Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. IV
Abk ürzungsverzeichnis. V
1. Problemstellung. 1
2. Begriffe und Grundlagen von Informations- und
Kommunikationssystemen 3
2.1. Begriffe „Information“ und „Kommunikation“ 3
2.2. Begriff „Informations- und Kommunikationssysteme“ 4
2.3. Formen von Informations- und Kommunikationssystemen 5
2.3.1. Die Wertschöpfungskette nach Porter 5
2.3.2. Einsatzformen von Informations- und
Kommunikationssystemen entlang der Wertschöpfungskette. 6
2.4. Ökonomische Bedeutung von Informations- und
Kommunikationssystemen. 8
2.4.1. Information als Produktionsfaktor. 8
2.4.2. Bedeutungszuwachs von Informations- und
Kommunikationssystemen. 9
2.4.3. Potenziale des Einsatzes von Informations- und
Kommunikationssystemen. 11
2.4.4. Wert von Informations- und Kommunikationssystemen. 13
2.5. Unternehmensinterne Veränderungen durch den Einsatz von
Informations- und Kommunikationssystemen. 15
2.5.1. Organisationale Auswirkungen 15
2.5.2. Personelle Auswirkungen 17
3. Ziele, Ansätze und Anforderungen im Kontext des Controlling von
Informations- und Kommunikationssystemen 20
3.1. Grundlagen des Controlling. 20
3.1.1. Controlling und Controllingkonzeptionen. 20
3.1.2. Strategisches und operatives Controlling 22
3.1.3. Regelkreis des Controlling 22
I
3.2. Ziele eines Controlling von Informations- und Kommunikati-
onssystemen. 24
3.3. Ansätze und Problematik der Bewertung von Informations- und
Kommunikationssystemen. 25
3.3.1. Produktivitätsparadoxon der Informationstechnologie. 25
3.3.2. Ansätze zur Bewertung von Informations- und
Kommunikationssystemen. 28
3.3.2.1. Überblick über Bewertungsansätze 28
3.3.2.2. Ansätze mit Schwerpunkt Kosten- und/oder Nutzenanalyse 29
3.3.2.3. Ansätze mit Schwerpunkt Identifizierung strategischer
Wirkungen 31
3.3.3. Barrieren der Bewertung. 32
3.4. Anforderungen an ein Controlling von Informations- und
Kommunikationssystemen. 35
4. Lebenszyklusorientiertes Controlling von Informations- und
Kommunikationssystemen anhand ausgewählter Controlling-
instrumente 37
4.1. Lebenszyklusphasen eines Informations- und
Kommunikationssystems als Ansatzpunkte des Controlling. 37
4.2. Controlling in der Phase der Strategieentwicklung 38
4.2.1. Anforderungen an das Controlling im Rahmen der
Strategieentwicklung 38
4.2.2. Die Portfolioanalyse als strategieorientiertes Instrument 40
4.2.2.1. Konzept der Portfolioanalyse 40
4.2.2.2. Anwendung der Portfolioanalyse auf das Controlling von
Informations- und Kommunikationssystemen. 41
4.2.3. Vorteile und Problembereiche 43
4.3. Controlling in der Phase der Projektauswahl 44
4.3.1. Anforderungen an das Controlling im Rahmen der Projektauswahl 44
4.3.2. Die Total-Cost-of-Ownership-Methode als finanzielles Instrument 45
4.3.3. Die SMART-Methode als multidimensionales Instrument 47
4.3.4. Vorteile und Problembereiche 49
4.3.4.1. Total-Cost-of-Ownership-Methode 49
II
4.3.4.2. SMART-Methode 50
4.4. Controlling in der Nutzungsphase 51
4.4.1. Anforderungen an das Controlling im Rahmen der laufenden
Nutzung 51
4.4.2. Die Prozesskostenrechnung als prozessorientiertes Instrument 52
4.4.2.1. Konzept der Prozesskostenrechnung 52
4.4.2.2. Vorgehensweise der Prozesskostenrechnung 54
4.4.3. Vorteile und Problembereiche 55
4.5. Phasenübergreifendes Controlling. 56
4.5.1. Anforderungen an ein phasenübergreifendes Controlling. 56
4.5.2. Die Balanced Scorecard als phasenübergreifendes Instrument 57
4.5.3. Vorteile und Problembereiche 59
4.6. Gestaltungsempfehlungen für ein Controlling von Informations- und
Kommunikationssystemen. 61
4.6.1. Voraussetzungen für den Aufbau eines Controlling von
Informations- und Kommunikationssystemen. 61
4.6.2. Beispiele für Ziele und Kennzahlen anhand der Perspektiven
der Balanced Scorecard 62
5. Zusammenfassung und Ausblick. 63
Literaturverzeichnis VI
III
Abbildungsverzeichnis Seite
Abb. 1: Vom Daten- zum Informationsbegriff ...................................................3
Abb. 3: Entwicklungsstufen und Merkmale des Einsatzes der
