Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort Seite 03
2. Ikonographische Elemente mittelalterlicher Städte
2.1 Begriffsklärung „ikonographische Elemente“ Seite 04
2.2 Ausstattung der mittelalterlichen Städte Seite 05
3. Öffentliche Uhren und Glocken Seite 07
4. Die ersten öffentlichen Uhren ein historisch
geographischer Überblick Seite 09
5. Uhren im Alltag
5.1 Zeitempfinden im Mittelalter Seite 11
5.2 Die Ablösung der Glocke durch die Uhr Seite 13
5.3 Der praktische Nutzen des Glockenschlags Seite 14
5.4 Die Bedeutung der Uhren für den Alltag der Menschen Seite 15
6. Erklärungsansätze für den „Uhrenboom“ des 14 Jahrhunderts
6.1 Demographische Überlegungen Seite 18
6.2 Städtealltag im Wandel Seite 19
6.3 Die Kirche Förderer oder Gegner öffentlicher Uhren Seite 20
7. Schlusswort Seite 22
8. Literaturangaben Seite 23
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1. Vorwort
In der vorliegenden Arbeit soll es um die Geschichte und die Hintergründe der Einführung von Glocken und – in erster Linie – Uhren in den Städten und Gemeinden des Mittelalters gehen. Ein besonderer Augenmerk soll dabei nicht etwa (wie der Titel evtl. nahelegen könnte) auf den kunsthistorischen Aspekt gelegt werden, sondern vielmehr auf die Veränderung des Stadtbildes im allgemeinen Sinne, also in der Alltagsgeschichte der Menschen.
Wer hatte ein Bedürfnis nach öffentlich gemessener und angezeigter Zeit? Wer waren Förderer von Uhren? Wie stand die Kirche zur Einführung dieser neuen Technologie? Wie veränderte sich der Ablauf des alltäglichen Stadtlebens durch die Uhr? Welche Bedeutung maß der normale Stadtmensch der Uhr bei? Welche Entwicklungen kann man beobachten?
All diese Fragen werden in der Arbeit im Blickpunkt des Interesses stehen. Anhand der wenigen vorliegenden Quellen werde ich versuchen, ein stimmiges Bild zu zeichnen von der Situation, wie sie sich in den mittelalterlichen Städten vor allem im 14. Jahrhundert darstellte.
Abschließend soll kein „Endergebnis“ stehen, sondern ein klareres Verständnis dafür aufgekommen sein, was die Einführung von Uhren und damit von exakt bestimmter Zeit bewirkt haben könnte.
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2. Ikonographische Elemente mittelalterlicher Städte
2.1 Begriffsklärung „ikonographische Elemente“
Da man „Ikonographie“ vor allem in Bezug auf Kunstgeschichte (und dort in der Renaissancekunst) kennt, möchte ich eine Begriffsklärung an den Anfang meiner Ausarbeitung stellen.
Die Ikonographie ist der Zweig der Kunstgeschichte, der sich mit dem Sujet (Bildgegenstand) oder der Bedeutung von Kunstwerken im Gegensatz zu ihrer Form 1 beschäftigt.
Die Grundidee ist, dass sich hinter jedem Sujet mehrere Bedeutungen verbergen. Zum einen ist dies die primäre bzw. natürliche Bedeutung (oder auch: Tatsachenbedeutung), die jedem Sujet einfach aufgrund seiner physikalischen Beschaffenheit obliegt. Sie ist für jeden unter gleichen Bedingungen auch gleich wahrnehmbar. Daneben gibt es aber auch die sekundäre oder konventionelle Bedeutung, die nicht sinnlich, sondern intellektuell vermittelt wird, speziell je nach Kulturkreis und Wahrnehmung jedes Einzelnen auch unterschiedlich ausfallen kann und individuell durch „Einfühlung“ ausgelöst wird. Dies zusammen betrachtet wird in der Kunstgeschichte gemeinhin als Ikonographie bezeichnet.
Übertragen auf das Bild einer mittelalterlichen Stadt heißt dies folgendes: Uhren, die wie noch zu zeigen sein wird sehr viel mehr sind als schnöde Z eitmesser, haben nämlich durchaus sehr vielschichtige Bedeutungen und können so mit Fug und Recht als „ikonographische Elemente“ bezeichnet werden. So schließt sich hier der Kreis zur Kunstgeschichte; und so ist es auch zu erklären, dass dieser kunstgeschichtliche Begriff auch für eine historisch ausgelegte Betrachtung seine Berechtigung hat.
