Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Eine Frau zwischen Matriarchat und Patriarchat
2.2 Figurenkonstellationen und Charakteristika in Kassandra
2.3 Kassandras Ablehnung der patriarchalen Gesellschaft
und Stellungnahme gegenüber ihrer Situation
3. Sprache und Subjektbeschaffenheit in der Erzählung
4. Das Gesellschaftsleben in der Gegenwelt am Idaberg sowie
der Vergleich des patriarchalem Systems mit dem des DDR- Regimes
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
In der vorliegenden Hausarbeit soll Christa Wolfs Erzählung Kassandra bezüglich ihres phantastischen Gehalts, der von der ursprünglichen klassischen Ilias abweicht, untersucht und analysiert werden. Die Autorin Christa Wolf statuiert ein prägendes Bildnis in der deutschen Literaturgeschichte, indem sie einen neuen literarischen Stil kreiert. In dem ursprünglichen Mythos nimmt die Königstochter des Trojanischen Königs Priamos eine Nebenrolle im Hinblick auf den Gesamthergang ein. Wo die Seherin in ihr nur erwähnt wird und ein Schattendasein fristet, spiegelt sie in der Erzählung Kassandra die Hauptakteurin wieder. Bei Christa Wolf blickt Kassandra im Angesicht des Todes auf ihr eigenes Leben zurück und berichtet in einem schier endlosen Monolog über die Ereignisse des Trojanischen Kriegs. Einen Schwerpunkt werden hierbei die Funktion der Sprache und deren Bedeutung hinsichtlich der Subjektbeschaffenheit ausfüllen. Die Protagonistin Kassandra steht am Beginn des Ausbaus eine neuen gesellschaftlichen Systems - dem Patriarchat. Kassandra, die Tochter des Königs Priamos, geht an die Unvereinbarkeit zwischen ihrer Sehnsucht nach einer erfüllten Liebe und den Vorgaben des von Männern dominierten Systems, die einer Frau nur eine beengte Existenz und kein Mitspracherecht erlauben, zugrunde. Die Sprache stellt für sie dabei ein Mittel dar, um sich selbst zu finden bzw. zu reflektieren. Antike Urbilder in der Menschheitsgeschichte verkörpern Mythos und Mythen wie kaum ein anderes Bildnis in der Wahrnehmung der Gesellschaft. Des weiteren soll in der Hausarbeit ein Vergleich zwischen dem Ilias-Mythos und dem aktuellem Zeitgeschehen gezogen werden. Es bleibt jedoch auch der geschichtliche Hintergrund der DDR nicht unbeleuchtet, sondern wird im Bezug auf die politischen Verhältnisse skizziert. Doch nicht nur die Bedrängnisse und quälenden Fragen zur Zeitgeschichte sind Anlass zur Umdeutung der ursprünglichen Ilias-Fassung, auch die Rolle der Frau in der Gesellschaft wird zeitlos und detailreich unter Bezugname einzelner Personenbeschreibungen weiblich (z.B. Hekabe, Kassandra, Polyxena) wie männlich (Aineias, Anchises, Achill usw.) dargestellt. Die Autorin setzt dabei den romantischen Kontext mit ein - Mann und Frau im romantischen Diskurs. Sie inszeniert mit ihrem Werk eine Anti-Ilias. Christa Wolf geht hierbei auf die Beziehung zwischen Mann und Frau und der Stellung derer in der Gesellschaft ein. Für sie sind Männer schwache Wesen. Die Figuren der Ilias beschreiben aber auch in ihren Charaktereigenschaften menschliche Empfindungen im Bezug auf Krieg, Terror, Sex, Liebe, Wahn, Gewalt und Angst. Dabei werden positive, aber auch negative Empfindungen verdeutlicht. Christa Wolf verbindet mit Kassandra eine Gegenwartsbeschreibung. 3000 Jahre zwischen dem ursprünglichem Mythos und der heutigen Zeit schwinden, durch die Reflexion auf die aktuelle und in der Gesellschaft
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bislang verbliebene Situation der Frau. Patriarchale Denkstrukturen des Mannes und die Unterdrückung der Frau in der Gesellschaft werden verdeutlicht. Sie identifiziert sich mit der Hauptfigur, was sich in einem parallelen Lesen wiederspiegelt. Die gesellschaftliche Darstellung des Mannes und der Frau zeigen deutliche Unterschiede im Denken, Handeln und Fühlen. Eines bleibt dabei jedoch zu erkennen, dass jedes Individuum maskuline, als auch feminine Anteile in sich trägt. Anlass für die 1983 in beiden Teilen Deutschlands erschienene Erzählung Kassandra gab der Eindruck einer Griechenlandsreise der DDR-Schriftstellerin Christa Wolf. Das Studium antiker Texte und die Begegnung mit einer Kultur, die der Frau eine traditionell untergeordnete Rolle/Stellung zuweist, inspirierte sie, auf aktuelle Geschehnisse, Frauenrechte bzw. Bewegung einzugehen. Viele Autoren setzten sich mit dem Thema der Mythen auseinander, um den Urmythos zu entzaubern und ihm eine neue Form zu ve rleihen. So auch Christa Wolf, die im engen Kontakt mit Franz Fühmann stand. Doch nicht allein den geschichtlichen Bezug zur neuen Zeit verbindet Christa Wolf in der Kassandra, sondern sie spiegelt auch die Beziehungen zwischen Mann und Frau bzw. zwischen Frau und Gesellschaft wieder. Dies macht in der Ummantelung der literarischen Ausdrucksweise die Vielseitigkeit des Buches aus, sodass der Leser das Gefühl der Geschichte in der Geschichte erhält und doch die Frage stellt: Kann ein Mythos nicht realer sein?
