Studienarbeit II Michael Schäffner
3.3 Primacy bzw. Recency Effekt als mögliche Antwortverzerrung der Formulierung
15
3.4 Fragebogendramaturgie. 16
4. Unterschiedliche Fragetypen zur Konzeption eines Fragebogens. 17
4.1 Testfragen. 17
4.1.1 Sachfragen. 18
4.1.2 Wissensfragen 18
4.1.3 Einstellungs- und Meinungsfragen 19
4.1.4 Verhaltensfragen 19
4.2 Funktionsfragen 20
4.2.1 Eisbrecherfragen 20
4.2.2 Überleiterfragen 20
4.2.3 Trichter- und Filterfragen. 21
4.2.4 Kontrollfragen 22
5 Ausblick. 23
Anhang A-I
Literaturverzeichnis L-I
Studienarbeit III Michael Schäffner
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
Bsp. Beispiel d.h. das heißt Def. Definitionen DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststätten Verband e.V. bzw. beziehungsweise inkl. inklusive o.g. oben genannten s. siehe u.a. unter anderem usw. und so weiter v.a. vor allem z.B. zum Beispiel
Studienarbeit 1 Michael Schäffner
1 Grundlegung
Diese Studienarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Die Gestaltung von Fragen als wichtiger Aspekt bei der Konzeption eines Fragebogens“.
1.1 Problemstellung
Täglich wird man mit Fragebögen konfrontiert, sei es beim Arzt, um seine Beschwerden auf einem Anamnesebogen anzukreuzen, bei Prüfungen, um „multiple choice“-Fragebögen zu beantworten oder um in der Kantine einen Kritikbogen über den täglichen Mittagstisch auszufüllen. Dies sind nur wenige Beispiele aus dem Alltag. Doch was genau steckt hinter diesem Metrum, das seine Grundlagen in der „empirischen Sozialforschung“ 1 trägt? Aus welchen Gründen entwirft man Fragebögen? Warum macht es Sinn, diese doch so oft lästigen Fragebögen auszufüllen? Diese oder ähnliche Fragen haben Sie sich bestimmt schon mal gestellt. Nach der Eröffnung des Hotels „The Pure“ in Frankfurt am Main setzten sich der General Manager, Marc Engler, und der Verfasser dieser Studienarbeit zusammen, um über die Anlaufphase des Hotels zu diskutieren. Kerninhalt dieses Gesprächs war der Beitritt des „The Pure“ zur Kooperation „design hotels“. Dabei tat sich die Frage auf, wie sich der Anschluss an die Kooperation auf die Gästestruktur bzw. den Bekanntheitsgrad des Hotels auswirken würde. Um diese Kriterien messen zu können, entschied man sich, einen Fragebogen zu entwerfen.
Da das Thema „Fragebogengestaltung“ in der Literatur sehr ausführlich beschrieben wird und verschiedene Schwerpunkte in der Ausarbeitung möglich sind, wird der Hauptfokus dieser Arbeit auf der Analyse der Gestaltung der Fragen liegen. Dabei muss beachtet werden, dass aufgrund des Umfangs der Studienarbeit wichtige Themenblöcke wie Design und Layout des Fragebogens nur rudimentär bearbeitet werden. Außerdem werden bedeutende Themenfelder, wie die Codierung bzw. die Auswertung eines Fragebogens in dieser Arbeit keine Berücksichtigung finden. Aufgrund der formellen Richtlinien ist die tatsächliche Konzeption eines Fragebogens unter Berücksichtigung obiger Problemstellung leider nicht möglich. Doch wird diese in der folgenden Diplomarbeit wieder aufgegriffen.
1 „empirische Sozialforschung“: im Bereich der Sozialwissenschaften das systematische Erheben und
Erklären von sozialen Daten.
Studienarbeit 2 Michael Schäffner
1.2 Ziel und Gang der Untersuchung
Ziel dieser Arbeit ist es, den komplexen Aufbau eines Fragebogens aufzuschlüsseln, die Anforderungen an einen Fragebogen vorzustellen und die Gestaltung der Fragen vertieft zu erklären.
Dabei sollen die unterschiedlichen Fragetypen bzw.- formen hervorgehoben werden, genau analysiert sowie differenziert werden.
Die Arbeit soll verdeutlichen, dass ein Fragebogen nicht nur eine Auflistung von Fragen darstellt, sondern eine sehr komplizierte Aufgabe ist, die mit höchster Sorgfalt und Sensibilität angegangen werden muss. 2
Da es an einem bestimmten Rahmen nicht fehlen darf, werden in Kapitel 2 die Anforderungen an einen Fragebogen diskutiert. Es werden Faustregeln vorgestellt, sowie Voraussetzungen präsentiert, die zur Einhaltung eines Fragebogens unabdingbar sind. Dafür werden die Skalierungen und Gütekriterien genauer untersucht und noch kurz das Fragebogendesign sowie der Pretest vorgestellt.
