Universität des Saarlandes
Philosophische Fakultät III
Empirische Humanwissenschaften - Informationswissenschaft
Abschlussarbeit zur Erlangung
des akademischen Grades eines Magister Artium (M.A.)
Digitales Fernsehen in Deutschland
eingereicht von:
Eric Kolling
Juli 2005
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis ... 6
Abbildungsverzeichnis ... 8
Tabellenverzeichnis ... 8
1. Einleitung ... 9
1.1. Hinführung zum Thema ... 9
1.2. Zielsetzung ... 10
1.3. Einschränkungen ... 11
1.4. Aufbau der Arbeit ... 11
2. Grundlagen zum Betrachtungsgegenstand ... 13
2.1. Verwendung des Begriffes „digitales Fernsehen“ ... 13
2.2. Historische Einordnung des digitalen Fernsehens in die Fernsehentwicklung Deutschlands ... 14
2.3. Veränderungen im Ausstrahlungsprozess ... 15
2.4. Empfangsgeräte für digitale Fernsehsignale ... 19
2.5. Angebotspalette des digitalen Fernsehens ... 21
2.5.1. Bezahlfernsehen ... 21
2.5.2. Bouquets ... 22
2.5.3. Ein- und Mehrkanalprogramme ... 23
2.5.4. Einwegdienste ... 24
2.5.5. Abruf-, Dialog- und interaktive Dienste ... 25
2.5.6. Internet auf dem Fernsehschirm ... 28
2.6. Übertragungswege ... 28
2.6.1. Fernsehkabel ... 29
2.6.2. Satellit ... 31
2.6.3. Terrestrik ... 32
2.6.4. Sonstige ... 33
2.7. Künftige Potentiale der Übertragungswege ... 35
2.8. Verbreitung digitaler Empfangsgeräte ... 36
2.9. Zusammenfassung ... 38
3. Gesetzliche Regelungen und Umstiegsszenarien ... 40
3.1. Rechtlicher Rahmen für Fernsehen in Deutschland ... 40
3.1.1. Rundfunkrechtliche Aspekte ... 40
3.1.2. Regulierung ... 43
3.2. Umstiegszenarien ... 45
3.3. Entwicklung im Kabelmarkt ... 52
3.3.1. Schleppender Verkauf der Telekom-Netze ... 54
3.3.2. Monopolisierungsstrategie der Kabel Deutschland GmbH ... 56
3.3.3. Finanzierungsaspekte beim Kabelnetz ... 58
3.4. Nutzerrelevante Betrachtungen ... 60
3.4.1. Allgemeine Überlegungen ... 60
3.4.2. Wechsel in Berlin/Brandenburg ... 61
3.4.3. Bisherige Resonanz auf Zusatzdienste ... 63
3.5. Zusammenfassung ... 64
4. Ökonomische Gesichtspunkte zum digitalen Fernsehen ... 67
4.1. Zum Fernsehmarkt ... 67
4.2. Entwicklung auf dem Fernsehmarkt im Kontext der Digitalisierung ... 68
4.3. Bezahlfernsehen und Digitalisierung ... 71
4.4. Kostenaspekte der Digitalisierung aus Sicht der Programmanbieter ... 74
4.4.1. Auswirkungen auf die Finanzierung der Programmanbieter ... 74
4.4.2. Erweiterung der Wertschöpfungskette ... 76
4.4.3. Konzentrationsprozesse im Fernsehsektor ... 78
4.4.4. Kooperationsmodelle der Programmanbieter mit den Kabelnetzbetreibern ... 80
4.4.5. Gestaltung von Navigationssystemen ... 82
4.5. Auswirkungen der Digitalisierung auf das inhaltliche Angebot ... 84
4.5.1. ARD ... 84
4.5.2. ZDF ... 86
4.5.3. RTL World und ProSiebenSat.1 Media AG ... 88
4.5.4. Premiere ... 89
4.5.5. Kabelnetzbetreiber ... 90
4.6. Problemfeld Set-Top-Box ... 91
4.6.1. Conditional Access ... 91
4.6.2. Middleware ... 92
4.7. Zusammenfassung ... 95
5. Zusammenfassung ... 98
6. Ausblick ... 101
7. Literatur- und Quellenverzeichnis ... 103
1. Einleitung
1.1. Hinführung zum Thema
Seit Mitte der neunziger Jahre hat sich die Medienlandschaft infolge des großen Fortschritts der Informations- und Kommunikationstechnologien gewandelt. Eine wichtige Änderung war hierbei die Digitalisierung von Fernsehsignalen. Für die Wissenschaft eröffnete die Digitalisierung des Fernsehens vielfältige Forschungsfelder. Anfang bis Mitte der 90er Jahre stand die theoretische Perspektive im Mittelpunkt – vor allem kommunikationswissenschaftliche Aspekte waren dabei von Interesse. Im Zentrum der Diskussion ging es schwerpunktmäßig um Fragen, die sich mit der Änderung des Mediennutzungsverhaltens sowie der Änderung des Fernsehens im Allgemeinen beschäftigten. Vor allem ging es um die Frage, ob eine „interaktivere“ Form des Fernsehens den Zuschauer zu mehr Eigenbeteiligung würde bewegen können.
