Inhalt
Abkürzungsverzeichnis 3
1 Einleitung 4
2 Work-Life-Balance ein aktuelles Konzept 4
2.1 Begriffe 4
2.2 Bedeutungsvielfalt 5
3 Work-Life-Balance als Rollenkonflikt ein neues Thema 7
4 Work-Life-Balance kritisch hinterfragt 12
4.1 Schaffen eines Gegensatzes von Arbeit und Leben 12
4.2 Rolle und oder Selbst Erwartungen und oder Bedürfnisse 14
4.3 Balance statt Entwicklung Dynamik Wandel 16
4.4 Woraus ergeben sich Rollenprobleme 18
5 Praktische Konsequenzen aus den theoretischen Überlegungen 19
5.1 Erste Zusammenfassung 19
5.2 Unternehmerische Gestaltungsaufgaben 20
5.2.1 Maßnahmen zur intelligenten Verteilung der Arbeitszeit im Lebensverlauf 20
und zu einer ergebnisorientierten Leistungserbringung
5.2.2 Flexibilisierung von Zeit und Ort der Leistungserbringung 21
5.2.3 Maßnahmen die auf Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zielen 21
5.3 Praktische Konsequenzen für Führungskräfte 21
5.4 Praktische Konsequenzen für die Mitarbeiter 22
Literatur
2
Abkürzungsverzeichnis
AG Aktiengesellschaft
BRD Bundesrepublik Deutschland
bzw. beziehungsweise
f. folgende
ff. fortfolgende
Hrsg. Herausgeber
Kita Kindertagesstätte
o.J. ohne Jahr
S. Seite
s.o. siehe oben
us w. und so weiter
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel
3
1 Einleitung
Das Leben bringt es mit sich, dass Menschen immer wieder Belastungen unterschiedli- cher Art ausgesetzt sind, und tagaus - tagein, sich wiederholende aber auch neue, so- wohl einfache als auch komplizierte Situationen und damit verbundene Aufgaben zu bewältigen haben. Die dazu benötigten Rollen in Beruf und im Priva tleben vertragen sich keineswegs so gut, wie sich dies die Menschen wünschen. Vielmehr ergibt sich eine Vielzahl von Konflikten und Konfliktlinien. Dies gilt umso mehr in einer dynami- schen Gesellschaft. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass viele wirtschafts- und sozi- alwissenschaftliche Ansätze sich seit jeher und besonders in den letzten Jahren mit die- sem Themenkomplex befassen. So erschienen in den letzten Jahren in immer schnellerer Folge eine Fülle von Lebens- und Management-Theorien und noch mehr pragmatisch orientierte Theorieansätze, wie Selbstmanagementtheorie, Change-Management, Goal- Setting, Karriere-Planung, Stress-Coping, Diversity und aktuell „Work-Life-Balance“ (WLB). Die Zielsetzung der vorliegenden Studienarbeit liegt darin, die aktuellen Konzepte der WLB darzustellen (2.),
- ihre theoretisch-wissenschaftliche Eingebundenheit in die Entwicklung der Sozial-
- und Wirtschaftswissenschaften transparenter zu machen (3.), einige kritische Anmerkungen zum theoretischen Ansatz der WLB zu machen (4.),
- um abschließend wichtige Anregungen für die berufliche und private Praxis (Alltag)
- anzuführen (5.).
2 Work - Life - Balance – ein aktuelles Konzept
2.1 Begriffe
Der Begriff Work-Life-Balance wird im angelsächsischen wie im deutschen Sprach- gebrauch zwar immer populärer, jedoch ist nicht recht klar, was damit tatsächlich ge- meint ist; nicht einmal die Schreibweise ist einheitlich. Wörtlich übersetzt, geht es um das Gleichgewicht von Arbeit und Leben. Mit diesem neudeutschen Anglizismus wird suggeriert, dass ein deutlich zunehmendes Spannungsverhältnis zwischen den Lebens- bereichen Arbeit bzw. Berufsleben und Familie bzw. Freizeit (Privatleben) und daraus
4
resultierenden Rollenproblemen mittels verschiedener Maßnahmen ausgeglichen wer- den soll. Doch auch die Begriffe Arbeit und Leben sind in ihrer Bedeutung sehr schil- lernd und vielfältig. 1 So kann Arbeit „jede planvolle zweckgerichtete Tätigkeit, die sich im faktisch- materiellen Bereich abspielt und an materiellen und/oder idealen Werten orientiert ist“ 2 , sein, sie kann physikalisch betrachtet, als eine Energiemenge aufgefasst werden 3 , soziologisch meint Arbeit „eine zielbewusste und sozial durch Institutionen (Bräuche) abgestützte besondere Tätigkeit, mit der Menschen seit ihrer Menschwerdung in ihrer Umwelt zu überleben versuchen“ 4 und im Sinne volkswirtschaftlicher Betrach- tung ist Arbeit neben Kapital und Boden der dritte Produktionsfaktor 5 . Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff Leben. Der Duden versteht Leben als „Dasein, Existenz eines Lebewesens“ 6 , Platon philosophisch als „die Fähigkeit der inneren Bewegungskraft“ 7 . Physiologisch ist mit Leben meist überleben, psychologisch erleben, soziologisch zu- sammenleben und kulturell sinnvoll leben gemeint. So vielfältig wie das hier skizzierte Verständnis ist auch der Sprachgebrauch von Arbeit und Leben im WLB-Ansatz.