Informationstechnologie ........................................................................9
Abb. 5: Qualifikationsanforderungen durch den Einsatz von
Informationstechnologie ......................................................................18
Abb. 6: Controllingkonzeptionen im Überblick ...............................................20
Abb. 7: Regelkreis des Controlling ..................................................................23
Abb. 8: Forschungsergebnisse zum Zusammenhang von
Informationstechnologie und wirtschaftlichem Erfolg........................27
Abb. 9: Ansätze der Bewertung von Informations- und
Kommunikationssystemen...................................................................29
Abb. 10: Lebenszyklusphasen eines Informations- und Kommunikationssystems
und ausgewählte Instrumente ..............................................................38
Abb. 11: Grundstruktur der Portfolio-Methode..................................................40
Abb. 12: Vorgehensweise der Prozesskostenrechnung ......................................54
Abb. 13: Beispiel für eine Ursache-Wirkungskette einer Balanced Scorecard.58
Abb. 14: Beispiele für Ziele und Kennzahlen anhand der Perspektiven der
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung BSC Balanced Scorecard d.h. das heißt E-Business Electronic Business E-Commerce-System Electronic-Commerce-System E-Engineering-System Electronic-Engineering-System E-Learning-System Electronic-Learning-System E-Logistics-System Electronic-Logistics-System E-Organisation-System Electronic-Organisation-System E-Procurement-System Electronic-Procurement-System E-Support-System Electronic-Support-System et al. und andere (lateinisch: et alii) IT Informationstechnologie IV Informationsverarbeitung Jg. Jahrgang s. siehe S. Seite SMART Simple Multi-attribute Rating Technique TCO Total-Cost-of-Ownership u.a. und andere vgl. Vergleiche Vol. Volume z.B. zum Beispiel
V
1. Problemstellung
Erhebliche Leistungssteigerungen der Informationstechnologie in Verbindung mit raschem Preisverfall und ein wirtschaftliches Umfeld, das von Globalisierung der Märkte, verkürzten Produktlebenszyklen und erhöhtem Wettbewerbsdruck geprägt ist, begründen die aktuelle dynamische Entwicklung von einer Industrie- zur Informationsgesellschaft. Besonders das Internet als Basistechnologie hat sich zu einem festen Bestandteil in Gesellschaft und Wirtschaft entwickelt. 57,9 % der Bevölkerung in Deutschland über 14 Jahren geben an, das Internet zu nutzen (vgl. Eimeren/Frees 2005, 363). Die Veränderungen in den Wirtschaftsbedingungen werden durch Begriffe wie „Netzwerk-Ökonomie“, „Internet-Ökonomie“ oder Digital Economy“ deutlich (vgl. Clement 2001, 9). Der Umgang mit der Ressource „Information“, sowie der Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen gewinnt in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung als strategischer Wettbewerbsfaktor für Unternehmungen. Potenziale bestehen vor allem in einer effizienten und effektiven Gestaltung von internen und unternehmungsübergreifenden Prozessen.
Um wettbewerbsfähig zu bleiben oder Wettbewerbsvorteile zu erschließen, ist es für Unternehmungen notwendig, diese Potenziale zu erkennen, zu bewerten und aktiv an der dynamischen Entwicklung teilzunehmen. Für Unternehmungen stellt sich die Frage, wie sie moderne Informations- und Kommunikationssysteme effektiv und effizient nutzen können und in welchem Bereich der Einsatz am sinnvollsten ist. Mit der Durchdringung fast aller Bereiche der Unternehmung mit Informations- und Kommunikationssystemen, steigt gleichzeitig auch deren Komplexität und die der damit verbundenen Auswirkungen (vgl. Aurenz 1997, 27). Um der gestiegenen Dynamik und Komplexität gerecht zu werden und in dieser Situation erfolgreich bestehen zu können, ist die Unternehmensführung darauf angewiesen, notwendige Informationen wie Kosten und Nutzen der Systeme zu erfassen und eine Planung, Steuerung und Kontrolle zu gewährleisten.
