Inhaltsangabe
Einleitung 3
1. Begriffserklärung 4
2. Unterschiedliche Theorien über den Ursprung von Aggression 6
2.1 Triebtheorie 6
2.2 Frustrations Aggressionstheorie 8
2.3 Lerntheorie 8
3. David Michael und Patrik 9
4. Entstehung von Spannungen und Aggressionen 12
4.1 Endogene Ursachen 13
4.2 Trieb als lebens und arterhaltender Instinkt 15
4.3 Frustrationen und aversive Reize 16
5. Umgang mit Spannungen und Aggressionen 19
5.1 Genetische Disposition 19
5.2 Erziehung und Erfahrung 20
5.3 Sublimierung 22
5.4 Selbstdisziplin 23
5.5 Ersatzreaktionen 23
5.6 Aggressives Handeln 25
5.7 Autoaggression 28
Schaubild 29
6. Es Ich und Über-Ich 30
Schaubild 31
7. Verhindern von aggressiven Handlungen 32
8. Literaturangabe 34
„Liebe und Hass sind die beiden Hauptelemente,
Einleitung
Menschliche Aggression stellt einen wichtigen Faktor im sozialen Leben dar. Die Bandbreite zwischen kleinen Rangeleien unter Kindern bis zu Krieg und Vö lkermord is t groß. Die Ursachen erscheinen vielfältig. Hinter jedem Krieg stehen handfeste Machtansprüche die von den Herr- schenden gestellt werden. Aggression ist das Instrument, mit dem diese po- litischen Interessen durchgesetzt werden sollen. Ein Vehikel, mit dem an- sonsten friedfertige Menschen dazu gebracht werden ihre Artgenossen zu töten. Während die Ursache für Aggression zwischen verschiedenen Vö l- kern nachvollziehbar erscheint, ist der Grund für die individuelle Aggressi- on nur schwer zu durchschauen.
Erich Fromm stellt fest: „Das Einzigartige beim Menschen ist, daß er von Impulsen zu morden und zu quälen , getrieben werden kann und daß er da- bei Lustgefühle empfindet. Er ist das einzige Lebewesen, das zum Mörder und Vernichter der eigenen Art werden kann, ohne dav on einen entspre- chenden biologischen oder ökonomischen Nutzen zu haben.“ (Fromm, S.196) Die Gründe warum ein Tier tötet, sind klar ersichtlich. Das Sichern der Nahrung, der Rangfolge, Verteidigung des Nachwuchses und des Reviers machen aggressive Maßnahmen notwendig.
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Der Mensch hat jedoch ebenfalls Gründe für das Töten von Artgenossen oder für das Einsetzen anderer Formen aggressiven Handelns, auch wenn diese häufig nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind.
Jeder Mörder hat ein Motiv! Oft sind es dieselben Beweggründe wie im Tierreich: Das Ausschalten eines Rivalen oder die Selbstverteidigung ma- chen aggressives Handeln erklärlich.
Die komplexe Struktur unserer Gesellschaft erzeugt jedoch noch andere Gründe für das Töten. Die Angst davor, seine gesellschaftliche Stellung zu verlieren, wenn ein Geheimnis bekannt wird. Der Wunsch sich zu berei- chern, um einen Mangel zu kompensieren oder um Macht auszuüben bei tiefsitzenden Minderwertigkeitsgefühlen. Der biologische oder ökonomi- sche Nutzen für den Menschen erschließt sich nicht auf den ersten Blick, ist aber durchaus vorhanden.
In der vorliegenden Arbeit möchte ich versuchen, mit Hilfe der unterschied- lichen Theorien über die Entstehung von Aggressionen und deren Ausprä- gung, anhand von zwei Diagrammen eine mö gliche Erklärung für Ursachen und Formen von aggressivem Verhalten darzustellen.
Winnicott geht davon aus, dass Aggression zwei Bedeutungen hat. Einmal bezeichnet er sie als eine direkte oder indirekte Reaktion auf Enttäuschung. In der zweiten Bedeutung ist sie für ihn eine der beiden Hauptquellen der Energie eines Menschen. (Vergl.: Winnicott, S.123)
1. Begriffserklärung
Im Alltagsgeschehen wird der Begriff Aggression im Allgemeinen nicht nur für alle Äußerungen von Wut, Gewalt und Grausamkeit benutzt, sondern auch für weniger dramatische Vorgänge. Im Sport wird Draufgängertum als aggressives Verhalten bezeichnet. Im Berufsleben wird „aggressives Vorgehen“ häufig sogar gefordert. Sich in Diskussionen durchzusetzen oder das Vorenthalten von wichtigen Informationen gilt als aggressiv. All diese
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Vorgänge haben eins gemeinsam, die Art der Aggression ist immer eine Form von Angriff. Ich möchte den Begriff Aggression nicht nur als Angriff, mit dem Ziel zu verletzen und zu schädigen sehen, sondern auch in seiner ursprünglichen Bedeutung.
