Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Modellanalyse 3
2.1 Modellrahmen 3
2.2 Gleichgewicht 5
2.3 Die Pr aferenzen der nationalen Regierungen 5
2.4 Gleichgewicht ohne Handelsabkommen 6
2.5 Ziele eines Handelsabkommens 8
3 Betrachtung der wichtigsten GATT/WTO-Prinzipien 10
3.1 Das Prinzip der Reziprozit at 10
3.2 Das Prinzip der Nicht-Diskriminierung (Most-Favored-Nation-Clause) 11
4 Modellkritik/Schlußbetrachtung 14
Abbildungsverzeichnis 17
Literaturverzeichnis 18
Anhang 20
A Anhang 20
A.1 Herleitung der Gleichung 32 20
1
1 Einleitung
Das GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) entstand 1947 unter dem Eindruck der verheerenden Auswirkungen, die die hohen Zollbarrieren nach dem 1.Weltkrieg auf die Weltwirtschaft hatten. Seitdem hat sich die Zahl der Mitglieder von urspr¨ unglich 23 auf ¨ uber 125 erh¨ oht. W¨ ahrend seiner Existenz fiel das durchschnittliche Zollniveau f¨ ur uber 40% auf unter 4% 1 . Industrieg¨ uter von ¨
Das GATT- bzw. WTO-Regelwerk besteht aus 38 Artikeln, die die Grundlage f¨ ur die Verhandlungen zwischen den Mitgliedsstaaten darstellen. Es ist jedoch allgemein anerkannt, daß die wichtigsten beiden Regeln die Prinzipien der Reziprozit¨ at und der Nicht-Diskriminierung sind 2 . Das Prinzip der Reziprozit¨ at besagt, daß in den Verhandlungen gegenseitige Zugest¨ andnisse in ¨ aquivalentem Ausmaß erzielt werden sollten 3 . Das Prinzip der Nicht-Diskriminierung (Most-Favoured-Nations-Clause Art.I) besagt, daß Z¨ olle f¨ ur alle Handelspartner eines Landes identisch sein m¨ ussen, d.h. es darf nicht zwischen den Importeuren unterschieden werden 4 . Wichtige Regeln befassen sich außerdem mit der Behandlung von Verst¨ oßen gegen die getroffenen Abkommen. Diese sorgen daf¨ ur, daß Meinungsverschiedenheiten in einem geordneten Verfahren verhandelt werden und regeln außerdem die “Vergeltungsmaßnahmen”, die gegen ein Land ergriffen werden d¨ urfen, wenn es einseitig die getroffenen Vereinbarungen verletzt. Auch diese Vergeltungsmaßnahmen folgen dabei den Prinzipien der Reziprozit¨ at und der Nicht-Diskriminierung. Dies l¨ asst sich z.B. an den j¨ ungsten Reaktionen der Europ¨ aischen Union auf die Zollerh¨ ohungen der
1 Siehe Bagwell und Staiger (1999a), S.216ff und S.239ff sowie Siebert, Horst (2000), S.267f.
2 Siehe Siebert, Horst(2000), S.269.
3 Siehe Ethier (2001c), S.215, das Prinzip der Reziprozit¨ at ist ein “plausibles” Regelwerk f¨ ur die Ver-handlungen, abweichende Verhandlungsregeln w¨ aren nicht so leicht zu rechtfertigen.
4 Siehe Bagwell und Staiger (1999b),S.32., Ludema (1990), S.37ff. sowie Lloyd (2001), S.334.
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USA auf Stahlimporte beobachten.
Verhandlungen, die auf diesen Regeln basieren, sind auch f¨ ur kleine L¨ ander interessant, da sie eine bessere Verhandlungsposition erhalten. Dies hat ebenfalls sehr zum Erfolg des GATT beigetragen, da auch f¨ ur kleine L¨ ander Anreize geschaffen wurden, diesem System beizutreten, ohne bef¨ urchten zu m¨ ussen, in den Verhandlungen benachteiligt zu werden 5 . In den folgenden Abschnitten werden diese Regeln modelltheoretisch erl¨ autert und erkl¨ art. Zun¨ achst wird in Abschnitt 2 gezeigt, welche Nachteile unilaterale Handelspolitik hat und welche Ziele mit Handelsabkommen verfolgt werden m¨ ussen. In Abschnitt 3 werden die beiden wichtigsten Prinzipien des GATT-Regelwerkes am Modell betrachtet. Im Abschnitt 4 werden diese Ergebnisse zusammengefasst und kurz auf einen anderen Erkl¨ arungsansatz f¨ ur das GATT-Regelwerk eingegangen, der auf anderen Annahmen als das in den Abschnitten 2 und 3 verwendeten Modells basiert.
2 Modellanalyse
2.1 Modellrahmen
In einem Zwei-L¨ ander-Zwei-G¨ uter-Modell 6 werden im folgenden die Auswirkungen des Fehlens von Handelsabkommen gezeigt. Es existieren zwei L¨ ander:
• Inland gekennzeichnet durch Index h
5 Siehe Bagwell und Staiger (1999a), S.24. und Bagwell und Staiger (1999b), S.34f. Die Benachteiligung w¨ urde aus der geringeren politischen Macht kleinerer L¨ ander in Verhandlungen mit gr¨ oßeren Partnern
entstehen.
6 Das Modell ist der Quelle Bagwell und Staiger 1999a entnommen, Ludema 1990 verwendet einen sehr ¨ ahnlichen Ansatz.
3
• Ausland gekennzeichnet durch Index f
Diese L¨ ander produzieren in zwei Produktionssektoren zwei G¨ uter:
• Gut x ist das nat¨ urliche Importgut f¨ ur das Inland.
