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1. Inhaltsverzeichnis
1. INHALTSVERZEICHNIS. 2
2. EINLEITUNG 3
3. ZUM BEGRIFF DES ) " 4
4. DAS WESEN DES ) " 7
4.1) " ALS GESETZ? 7
4.2 DER LOGOS ALS METHODE? 9
4.3 DIE GEGENSATZLEHRE IM ) " ODER: DER STANDPUNKT DES BETRACHTERS 11
5. GEFANGEN IM ) "? 15
6. LITERATURVERZEICHNIS 18
2. Einleitung
„Das Wahre ist das Ganze“ formulierte Hegel in seiner Phänomenologie des Geistes. 1 Das „Ganze“ bedeutet in diesem Verständnis nicht eine zwangsverordnete harmonische Vereinheitlichung im Sinne einer unterschiedslosen Identität, sondern umfasst vielmehr immer auch das Andere in Einem, beinhaltet also das Differente, das Gegensätzliche in seiner Gegensätzlichkeit. Das Ganze bedeutet daher immer auch Unterschiedenheit und implizierter Widerspruch. Wie aus Hegels „Geschichte der Philosophie“ hervorgeht, verdankt Hegel seinen Grundgedanken der Phänomenologie einem Philosophen namens Heraklit: „Es ist kein Satz des Heraklit, den ich nicht in meine Logik aufgenommen.“ 2
Heraklit von Ephesos - auch der Dunkle genannt - spielte schon bereits in der Zeit ca. 480 vor Christi Geburt auf eine Form der „Einheit der Gegensätze“ an, die sich ihm in einem „allumfassenden Willen“ - dem ) " - äußert. 3 Dieser ) " ist es, der die gesamte Denkweise Heraklits bestimmt, weshalb er auch als „Schlüssel zu ihrem Verständnis“ bezeichnet werden kann. 4
Nach Heraklit scheint alles aus einem Gegensatz zu entstehen: Warmes aus Kaltem, Leben aus Tod und Junges aus Altem. 5 Doch vereint gleichzeitig auch eine Sache einen Gegensatz in sich selbst, beinhaltet in der Gegenwart das Differente. So ist beispielsweise das Meerwasser zugleich „ein sauberstes und abscheulichstes: Fischen trinkbar und gesund, Menschen untrinkbar und gefährlich“ (Fragment B 61). Wie hier im Wasser sowohl Leben als auch Tod vereint zu sein scheinen, könnte sich Heraklit diesen Prozess der Aufhebung von Gegensätzen als eine Art Bewegungsgesetz des Ganzen vorgestellt haben. Die Widersprüche erscheinen dem Menschen - „trotz all ihrer Erfahrung mit derlei Worten und Werken“ - im Alltäglichen als unvereinbar, erscheinen vielmehr als objektiv getrennt Widereinanderstehendes. Hätten die Menschen allerdings den logos vernommen, wären sie in der Lage zu sagen: „Eins ist alles“ (Fragment B 50) und es erschiene „das Widereinanderstehende zusammenstimmend und aus dem Unstimmigen die schönste Harmonie.“ (Fragment B 8) Doch wie können wir uns dieses Eine vorstellen? Das Eine, das als „einsichtsvoller Wille“ verstanden werden kann, der alles durch alles hindurchsteuert? (Fragment. B 40,41) Was verbirgt sich hinter Heraklits ) "?
Auch wenn Heraklit davon ausgeht, dass „immer die Menschen zu töricht sein, so ehe sie gehört, wie wenn sie erst gehört haben“, die Lehre des logos zu verstehen (Fragment B 1), möchten wir in dieser Abhandlung trotzdem den Versuch wagen, uns dem Begriff des logos anzunähern, einen Überblick über das Wirken und die Struktur des logos zu schaffen.
Hierzu beziehen wir uns auf die übermittelten Heraklit Fragmente und diskutieren mögliche Zusammenhänge, die sich aus den Überlieferungen ergeben könnten. Dieser Abhandlung liegt damit
1 Hegel, G.W.F. Phänomenologie des Geistes. Suhrkamp Verlag. Frankfurt/Main 1970. S. 24.
2 Hegel, G.W.F. Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie. Sämtliche Werke. Bd.17. Stuttgart 1928. S.
344; gefunden in: Kurz (1971). S. 5.
3 siehe u.a. Die Vorsokratiker I. (2003). S. 231.f
4 Kurz (1971). S. 205.
5 siehe Fragment B 88
gleichzeitig ein Verständnis zu Grunde, das davon ausgeht, dass es keine wahre Interpretation Heraklits gibt. Aber es gibt Fragmente. Fragmente, die sich einer Interpretation unterziehen lassen. Ewald KURZ, Bruno SNELL und andere weisen ausdrücklich darauf hin, dass eben vor allem auf Grund dieses Umstandes im Laufe der Geschichte unterschiedliche Strömungen sich Heraklits Denken „zu eigen“ machen wollten. 6 So versuchten bereits die Stoiker ebenso wie die Sophisten, die Skeptiker oder auch die Noetianer, Heraklit für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Selbstverständlich sei an dieser Stelle auch Hegel genannt, dessen dialektisches Grundmuster auf seiner Heraklitinterpretation gründet, mit denen er lange Zeit im wissenschaftlichen Diskurs bestimmenden Charakter besaß. 7 Mir scheint dieser Tatbestand der „Instrumentalisierung“ jedoch keineswegs abgeschlossen und auch bis in die moderne Heraklitforschung hineinzuragen. So dringt beispielsweise bei JENDORFFs (1976) Heraklitinterpretation das theologische, göttliche Moment zum Vorschein oder bei GÜNTHER (2001) eine buddhistische Ganzheitsphilosophie, die mit den Fragmenten Heraklits in Einklang gestellt werden soll.
