Gliederung
I. Einleitung (S.4)
II. Die Urteilstafel als Entscheidungspunkt des ganzen Versuchs einer
kritischen Philosophie und die daraus entstehende Notwendigkeit
ihrer Vollständigkeit- Interpretationsversuche verschiedener Autoren (S.6 - 14)
II.1. Bröcker Walter - Die Qualität als Grundbestimmung des Urteils (S.6)
II.2. Wagner Hans - Relation als Grundbestimmung des Urteils (S.7)
II.3. Hegel Georg Wilhelm Friedrich - Der empirische Einwand (S.8)
II.4. Krüger, Lorenz - Transzendentale Apperzeption als Entscheidungskriterium
des Entscheidungskriterium (S.10)
II.5. Reich Klaus - Etablierung der transzendentalen Einheit der Apperzeption als
notwendige Voraussetzung zur Vollständigkeit der Urteilstafel (S.11)
III. Spezifischer Gebrauch des Verstandesbegriffs - die für Kant relevante Tradition der
Logik (S.14 - 20)
III.1. Aristoteles und Lampert - Graue Eminenzen der Kantischen Logikvorstellung
(S.14)
III.2. Weise Christian (S.16)
2
III.3. Thomasius Christian (S.16)
III.4. Wolf Christian (S.17)
III.5. Kants Einteilung der Urteilsmomente im Vergleich zu der ihm vorliegenden
IV. Schluss: Das Verhältnis von Verstand und Vernunft und die sich daraus ergebende
I. Einleitung
In der hier vorliegenden Arbeit sollen im Wesentlichen zwei Hauptaspekte der Kritik der reinen Vernunft bezüglich des relevanten Textabschnittes „Transzendentale Logik“ näher bestimmt werden. In Erarbeitung der Texte verdeutlichte sich zunehmend die in dieser Arbeit berücksichtigte Schwerpunktsetzung. Die Urteilstafel rückte in den Vordergrund der Betrachtungen. Besser: Die Vollständigkeit der von Kant vorgeschlagenen Urteilstafel. Weiter ergaben sich daraus die Fragen. Sind für die Gewährleistung des Vollständigkeitsanspruches, der für das Ganze der kritischen Philosophie Kants zum Entscheidungspunkt wird, Annahmen zu berücksichtigen, die dem unmittelbar beigefügten Text, d.h. im Wesentlichen dem Abschnitt der transzendentalen Logik, nicht zu entnehmen sind? Oder verhält es sich umgekehrt? Gibt der benannte Textabschnitt den Schlüssel für das Verständnis der Urteilstafel und der damit verbundenen Katego rientafel frei? In Darstellung der darüber kontrovers geführten Diskussion erscheint mir Letzteres plausibler. Ebenfalls muss die der Urteilstafel immanente Verständnisweise berücksichtigt werden. Gibt es ein Prinzip, das ihr zugrunde liegt oder ist sie als Ganzes nur in Berücksichtigung aller von Kant aufgeführten Momente zu verstehen? In Auseinandersetzung mit diesen Fragen ergab sich notwendig der zweite, in dieser Arbeit eigens berücksichtigte Forschungsbereich. Aus welchem historischen Kontext ergab sich für Kant die in der Kritik vorliegende Bestimmung der Urteilsmomente? Wo liegen Übereinstimmungen, wo Unterschiede zur traditionellen, für Kant relevanten Logikdiskussion? Beweist Kant Innovationspotential oder entblößt er sich als Puzzlespieler, der schon vorhandene Systemvorschläge neu strukturiert? In Annäherung einer bezüglich dieser Überlegung fruchtbaren Untersuchung von Tonelli 1 ist beides gleichermaßen zutreffend. Kant vertraut auf schon erbrachte Leistungen von Logikern, beweist aber zugleich Gespür für deren Mängel. In einer abschließenden Überlegung, die eher als ein Hinweis auf die im Kantischen Vorschlag enthalten Schwierigkeiten zu lesen ist, entferne ich mich von der rein wissenschaftlichen Auseinandersetzung und versuche spekulativ Probleme zur Genese von Gegenstandswahrnehmungen aufzugreifen. Fruchtbar dafür waren schon früher geleistete Auseinandersetzungen mit Denkern, die Kant eher kritisch gegenüberstanden. Neben Philosophen wie Nietzsche und Foucault, und mit ihm der ganze Vorwurf der Frankfurter Schule, war für die im Schlussteil dargestellten Überlegungen vor allem Schopenhauer von
1 Vgl. dazu: Tonelli, Giorgio, Die Voraussetzungen zur Kantischen Urteilstafel in der Logik des 18. Jahrhunderts, in Kaulbach, Friedrich und Ritter, Joachim (Hrsg.), Kritik und Metaphysik, Studien, 1966, S. 134-159
4
Bedeutung. Die kurz ausgeführten Einwände meinerseits finden sich bereits bei ihm. Relevant hierfür ist vor allem der Anhang „Kritik der Kantischen Philosophie“ zu seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ 2 . Als Haupteinwand formuliert er darin die unterschiedlich getroffene Grenzziehung der Gültigkeitsbereiche von Verstand und Vernunft. Aufhänger für ihn mag, noch vor aller Systematik des erkenntnistheoretischen Modells, die Problematik der tierischen Gegenstandswahrnehmung gewesen sein. Auf dieselbe ist im Schlussteil hingewiesen. Zur Lösung dieser Schwierigkeit müssten jedoch biologische Untersuchungen bzw. Spezifizierungen hinzugezogen werden, die, genauso wie die Ausführungen zur Unterschiedenheit des Gegenstandes, in der hier vorgegebenen Kürze nicht erbracht werden können. Vielmehr ist, wie bereits erwähnt, der Schlussteil als „Brainstorming“ zu intuitiven Einwänden gegen die Konzeption Kants zu lesen.
