VORWORT
Im Jahr 1989 hat sich mein Leben durch eine eingetretene hochgradige Sehbehinderung sehr stark verändert. Meine erste Berufsausbildung war abgeschlossen, aber nicht mehr von irgendeinem Nutzen. Im Hamburg bekam ich die Möglichkeit mein Fachabitur, an der Schule für Blinde und Sehbehinderte, zu machen.
Dort, im Jahr 1990, bekamen einige wenige Blinde und Sehbehinderte durch Herrn Ui-Ha Yo die Möglichkeit Kung Jung Mul Sul Hapkido zu erlernen. Intensiv, mit großer Begeisterung betrieb ich diese Kampf- und Bewegungskunst. Man gab uns, als Sinnesbehinderten, die Möglichkeit eine Sache zu erlernen die andere für unmöglich hielten. Leider verlor ich Kung Jung Mul Sul Hapkido nach einigen Jahren aus meinem Blickwinkel.
Innerhalb meiner Ausbildung zum Physiotherapeuten gab es immer wieder Grifftechniken und Bewegungsabfolgen die mir nicht neu waren, die ich aus dem Hapkido kannte. Nicht nur das erinnern an diese Bewegungskunst, sondern auch die Sehnsucht nach diesem Stückchen Freiheit erwachte wieder. Hapkido betrachte ich deshalb als ein Stück Freiheit, weil es mich als Sehbehinderten mit den anderen Trainierenden gleichstellt. Übungen und Techniken werden gemeinsam erlernt. Im Jahre 2002 kam ich, aufgrund des berufsbegleitenden Bachelorstudiengangs wieder nach Hamburg zurück. Der Zeitpunkt war gekommen auch zum Hapkido zurückzukehren. Es hatte sich verändert, es war nun Shinson Hapkido. Herr Sonsanim Ko Myong ließ es nicht starr verweilen, Shinson Hapkido unterliegt einem Prozeß der Entwicklung. Lange Zeit war mir die Thematik einer Abschlussarbeit nicht klar. Beim Lesen und Lernen über Sensomotorik fiel mir auf, das im Training von Shinson Hapkido sehr viele Aspekte von motorischem Lernen beachtet werden.
Da die demografische Entwicklung unseres Landes uns immer wieder durch die Presse vor Augen geführt wird, und mir durch meine Arbeit als Physiotherapeut die Folgen von Stürzen älterer Personen bekannt sind, lag das Thema der Abschlussarbeit auf der Hand. Deshalb habe ich versucht die Aspekte von Shinson Hapkido als Prävention für ältere Personen genauer zu betrachten.
Danksagung
Für die Betreuung und Korrekturlesen der Bachelorarbeit danke ich Herrn Sebastian Kreiner.
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Mein größter Dank für mentale Unterstützung, treibende Kraft der Motivation und dem immerwiederkehrenden Korrekturlesen gilt meiner Partnerin Andrea Zechlin. Sehr erfreut war ich auch über das Verständnis meiner Freunde, das ich nicht immer Zeit für Aktivitäten hatte. Ein besonderer Dank gilt Felicitas Kroll, ohne ihre besondere Unterstützung wäre die Arbeit zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen. Last but not least möchte ich Herrn Sonsanim Ko Myong danken, das er diese Kampf-und Bewegungskunst entwickelt und nach Europa gebracht hat.
