Inhaltsverzeichnis
1. Lyrikgespräch mit einem Kind Seite 1
2. Unterrichtsbeobachtung einer Lyrikstunde Seite 4
2.1. Angaben zur Unterrichtseinheit
2.2. Geplante Ziele, Inhalte und Methoden der beobachteten Stunde
2.3. Verlauf der beobachteten Stunde
2.4. Auswertung der Stunde: beobachtete Lerneffekte
3. Anlagen Seite 8
Anlage I: „Der hellen Töne Glanzgefunkel“ von Clemens Brentano
Anlage II: „Gehen - laufen - springen“ von Rosemarie Künzler-Behnke
Anlage III: „Mein Rad“ von Christine Nöstlinger
Anlage IV: „Weihnachten“ von Joseph von Eichendorff
Anlage V: Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe
Anlage VI: Leitfaden für das Lyrikgespräch mit einem Kind
Anlage VII: Arbeitsblatt 1
Anlage VIII: Arbeitsblatt 2
II
1. Lyrikgespräch mit einem Kind
Ich habe mein 45-minütiges Lyrikgespräch mit einem Schüler der 4. Klasse in der Grundschule Hagen, auch bekannt als Igel-Schule, in Lüneburg geführt. In dieser Klasse habe ich am Ende des Sommersemesters 2004 mit zwei weiteren Kommilitoninnen mein Allgemeines Schulpraktikum absolviert. Somit waren mir die Schüler dieser Klasse nicht fremd.
Den Schüler für das Lyrikgespräch habe ich mir bewusst ausgesucht, da ich ihn schon während des Praktikums als sehr aufgeschlossen und ehrlich empfunden hatte. Meinen Erwartungen widersprechend, war der Schüler diesmal allerdings nicht so gesprächig. Das mag einerseits daran gelegen haben, dass ich mich alleine mit ihm in einem Raum befand und er respektvoll das Gespräch erwartete, weil ihm die Lehrerin vorher mitgeteilt hatte, dass wir das Gespräch für die Universität führen würden. Andererseits hatte der Schüler vor kurzer Zeit eine Zahnspange bekommen. Da ich ihn mit dieser noch nicht kannte, empfand er es eventuell als unangenehm mit mir zu sprechen.
Im Vorfeld des Lyrikgesprächs hatte ich in Zusammenarbeit mit einer Kommilitonin einen Gesprächsleitfaden mit Fragen entwickelt, an welchem ich mich während des Gesprächs orientiert habe. Zu Beginn des Gesprächs stellte ich Fragen zum Umgang des Schülers mit Gedichten zuhause sowie im Unterricht. Anschließend durfte sich dieser aus fünf unterschiedlichen Gedichten jenes aussuchen, welches ihm am besten gefiel. Zu diesem Gedicht stellte ich ihm nun weitere Fragen. Bei der Auswahl der Gedichte (siehe Anlage 1-5) waren wir bemüht, eine möglichst große Bandbreite darzubieten. Wir wählten lange und kurze Gedichte sowie „alte“ und moderne Formen. Unsere Wahl fiel auf folgende fünf Gedichte:
o „Der hellen Töne Glanzgefunkel“ von Clemens Brentano
o „Gehen - laufen - springen“ von Rosemarie Künzler-Behnke
o „Mein Rad“ von Christine Nöstlinger
o „Weihnachten“ von Joseph von Eichendorff
o Johann Wolfgang von Goethe (der Titel des Gedichts ist unbekannt)
1
Der o.g. Schüler ist zehn Jahre alt und hat keine Geschwister. Auf die Frage, ob er manchmal zuhause Gedichte lese, Lieder singe oder Abzählverse und Reime benutze, antwortete er u.a., dass er keine Gedichte lesen würde. Wenn er zu Hause lese, dann nur Geschichten. Weiterhin erzählte der Schüler, dass er nachmittags manchmal Lieder singe. Beispielhaft nannte er die Weihnachtsfeiertage, an denen mit der gesamten Familie Lieder unter dem Weihnachtsbaum gesungen werden würden.
Gedichte liest der Schüler also folglich nur in der Schule. Ein Lieblingsgedicht konnte er mir nicht nennen. Wird im Unterricht ein Gedicht behandelt, schreibt die Lehrerin dieses entweder an die Tafel, gibt ihren Schülern entsprechende Arbeitsblätter oder die Klasse liest ein Gedicht aus dem Lesebuch. Die Stunde verläuft regulär so, dass mehrere Schüler das jeweilige Gedicht vorlesen. Anschließend sprechen die Schüler mit ihrer Lehrerin über das Gedicht und manchmal dürfen sie auch selbst Gedichte schreiben. Der von mir befragte Schüler empfindet diese Unterrichtsstunden als sehr angenehm; besonders viel Spaß hat er dabei, selber Gedichte niederzuschreiben. An ein spezielles Gedicht, dass die Klasse bereits während des Unterrichts behandelt hat, konnte der Schüler sich jedoch nicht erinnern.