Während Informations- und Kommunikationssysteme eine wirtschaftliche, aktuelle und detaillierte Möglichkeit bieten, Informationen für das Controlling zu generieren, stellen sie somit selbst auch ein Objekt des Controlling dar (vgl. Wall 2002, 382).
1
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die mit einem Controlling von Informations-und Kommunikationssystemen verbundenen Ziele zu beschreiben, vorhandene Ansätze zu betrachten, und Probleme, die in diesem Zusammenhang bestehen, zu identifizieren.
Zunächst erfolgt in Kapitel 2. eine Definition der wichtigsten Begriffe und Grundlagen von Informations- und Kommunikationssystemen. Dazu wird auf die ökonomische Bedeutung und notwendige unternehmensinterne Veränderungen im Zusammenhang mit dem Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen eingegangen.
Im Anschluss daran wird in Kapitel 3. das Controlling von Informations- und Kommunikationssystemen betrachtet. Neben einer Erläuterung der Grundlagen des Controlling im allgemeinen, werden die Ziele des Controlling von Informations- und Kommunikationssystemen im speziellen erörtert. Darauf folgend wird ein Überblick über in Literatur und Praxis existierende Ansätze und Instrumente der Wirtschaftlichkeitsbeurteilung gegeben, und es werden bei der Bewertung auftretende Problemfelder geschildert. Aufbauend auf den Grundlagen von Informations- und Kommunikationssystemen und der Problematik ihrer Bewertung, erfolgt die Ableitung von Anforderungen an ein Controlling in diesem Bereich.
Kapitel 4. beschäftigt sich mit der kritischen Betrachtung ausgewählter Controllinginstrumente, die in verschiedenen Phasen des Lebenszyklus eines Informations- und Kommunikationssystems genutzt werden können. Dazu wird der Lebenszyklus von Informations- und Kommunikationssystemen in die drei Phasen Strategieentwicklung, Projektauswahl und Nutzung unterteilt und neben spezifischen Anforderungen jeder Phase jeweils ein, bzw. zwei ausgewählte Instrumente dargestellt. Im Anschluss werden vor dem Hintergrund der gewonnenen Erkenntnisse Gestaltungsempfehlungen für ein Controlling von Informations- und Kommunikationssystemen gegeben. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung und ein kurzer Ausblick auf weitere Forschungsbereiche.
2
2. Begriffe und Grundlagen von Informations- und
Kommunikationssystemen
2.1. Begriffe „Information“ und „Kommunikation“
Der Begriff der „Information“ wird in der Literatur und in der Praxis in unterschiedlicher Weise definiert und gebraucht. Umgangssprachlich wird „Information“ als Auskunft, Aufklärung oder Belehrung verstanden (vgl. Heinrich/Lehner 2005, 7). Um den Begriff der „Information“ genauer zu charakterisieren, lassen sich kommunikationswissenschaftlich die Begriffe „Daten“, „Nachrichten“ und „Informationen“ abgrenzen, die auf drei unterschiedlichen Ebenen betrachtet werden können. Durch die Verbindung von Zeichen und Signalen zu einer Struktur entstehen Daten (syntaktischen Ebene). Wenn die Daten eine inhaltliche Bedeutung erhalten, werden sie zu Nachrichten (semantische Ebene). Nur wenn diese Nachricht für den Empfänger von Interesse ist, um eine Aufgabe zu erfüllen, können sie als Informationen bezeichnet werden (pragmatische Ebene) (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, 42; s. Abb.1 ).
Abb. 1: Vom Daten- zum Informationsbegriff (Quelle: in Anlehnung an Pietsch/Martiny/Klotz
2000, S. 86)
Betriebswirtschaftlich werden Informationen aus dem Verwendungszusammenhang heraus als „zweckbezogenes Wissen“ definiert (Wittmann 1959, 14). Somit lassen sie sich von dem Begriff „Wissen“ so abgrenzen, dass nur solches Wissen als Information gilt, welches das Ziel hat, Entscheidungen oder Handlungen vorzubereiten (vgl. Krcmar 2005, 17). Im Zusammenhang mit den zu erfüllenden Aufgaben dienen Informationen dazu, ein definiertes Handlungsziel zu erreichen (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, 19).