1 Erwin Panowsky: Ikonographie und Ikonologie, in: Meaning in the Visual Arts. Garden City (N.Y.) 1955.
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2.2 Ausstattung der mittelalterlichen Städte
Die Städte des Mittelalters hatten eine Vielzahl von Symbolen, die mehr oder weniger unmittelbar mit den Stadtrechten, aber auch dem gewachsenen Selbstverständnis der Städte zusammenhingen. Zuerst einmal muss festgehalten werden, dass die Städte ihre Blütezeit im 13. und 14. Jahrhundert erlebten. Rund um das Jahr 1300 gab es eine ungeheure Masse an Neugründungen von Städten im mitteleuropäischen Raum (siehe fig. 1). Gründe hierfür mag es reichlich gegeben haben – das Bedürfnis nach Schutz vor feindlichen Übergriffen wird eine treibende Kraft gewesen sein; viele Städte siedelten sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Burgen und Pfalzen an. Darüber hinaus hat sicherlich das schnellere Bevölkerungswachstum und der Aufschwung von Handwerk und Handel zum Städteboom beigetragen.
Dazu kam noch ein gewachsenes Selbstbewusstsein der Städte. Grundsätzlich gab es drei Typen von Städten; die Reichsstädte unterstanden direkt dem König bzw. Kaiser, die Territorialstädte hatten den jeweiligen Landesherrn auch als Stadtherrn und die freien Städte hatten sich beherrschender Obrigkeit mehr oder weniger entledigt.
2 Die Hinweise zur Stadtentwicklung und die Grundlage zu der vorliegenden Tabelle sind entnommen aus:
Albrecht Sellen: Geschichte 1.kurz & klar, Donauwörth 1999.
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Zwischen Anspruch und Realität, oder anders gesagt zwischen Privileg und praktischer Durchsetzung in bezug auf die rechtliche Stellung der Stadt klaffte jedoch nicht selten ein beträchtlicher Unterschied. Um so wichtiger müssen deshalb auch städtische Symbole gewesen sein, die die Stellung der Stadt plakativ nach außen trugen und auch innerstädtisch zum Selbstverständnis beitrugen. Zu diesen Symbolen gehörten u.a. Stadtschlüssel, Siegel, Rathaus und Pranger. Sie hatten neben ihrer Primärfunktion eben auch die Aufgabe, sich anderen Städten und eventuellen ungeliebten Territorialherrn gegenüber abzugrenzen. 3 Sie alle hatten auch einen hohen optischen Wert – sei es der große Stadtschlüssel oder das prächtige Rathaus. Noch deutlicher wird der optische Wert beim städtischen Siegel und beim Pranger, wo es ja gerade um das „Zur -Schau-Stellen“ geht. Immer spielt das Sehen und Gesehen-Werden eine große Rolle bei städtischer Symbolik. In dieses Verständnis städtischer Symbole gliederten sich ab dem 14. Jahrhundert auch die neu aufkommenden Uhren ein, die mit ihren Glocken das Signalensemble optisch und jetzt auch akustisch vervielfältigten. Die vielfältigen Aufgaben, die die Uhren zu erfüllen hatten, werden Gegenstand der folgenden Betrachtungen sein. Dass Uhren wirklich als ikonographische Elemente betrachtet werden können, belegt auch die Kunst (womit auch hier der Kreis hin zu Kunstgeschichte wieder geschlossen wäre): Seit dem 15. Jahrhundert findet man realistische Stadtansichten, und oft spielen öffentliche Uhren als städtische Attribute in den Darstellungen eine Rolle. 4 Es sollte also tatsächlich der Blick nicht nur auf die Primärfunktion des Zeitmessers, sondern auch verstärkt auf die sekundären Funktionen von öffentlichen Uhren gerichtet werden.
3 Bereits hier sieht man, dass eine ikonographische Analyse städtischer Attribute sinnvoll ist!
4 Vgl. Gerhard Dohrn-van Rossum: Die Geschichte der Stunde. Uhren und moderne Zeitordnung,
München/Wien 1992, S. 140ff.
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Quote paper:
Christian Brune, 2002, Uhren als ikonographische Elemente mittelalterlicher Städte, Munich, GRIN Publishing GmbH
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