Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
I. Der Adel 3
1.) Der Regierungsantritt Jakobs VI. 3
2.) Die Reformpolitik 4
3.) Die Konsolidierung der königlichen Autorität 7
II. Die Kirk 9
1.) Die schottische Reformation 9
2.) Der Presbyterianismus 9
3.) Die Restaurierung des Episkopalsystems 12
III. Jakobs Herrschaftsansprüche 13
1.) Widerstandslehre auf schottischen Boden 13
2.) Philosopher King and Lawgiver 14
The True Law of Free Monarchie 15
Basilikon Doron 16
Schlu ß 19
Literaturverzeichnis 20
Titelblatt : Basilikon Doron in: Johann P. Sommerville, King James VI and I Political Writings, Cambridge
2001, S. 12. Ursprünglich: “He made you a little GOD to sit on his Throne, and rule ouer other men
1
Einleitung
Jakob VI. vertrat einen nuancierten moderierten Absolutismus. Um diesen zu verstehen, ist es jedoch notwendig, einen Blick auf die Umstände zu werfen, in welchen es geschrieben wurde. Der König bestieg den Thron in einem Moment, als die Herrscherposition prekär war. Seine schottische Regierungszeit war geprägt von steten Auseinandersetzungen mit seinen Widersachern. Durch Reformen und eine subtile Politik gelang es Jakob, seine königliche Autorität gegenüber dem Adel und der schottischen reformierten Kirk zu konsolidieren. Anders als andere Herrscher begnügte sich Jakob nicht, seine Politik durch die in seinem Dienst stehenden Juristen und Theologen legitimieren zu lassen, er trat vielmehr selbst als Autor theoretischer Werke und politischer Streitschriften auf. Die Schriften Jakobs sind geprägt von der Idee, daß die Position des Herrschers prekär ist, da er von religiösen Fanatikern und Apologeten des Herrschermörders umgeben ist. 1
Vor allem die Werke, die Jakob noch während seiner schottischen Regierungszeit verfaßte, handeln von den Auseinandersetzungen mit seinen Widersachern. Daher beschreibt der erste Teil die Konflikte mit dem Adel, der zweite handelt von der schottischen reformierten Kirk; und schließlich befaßt sich der letzte Abschnitt mit Jakobs Werken, das Basilikon Doron und The True Law of Free Monarchie. Ziel ist es aufzuzeigen, inwiefern die Schriften des Königs ein Notwendigkeit waren um seine schottische Herrscherposition zu verteidigen und diese schließlich in einem Gottesgnadentum resultierten.
1598 schrieb er den Basilikon Doron 2 in mittelschottischer Sprache, welches für seinen Nachfolger bestimmt 3 und zugleich Fürstenspiegel und Testament war. Es war zuerst nur als Privatdruck gedacht; sieben Kopien wurden gedruckt und an die Familienangehörigen Jakobs verteilt. 1603 wurde eine überarbeitete Ausgabe veröffentlicht mit einer langen Vorrede, in welcher Jakob auf die Vorwürfe in Schottland und England antwortete, daß er keine Rachepläne gegen England hege, wegen der Ermordung seiner Mutter. Und er versicherte, daß seine Abhandlung nur Schottland betreffe. Sein Basilikon Doron war ein Bestseller in England und auf dem Kontinent. Es wurde ins Lateinische, Französische, Niederländische, Deutsche, Schwedische und anderen Sprachen übersetzt.
Im selben Jahre 1598 publizierte Jakob auch den Traktakt The True Law of Free Monarchie, es wurde zuerst anonym veröffentlicht unter dem Künstlernamen C. Philopatris. In dieser
1 Ronald G. Asch, Jakob I. 1603-1625; in: Peter Wende, Englische Könige und Königinnen von Heinrich VII. bis Elisabeth II., München 1998, S. 101f.
2 Griechisch: königliche Gabe.
3 “directed to my eldest son; which I wrote for exercise of mine owne ingyne and instruction of him”. Basilikon Doron; in: Sommerville, King James VI and I - Political Writings, S. 4.
2
recht kurzen Schrift vertrat Jakob VI. mit besonderem Nachdruck die Idee d es Gottesgnadentums.