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ABKÜRZUNGEN
bzw. ca. DFPG Gesundheitsförderung
GKV n. Chr. o. g. PrävG RCT SGB V sog. u.v.m. v. Chr. vgl. WHO z. B. ZNS
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INHALTSVERZEICHNIS
1 EINFÜHRUNG
2 METHODIK
3 DEFINITIONEN
3.1 Shinson Hapkido
3.2 Prävention
3.2.1 Primärprävention
3.2.2 Tertiärprävention
3.2.3 Sekundärprävention
3.3 Das Präventionsgesetz
3.4 Ältere Personen
4 ASIATISCHE BEWEGUNGSKÜNST
4.1 Philosophie asiatischer Bewegungskünste
4.1.1 Taoismus und Konfuzianismus
4.1.2 Buddhismus
4.1.3 Philosophie des Shinson Hapkido
4.2 Aufgaben und Ziele des Shinson Hapkido
4.2.1 Grundlagen und Prinzipien des Shinson Hapkido
4.3 Auszüge aus dem Training
4.3.1 Die Atmung (Dan Jon Ho Hop Bup)
4.3.2 Die natürliche Stellung und Form (Jahse)
4.3.3 Fallen wie eine Katze (Nak Bop)
4.3.4 Der Tanz des göttlichen Kranichs (Son-Hak Hyong)
4.4 Tai Chi Chuan
4.4.1 Wirkungen des Tai Chi
5 PRÄVENTION
5.1 Einführung in den Präventionsgedanken
5.2 Prävention in Deutschland
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5.7.1 Welche Maßnahme verhindert Stürze? Metaanalyse 5.7.2 Stürzen entrinnen - Eine Studienbeschreibung der Universität Freiburg
5.7.3 Tai Chi Chuan als Sturzprävention
6 ÄLTERE PERSONEN
6.1 6.2 6.2.1 Kognitive Kompetenz 6.2.2 Körperliche Kompetenz 6.2.3 Alltagspraktische Kompetenz 6.3 Motorik des älteren Menschen 6.3.1 Sensomotorik und Propriozeption 6.3.2 ZNS - Einfluß auf die Motorik im Alter
7 ERGEBNISSE
8 DISKUSSION
9 KONKLUSION
6
10 LITERATUR
11 LINKS FÜR WEITERE INFORMATIONEN
12 ANLAGEN
1. Bilder des Kranichformlaufes 2. Genehmigung für die Verwendung von Bildmaterial 3. §20 SGB V
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1 EINFÜHRUNG
In der folgenden Arbeit möchte ich die Frage klären ob die asiatische Bewegungs- und Kampfkunst Shinson Hapkido als Form der Prävention für ältere Personen geeignet ist.
Oft wird von Patienten die Frage an uns Physiotherapeuten herangetragen welche Form der Bewegung für sie eine förderliche darstellt. Gerade bei älteren Personen über 65 Jahren ist diese schwieriger zu beantworten, da die Problemstellung oft eine komplexere ist, als beim jungen Erwachsenen.
In den Jahren die ich selber, mit einer starken Sinnesbehinderung, diese Bewegungs- und Kampfkunst ausübe, hat sich mein subjektives Empfinden im Bezug auf ein stabiles und selbstsicheres Verhalten und Bewegen im Alltag so verändert, das Außenstehende meine Sehbehinderung nicht wahrnehmen.
Durch einen kurzen Exkurs in die Philosophie wird versucht den Zusammenhang zwischen den Bewegungskünsten Asiens und dem Verständnis, das diese eher ein Kulturgut für die Bevölkerung Asiens sind, als in unserem naturwissenschaftlich europäischem Sinne Sport. Mit den vielfach belegten Wirkungen des Tai Chi auf den älter werdenden menschlichen Organismus werden die Parallelen zum Shinson Hapkido und seinen umfangreichen Übungen dargestellt. Die zweite Säule dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem umfangreichen Thema Prävention, den gesetzlichen Grundlagen und dem derzeitigen politischem Willen.
