1 Einleitung
Keynes wurde am 5. Juni 1883 in Cambridge geboren und starb am 21. April 1946 auf seinem Landsitz in Suxess an den Folgen seinen zweiten Herzinfarktes. Fünf Jahre lang verbrachte Keynes am Eliteinternat Eton. Nach seinem Studium der Mathematik, klassischen Literatur, Philosophie und Ökonomie, lehrte er an der Universität in Cambridge. Als Chefunterhändler des britischen Finanzministeriums nahm Keynes an den Versailler Friedensverhandlungen von 1919 teil. Anstatt das geschlagene Deutschland wirtschaftlich zu unterstützen, wurden hohe Reparationszahlungen von Deutschland seitens der Siegermächte (Frankreich, England und Russland) gefordert.
Am 7. Juni 1919 trat Keynes von seinem Posten zurück und schrieb ein bedeutendes Buch: ,,Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages", das ihn auf einen Schlag berühmt machte. Dieses Buch prägte die westalliierte Haltung nach dem Zweiten Weltkrieg (z.B. Marshall Plan) und trug zum Wiederaufbau Europas bei. Später arbeitete Keynes erfolgreich als Versicherungs- und Investment-Manager und konnte sich dadurch finanzielle Unabhängigkeit verschaffen, um sich seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmen. Mit dem Schwarzen Freitag an der New Yorker Börse im Jahre 1929 brach in den Vereinigten Staaten von Amerika eine Wirtschaftskrise aus, die sich bald auch über Europa und die übrige Welt verbreitete. Diese brachte einen Rückgang der Produktion, soziales Elend und vor allem Massenarbeitslosigkeit mit sich. Allein in Deutschland waren 1932 ungefähr sechs Millionen Menschen arbeitslos. Nach den bis dato gültigen marktwirtschaftlichen Glaubenssatz konnte es eine solche Krise nicht geben. Aus diesem Grund verlor die bisherige Klassisch-Neoklassische Theorie mit ihrem Vertrauen auf die Selbstheilungskräfte des Marktes an Glaubwürdigkeit. 1
2 Keynesianische Theorie
Beeindruckt durch die Geschehnisse während der Weltwirtschaftskrise veröffentlichte Keynes 1936 sein wohl bekanntesten Werk „The General Theory of Employment, Interest and Money“. Keynes ersetzte die klassischen Lehrsätze vom
1 vgl. Die Zeit; „Die großen Ökonomen“; Stuttgart; 1994; S. 157-162
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Gleichgewicht bei Vollbeschäftigung durch die Ableitung der Möglichkeit von Unterbeschäftigungsgleichgewichten. 2 Er entwickelte in seinem Buch eine Theorie der Ursachen für Arbeitslosigkeit und des wirtschaftlichen Abschwungs. Er legt dar, wie die Investitionen der Unternehmen und der Konsum der Haushalte angeregt werden, wie die Zentralbanken Einfluss auf das Geld und die Zinssätze nehmen, und warum die Wirtschaft in einigen Ländern blüht und gedeiht und in anderen stagniert. Weiter beschäftigt er sich mit der wichtigen Rolle der staatlichen Verwaltung beim Ausgleich konjunktureller Schwankungen und stellt die Behauptung auf, dass die gezielte Anwendung einer staatlichen Fiskal – und Geldpolitik sich auf die Wirtschaftsleistung auswirken und so den Problemen von Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen entgegensteuern könnte. 3
2.1 Effektive Nachfrage
Wohingegen die Klassik, mit dem Sayschen Theorem die Meinung vertrat, jedes Angebot schaffe sich seine eigene Nachfrage und auch die Neoklassik auf die Selbstheilungskräfte des marktwirtschaftlichen Preismechanismus setzte, argumentiert Keynes anders und geht vielmehr davon aus, dass die effektive Nachfrage, d.h. die mit Kaufkraft versehenden Nachfrage das Produktionsniveau bestimmt.
2.1.1 Konsumnachfrage
Eine der zentralen Hypothesen der keynesianischen Theorie ist, dass der reale Konsum (privater Konsum) maßgeblich vom Realeinkommen (verfügbaren Einkommen) abhängt. Dieser Zusammenhang wird allgemein als die „keynesianische Konsumfunktion“ bezeichnet. 4 Neben dem Realeinkommen gibt es noch etliche weitere Größen, die auf die Konsumfunktion eingehen, wie z.B. der Zinssatz für Konsumentenkredite, Zinssätze für verschiedene Anlageformen von Ersparnissen, das Vermögen der privaten Haushalte, Einkommenserwartungen, tatsächliche und erwartete Entwicklung der Konsumgüterpreise. Die bleiben jedoch vorerst unberücksichtigt, da die einzige bedeutsame kurzfristig veränderbare Variable unter den Bestimmungsgrößen das Realeinkommen ist. 5
2 vgl. Völker, Gottfried E.: „Volkswirtschaftslehre: Einführung in die Mikro- und Makroökonomie“; Köln; 1999; S.