• Gut y ist das nat¨ urliche Importgut f¨ ur das Ausland.
• Beide G¨ uter sind normale Konsumg¨ uter.
• Beide G¨ uter werden unter den Bedingungen steigender Opportunit¨ atskosten hergestellt.
Die lokalen Realtivpreise werden wie folgt definiert:
Nimmt man an, daß die ad valorem Importz¨ olle t h und t f des In- und Auslandes nicht prohibitiv sind, dann gilt f¨ ur die jeweiligen nationalen Realtivpreise im Verh¨ altnis zum
Die terms-of-trade lassen sich dann wie folgt darstellen:
Die Produktionspunkte Q h und Q f des In- und Auslands werden so gew¨ ahlt, daß die Grenzrate der Transformation zwischen x und y genau dem lokalen Relativpreis der G¨ uter entspricht:
h (p h ) und Q y h = Q y Q x h = Q x h (p h ) (9)
f (p f ) und Q y f = Q y Q x f = Q x f (p f ) (10)
Der Konsum ist ebenfalls eine Funktion des jeweiligen lokalen Relativpreises. Die Relativepreise bestimmen gleichzeitig die H¨ ohe und die Verteilung des Faktoreinkommens im jeweiligen Land und, durch den Konsum, auch den Zollbetrag R h bzw. R f , der den Konsumenten des jeweiligen Landes in voller H¨ ohe zufließt. Der Zollbetrag wird in Einheiten des lokalen Exportgutes zu lokalen Preisen gemessen. Die Nachfragefunktionen lassen sich dann wie folgt darstellen:
h (p h , R h ) und D y h = D y D x h = D x h (p h , R h ) (11)
f (p f , R f ) und D y f = D y D x f = D x f (p f , R f ) (12)
Die Zollertr¨ age ergeben sich implizit daraus:
R h = [D x h (p h , R h ) − Q x h (p h )] · [p h − p w ] oder R h = R h (p h , p w ) (13)
Die Zollertr¨ age sind unter der Annahme normaler G¨ uter ansteigend in den terms-of-trade. Der nationale Konsum in den beiden L¨ andern l¨ asst sich nun wie folgt darstellen:
h [p h , R(p h , p w )] und C y h (p h , p w ) = D y C x h (p h , p w ) = D x h [p h , R(p h , p w )] (15)
f [p f , R(p f , p w )] und C y f (p f , p w ) = D y C x f (p f , p w ) = D x f [p f , R(p f , p w )] (16)
Nun werden noch die folgenden Bezeichnungen f¨ ur Im- und Exporte eingef¨ uhrt: Importe: M x h (p h , p w ) = C x h (p h , p w ) − Q x h (p h ) (17) f (p f , p w ) − Q y M y f (p f , p w ) = C y f (p f ) (18)
Exporte:
E y h (p h , p w ) = Q y h (p h ) − C y h (p h , p w ) (19)
E x f (p f , p w ) = Q x f (p f ) − C x f (p f , p w ) (20)
2.2 Gleichgewicht
Die Budgetrestriktionen der beiden L¨ ander ergeben die ersten Gleichgewichtsbedingungen:
h (p h (τ h , p w ), p w ) = E y p w · M x h (p h (τ h , p w ), p w ) (21) M y f (p f (τ f , p w ), p w ) = p w · E x f (p f (τ h , p w ), p w ) (22)
p w ist durch Marktr¨ aumung gekennzeichnet: Der Gleichgewichts-Weltrelativpreis
E y p w ) = M y h (p h (τ h , p w ), f (p f (τ f , p w ), p w ) (23)
Aus den Gleichungen 21, 22 und 23 ergibt sich automatisch die R¨ aumung des Marktes f¨ ur das Gut x. In diesem Modell bestimmen die Importz¨ olle der L¨ ander die lokalen und den
6
Weltrelativpreis und dadurch auch die Produktion, den Konsum, die Im- und Exporte sowie die Zollertr¨ age.
2.3 Die Pr¨ aferenzen der nationalen Regierungen
Die Wohlfahrt der jeweilgen nationalen Regierung W h bzw. W f l¨ asst sich als Funktion des lokalen und des Weltrelativpreises darstellen:
p w ) (24)
F¨ ur die Wohlfahrtsfunktionen wird angenommen, daß die Wohlfahrt bei fixem lokalen Relativpreis mit den terms-of-trade steigt:
Dies verdeutlicht auch Abbildung 1. Das ausg¨ angliche Zollpaar A = [τ h , τ f ] ist der lokalen Iso-Relativpreiskurve p h (A) → p h (A) und der Welt-Iso-Relativpreiskurve p w (A) → p w (A) zugeordnet. Auf der zweiten Welt-Iso-Relativpreiskurve p w (C) → p w (C) ist der Weltrelativpreis niedriger als in Punkt A, dies bedeutet h¨ ohere terms-of-trade f¨ ur das Inland. Eine Reduktion des Weltrelativpreises bei konstantem inl¨ andischen Relativpreis bedeutet eine Bewegung vom Punkt A zum Punkt B, einhergehend mit h¨ oherem inl¨ andischen oder niedrigerem ausl¨ andischem Zollniveau. Es wird angenommen, daß die Regierungen nur den dadurch entstehenden Einkommenstransfer vom Ausland zum Inland in ihre Politik einbeziehen. Die inl¨ andische Regierung kann ihre Wohlfahrt nun dadurch erh¨ ohen, daß h erh¨ oht. Dadurch wird Punkt C erreicht, im Punkt C ist
der lokale Relativpreis gestiegen und gleichzeitig der Weltrelativpreis gesunken. Dadurch
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Arbeit zitieren:
Dennis Puschmann, 2002, Internationale Handelsvereinbarungen aus spieltheoretischer Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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