Prävention soll in Zukunft als vierte Säule des deutschen Gesundheitswesens, neben Kranken-, Renten- und Unfallversicherung ausgebaut werden. Prävention soll die Kosten die für das Gesundheitswesen aufgewandt werden senken und den
Gesundheitszustand der Bevölkerung verbessern. Kosten können durch die Verhinderung von Erkrankungen oder Verletzungen vermindert werden. Gerade bei älteren Personen resultieren vielschichtige Folgen durch Stürze, deshalb spielt die Sturzprävention eine besonders wichtige Rolle. Verschiedene Untersuchungen zeigen Wege um die Aufgabe der Sturzprävention zu bewältigen. Unter anderem werden sensomotorisches Training und asiatische Bewegungskunst genauer betrachtet. Durch die demografische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland kann verdeutlicht werden welchen Stellenwert Prävention bei älteren Erwachsenen erhalten kann. Um die Bedeutung dieser
Präventionsmaßnahmen effektivieren zu können, ist es wichtig über die verschiedenen Kompetenzen des Alters und der veränderten Motorik des älteren Menschen zu wissen. Diese Aspekte werden in gesonderten Abschnitten erörtert.
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Zusammenfassend werden die Themenblöcke Shinson Hapkido, Prävention und Ältere Personen zusammengeführt. Hier wird dargelegt welche Rolle die asiatische Kampf- und Bewegungskunst Shinson Hapkido als präventiver Faktor innerhalb der Physiotherapie spielen kann.
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2 METHODIK
Ziel dieser Arbeit ist die Beantwortung der Fragestellung ob asiatische Bewegungskünste, im Besonderen Shinson Hapkido und als Vergleich Tai Chi, als Primärpräventive Maßnahme und Ergänzender Faktor in der Physiotherapie, für ältere Personen geeignet ist. Um diese Frage beantworten zu können wurden folgende Schritte durchgeführt:
• Definition der Untersuchungsgegenstände
• Literaturrecherche
Zur Erfassung der relevanten Literatur und Publikationen wurden die aufgeführten Datenbanken und Suchmaschinen, GeroLit®, GeroStat®, DIMDI®, BISP®, DZA®, Medline®, Medpilot® und Google®, sowie Fachliteratur genutzt. Literatur des Zeitraums 1995 bis 2005 kam zur Anwendung. Literaturverzeichnisse wesentlicher Arbeiten gaben weiterhin der Arbeit dienliche Hinweise.
Zur Anwendung kamen Untersuchungen die aus dem Blickwinkel der Sportwissenschaften und der Ärzteschaft klinischen Untersuchungen entsprach, einschlägige Fachliteratur und Veröffentlichungen die Aufgrund der Sachkenntnis der Autoren annehmen ließ das hier ein hoher Grad von Validität vorhanden ist.
Veröffentlichungen die keinerlei wissenschaftlichen Evidenz vermittelten wurden nicht zum auswerten von Fakten, nur zum Erörtern und besserem Verstehen, herangezogen.
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3 DEFINITIONEN
3.1 Shinson Hapkido
Shinson Hapkido ist ein Gesundheitstraining das mit der Achtung vor Mensch und Natur stattfindet (Shinson). Durch Shinson Hapkido wird ein Weg (Do) beschritten der zur Harmonie (Hap) von Körper, Geist und Lebenskraft (Ki) führt. (vgl. Myong K., 1999) Hapkido ist eine sehr alte Kunst, verschiedene Quellen sprechen von einem Entstehungszeitraum von vor 2000 bis 3000 Jahren. Die genaue Entstehungsgeschichte bleibt deshalb im unklaren. Hapkido ist eine Selbstverteidigungskunst, bei der das natürliche Zusammenwirken von Körper und Geist im Vordergrund steht und die weltweit zu den effektivsten Kampfsystemen zu zählen ist. (vgl. Schöneberger G., 1998 S. 9)