Heinrich/Lehner (2005, 7) weisen darauf hin, dass sich Information und Kommunikation gegenseitig bedingen und somit zusammen betrachtet werden müssen. Kommunikation kann als Prozess definiert werden, „bei dem Informationen zum
3
Zwecke der aufgabenbezogenen Verständigung ausgetauscht werden.“ (Picot/Reichwald 1987, 33). Innerhalb von Unternehmungen werden Informationen verarbeitet und Aufgaben erfüllt. Dabei geschieht dieses nicht isoliert, sondern kommunikativ in arbeitsteiligen Prozessen durch einen Austausch von Informationen (vgl. Gabriel et al. 2002 114). Zur Unterstützung dient der Einsatz von In-formations- und Kommunikationssystemen, auf deren Definition im folgenden Abschnitt eingegangen wird.
2.2. Begriff „Informations- und Kommunikationssysteme“
Je nach Betrachtungswinkel existieren in der Literatur unterschiedliche Auffassungen über Begriffe für die Verarbeitung von Informationen in der Unternehmung. Dabei unterscheiden sich die Begriffsauffassungen anhand der unterschiedlichen Forschungsdisziplinen, die sich mit der Thematik beschäftigen und entlang der zeitlichen Entwicklung der betrieblichen Informationsverarbeitung. In den 60er Jahren wurde hauptsächlich der Begriff „Datenverarbeitungssysteme“ genutzt. Die mit Information verbundenen Begriffe (Informationsverarbeitung, In-formationssysteme und Informationstechnik) wurden erst in den 80er Jahren vermehrt gebraucht, als die Nutzung deutlich über die bloße Verarbeitung von Daten hinausging (s. Abschnitt 2.4.2.). In der angloamerikanischen Literatur wird der Begriff der „Information Systems“ oder „Information and Communication Technology“ gebraucht. Ebenso wird der Begriff der „Informations- und Kommunikationssysteme“ unterschiedlich verwendet.
Systeme werden als eine Menge von Elementen verstanden, die miteinander in Beziehung stehen (vgl. Krcmar 2005, 25). Informationssysteme als Kurzform des Begriffes Informations- und Kommunikationssysteme sind im Bereich der Wirt-schaftsinformatik definiert als „sozio-technische Systeme, die zur optimalen Bereitstellung von Information und Kommunikation nach wirtschaftlichen Kriterien“ dienen (vgl. WKWI 1994, 80). Diese Definition weist darauf hin, dass ein technisches System allein nicht informieren kann, sondern lediglich zur Vermittlung der Informationen dient.
Zur Unterstützung innerhalb eines Informations- und Kommunikationssystems können technische Hilfsmittel, wie Telefon, Fax oder PC und auch nichttechnische, wie Papier oder Aktenordner eingesetzt werden (vgl. Gabriel et al. 2002, 104). Der technische Teil des Systems (z.B. Hard- und Software), der allein
4
der formalen und inhaltlichen Verarbeitung dient, kann mit dem Begriff der „In-formations- und Kommunikationstechnik“ (kurz: Informationstechnik) abgegrenzt werden (vgl. Gabriel et al. 2002, 104). Die Betrachtung in dieser Arbeit beschränkt sich auf solche technischen Hilfsmittel, die Informationen elektronisch verarbeiten und hauptsächlich auf diejenigen, deren Basis die Internettechnologie darstellt. Aufgrund zunehmender Konvergenz der wirtschaftlichen Bereiche Telekommunikation, Informationstechnik, Medien und Elektronik, kann der technische Teil des Systems zudem Übertragungstechniken wie Telekommunikationsnetze, TV-Kabel und Endgeräte aus diesen Bereichen (wie Fernseher, Telefone und Computer) umfassen (vgl. Clement 2001, 17-18).