Bis in die 1970er Jahre herrschte in der Geschichtsschreibung eine geringschätzige Beurteilung über Jakobs VI. Persönlichkeit und Regentschaft vor. Dieses Bild war auf die Zeitgenossen Jakobs zurückzuführen mit ihren Wertmaßstäben eines aufsteigendes Parlamentarismus des 17. Jahrhunderts. Durch die Revision der Historiographie fand eine stärker Berücksichtigung Jakobs schottischer Regierungszeit statt. Linda Peck leitet den Wendepunkt, durch ihren Sammelband „The Mental World of the Jacobean Court“, in der Revision Jakobs Regentschaft ein. Jenny Wormald verdankt man den Ansatz, Jakobs politische Schriften unter dem Aspekt seiner schottischen Regierungszeit zu betrachten. So auch Maurice Lee, er trug in seinem „Government by Pen: Scotland under James VI and I“ zur Überarbeitung des traditionellen Bildes, der Herrschaft und der Schriften des Königs bei.
I. Der Adel
1.) Der Regierungsantritt Jakobs VI.
Die Kindheit und Jugend Jakobs VI. sind überschattet von den Wirren der Absetzung und der Vertreibung der schottischen Königin Maria Stuart 4 . Als sie 1567 abdanken mußte, wurde ihr dreizehnmonatiger Sohn am 19. Juli, desselben Jahres, in Edinburgh, zum neuen schottischen König als Jakob VI., gekrönt.
Während seiner Minderjährigkeit übernahmen zunächst eine Reihe von Regenten die Regierungsgeschäfte, von denen nur einer der vier Regenten eines natürlichen Todes starb. Jakob war während dieser Zeit Spielball unterschiedlicher Adelsfraktionen und Objekt blutiger Verschwörungen, welche versuchten sich mit Gewalt des Königs zu bemächtigen, um damit Macht über den König ausüben zu können. 5
Maria Stuart hatte ihren Sohn in die Obhut von John Erskine, Earl of Mar, gegeben, dessen Familie sich stets um die Erziehung der Königskinder gekümmert hatte. Die Ausbildung
4 Maria Stuart (1542-1587): Tochter des schottischen Königs Jakob V. und Marie de Guise; Königin Frankreichs durch die Heirat des Dauphins Franz II.; sie kehrte nach dem Tod ihres Mannes 1561 nach Schottland zurück. Vgl., Gordon Donaldson, A Dictionary of Scottish History, Edinburgh 1977, S. 145.
5 Asch, Jakob I. 1603-1625, S. 98.
3
wurde in die Hände von George Buchanan 6 gelegt, den bedeutendsten schottischen Humanisten.
Jakob verdankte Buchanan eine ausgezeichnete humanistische Ausbildung, welche ihn zu einem der gebildetsten Männer Europas machte. Jedoch hatte Jakob unter den Wutausbrüchen seines Lehrers zu leiden. Seiner einsamen und lieblosen Kindheit wurde durch die Ankunft des Franzosen Esmé Stewart, Lord of Aubigny, ein Ende bereitet. Aubigny gab ihm Rückhalt und Geborgenheit und machte aus ihm einen selbstbewußten jungen Mann. Jakob überschüttete ihn mit Titeln. Er ernannte ihn zum Earl und schließlich zum Duke of Lennox, verlieh ihm das Amt des Lord High Chamberlain und das des First Gentleman of the Chamber.
Jedoch wurde dieser Freundschaft 1581 ein abruptes Ende gesetzt. Eine Gruppe streng protestantischer Adliger, unter der Führung von William Ruthven, dem ersten Earl of Gowrie, und mit der Unterstützung englischer Gelder, entführten den König 1582, im sogenannten Raid of Ruthven. Sie fürchteten einerseits, daß Aubigny den Katholizismus in Schottland wieder einführen wolle. 7 Obwohl er zum Protestantismus übergetreten war. Andererseits hatten sie durch die enge Beziehung zwischen Jakob und Aubigny jeglichen Einfluß auf den König verloren. Aubigny floh nach Frankreich und starb dort weniger Monate später. 1583 konnte der siebzehnjährige König aus der Gefangenschaft fliehen und übernahm die Regierung selbst. 8
2.) Die Reformpolitik
Bei Jakobs Regierungsbeginn war der Adel quasi unabhängig und kam nur den Befehlen des Königs nach, wenn es für ihn profitabel war. 9
Auf geschickten Umwegen - ohne den heroischen Kampfgeist seiner Vorfahren, aber mit Erfolg - wußte sich Jakob der Bevormundung durch den Hochadel zu entziehen, sie unter seine Kontrolle zu bringen und durch die Kraft des Gesetzes aristokratische Verschwörungen und Fehden einzudämmen. Dabei war das entscheidende Problem für den Herrscher nicht der Anspruch des Parlamentes auf politische Mitsprache, sondern die Anerkennung seiner
6 George Buchanan (1506-1582): studierte in Paris und St. Andrews; als Häretiker angeklagt, flieht er nach England; lehrte an der Sarbonne und an der Universität in Coimbra; 1560 Rückkehr nach Schottland; 1567 Vorstand der Universität St. Andrews und Lordkanzler. Vgl., Donaldson, A Dictionary of Scottish History, S.30.
