermöglicht, „ihre Ziele durch Spezialisierung und Tausch besser zu realisieren, als sie dies könnten, wenn sie ausschließlich auf sich selbst gestellt wären.“ 3 Zum Beispiel, wenn sie etwas benötigen, dass sie selbst gar nicht oder nur begrenzt produzieren könnten. In kapitalistischen Ökonomien herrscht eine paretooptimale Allokatio n knapper Ressourcen die, entsprechend der Präferenzen der Marktteilnehmer, die wirtschaftliche Effizienz sichert. Denn Märkte lösen hier das Allokationsproblem bei Konkurrenz gemäß der Knappheitsbedingungen. 4
1.2 Die neoklassische Markttheorie
Die neoklassische Markttheorie bezeichnet den Idealzustand des Marktes. Sie setzt dazu absolute Markttransparenz voraus. Jeder Akteur am Markt ist zu jedem Zeitpunkt über Preise, Qualitäten und sonstige Angebots- und Nachfragebedingungen informiert. 5 Zudem herrscht im idealen Markt vollständige Konkurrenz. Jeder Akteur kommt für die von ihm verursachten Kosten auf und erhält für die durch sein Handeln erzeugten Vorteile bei Dritten ein entsprechendes Entgelt. Die Theorie der neoklassischen Markttheorie geht dabei vo n überlegtem „rationalen“ Handeln der Wirtschaftssubjekte aus („rational expectations“ 6 ). Einziges Entscheidungskriterium ist der Preis eines Gutes. Alle Güter sind demnach homogen 7 . Kaufentscheidungen der Konsumenten sind in der Neoklassik des Weiteren vo neinander unabhängig. Dafür ist eine Präferenz- und Bedarfsstruktur (also konkrete Wünsche nach Konsumgütern) gegeben und der Einzelne befriedigt anhand des Marktes seine Bedürfnisse.
3 Fritsch, M./Wein, T./Ewers, H.-J.: „Marktversagen und Wirtschaftspolitik“, Verlag Vahlen, München 2003, S.7
4 Bolle, M.: „Handout zur Überblicksvorlesung, Politik und Wirtschaft“, 2002, in www.polwiss.fu-berlin.de
5 vgl. John, K.-D.: „Neue klassische Makroökonomik“ in: Gabler Wirtschaftslexikon, Bd.5, 13. Auflage Wiesbaden 1993, S.2386-2391
6 Krugman, P.: „Peddling Prosperity - Economic Sense and Nonsense in the Age of diminished Expectations”, New York 1994, S.49
7 Otte, M.: „Makroökonomik - mit Übungsaufgaben und Lösungen”, Köln 2001, S.11
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Unter all diesen Bedingungen arbeitet ein Markt - gemäß der neoklassischen Markttheorieeffizient und paretooptimal. Das bedeutet, dass kein Individuum mehr besser gestellt werden kann, ohne die Nutzenposition eines anderen Individuums zu verschlechtern.“ 8
1.3 Marktversagen
Bei aller Vielfalt ökonomischer Auffassungen besteht heute weitgehend Einigkeit darüber, dass der „neoklassische Markt“ das Problem der Koordination der unterschiedlichen wirtschaftlichen Aktivitäten und Interessen der Akteure am besten regelt. Wissenschaftlich ausgedrückt: das Marktmodell der vollkommenen Konkurrenz führt zur optimalen Allokation der Ressourcen. Einigkeit besteht aber auch darin, dass der Markt deshalb noch lange nicht nur Ergebnisse liefert, die einzel- oder gesamtwirtschaftlich erwünscht beziehungsweise wohlfahrtsmaximierend sind, denn dem Modell vollkommener Konkurrenz entsprechen Märkte nun mal nur in Ausnahmefällen. Mit den Ursachen „nicht erwünschter“ Ergebnisse befasst sich die Theorie des Marktversagens. Sie zeigt die Grenzen, in denen Märkte vernünftig funktionieren. Zu den Ursachen zählen in erster Linie: externe Effekte, öffentliche Güter, Informationsmängel sowie Unteilbarkeit und Marktmacht, unter Umständen aber auch Anpassungsmängel und Nichtrationalität. Auf diese Ursachen soll unter Punkt 2.2 dieser Arbeit „Die Notwendigkeit staatlichen Eingreifens“ im Einzelnen eingegangen werden.
2 Staatliche Intervention
2.1 Möglichkeiten und Ziele
Mit der Einsicht in die Grenzen sozialer Gerechtigkeit und mit Blick auf die mangelnde Effizienz von Marktergebnissen ergeben sich aus Sicht der prointerventionistischen Wirtschaftspolitik eine Fülle von Regulierungsmöglichkeiten. Zu ihnen gehören: Ge- und Verbote, Auflagen sowie rechtliche Regelungen, die staatliche Bereitstellung von öffentlichen und meritorischen Gütern, die Erhebung von Steuern und Abgaben oder der Verkauf von Schädigungsrechten, die Zahlung von Subventionen oder das Schaffen von Anreizen für privatwirtschaftliche Verhandlungen (Coase Theorem). Hauptziele moderner Wirtschaftspolitik sind soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz und Effizienz sowie aus Sicht der Makroökonomen ein angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum, die Sicherung eines möglichst hohen Beschäftigungsstandes, die Stabilität des Preisniveaus und die Wahrung des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts.
8 Fritsch, M./Wein, T./Ewers, H.-J.: „Marktversagen und Wirtschaftspolitik“, Verlag Vahlen, München 2003, S.25f
Arbeit zitieren:
Ulrike Kassem, 2003, Politische Ökonomie im Spannungsfeld zwischen Markt und Staat, München, GRIN Verlag GmbH
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