Informationen dienen der zweckbezogenen Aufgabenerfüllung (s. Abschnitt 2.1.). Die Erfüllung der Aufgaben erfolgt durch ein Zusammenwirken von personellen und technischen Aufgabenträgern nach festgelegten Verhaltensweisen, welche in Form von organisatorischen Regeln vorgegeben sind (vgl. Wollnik 1986, 69). Informations- und Kommunikationssysteme bestehen so neben technischen auch aus personellen und organisatorischen Komponenten, deren Kombination ihre Struktur und die Effizienz bezüglich ihres Zieles, der betrieblichen Aufgabenerfüllung, beeinflusst (vgl. Picot/Reichwald/Wigand 2003, 204). Somit werden nachstehend Informations- und Kommunikationssysteme als Systeme verstanden, in denen organisatorische, menschliche, sowie technische Elemente (Teilsysteme) zusammenwirken, um eine optimale Bereitstellung von Information und Kommunikation zur Aufgabenerfüllung zu erreichen. Zur weiteren Charakterisierung eignet sich eine Abgrenzung unterschiedlicher Formen des Einsatzes von Informations- und Kommunikationssystemen in der Unternehmung.
2.3. Formen von Informations- und Kommunikationssystemen
2.3.1. Die Wertschöpfungskette nach Porter
Zur Kategorisierung der Einsatzformen betrieblicher Informations- und Kommunikationssystemen entlang der Aktivitäten innerhalb der Unternehmung, kann die Wertschöpfungskette (kurz: Wertkette) nach Porter herangezogen werden. Das Modell der Wertkette wurde von Porter entwickelt, um anhand der einzelnen Aktivitäten in der Unternehmung, deren jeweiligen strategischen Beitrag zur Erreichung eines Wettbewerbsvorteils zu identifizieren (vgl. Porter 2000, 69). Im Rahmen dieser Arbeit soll das Modell dazu dienen, einen strukturierten Überblick
5
über die Einsatzformen von Informations- und Kommunikationssystemen in der Unternehmung zu ermöglichen.
Die Wertkette spiegelt den Wert wider, der von einer Unternehmung geschaffen wird, also den Betrag, welchen Kunden bereit sind, für die Leistung der Unternehmung zu zahlen (vgl. Haertsch 2000, 77). Die Aktivitäten aus denen sich die Wertkette zusammensetzt können in primäre und sekundäre Aktivitäten unterteilt werden (vgl. Porter 2000, 69). Die eigentliche Wertschöpfung stellen die primären Aktivitäten dar, die sich mit Eingangslogistik, Operationen, Ausgangslogistik, Marketing/Vertrieb und Kundendienst in fünf Kategorien gliedern lassen (vgl. Porter 2000, 70-71). Sekundäre Aktivitäten dienen zur Unterstützung der wertschöpfenden Tätigkeiten und können aufgegliedert werden in: Unternehmensinfrastruktur, Personal, Technologieentwicklung und Beschaffung (vgl. Porter 2000, 71-75). Zu beachten ist, dass die Wertkette der Unternehmung auch mit den vor-und nachgelagerten Wertschöpfungsketten ihrer Lieferanten, bzw. der Kunden Verknüpfungen aufweist, die ein Wertschöpfungssystem bilden (vgl. Zerdick et al. 2001, 31).
2.3.2. Einsatzformen von Informations- und Kommunikationssystemen ent-
lang der Wertschöpfungskette
Je nachdem, welche Aktivitäten durch den Einsatz der Internettechnologie unterstützt werden, lassen sich unterschiedliche Formen von Informations- und Kommunikationssystemen abgrenzen. Da manche Systeme auch an mehreren Stellen des Wertschöpfungsprozess eingesetzt werden können, sind die Kategorien jedoch nicht überschneidungsfrei.
Die technologische Unterstützung und Vernetzung der Systeme erfolgt dabei primär durch die Internettechnologie. Innerhalb der Unternehmung wird diese Technologie zur effizienten Prozessgestaltung von einer geschlossenen Benutzergruppe in Form eines Intranets genutzt. Wird der Zugang zu diesem Netz auf kooperierende Partner außerhalb der Unternehmung ausgeweitet, spricht man von einem Extranet (vgl. Piller 2000, 12).