Wir möchten im Folgenden, uns immer der Problematik verschiedenster Interpretationen bewusst, anhand der Heraklit-Fragmente 8 in der Übersetzung von SNELL (2004) und ausgewählter Sekundärliteratur 9 uns von der Frage leiten lassen, was sich hinter Heraklits ) " verbirgt, wovon „diese Lehre hier“ (Fragment 1) spricht.
3. Zum Begriff des ) "
Bernhard JENDORFF weist in seinen Ausführungen zum Logos darauf hin, dass dem Begriff des logos innerhalb der Philosophiegeschichte unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben wurde, so dass zur Begriffserläuterung eine strenge Orientierung an dem spezifisch griechischen Gehalt des Wortes unabdingbar erscheint. 10
„) "“ bezieht sich als Nomen auf „OHJHLQ“, was soviel bedeutet wie sammeln, lesen, auslesen. Hieraus geht schon hervor, dass „logos“ zum Einen so etwas enthält wie eine Wiederholung als aber auch zum Anderen ein Moment der Beurteilung, denn in allen Fällen wird eine bestimmte Tätigkeit nach einer gewissen Ordnung, wie beispielsweise Gleiches zu Gleiches beim Sammeln oder Lesen nach und nach vollzogen - Wiederholung und Beurteilung also. 11
6 Kurz (1971). S. 1f. oder auch: Snell (2004). S. 51/52.
7 Kurz (1971). S. 10. oder auch: Snell (2004). S. 53.
8 Sofern keine weiteren Angaben zu den hier zitierten Fragmenten erfolgen, ist stets die Diels/Kranz-Zählung
Grundlage der Wiedergabe in der Übersetzung und Textwahl von Snell (2004)
9 siehe Literaturliste S. 18
10 Jendorff (1976). S. 43.
11 Jendorff (1976). S. 43f.
Nach JENDORFF lassen sich für das griechische Wort ) " folgende Bedeutungen ausfindig machen: 12 S Sammlung;
S Zählung, Zahl, Rechnung, Berechnung, Abrechnung; S Maß, Takt, Maßregel; S Überlegung, Grund, Bedingung; S Aufzählung, Verzeichnis, Liste; S Erzählung, Wort, Rede;
S Denkvermögen, Vernunft, Ratio des Menschen, der menschliche Geist und Gedanke;
Ob und wie der Begriff des logos zu fassen ist, bleibt ohne Frage ein nach wie vor aktuelles Thema der Heraklitforschung. Dazu zählt ebenso die Frage, ob Heraklit selbst das Wort ) " wirklich „terminologisch“ oder nicht einfach nur „operativ“ benutzt hat, also als ein Wort, das seine Bedeutung vornehmlich durch den Sprachgebrauch seiner Zeit erlangte. Dies hieße, wir könnten den Begriff des logos ohne Weiteres mit den obigen Bedeutungen füllen. „Ob man allerdings ein zureichendes Verständnis der betreffenden Fragmente schon dann hergestellt hat, wenn man sich darauf beschränkt, diese Bedeutungen einzusetzen, darf mit guten Grund bezweifelt werden; [...]“ so Klaus HELD in seinen Ausführungen zum Logos-Gedanken. 13 Denn vor allem die Fragmente B1, B2 und B50 „lassen sich nur unter der Voraussetzung verstehen, daß das Wort an ihnen eine Bedeutung hat, die es erst im Zusammenhang des heraklitischen Denkens gewinnt.“ 14 Und die weiteren Fragmente, in denen Heraklit das Wort logos benutzt, geben nach HELD ebenfalls allen Anlass anzunehmen, „daß auch an diesen Stellen die spezifisch heraklitische Bedeutung durchscheint.“ 15 Ein bloßes Einsetzen der oben aufgeführten Übersetzungsmöglichkeiten wäre demnach nicht ausreichend, um ein Gesamtverständnis für die Bedeutung des logos zu erlangen.
Nach Ewald KURZ muss daher auch „jede Betrachtung des heraklitischen Logosbegriffes von zwei Tatsachen ausgehen: daß ) " nur einen Bedeutungsaspekt hat und daß es in der Geistesgeschichte keine absolute Unabhängigkeit von fremden Gedankengut gibt.“ 16 So ließ er sich durch die Tatsache, dass im griechischen Sprachgebrauch „häufig eine zusammenhängende Entwicklung der Wortbedeutungen“ 17 zu beobachten ist, zu der Annahme führen, dass auch der Begriff des logos nicht isoliert betrachtet oder mit verschiedenen Bedeutungen in Verbindung gebracht werden dürfe, sondern in seiner Entwicklung hin zu einem Bedeutungszusammenhang erkannt werden müsse. „Da sich nun in Fragm. 31, wie es schon Schleiermacher erkannte, ) " nicht anders übersetzen läßt als durch
12 Jendorff (1976). S. 46f.
13 Held (1981). S. 174.
14 Held (1981). S. 174/175
15 Held (1981). S. 175
16 Kurz (1971). S.63. Kurz orientiert sich hierbei an den Ausführungen Bruno Snells in „Die Sprache des
Heraklits“.
17 Kurz (1971). S.63.
Arbeit zitieren:
Timo Nitz, 2005, Der Logos. Über den Grundgedanken Heraklits, München, GRIN Verlag GmbH
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Linking Kasus und semantische Rollen bei Wunderlich
Deutsch - Grammatik, Stil, Arbeitstechnik
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Jean-Jacques Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit, 17 Seiten
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