2 Schopenhauer, Arthur, Die Welt als Wille und Vorstellung, Bd.1, Vier Bücher nebst einem Anhange, der die Kritik der Kantischen Philosophie enthält, Lütkehaus, Ludger (Hrsg.), Zürich, 1999
5
II. Die Urteilstafel - Entscheidungspunkt über die Zulässigkeit des Versuchs
II.1. Bröcker Walter - Die Qualität als Grundbestimmung des Urteils
Der komprimierten Darstellung des Ansatzes Bröckers ist vorauszusetzen, dass auch er davon ausgeht, in der Analyse des Urteils die Funktionen des Verstandes finden zu können. Unter dieser Grundbedingung sind alle folgenden Interpretationsversuche zu lesen. Die Problematik, die sich mit dieser Vorbedingung verknüpft, findet ihre versuchte Ausformulierung im Unterpunkt Verstand und Vernunft. Zudem sind die Darstellungen der einze lnen Interpreten nicht zu lesen als Versuch, den ihnen eigenen Ansatz in aller Vollständigkeit darzustellen, sondern vielmehr geht es in diesem Teil der Arbeit darum, auf Möglichkeiten hinzuweisen, wie die Logik der Sprache bzw. aus welchem Ursprung die Gestaltung einer logischen Sprache verstanden werden kann. Dementsprechend beschränken sich die Ausführungen auf die Unterschiede im Ansatz der jeweiligen Auslegungen.
Mit der Annahme die Funktionen des Verstandes lassen sich durch eine Analyse des Urteils bestimmen, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die einzelnen Momente der Urteilstafel. Fragen der Priorität einer bestimmten Urteilsform erlangen besondere Bedeutung, wenngleich es durchaus dem Text Kants zu entnehmen ist, dass die vier von ihm angeführten Momente der Urteilstafel als Ganzes zu denken seien. Einzig die Modalität wird von Kant selbst in einem gewissen Abstand zu den drei vorherigen Aspekten des Urteils gedacht. Bröcker dagegen erkennt in von ihm behaupteter Übereinstimmung mit der logischen Substanz aller Sprachen 3 das Wesen des Urteils in der Synthese von Subjekt und Prädikat. 4
3 Nach dem Hinweis, dass sich verschiedene Sprachen, nur durch den jeweils vorhandenen Grad ihrer implizit verwendeten, logischen Formen unterscheiden, gibt Bröcker zu bedenken, dass man nicht „... abgelegene Täler des Kaukasus aufzusuchen..“ hätte, um festzustellen, dass es „zwar viele Sprachen [gibt MJ], aber nur eine Logik [gibt MJ].“, Bröcker, Walter, Kant über Metaphysik und Erfahrung, Frankfurt am Main, 1970, S.42
4 Vgl. ebd., S.42 „ Zum Wesen des Urteils gehört erstens unabdingbar die Synthese von Subjekt und Prädikat, anders gesagt, die Subsumtion eines Gegenstandes unter einen Begriff.“
6
Arbeit zitieren:
M.A. Mirko Jungkunz, 2004, Die Urteilstafel der Kantischen transzendentalen Logik Entscheidungspunkt der kritischen Philosophie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Worin besteht die 'Kopernikanische Wende' des Kantischen Kriti...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit, 29 Seiten
Vernunftantinomie und 'Revolution der Denkart' in Immanuel Kan...
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 22 Seiten
Argumentationsanalyse (R. Descartes: Meditationes)
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 24 Seiten
Sinnliche Wahrnehmung (Aisthesis) und Denken (Noesis) - Abgrenzung ihr...
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 24 Seiten
Der Zusammenhang von Wahrnehmung und Denkvermögen bei Aristoteles
Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen
Hausarbeit, 30 Seiten
Immanuel Kant - Der Weg zum kategorischen Imperativ
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit, 15 Seiten
Descartes' Meditationes de prima philosophia: Wie begründet und wi...
Seminararbeit, 17 Seiten
"Pflicht, du erhabener großer Name!" - Die Begriffe der Pfl...
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die Ableitung des kategorischen Imperativs nach Kant
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit, 14 Seiten
Was unterscheidet Wissenschaft und Alltag? Die Kriterien von 'Wiss...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 12 Seiten
Aristoteles' Theorie der Wahrnehmung
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Seminararbeit, 18 Seiten
Der philosophische Skeptizismus
Die Entwirrung der philosophis...
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 16 Seiten
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit, 12 Seiten
Was will Kant mit seiner "Transzendentalen Analytik"?
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Bedeutung der Freiheit in dem Begriff der Eudaimonia bei Aristotel...
Philosophie - Philosophie der Antike
Hausarbeit, 21 Seiten
Mirko Jungkunz hat den Text Die Urteilstafel der Kantischen transzendentalen Logik Entscheidungspunkt der kritischen Philosophie veröffentlicht
Mirko Jungkunz hat einen neuen Text hochgeladen
Gesamtausgabe Abt. 2 Vorlesungen Bd. 25. Phänomenologische Interpretat...
Martin Heidegger, Ingtraud Görland
Gesamtausgabe Abt. 2 Vorlesungen Bd. 25. Phänomenologische Interpretat...
Martin Heidegger, Ingtraud Görland
Kants " Kritik der reinen Vernunft " im Klartext
Textbezogene Darstellung des G...
Walter Gölz
0 Kommentare