Innerhalb der primären Tätigkeiten können E-Logistics-Systeme an der Schnittstelle zu Lieferanten und Kunden abgegrenzt werden, welche die Ein- und Ausgangslogistik unterstützen (vgl. Koschate 2002, 127). Dies kann mittels Elektronischen Datenaustausches (Electronic Data Interchange - EDI) per Internet gesche-
6
hen, der durch eine Standardisierung der übertragenen Inhalte eine weitgehend automatisierte Kommunikation zwischen Anwendungssystemen erlaubt (vgl. Piller 2001, 4-5). Beispiele können Systeme zur elektronischen Auftragsüberwachung, Preisabfragen oder Benachrichtigungen über Beschaffungsbedarfe sein (vgl. Kurbel/Szulim/Teuteberg 1999, 81). E-Production-Systeme entstehen durch Integration der Internettechnologie in den Prozess der Produktion von Gütern und Dienstleistungen (vgl. Koschate 2002, 128). Den bedeutendsten Anteil nehmen aktuell die Systeme des E-Commerce ein, die den elektronisch unterstützen Absatz von Gütern und Dienstleistungen an der Schnittstelle zu den Kunden im Bereich Marketing/Vertrieb darstellen (vgl. Koschate 2002, 127). Im Rahmen des Kundenservices können E-Service-Systeme für Online-Beratung und Support, z.B. zur Ferndiagnose von Software, auf der Webseite der Unternehmung bereitgestellt werden (vgl. Kurbel/Szulim/Teuteberg 1999, 84).
Abb. 2: Einsatzformen von Informations- und Kommunikationssystemen entlang der Wert-
schöpfungskette (Quelle: in Anlehnung an Koschate 2001, 127; Porter 2000, 66)
Seltener werden Informations- und Kommunikationssysteme im Bereich der se-kundären Aktivitäten eingesetzt (vgl. Kurbel/Szulim/Teuteberg 1999, 85). Eine zunehmende Verwendung finden allerdings E-Procurement-Systeme zur zwischenbetrieblichen Unterstützung von Beschaffungsprozessen (vgl. Koschate 2002, 129). Dazu werden elektronische Produktkataloge hauptsächlich zur Beschaffung indirekter Güter, d.h. solcher, die nicht direkt in die Produktion eingehen, eingesetzt (vgl. Nomikos 2002, 159). Innerhalb der betrieblichen Aktivität Personalwirtschaft können E-Learning-Systeme eingesetzt werden. Das können Weiterbildungsmaßnahmen über Intranet und Internet, wie z.B. Teleteaching sein (vgl. Kurbel/Szulim/Teuteberg 1999, 86). Außerdem kann die Personalbeschaf-
7
fung E-Recruitung-Systeme zur digitalen Steuerung von der Stellenanforderung bis zur Einstellung nutzen (vgl. Jäger/Jäger 2001, 72). E-Engineering bezeichnet die elektronische Unterstützung der Aufgaben in Forschung und Entwicklung und erfolgt hauptsächlich über Intranets (vgl. Koschate 2002, 130). Um die Infrastruktur der Unternehmung zu steuern, können E-Organisationssysteme eingesetzt werden, die interne Koordination und externe Kooperation fördern. Darunter fallen auch so genannte Groupware-Systeme, durch die zeitlich oder räumlich verteilte Arbeit von Gruppen unterstützt wird (vgl. Voß/Gutenschwager 2001, 362). Außerdem können Wissensmanagementsysteme unter die Kategorie der E-Organisation gefasst werden, die zur Erschließung, Entwicklung und Speicherung des Wissens innerhalb der Organisation eingesetzt werden (vgl. Lehner 2001, 231).
Die hier dargestellten Formen, sowie die gewählte Definition basieren vor allem auf dem Einsatz der Internettechnologie. Diese Technologie hat erst seit ca. 1993 an Bedeutung gewonnen, als Netscape den ersten Browser auf den Markt brachte, der eine Nutzung für jedermann ermöglichte (vgl. Witt 2000, 3). Die Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationssysteme, die hin zu einer Nutzung vernetzter Technologien führten, und die damit verbundene ökonomische Bedeutung wird im folgenden Abschnitt dargestellt.
2.4. Ökonomische Bedeutung von Informations- und Kommuni-
kationssystemen
2.4.1. Information als Produktionsfaktor
In Zusammenhang mit der zunehmenden Beachtung des Begriffes Information in der Betriebswirtschaftslehre und der Bedeutung für eine zielgerichtete Aufgabenerfüllung (s. Abschnitt 2.1.) steht auch die Aufwertung von Information zum betrieblichen Produktionsfaktor (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, 39). Die Systematik der betriebswirtschaftlichen Produktionsfaktoren von Gutenberg (1979), welche die Elementarfaktoren objektbezogene Arbeitsleistung, Betriebsmittel und Werkstoffe und die dispositiven Faktoren Betriebs- und Geschäftsleitung, Organisation und Planung umfasst, wurde von anderen Autoren um die Ressource In-formation erweitert (vgl. Krcmar 2005, 17).
