- 2 - 1.Themenwahl
Gegenstand dieser Arbeit ist eine Gegenüberstellung der beiden Wissenschaften Phonetik und Phonologie. Dabei sollen die grundlegenden Aspekte herausgearbeitet werden, was auch die Wahl dieses Themas begründet. Ich möchte so mein Grundlagenwissen zur Phonetik und Phonologie festigen, um somit einen guten Ausgangspunkt für die weitere Beschäftigung mit diesen Themen zu haben.
2. Protokoll der Vorlesung „Einführung in die Phonetik“ 2.1. Die Artikulationsorgane
Bei der Beschäftigung mit den Fragen der Phonetik und Phonologie, den Wissenschaften von den Lauten innerhalb einer Sprache im weitesten Sinne, ist es wichtig, sich im Vorfeld die mechanischen Vorgänge bei der Sprachproduktion vor Augen zu führen. Deshalb sollen diese im Folgenden kurz aufgelistet werden.
Neben der Atmung und der Phonation als für die Sprachproduktion grundlegende Funktionskreise umfasst die Artikulation, d.h. die Lautbildung mit den Artikulationsorganen, die Sprechbewegungen im engeren Sinne. Die artikulierenden Organe, d.h. also die beweglichen Teile des Ansatzrohres nennt man Artikulatoren. Ansatzrohr nennt man „(…) den anatomisch von der Mund- bzw. Nasenöffnung begrenzten Luftraum oberhalb des Kehlkopfes bzw. der Glottis, der aus dem Rachen-, Mund-, und Nasenraum besteht und in dem sich die eigentliche Artikulation abspielt.“ (Pompino-Marschall, 1995: 43). Die Artikulatoren bestehen also im Einzelnen aus:
§ der Zunge (lingua),
§ den Lippen (labia),
§ dem Unterkiefer (mandibulum),
§ dem Gaumensegel (velum) und dem Zäpfchen (uvula),
§ dem Rachen (pharynx),
§ der Stimmritze (glottis).
- 3 -Diesen gegenüber stehen die relativ fixen Strukturen des Ansatzrohres, die Artikulationsstellen, die ebenfalls bedeutend für den Artikulationsprozess sind. Sie werden unterteilt in:
§ die Oberlippe (labial),
§ die oberen Schneidezähne (inter-/addental),
§ den Zahndamm (aleolar),
§ den harten Gaumen (palatal),
§ den weichen Gaumen (velar),
§ das Zäpfchen (uvular),
§ die Rachenwand (pharyngal),
§ die Stimmritze und der Kehlkopf (glottal, laryngal).
Anschaulich gemacht werden die Artikulatoren und die Artikulationsstellen in einem Schnitt durch das Ansatzrohr, dem so genannten Sagittalschnitt.
Man benötigt die Angabe der Artikulationsstelle zur Charakterisierung eines Lautes. Somit können die Arten der Laute unterschieden werden. Die Lippenlaute (Labiale) werden an der Oberlippe, die Zahnlaute (Dentales) an den Schneidezähne n, die Alveolare am Zahndamm der Schneidezähne, die Gaumenlaute (Prä-, Medio-, Postpalatales) am (vorderen, mittleren, hinteren) Hartgaumen, die Gaumensegellaute (Velares) am weichen Gaumen, die Zäpfchenlaute (Uvulares) am Zäpfchen, die Rachenlaute (Pharyngales) im Mundrachen und die Kehllaute (Laryngales) im Kehlkopfgebiet gebildet.
Weiterhin können die La ute bezüglich des artikulierenden Organs bzw. des Organteils unterschieden werden. Es werden Labiale an der Unterlippe, Koronale an der Zungenspitze, Prädorsale an der vorderen Zungenoberfläche, Mediodorsale an der mittleren Zungenoberfläche, Postdorsale an der hinteren Zungenoberfläche und Layngale an den Stimmlippen gebildet.
Weiterhin unterscheidet der Artikulationsmodus nach der Art des Artikulierens. Diese sind Öffnung, Enge, unterbrochener Verschluss, Nasalöffnung und Lateralenge. Letztlich ist der Überwindungsmodus die „(…)Art und Weise, wie der Phonationsstrom den oral gebildeten Widerstand überwindet(…).“ (von Essen, 1957: 51). Hier unterscheidet man Reibung, Sprengung und Flattern (Rollen) bzw. je nach Stimmbeteiligung wird Stimmhaftigkeit, Stimmlosigkeit und teilweise Stimmhaftigkeit unterschieden. Somit lässt sich mit diesen bis hierhin gemachten Angaben jeder Laut genau charakterisieren.
- 4 - 2.2.Gegenstand der Phonetik und der Phonologie 2.2.1. Phonetik
Die Phonetik ist die Lehre von den Sprachlauten. Dabei ist es entscheidend, zu definieren, was ein Sprachlaut ist, denn entgegen der landläufigen Meinung entsprechen die Sprachlaute nicht den Buchstaben der geschriebenen Sprache. Vie lmehr war es notwendig für die Sprachlaute eine eigene, laut gerechte Verschriftung, eine Transkription zu finden. Diese ist manifestiert im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA) und lässt sich auf verschiedene Weise feststellen.
Es können zum einen in der deskriptiven Phonetik Lautkategorien auditiv wahrgenommen und mittels der symbolischen Zeichen des IPA dargestellt werden. Also wird hier das Gehörte analysiert und beschrieben, wobei die Laute direkt wahrnehmbar sind. Diese Teildisziplin der Phonetik wird auch Symbolphonetik genannt.
Zum anderen können die physikalischen Vorgänge des Sprechaktes mit speziellen Geräten als Signale gemessen werden. Die Phänomene, welche hier registriert werden, sind dem Hörer selbst verborgen und nicht direkt wahrnehmbar. Diese Teildisziplin der Phonetik heißt entsprechend ihrer Mittel Instrumental- bzw. Signalphonetik.
Schließlich werden durch Experimente die Ergebnisse des Gehörten und des Gemessenen in Beziehung gesetzt und der empirische Zusammenhang festgestellt. Hierbei handelt es sich um die Experimentalphonetik, auch perzeptive Phonetik genannt.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Phonetik die Produktion, d.h. das Sprechen und die Wahrnehmung, d.h. das Hören von Lauten untersucht. Dabei lässt sich die Untersuchung in den physikalischen und den physiologischen Bereich gliedern. Der physikalische Bereich umfasst den Gegenstand der Experimentalphonetik, d.h. die gehörten und gemessenen Schalleigenschaften, während sich der physiologische Teil mit dem Sprechen, also den Vorgängen zur Erzeugung des Sprachschalls beschäftigt. Letzteres wird als Artikulatorische Phonetik bezeichnet. Ebenfalls der Phonetik zuzuordnen ist die Wahrnehmung, d.h. das über das einfache auditive Hören und die sinnliche Wahrnehmung des Gehörten hinausgehende Erfassen von über die Sprache vermittelten Denkinhalten. Außerdem darf im Zusammenhang mit der Phonetik keinesfalls die Beschäftigung mit Akzent bzw. Betonung, Intonation, Sprachrhyt hmus und Sprechtempo vergessen werden, denn
Arbeit zitieren:
Grit Tuchscheerer, 2004, Phonetik und Phonologie ihre Aufgaben - Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihre Relevanz für den Bereich DaF, München, GRIN Verlag GmbH
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