Auch acht Jahre nach seiner Einführung bleibt das digitale Fernsehen immer noch ein intensives Forschungsfeld. Allerdings sind medientheoretische Fragen mittlerweile gegenüber konkreten rechtlichen, politischen und ökonomischen Aspekten in den Hintergrund getreten. Denn die Digitalisierung hat sich in Deutschland bereits auf mehrere Bereiche ausgewirkt: auf die Medienpolitik, die Rechtsprechung oder – bei den Programmveranstaltern - auf wirtschaftliche Strategien und redaktionelle Entscheidungen. Der Nutzer ist bisher in vergleichsweise geringen Kontakt mit digitalem Fernsehen gekommen: Nach Angaben der Société Européenne des Satellites (SES, deutsch: Europäische Satellitengesellschaft) ASTRA1 betrug der Anteil deutscher Haushalte mit einer Empfangsmöglichkeit für digitales Fernsehens Ende 2004 19,62 Prozent. Kein Wunder also, dass CORSA bereits 2004 als eines der Ergebnisse ihrer Habilitation zur Programmstruktur des digitalen Fernsehens formulierte: “Digitale Fernsehnutzung war in seinen Anfangsjahren 1996 bis 2002 in Deutschland eine Ausnahme.“ (CORSA, 2004, S. 436). Andere Länder in Europa waren nach HAAS (2004, S.524) diesbezüglich Ende 2004 schon wesentlich weiter, wie England mit 54 % digitaltauglichen Fernsehhaushalten, Irland (35 %) oder Schweden (28 %)2.
Der Statistik-Experte und Journalist des Westdeutschen Rundfunks (WDR) SCHÖNENBORN skizzierte die Situation 2004 für Zuschauer und Programmanbieter – zumindest für die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (ARD) – mit folgenden Sätzen: „Die Digitalisierung unserer Programmverbreitung ist kein Thema, das in den Redaktionen unserer Häuser unter den Nägeln brennt. Den Redakteurinnen und Redakteuren geht es da genau wie den Zuschauerinnen und Zuschauern. Hier und da kommt mal ein neues Gerät, ein Detail verändert sich, aber insgesamt findet die Umwälzung in so kleinen Schritten statt, dass sie noch nicht als großes Thema den Alltag beherrscht“ (SCHÖNENBORN 2004, S. 513). Und ein weiteres Zitat von HEGE, dem Vorsitzenden der Landesmedienanstalt Berlin- Brandenburg (MABB)3, spiegelt auf noch allgemeinerer Ebene die aktuelle Situation wider: „Wir haben es derzeit mit einer Übergangssituation zu tun, in der vieles offen ist und alles in Bewegung.“
Die Politik hat 1998 einen Rahmen geschaffen, um die Digitalisierung des Fernsehens in Deutschland voran zu treiben. Der Umstieg von analogen auf digitale Signale ist politisch gewollt und soll bis 2010 abgeschlossen sein. In den Gesamtprozess der Einführung des digitalen Fernsehens kann der Staat allerdings weitgehend nur mittelbar – durch rechtliche Regelungen – eingreifen. Vor allem Programmanbieter, Gerätehersteller und die Anbieter bzw. Betreiber der Infrastruktur üben mit ihren spezifisch wirtschaftlichen Überlegungen und Handlungen Einfluss auf die Ausbreitung aus. Letztlich spielen aber die Nutzer eine ebenso entscheidende Rolle. Denn vor allem die Geschwindigkeit der Ausbreitung des digitalen Fernsehens hängt in erster Linie von der Akzeptanz der Bevölkerung ab.