Pietsch/Martiny/Klotz nennen verschiedene Gründe, die unter heutigen Wettbewerbsbedingungen für diese Zuordnung sprechen. Als Begründung wird z.B. der
8
Umstand genannt, dass Informationen Basis aller Entscheidungen im Unternehmen sind. Durch ihre Verarbeitung entstehen Produktionskosten, sie besitzen eigene Qualitätsmerkmale wie Genauigkeit, Vollständigkeit, Verfügbarkeit, und Aktualität. Außerdem liefern sie einen entscheidenden Beitrag zur Koordination und Integration sämtlicher Geschäftsprozesse. Somit müssen Informationen - wie andere betriebliche Ressourcen wirtschaftlich gesteuert werden (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, 39).
Mit zunehmendem Stellenwert der Information für die Unternehmung änderte sich im Laufe der Zeit auch die Bedeutung des Einsatzes von Informations- und Kommunikationssystemen. Auf diese zeitliche Entwicklung soll im nächsten Abschnitt eingegangen werden.
2.4.2. Bedeutungszuwachs von Informations- und Kommunikationssyste-
men
In weniger als 20 Jahren hat die Entwicklung im Bereich der Informationstechnologie große technische Fortschritte gemacht, was sich auch auf die Bedeutung des Einsatzes von Informations- und Kommunikationssystemen innerhalb der Unternehmung auswirkt. Zur Betrachtung der Entwicklung der Informationstechnologie und ihrer Bedeutung für Unternehmungen hat Moschella drei Zeitabschnitte der Einführung und Nutzung von Informationstechnologie von ca. 1964 bis heute abgegrenzt (vgl. Moschella 1997, VIII-IX; vgl. Willcocks/Lester 1999, 15). Die Einteilung erfolgt in die Abschnitte „System-centric“, „PC-centric“, und „Networkcentric“ (s. Abb. 3), denen charakteristische Merkmale zugeordnet werden können (vgl. Pfeiffer 2003, 35).
Abb. 3: Entwicklungsstufen und Merkmale des Einsatzes der Informationstechnologie
(Quelle: in Anlehnung an: Pfeiffer 2003, 39-41; Nagel 1990, 25-26; Moschella 1997, IX)
9
Der Abschnitt der Datenverarbeitung („System-centric“) beginnt mit der Markteinführung der modularen Großrechner der S/360 Serie von IBM, und wird von Moschella (1997, IX) dem Zeitraum von 1964 bis 1981 zugeordnet. Die Einführung des IBM PC 1981 kann als Beginn des PC-Zeitalters („PC-centric“) angesehen werden. Die Architekturen veränderten sich in diesen Zeitraum von Rechenzentren zu verteilten Client/Server-Architekturen (vgl. Willcocks/Lester 1999, 16-17), die es ermöglichen in einem Anwendungsprogramm (Client) Dienste eines anderen Anwendungsprogramms (Server) zu nutzen (vgl. Alpar et al. 2000, 315). Die allgemeine Verwendung von Computern und eine weltweite Integration von Kommunikationsinfrastrukturen charakterisieren den Zeitabschnitt der Netzwerke („Network-centric“) von 1995 bis heute (vgl. Willcocks/Lester 1999, 17). Lokale und übergreifende Netzwerke (z.B. das Internet), sowie interne vernetzte Anwendungen (z.B. das Intranet) stehen im Mittelpunkt der Betrachtung (vgl. Moschella 1997, 101-102). Des weiteren wird ein zukünftiges Zeitalter der Konvergenz der Technologien („Content-centric“) von ca. 2005 an abgegrenzt. Da hier nur die geschichtliche Entwicklung bis zum heutigen Zeitpunkt erläutert werden soll, wird auf diesen Zeitabschnitt nicht näher eingegangen.
Entlang der Entwicklungszeiträume können unterschiedliche Merkmale zur Abgrenzung betrachtet werden, wie z.B. die Anzahl der Nutzer, die Erwartungen an den Wertbeitrag, die technische Architektur und die Durchdringung mit Informationstechnologie in der Unternehmung.