34
3 vgl. Samuelson, Paul A. und Nordhaus, Williams D.: „Volkswirtschaftslehre“, Wien,1998, S. 30 4 vgl. Fees/Tibitanzl: „Makroökonomie“; München; 1994; S 33-47 5 vgl. Dieckheuer, Gustav; „Makroökonomie“; Berlin/Heidelberg; 1998; S. 26
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Außerdem ist zu beachten, dass der Konsum vom „laufenden“ Realeinkommen, nicht vom vergangenen oder zukünftigen, abhängt. Die Hypothese wird auch als „absolute Einkommenshypothese“ bezeichnet. Die Gleichung der linearen Konsumfunktion lautet:
C = Caut + c ·Y
Caut nennt man den autonomen Konsum, c ist die marginale Konsumneigung, die Steigung der Konsumfunktion angibt, Y ist das verfügbare Einkommen und C der Gesamtkonsum.
Abbildung 1: Die keynesianische Konsum- und Sparfunktion
Wie wir hier in der dargestellten Konsumfunktion erkennen können, ist das Gesamteinkommen eine zunehmende Funktion des Einkommens, dass heißt wenn das Einkommen zunimmt, nimmt auch der Konsum zu. Caut ist der Konsum, der vom verfügbaren Einkommen unabhängig ist und wird häufig als Basiseinkommen bezeichnet. Die Veränderung des Gesamtkonsums, bei Veränderung des Einkommens um eine Einheit nennt man marginale Konsumneigung c. Es wird allgemein angenommen, dass die marginale Konsumneigung zwischen 0 und 1 liegt. Wie wir der Grafik entnehmen können, sinkt bei steigendem Einkommen das Durchschnittseinkommen. Das die sinkendende Konsumzunahme stets geringer ausfällt , als die Einkommenszunahme ist der Kern der keynesianischen Konsumfunktion. Aus der Konsumfunktion kann man unmittelbar die Sparfunktion ableiten. Aus der oberen Grafik wird deutlich, dass jene Einheit der
4
Einkommenserhöhung, die nicht auf den Konsum entfallen, zum Sparen verwendet wird. Daraus folgt als Sparfunktion. 6
S = Caut + (1 - c) · Y
1 - c wird als marginale Sparneigung bezeichnet. Sie gibt an, wie stark die Ersparnis
aufgrund eines Einkommensanstieg ist. Bei einem Einkommen Y=0 wird nichts gespart und das gesamte Einkommen fließ in den Konsum. Sinkt das Einkommen unter Y=0, so ergeben sich negative Ersparnisse, das heißt z.B. Vermögen wird aufgegeben oder Kredite werden aufgenommen). Steigt das Einkommen aber über Y=0, so werden die Ersparnisse positiv, und mit zunehmenden verfügbaren Einkommen nehmen die Ersparnisse relativ zu bzw. der Konsum relativ ab. 7 Während von der klassisch-neoklassischen Theorie die Ersparnis als Beitrag zur Kapitalbildung und damit zum Wirtschaftswachstum positiv interpretiert wurde, sieht Keynes die Ersparnis in erster Linie als Nachfrageausfall, der zu ernsthaften wirtschaftlichen Problemen führen kann. 8
2.1.2 Investitionsfunktion
Eine weitere wichtige Komponente neben der Konsumnachfrage ist die Investitionsnachfrage.
Die privaten Investitionsentscheidungen werden von einer Vielzahl von gegenwartsbezogenen und zukunftsorientierten Einflussgrößen bestimmt, die in ihrer relativen Stärke kaum fassbar sind. Die Gegenwartsbezogenen Determinanten sind z.B. die Absatzlage, Kapazitätsauslastung, die Auftragslage, das Zinsniveau und der Unternehmergewinn. Die zukunftsorientierten Entscheidungsgrößen hängen mit der Amortisationsdauer und den Investitionen zusammen, wobei die Erwartungen über z.B. die Absatz-, Preis-, Gewinn-, und Zinsentwicklung hier von großer Bedeutung sind. Bei den Investitionsentscheidungen spielen auch technische Neuerungen und allgemeiner Investitionsdruck, allgemeine ökonomische Rahmenbedingungen (Steuersystem, Sozialsystem, politische Stabilität) sowie psychologische Faktoren (Stimmung, “Investitionsklima“) eine bedeutende Rolle. 9 Nach keynesianischer Auffassung sind die Investitionen daher nur schwer prognostizierbar- und steuerbar., da diese Einflussgrößen eher subjektiv sind. Er hielt den Zinssatz und die effektive Nachfrage in der Zukunft für besonders wichtige Determinanten, wobei diese erwartete Größen darstellen.
6 vgl. Fees/Tibitanzl: „Makroökonomie“; a.a.O.; S 33-47
7 vgl. Dieckheuer, Gustav; „Makroökonomie“; a.a.O.; S. 27
8 vgl. Fees/Tibitanzl: „Makroökonomie“; a.a.O.; S 33-47
9 vgl. Dieckheuer, Gustav; „Makroökonomie“; a.a.O.; S. 28
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Nadine Freitag, 2003, Diskutieren Sie die Stellung von Multiplikator und Akzelerator im keynesianischen Modell, Munich, GRIN Publishing GmbH
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