2.2 Bedeutungsvielfalt
Die Bedeutungen von Work-Life-Balance decken wissenschaftlich nahezu das gesamte Spektrum sozialwissenschaftlicher Themen ab und reichen im praktischen Bereich des Berufs- und Privatlebens von der Lösung kleiner Alltagsprobleme bis zur Forderung nach grundlegenden gesellschaftlichen Umgestaltungsprozessen. Diese Bedeutungsvie l- falt zeigt die folgende (unvollständige) Übersicht. Work-Life-Balance beinha ltet:
- eine theoretische Perspektive, nach der das „Verhältnis der Hauptlebensbereiche“ wissenschaftlich zu untersuchen ist und das bisher nur getrennt thematisiert wurde 8 ,
- gesamtgesellschaftliche Anliegen, nach denen Work-Life-Balance zum „Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität“ 1 werden soll,
1 Spieß, Erika; Winterstein, Hans (Organisationen, 1999), S. 120
2 Drever, James; Fröhlich, Werner (Psychologie, 1970), S. 49 3 http://www.lexikon-definition.de/Arbeit-%28Soziologie%29.html, 17.10.2005 4 http://www.lexikon-definition.de/Arbeit-%28Soziologie%29.html, 17.10.2005 5 http://www.lexikon-definition.de/Arbeit-%28Oekonomie%29html, 17.10.2005 6 Duden Band 10: Bedeutungswörterbuch, S.408 7 http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUNAME=Suche&SEARCHTYPE=topic&query=Leben), 17.10.2005 8 Hoff, Ernst H. u.a. (Work-Life -Balance , 2005), in: Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsycholo- gie 4/2005, S. 196
5
- allgemeine Wirtschaftsinteressen: „Work-Life-Balance ist in erster Linie als ein Wirtschaftsthema zu verstehen“ 2 ,
- allgemeine Lebensinteressen: „Der Ausgleich zwischen Privatleben/Familie und Beruf zielt darauf ab, unterschiedlichen Bedürfnissen in einzelnen Lebensphasen ge- recht zu werden“ 3 und „Work-Life-Balance – Vereinbarkeit von Beruf und privaten Lebensbereichen“ 4 zu erreichen,
- Gesundheitsinteressen: „Nur wer ein gesundes Verhältnis zwischen Arbeit und Frei- zeit findet, wird gesund bleiben.“ 5
- allgemeine Unternehmensziele: „Eine Balance zwischen Arbeits- und Privatleben ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Einsatzbereitschaft, Loyalität und Motivation der Arbeitskräfte dauerhaft zu erhalten.“ 6
- Familieninteressen: Wie schafft man es, „Beruf und Familie in Einklang zu brin- gen“ 7 und/oder „Ausbildung und Familie miteinander zu verbinden.“ 8
- berufliche und private Interessen: „Wer sein Einkommen durch Arbeit erzielt, muss die freie Verfügung über einen Teil seiner Zeit aufgeben und in dieser Zeit seine Leis- tungskraft anderen zur Verfügung stellen“ 9 ; „Work-Life-Balance bedeutet eine neue, intelligente Verzahnung von Arbeits- und Privatleben vor dem Hintergrund einer ver- änderten und sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt.“ 10
- die Situation von Frauen: „Der Normalfall heute – jedenfalls für diejenigen, die Ar- beit haben – sind schwierige Balanceakte zwischen hochbeanspruchenden Arbeitstä- tigkeiten, flexiblem Arbeitseinsatz und unflexiblen Kita-Öffnungszeiten, unvorher- sehbaren Ausfällen von Schulstunden oder der Betreuung pflegebedürftiger Angehö- riger.“ 11
1 Prognos AG (Hrsg.) (Work Life Balance, 2005)