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1. Hauptteil
1.1 Eine Frau zwischen Matriarchat und Patriarchat
Im Folgenden soll kurz auf die Entwicklung und Folgen der Denkstrukturen eingegangen werden, die in damaliger Zeit vorherrschten. Hierbei wird speziell die Rolle der Frau und ihre politische Handlungsfähigkeit beleuchtet. Die Protagonistin Kassandra lebt zwischen den Gesellschaftsformen des Matriarchats und Patriarchats. Der ursprüngliche Mythos, bei dem weibliche Erd- und Muttergottheiten im Zentrum standen, vermittelte in seinem Nebeneinander unterschiedlichster Mythen einen Denkzustand, der sich allen Regeln der Vernunft entzog. Mit der Niederschrift dieser Mythen begann ein Prozess der Verdrängung der weiblichen Gottheiten durch einen immer stärker präsent werdenden Gott-Vater. In Folge dessen wurde die Polymythie von der Monomythie ersetzt. Die Hervorhebung von nüchternem logischem Denken führte zu einer dualistischen Denkweise in Gegensätzen, deren erste Opposition Mann - Frau war und der fast alle weiteren Oppositionen untergeordnet werden konnten. Die Separation vom wahrnehmenden Subjekt und zu erkennendem Objekt hatte die Nützlichkeit des Objekts zum Ziel - meist im Namen der Entwicklung - . Daraus folgt eine Erhebung des Nutzens zum alleinigen Maßstab, wozu alles absehbar bzw. quantifizierbar werden musste. Der Preis ist ein Verlust all jener Qualitäten, die sich nicht messen, zählen und berechnen ließen. Im Kommenden soll eine kurze Darstellung der Figuren gegeben werden, die sich den Konventionen einer patriarchalen Gesellschaftsordnung unterworfen hatten und mit ihren Ansichten und Verhaltungsweisen entweder das patriarchale Prinzip repräsentierten oder zur dessen Unterstützung beigetragen haben.
2.2 Figurenkonstellationen und Charakteristika
Eumelos, der Aufsteiger in der trojanischen Gesellschaft, verkörpert mit seiner Emotionslosigkeit den Machttyp der neuen Zeit. Er stellt in Kassandra die personifizierte Zweckrationalität dar und opfert mit seinem berechnenden Verstand für sein Machtstreben alles und jeden. Eumelos verfügt dabei über keinerlei humanitäre Wertvorstellungen. Seine Gefühllosigkeit und die Überzeugung, dass der Zweck jedes Mittel heilige, ermöglichen dieser gesichtslosen Figur eine grenzenlose Anpassungsfähigkeit: „Der überlebte nämlich [...]. Wohin wir immer käme n, dieser war schon da.“ 1 Die Unfähigkeit des Trojanischen Königs Priamos, politische Zusammenhänge zu erfassen, macht ihn zwar „nicht zum idealen König, doch war er
1 Wolf, Christa: Kassandra. Erzählung. 5. Auflage München 1997, S. 142
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Arbeit zitieren:
B.A. Daniela Künzel, 2004, Christa Wolfs Kassandra: Kann ein Mythos nicht realer sein?, München, GRIN Verlag GmbH
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Daniela Künzel's Text Christa Wolfs Kassandra: Kann ein Mythos nicht realer sein? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
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"Kassandra" und "Medea" von Christa Wolf
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