1.2. Zielsetzung
Auf der Grundlage der bereits in wichtigen Punkten angerissenen problematischen Einführungssituation beleuchtet die vorliegende Arbeit den Stand der Dinge des digitalen Fernsehens in Deutschland aus mehreren Perspektiven und geht dabei insbesondere auf Schwierigkeiten ein, die sich hemmend auf die Verbreitung in Deutschland ausgewirkt haben. Auch geht es um Veränderungen, die die Digitalisierung des Fernsehens in verschiedenen Bereichen – wie zum Beispiel Rechtssprechung, Angebotspalette etc. – bewirkt hat. Im Zentrum der Arbeit stehen Beschreibungen der Technik, der konkreten inhaltlichen Angebote des digitalen Fernsehens, der Infrastruktur zur Übertragung, der gesetzliche Rahmen sowie Ausführungen zu Umstiegsszenarien. Weiterhin werden die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Programmanbieter und deren konkrete Angebote skizziert. Es geht dabei vornehmlich um ökonomische Problemfelder und diejenigen Faktoren, die eine weitere Ausbreitung des digitalen Fernsehens beeinflussen.
1.3. Einschränkungen
Um die bisherige Entwicklung und die damit verbundenen Probleme nachvollziehen zu können, ist es wichtig, das Themenfeld recht umfassend zu behandeln. Damit steht die Arbeit vor der Herausforderung, einen hochkomplexen Gegenstandsbereich auf vergleichsweise beschränktem Raum möglichst umfassend darzustellen. Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Überblicksarbeit, die die bisherigen Entwicklungen in wesentlichen Bereichen nachzeichnet und deren Auswirkungen vor allem auf die bisherige Akzeptanz und den Nutzer bis heute darstellt. Interessierende Punkte und Aspekte, die im Rahmen der Arbeit nicht oder nur oberflächlich behandelt werden können, werden noch einmal kurz im Ausblick dieser Arbeit (Kapitel 6) angerissen.
Obwohl sich die Arbeit lediglich mit der Situation in Deutschland beschäftigt, scheint es sinnvoll, gelegentlich einen kurzen Blick auf die entsprechende Lage in anderen Ländern zu werfen – erst der internationale Vergleich mit Ländern wie den USA oder England lässt eine bessere Einordnung der deutschen Verhältnisse zu, beispielsweise bei Verbreitungszahlen, der Verwendung von technischen Standards sowie in Grundzügen auch der Angebotsstruktur. Auf solche Verweise wird auch beim Ausloten der Potentiale neuer Fernsehdienste zurückgegriffen, da die Entwicklung im Ausland schon deutlich weiter fortgeschritten ist als in Deutschland. Auch wenn in älteren Arbeiten zum digitalen Fernsehen oft der Frage große Bedeutung beigemessen wurde, ob Fernsehen wirklich „interaktiv“ sein kann bzw. was unter Interaktivität in diesem Sinne überhaupt zu verstehen ist und wie sich das Medium Fernsehen durch interaktive Angebote verändert, behandelt diese Arbeit den Aspekt nur am Rand und gibt sich mit einer groben Definition des Begriffes „Interaktivität“ zufrieden. In jüngeren wissenschaftlichen Arbeiten ist die Beziehung zwischen „Interaktivität“ und digitalem Fernsehen nämlich in den Hintergrund getreten.
1.4. Aufbau der Arbeit
Die Arbeit gliedert sich in drei Teile. Ein Grundlagenkapitel behandelt technische und inhaltliche Aspekte, ein Kapitel fokussiert medienpolitische Regelungen, die Nutzer sowie die infrastrukturelle Entwicklung und ein Kapitel rückt ökonomischen Aspekte – vor allem bei den Programmveranstaltern – in den Mittelpunkt.
[...]
1 SES Astra mit Sitz in Luxemburg ist Marktführer in Sachen deutschlandweiter Satellitenausstrahlung (vgl. SES ASTRA *2004).
2 Die Zahlen von HAAS und SES ASTRA sind hierbei nicht direkt miteinander vergleichbar, da unterschiedliche Ausgangswerte zugrunde liegen. So ging HAAS (2004, S.524) bei ihrem europaweiten Vergleich Ende 2004 von einem Digitalisierungsgrad in Deutschland von 14 Prozent aus, nicht wie SES Astra von 19,62 Prozent.
3 Das Zitat wurde gebraucht von Rainer CONRAD (2004, S.512) anlässlich der Eröffnungsrede des 5. Symposions der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten: "Digitalisierung der Übertragungswege im Rundfunk - Auswirkungen auf Programm und Kosten".
Quote paper:
Eric Kolling, 2005, Digitales Fernsehen in Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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