Die Anzahl der Nutzer stieg in den betrachteten Zeitperioden von ca. 10 Mio. auf bis zu über 1 Mrd. Nutzer zum heutigen Zeitpunkt (vgl. Moschella 1997, IX). Besonders die Nutzung des Internets als Basistechnologie etabliert sich sowohl auf wirtschaftlicher, als auch auf gesellschaftlicher Ebene immer mehr und wird zu einem Alltagsmedium (vgl. Zerdick et al. 2001, 152-153). Die Durchdringung der Unternehmung mit Informationstechnologie, welche die Anzahl der Anwender und den Grad der unterstützten Geschäftsprozesse angibt, stieg von 25 % auf ca. 50 % im PC-Zeitalter und erreicht heute ca. 70 % innerhalb von Industrie-Unternehmungen. Im Bereich der Dienstleistung sogar ca. 98 % (vgl. Pfeiffer 2003, 38-39).
Im ersten Zeitabschnitt wurde die Informationstechnologie hauptsächlich zur elektronischen Datenverarbeitung und Geschäftsunterstützung genutzt, z.B. zur
10
Automatisierung von Einzelfunktionen wie einer automatisierten Buchhaltung (vgl. Gadatsch/Mayer 2005, 34). Die Erwartungen an den Wertbeitrag lagen zu dieser Zeit hauptsächlich in Effizienzvorteilen. Mit Einführung des PCs erhöhten sich die Erwartungen auf die Steigerung der Produktivität und Effektivität einzelner Nutzer. Dies wird auch bedingt durch ein zunehmend steigendes Preis-Leistungsverhältnis, das sich durch „Moore´s Law“ ausdrückt. Dieses besagt, dass sich die Leistungsfähigkeit eines Rechners ca. alle 12-18 Monate verdoppelt, bei gleichzeitigen Kostensenkungen um 30-50 % (vgl. Krcmar 2005, 252). Strategische Vorteile des Informationseinsatzes wurden erstmals in den 80er Jahren, z.B. von Porter/Millar (1985) betrachtet. Diese weisen darauf hin, dass der Einsatz von Informationstechnologie in jeder Stufe der Wertschöpfungskette dazu geeignet ist, wertschöpfende Aktivitäten zu unterstützen (vgl. Porter/Millar 1985, S. 151-152). Mit Öffnung der Systeme auf die Unternehmensumwelt durch eine Vernetzung mit dem Außendienst, und später auch auf die Kunden, gewinnen strategische Marktziele, wie z.B. Erhöhung der Kundenbindung oder Reduzierung der Reaktionszeiten auf Anfragen, zunehmend an Bedeutung (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, 59). Aus heutiger Sicht liegen die Erwartungen des Einsatzes hauptsächlich in strategischen Wettbewerbvorteilen und die Informationstechnologie ist fester Geschäftsbestandteil der Unternehmung geworden (vgl. Gadatsch 2005, 34). Bedingt durch ein gestiegenes Preis-Leistungsverhältnis der Informationstechnik, die Digitalisierung der Informationen, die Miniaturisierung der Prozessoren und die Standardisierung einzelner Systeme (z.B. eines PC-Betriebssystems) ist aktuell immer noch eine dynamische Entwicklung im Bereich der Informationstechnologien zu beobachten (vgl. Clement 2001, 13-16).
2.4.3. Potenziale des Einsatzes von Informations- und Kommunikationssys-
temen
Die gestiegene Bedeutung der Informationstechnologie lässt Potenziale für Unternehmungen durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen entstehen. Besonders durch Vernetzung kann eine Steigerung von Produktivität und Leistung oder das Erschließen neuer Geschäftstätigkeiten erreicht werden (Clement 2001, 8).
Ein Potenzial des Einsatzes von modernen Informations- und Kommunikationssystemen liegt in der Möglichkeit einer orts- und zeitunabhängigen Verfügbarkeit der gewünschten Informationen, wie z.B. dem Zugriff auf Wissensdatenbanken
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Arbeit zitieren:
Sandra Rose, 2005, Informations- und Kommunikationssysteme als Objekt des Controlling: Ziele, Ansätze und Probleme, München, GRIN Verlag GmbH
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