Im Anschluss an die gestellten Fragen las ich dem Schüler die fünf Gedichte vor, die ich für das Lyrikgespräch ausgewählt hatte. Danach hatte er die Möglichkeit, sich jene Gedichte noch einmal in Ruhe durchzulesen, bevor er sich auf eines festlegen sollte. Er entschied sich spontan für das Gedicht „Weihnachten“ von Joseph von Eichendorff. Dieses Gedicht war dem Schüler bis dato unbekannt. Seine Auswahl begründete er damit, dass er es als schön gereimt empfand und er Weihnachtsgedichte besonders gerne mag. Die zweite Strophe des Gedichts gefiel dem Schüler besonders gut. Sie regte dessen Vorstellungskraft stark an. Er erzählte mir, dass er ebenfalls gerne mit seiner Familie in der Vorweihnachtszeit spazieren gehe und sich die geschmückten Häuser und Fenster angucke. Die dritte Strophe des Gedichts fand der Schüler nicht so ansprechend, da das lyrische Ich die Stadt verließe und nun keine geschmückten Häuser mehr zu sehen seien.
Die Formulierung „Und ich wandre aus den Mauern“ zu Beginn der dritten Strophe konnte der Schüler nicht deuten. Er fragte, was mit „Mauern“ gemeint sei. Daraufhin
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erklärte ich ihm, dass damit die Stadtmauern gemeint seien, die früher um viele Städte gebaut wurden. Nun fiel dem Schüler ein, dass er selbst schon mal eine solche Stadt mit seinen Eltern angeschaut hatte.
Zum Inhalt des Gedichts befragt, antwortete der Schüler, dass es von Weihnachten und den Weihnachtsvorbereitungen handle. Es gehe um Kinder, die sich freuen und um geschmückte Fenster. Der Schüler erzählte jede Strophe mehr oder weniger nach. Beim Lesen des Gedichtes dachte der Schüler an Weihnachten und die geschmückten Häuser. Er hatte ein angene hmes Gefühl dabei und meinte, dass dieses Gedicht sehr gut die vorweihnachtliche Stimmung vermittle und er sich deshalb gut in das Gedicht hineinversetzen könne. Dieses Gedicht erinnere den Schüler an die Spaziergänge mit seiner Familie in der Vorweihnachtszeit.
Da ich das Lyrikgespräch am 2. Dezember geführt habe, lag es nahe, dass der Schüler sich für das Gedicht von Joseph von Eichendorff entscheiden würde. Aus diesem Grund fragte ich den Schüler, ob er denn ein anderes Gedicht als Lieblingsgedicht gewählt hätte, wenn jetzt der Sommer bevorstünde. Diese Frage verneinte er und bekräftigte noch einmal, dass ihm dieses Gedicht am Besten gefallen würde, weil es „ so eine schöne Stimmung mache“. Zum Aufbau des Gedichts meinte der Schüler, er finde es gut, dass es sich reime, denn so müsse - in seinen Augen - ein Gedicht sein.
Zu den anderen Gedichten befragt, antwortete der Schüler, dass ihm das Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe auch gut gefalle, weil es so schön geschrieben sei. Dasselbe empfand er auch bei dem Gedicht „Der hellen Töne Glanzgefunkel“ von Clemens Brentano, allerdings gab er zu, dass es für ihn sehr schwierig sei, den Inhalt dieses Gedichts zu verstehen. Die Gedichte „Mein Rad“ und „Gehen-laufenspringen“ gefielen ihm nicht, da sie sich nicht reimten und einfach hintereinander weg geschrieben seien. „Gehen-laufen-springen“ ergab für ihn keinen Sinn.
Beim Aufbereiten dieses Gesprächs ist mir aufgefallen, dass ich mich sehr stark an meinen Fragen orientiert habe. Einige Antworten des Schülers hätte ich noch mehr aufgreifen und hinterfragen können. Meine Fragen waren häufig geschlossen formuliert, was sicherlich nicht zuträglich für die Kommunikation war. Ich denke, das
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Arbeit zitieren:
Diana Wellige, 2005, Unterrichtsbeobachtung einer Deutschstunde und Lyrikgespräch mit einem Kind, München, GRIN Verlag GmbH
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