7 Anlaß für diese Befürchtung war die Ankunft eines Jesuiten in Schottland.
8 Fitzroy Maclean, Kleine Geschichte Schottlands, Herford 1986, S. 102f.
9 Maurice Lee, Jr., Government by Pen: Scotland under James VI and I, Illinois 1980, S. 4.
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Beschlüsse im Parlament. Jakobs Ziel war es nicht, der Anführer einer Fraktion sondern ein universall King 10 zu sein.
Die Konsolidierung der königlichen Autorität verdankte Jakob unter anderem seinem 1587 ernannten Lordkanzler Sir John Maitland 11 .
Maitland besetzte die Verwaltung mit Männern seines eigenen Standes, den Lairds 12 . 1587 nahm er den vierten Stand, die Grafschaftsvertreter, in das Parlament auf und konnte damit ein Gegengewicht zur königlichen Opposition bilden. Die Macht der Krone war zwar verfassungsmäßig sehr stark, jedoch lag das Problem darin, diese Macht durchsetzen zu können. Der König kontrollierte die Exekutive, seitdem er die Mitglieder des Privy Council selbst ernannt hatte, welche den Motor des Regierungsapparates darstellte. Die Kontrolle über das Parlament war theoretisch unzerstörbar, da die Leitung über das Comitee of the Articles, welches dem Parlament ab 1594 die Gesetzesbeschlüsse vorlegte, in den Händen des Kanzlers lag,. Und zu dem Zeitpunkt, als das Privy Council die Mitglieder des Komitees bestimmte, stand bereits auch die Legislative unter der Aufsicht des Königs. 13 Maitland und Jakob verfolgten das Ziel, die Aristokratie unter ihre Kontrolle zu bringen, aber nicht indem die Krone sie finanziell ruinierte, ihre soziale Stellung oder ihren politischen Einfluß schwächten, sondern indem sie versuchten, den Adel davon zu überzeugen, seine Auseinandersetzungen nicht in Fehden zu lösen, sondern sie mit der Hilfe des Gesetzes zu schlichten. Im Basilikon Doron beschreibt Jakob die Schwierigkeiten mit dem Adel “a fectlesse arrogant conceit of their greatnes and power; drinking in with their very nourishmilk, that their honor stood in committing three points of inquitie: to thrall by oppression, the meaner sort that dwelleth neere them, to their seruice and following … to maintaine their seruants and dependers in any wrong … and for anie displeasure, that they apprehend to be done vnto them by their neighbour, to take vp a plaine feide against him; and … to bang it out brauely, hee and all his kinne, against him and all his … by their naturall dewtie, they are oblished to obey the lawe, and keepe the peace all the daies of their life … For remeid to these euils in their estate, teach your Nobilitie to keepe your lawes as precisely as the meanest” 14
Andererseits legte er seinem Sohn nahe “consider that vertue followeth oftest noble blood ... honour them therfore that are obedient to the law among them, as Peers and Fathers of your
10 Maclean, Kleine Geschichte Schottlands, S. 103.
11 Sir John Maitland of Thirlestane (1543-1595): Anhänger Maria Stuarts; 1581 Lord of Session; 1584 Sekretär; 1587 Kanzler und Kopf der Administration; 1590 zu Lord Thirlestane ernannt. Vgl., Donaldson, A Dictionary of Scottish History, S. 141.
12 Gutsherren.
13 Lee, Government by Pen, S. 6.
14 Basilikon Doron, S. 28.
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Arbeit zitieren:
M.A. Maria Glotzbach, 2004, Jakob VI.: Politik und Herrschaftstheorie in Schottland, München, GRIN Verlag GmbH
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