2 Prognos AG (Hrsg.) (Work Life Balance, 2005), S. 4 3 Prognos AG (Hrsg.) (Work Life Balance, 2005), S. 12 4 VER.DI PUBLIK 11 (Nov. 2005), S.20f: Zentrale Seminare 2006 5 www.tk-online.de, 10.10.2005 6 Prognos AG (Hrsg.) (Work Life Balance, 2005), S.14; vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (Führungskräfte und Familie, 2004), S. 12; Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg) (Familienfreundliche Maßnahmen, 2003), S. 14 7 Daimler Chrysler (Hrsg.) (Beruf und Familie, o.J.) 8 Staatsinstitut für Familienforschung, Universität Bamberg (Hrsg.) (Work-Life-Ba lance, 2004), S. 12 9 Gemeinnützige Hertie Stiftung; Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (Hrsg.) (Familien- bewusste Personalpolitik, 2001), S.15 10 Prognos AG (Hrsg.) (Work Life Balance, 2005), S.4 11 http://www.labournet.der/diskussion/arbeitsalltag/gh/kuhn.pdf, 17.10.2005; vgl. Hoff, Ernst H. u.a. (Work-Life-Balance , 2005), in: Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie 4/2005, S. 196
6
- Gestaltung von Arbeits- und Umfeldfaktoren: Hier geht es um „Wege zu einer menschengerechten Gestaltung des Arbeitslebens“ 1 , wie „bedarfsspezifisch ausge s- taltete Arbeitszeitmodelle, eine angepasste Arbeitsorganisation, Modelle zur Flexibili- sierung des Arbeitsortes wie Telearbeit, Führungsrichtlinien sowie weitere unterstüt- ze nde und gesundheitspräventive Leistungen für die Beschäftigten“ 2 .
- Erfolgs- und Arbeitsmethodik, die in „Erfolgs- und Persönlichkeitstrainings“ 3 , „Management Development Consulting“ 4 , „Life-Leadership“ als weiter- führendes Zeit- und „sinnvolles Selbstmanagement“ 5 erworben werden kann,
- Heils- und Erfolgsversprechen: Nach einem Honorar von 6.900,- im 90- minütigen Impulsvortrag, (ab 250 Teilnehmer sind es dann 7.600, und ab 1.000 Anwesenden 9.900) wird versprochen: „Leben in der Balance – ein Wunschtraum? Kein Problem, es kommt darauf an, seine Work-Life-Balance optimal zu nutzen. Mit Hilfe der 20 wichtigsten Erfolgs- und Energiefaktoren für mehr Glück und Power....“ 6 .
Insgesamt zeigt sich, dass das Modell, das lange Zeit unter dem Diktum „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ 7 ein eher an den Rand geschobenes Frauenthema war, heute in den Mittelpunkt aktueller wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Debatten gerückt ist, schließlich gilt es praktisch zahlreiche Rollenprobleme zu lösen. Doch auch wenn Work-Life-Balance von Autoren, Unternehmensberatungen, Buchverlagen und Ministe- rien als aktuelles Managementmodell angepriesen wird, so zeigt doch die Vieldeutigkeit der Ansätze, dass es erst am Anfang steht, wissenschaftlich durchdrungen zu werden.
3 Work - Life - Balance als Rollenkonflikt – ein neues Thema?
Nicht alles, was sich in neuem Gewand präsentiert, ist wirklich so neu, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Dies gilt auf jeden Fall auch für unser Thema. Nach Aris- toteles müssen die unterschiedlichen Bestandteile des Lebens ausbalanciert werden, ein
1 VER.DI PUBLIK 11 (Nov. 2005), S.20f: Zentrale Seminare 2006 2 Prognos AG (Hrsg.) (Work Life Balance, 2005), S.4 3 Speakers Excellence (Excellent Speakers, 2004), S.9 4 Speakers Excellence (Excellent Speakers, 2004) S.10 5 Seiwert, Lothar, in: Speakers Excellence (Excellent Speakers, 2004), S.12 vgl. Seiwert, Lothar (Zeitmanagement, 2003), in: Jahns, C./Heim, G.(Hrsg.) (Management, 2003), S.88 6 Pfeifer, H., In Speakers Excellence (Excellent Speakers, 2004), S.28 7 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (Familienfreundliche Maßnah- men, 2003), S.7 – vgl. S.9
7
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Maximilian Leist, 2005, Work-Life-Balance - Rollenprobleme in Berufs- und Privatsphäre, Munich, GRIN Publishing GmbH
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