Das lateinische Wort „ad-gredi“ bedeutet im positiven, wie im negativen Sinne, sich nähern, hinbewegen, angreifen, mutiges Draufzugehen, Durch- setzungsfähigkeit, Entschlossenheit und Initiative. Das lateinische aggredi heißt ursprünglich „herangehen“. So ist auch das Schreien des Babys als Aggression aufzufassen, die nötig ist, um die Versorgung mit Nahrung und Zuwendung zu sichern.
Aggression als notwendiger Trieb um die Erhaltung des Lebens und der menschlichen Art zu sichern? Ohne Aggression ist Selbst- und Revierver- teidigung, Fortpflanzung und das Sichern der eigenen Lebensgrundlagen nicht möglich. Selbst Ernährung ist ohne Aggression nicht denkbar, auch wenn sich für die meisten von uns die Nahrungsbeschaffung auf das Zertei- len von Fleisch und Gemüse aus dem Supermarkt reduziert hat. Leider äußern sich Aggressionen in unserer Gesellschaft nur allzu oft in ge- walttätiger und destruktiver Weise. Friedrich Hacker beschreibt drei große Formen von Aggression, die sich in unterschiedlichen Abstufungen äußern Er nennt die:
Aggression des Kontrollverlustes, also Aggression als Symptom.
- Hier wird Wut, Zorn und irrationales Verhalten ohne Beschränkung ausgelebt. Eine Explosion mit kathartischer Entlastung Aggression als Strategie, bei der unter Umständen eine kalte, ratio-
- nale Planung und Manipulation im Vordergrund steht. Das Erreichen von Zielen wird durch aggressives Handeln angestrebt (Instrume n- telle Aggression) Strukturelle Aggression, die in Organisationen, Institutionen, Ge-
- setzen und Verhaltensvorschriften enthalten ist und sich vorder- gründig nicht als Aggression äußert.
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Ist bei der Aggression des Kontrollverlustes vollkommen klar, dass es sich um Gewalt handelt, so sind die anderen Aggressionsformen häufig nicht als solche erkennbar. Sie tarnt sich nur allzu oft als Notwendigkeit im Dienste einer höheren Sache oder als erzieherische Pflicht.
„Gerechtfertigte Gewalt, die nicht mehr als Aggression erlebt wird, und tri- vialisierte Gewalt, die vorgibt, alltäglich und unausweichlich zu sein, wer- den durch Eigenwerbung und die Propaganda der Tat zu dem, was sie vor- her nicht waren: allgegenwärtig ( ubiquitär und omnipotent ), unbeschränkt und beherrschend.“ ( Friedrich Hacker, S. 41) Bei einem Mangel an bewusster Absicht wird aggressives Handeln häufig nicht als solches gesehen. Vielfältige Abwehrmechanismen erlauben uns, unsere Absichten zu verdrängen, zu projizieren, zu verschleiern und sie als notwendig zur Verteidigung, Erziehung und Aufrechterhaltung der Ordnung zu tarnen.
2. Unterschiedliche Theorien über den Ursprung von Aggression
2.1 Triebtheorie
„Im Organismus gibt es eine angeborene Quelle, die spontan und fortwäh- rend aggressive Impulse produziert. Diese müssen in der einen oder ande- ren Form, wenn auch nicht unbedingt zerstörerisch, zum Ausdruck kommen (hydraulisches Energiemodell). Andernfalls führen sie zu seelischen Störun- gen.“ (Hans - Peter Nolting, „Lernfall Aggression“, S.49) In der Verhaltensforschung werden Instinkthandlungen als relativ stabile vererbbare Muster betrachtet, die immer wieder gleichförmig ablaufen. Man nimmt an, dass diese Instinkthandlungen durch einen inneren Antrieb im Nervensystem bestimmt werden. Dieses zentrale Erregungs- bzw.
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Antriebsniveau soll dafür sorgen, dass diese Handlungen immer wieder auf- treten. Hierzu sind Außenreize bzw. Schlüsselreize notwendig um das vor- programmierte, der Situation angepasste Verhalten auszulösen.
Gibt es keinen Schlüsselreiz, muss die angestaute Triebenergie auf andere Art und Weise abgeführt werden. Die Reizschwelle sinkt oder es kommt zu Übersprungshandlungen, das heißt, die aufgestaute Energie versucht sich durch ein anderes Verhaltensmuster zu entladen.
Können die Erkenntnisse der Ethologie auf den Menschen übertragen wer- den? Ist Aggression ein Instinkt, der diesen Gesetzmäßigkeiten folgt? Konrad Lorenz geht davon aus, dass der Aggressionstrieb arterhaltende Funktion erfüllt und instinktiv, vorausgegeben und triebmäßig verankert sei. („Das sogenannte Böse“ ) Für ihn hat Aggression eine innere Quelle der Triebenergie und kann durch Schlüsselreize ausgelöst werden. Der Aggressionstrieb soll bei der Herstel- lung und Aufrechterhaltung eine wichtige Rolle spielen. Für Lorenz bedeu- tet das jedoch nicht, dass der Mensch diesem oftmals zerstörerischen Trieb hilflos ausgeliefert ist, sondern dass der schöpferische Gebrauch seiner Ver- nunft und seines Humors den Menschen dazu befähige, konstruktiv mit die- sem Trieb umzugehen.