Erst nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurde Hapkido der Öffentlichkeit in Korea zugänglich, vorher war es wie üblich bestimmten gesellschaftlichen Schichten, wie Mönchen oder dem Adel, vorbehalten. Die Wurzeln liegen in der asiatischen Philosophie wie Taoismus, Konfuzianismus und Buddhismus. Später wurde diese
Selbstverteidigungskunst auch von Militärs angewandt. Shinson Hapkido stellt eine Weiterentwicklung durch Sonsanim Ko Myong dar. Sonsanim Ko Myong ist Meister des Zen, des Hapkido, des Taekwondo sowie der koreanischen Naturheilkunde. In Darmstadt gründete er 1983 die erste Schule für Shinson Hapkido. Das Training von Shinson Hapkido beinhaltet nicht nur die Selbstverteidigung, sondern auch Gymnastik mit verschiedenen Zielsetzungen, Atemübungen, Entspannungstechniken, Meditation, u.v.m. Shinson Hapkido bedeutet, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu trainieren und zu leben. Das Ziel das Trainings ist Gesundheit, Menschlichkeit, (Selbst-) Vertrauen und Lebensfreude. (vgl. Bujak U., 03/2005 Internet)
3.2 Prävention
In der Prävention sollen Maßnahmen zum Tragen kommen die Krankheiten verhindern, deren Ausbrechen oder Verlauf verzögern oder die Gesundheit fördern. Diese Maßnahmen können auf verschiedenen Ebenen stattfinden. So spricht man von der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Lebensqualität und selbstbestimmtes Leben sollen durch Prävention weitestgehend erhalten und verbessert werden.
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Prävention nimmt ihren Ausgangspunkt bei spezifischen Krankheitsrisiken und hat das Ziel, die Risiken für diese Krankheiten zu minimieren. Gesundheitsförderung hingegen zielt nicht auf die Risiken, sondern auf die Ressourcen für die Gesunderhaltung oder Gesundung; sie hat das Ziel, personale und soziale Ressourcen zu stärken und Handlungsspielräume zu erweitern, um damit zur Gesunderhaltung und zum Wohlbefinden beizutragen. (vgl. BMGS, 02/2005 Internet)
3.2.1 Primärprävention
Bei der Primärprävention geht es darum das es nicht zur Ersterkrankung kommt. Hier verlangt der Gesetzgeber Maßnahmen zur Gesunderhaltung bzw. zur Verbesserung des Gesundheitszustandes der Versicherten.
3.2.2 Tertiärprävention
Innerhalb der tertiären Prävention soll eine Verschlimmerung einer bereits bestehenden bzw. eine Folgeerkrankung verhindert werden.
3.2.3 Sekundäre Prävention
Die sekundäre Prävention ist ausschließlich dafür vorhanden, Erkrankungen möglichst frühzeitig zu erkennen um entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können.
3.3 Das Präventionsgesetz
Am 22.04.05 hat der Deutsche Bundestag das Präventionsgesetz mit den Stimmen der Rot-Grünen-Regierung beschlossen. Mit dem neuen Präventionsgesetz verfolgt die Bundesregierung den Weg einer vorausschauenden und nachhaltigen Gesundheitspolitik. Es schafft die Rahmenbedingungen für die Inhalte der verschiedenen Präventionsmaßnahmen, sowie die Finanzierung der für die Gesamtbevölkerung geforderte Prävention. Es nimmt Einfluss um die Bevölkerung durch sog. Lebenswelten bzw. Setting zu erreichen. Grundsätzlich wurde die Schaffung eines solchen Gesetzes, und der damit verknüpften Ziele, in der eigens eingerichteten Bund-Länder-Konferenz begrüßt.
Jedoch sieht die Opposition (CDU / CSU und FDP) verschiedene Schwierigkeiten wie z. B. das die Finanzierung vorwiegend von den gesetzlich Versicherten erbracht werden soll, oder das für Sekundär- und Tertiärprävention kaum Mittel zur Verfügung gestellt werden.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Physiotherapy Harald Bachmeier, 2005, SHINSON HAPKIDO ALS PRÄVENTION - Asiatische Bewegungskünste als Form der Prävention und Gesundheitsförderung von älteren Personen, München, GRIN Verlag GmbH
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