Friedrich Hacker definiert Aggression als: ...die dem Menschen innewoh- nende Disposition, Kompetenz oder Bereitschaft, auf Grund seiner angebo- renen Lernfähigkeit Handlungsweisen zu entwickeln, die sich ursprünglich in Aktivität und „Kontaktlust“ , später in den verschiedensten gelernten und sozial vermittelten, individuellen und kollektiven Formen, von Selbstbehaup- tung bis zur Grausamkeit, ausdrücken.“ (Aggression - Die Brutalisierung unserer Welt , S.38)
Auf die Triebtheorie von Freud möchte ich hier nicht näher eingehen, da er selbst seine Lehre nicht als befriedigend angesehen und sie mehrmals ver- ändert hat. Hier sei nur kurz erwähnt, dass er von zwei Grundtrieben ausge- gangen ist. Dem „Eros“, der das Bestreben hat Lebendes zu erhalten und zu
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erweitern und dem „Todestrieb“, der das Lebendige auflösen will um es in seinen ursprünglich anorganischen Zustand zurück zu führen.
Um zu verhindern, dass der Todestrieb gegen das eigene Innere gewendet wird, zwingt der lebenserhaltende Eros die zerstörerische Energie nach außen, wo sie als Aggression und Destruktivität sichtbar wird.
2.2 Frustrations -Aggressions -Theorie
1939 veröffentlichte ein Forscherteam der Yale-University (Dollard, Doob, Miller, Mowrer, Sears) ein Buch über „Frustration und Aggression“ das zum Ausgangspunkt weitläufiger Untersuchungen wurde.
„Aggression beruht auf aggressiven Impulsen, die nicht spontan, sondern als Reaktion auf störende, unangenehme Ereignisse, sog. Frustrationen, entstehen. Einmal entstanden, müssen sie sich in irgendeiner Aggressions- form äußern (Energiemodell wie beim Trieb).“ (Hans-Peter Nolting, „Lern- fall Aggression“ S. 49) Im Gegensatz zur Triebtheorie, die von einem dauernd wirksamen, aktiven Aggressionstrieb ausgeht, kann bei der Frustrationstheorie von einer reakti- ven Veranlassung zur Aggression ausgegangen werden. Wie stark die mö g- lichen Frustrationen empfunden werden und ob sie zu aggressiven Reaktio- nen führen, hängt davon ab, welche Normen in der Gesellschaft vorhanden sind und welche persönlichen Voraussetzungen der Einzelne mitbringt.
2.3 Lerntheorie
„Aggressives Verhalten beruht nicht auf speziellen Impulsen, sondern wird von Lerngesetzen bestimmt wie anderes Verhalten auch. Das heißt vor al- lem: Es tritt in Situationen auf, wo es erfolgreich war bzw. Erfolg ver- spricht, und es wird über das Vorbild von Mensch zu Mensch weitervermit- telt.“ ( Hans – Peter Nolting, „Lernfall Aggression“, S.49)
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Vom Standpunkt des sozialen Lernens aus werden Menschen nicht durch innere oder äußere Kräfte beherrscht, sondern das Verhalten wird durch ständige soziale Interaktion mit der Umwelt bestimmt.
Albert Bandura entwickelte die Theorie des sozialen Modell-Lernens, nach der jegliches Verhalten als Folge von Nachahmung und Belohnung erlernt wird. Aggressives Verhalten wird demnach nicht durch von innen kommen- de Impulse ausgelöst, sondern durch soziale Erfahrungen erworben und er- lernt.
So können aggressive Vorbilder das Übernehmen von aggressiven Verha l- tensmustern anregen. Belohnung und Verstärkung aggressiven Handelns führt zur Wiederholung und Übernahme in das dauerhafte Verhaltensreper- toire.
3. David, Michael und Patrik*
Durch ein Praktikum in einer Elternschule hatte ich Gelegenheit, Säuglinge, Krabbelkinder und Kleinkinder in Mutter-Kind-Gruppen zu beobachten. Es handelt sich um Kinder, die in wirtschaftlich geordneten Familien aufwach- sen. Die Mütter waren sehr bemüht, ihre Kinder gut zu versorgen und ihnen durch diese Gruppen die Möglichkeit zu schaffen, mit Gleichaltrigen zu spielen und erste soziale Kontakte zu knüpfen.
Mit altersgemäßen Spielen, Liedern und Bewegungsmöglichkeiten, geleitet durch eine pädagogische Fachkraft haben die Mütter Gelegenheit, gemein- sam mit ihren Kindern Gruppenerfahrungen zu machen. Alles in allem eine harmonische Angelegenheit, in der kaum Platz für Aggressionen zu sein schien.
*(Namen geändert)
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Quote paper:
Christiana Kuhnt, 2005, Aggression und Gewalt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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