In Kapitel 3 beginnt der Hauptteil der Studienarbeit, dieser befasst sich zunächst mit unterschiedlichen Frageformulierungen bei der Fragebogengestaltung. Dabei wird zwischen Frageformen, die sich in offene und geschlossene Fragen unterteilen, und Frageformulierungen unterschieden, welche die direkte und indirekte Frage benutzen. Des Weiteren wird auf die unerwünschten Effekte und auf die Fragebogendramaturgie eingegangen, die einen beachtlichen Einfluss auf die Fragebogengestaltung haben können.
Der zweite Schwerpunkt der Arbeit wird in Kapitel 4 diskutiert. Unterschiedliche Fragetypen werden analysiert und einzeln vorgestellt, wobei grundsätzlich zwischen Testfrage und Funktionsfrage differenziert wird. Unter anderem werden dabei gängige Fragen, wie die Eisbrecher- bzw. Filterfrage näher erläutert. Abgeschlossen wird die Studienarbeit mit einem Ausblick. Dieser richtet sich auf die Ausarbeitung des Fragebogens, welcher dann aber konkreter in der Diplomarbeit vorgestellt werden soll.
2 vgl. Dillman (2000): S. 76
Studienarbeit 3 Michael Schäffner
2 Anforderungen an den Aufbau eines Fragebogens
2.1 Der Begriff „Fragebogen“
Unter dem Begriff Fragebogen versteht man ein Datenerhebungsinstrument, das aus einer Kollektion von Fragen besteht, mittels derer diejenigen Informationen gewonnen werden sollen, welche gemäß des „theoretischen Vorspanns“ einer empirischen Untersuchung benötigt werden. 3
In der „empirischen Sozialforschung“ werden Fragebögen als Instrument zur Durchführung von standardisierten Interviews mittels schriftlich fixierter Fragen gesehen. (s. Anhang A-II)
Zweck dieser Erhebungs- und Testfragen ist es, möglichst genaue und verwertbare Daten über die Ansichten und Auffassungen der befragten Personen zu einem bestimmten Themengebiet zu erhalten. Die schriftliche Standardisierung dient dabei dem Ziel, den Einfluss des Interviewers bei der Befragung zu minimieren. Wortlaut und Abfolge der Fragen in einem Fragebogen resultieren aus der jahrzehntelangen praktischen wie theoretischen Erfahrung der empirischen Sozialwissenschaft. So schließt man z.B. durch die exakte Berücksichtigung der Sprachgewohnheiten der Befragten eine Verfälschung des Ergebnisses weitestgehend aus. Die Anordnung der Fragen erfolgt weniger aufgrund einer logisch richtigen Abfolge, sondern sie wird vielmehr von psychologischen Überlegungen geleitet. 4
2.2 Faustregeln bzw. Entscheidungstatbestände bei der Fragebogenformulierung Nach mehr als hundert Jahren im Umgang mit Meinungsumfragen und seit über fünfzig Jahren vertieften theoretischen Bemühens hat sich noch immer keine umfassende Theorie der Frageformulierung erstellen lassen. Da die Befragung ein sozialer Prozess ist, ist eine solche womöglich gar nicht zu erwarten. Fragen sind folglich in einem komplizierten Zusammenhang und unter nie gänzlich vorhersehbaren und
kontrollierbaren gegenseitigen Einwirkungen zu betrachten. Wer vor dem Erstellen
3 vgl. Stier (1996): S. 183
4 vgl. Encarta Enzyklopädie (2004)
Studienarbeit 4 Michael Schäffner
eines Fragebogens steht, ist gut beraten, sich an die einfachsten Faustregeln zu halten, wobei Regel 1 stets die ist, jede Frage mehrfach vorzutesten. 5
• Fragen sollen so einfach formuliert sein, wie es mit dem sachlichen Zweck der Fragestellung noch vereinbart werden kann: keine komplizierten Sätze, nicht zu lange Fragen, einfache Sachverhalte ansprechen;
• Fragen sollen den Befragten nicht überfordern, d.h. sein Wissensstand darf nicht überstrapaziert werden. Zu viele Unterscheidungen sind zu vermeiden; Hilfsmittel wie Listen mit Antwortvorgaben können weiterhelfen, wenn sehr viele Aspekte miteinander verglichen werden sollen.
Befragte und Interviewer sollen von jeder nicht unbedingt notwendigen Anstrengung intellektueller, psychologischer, sprachlicher und technischer Art entlastet werden; 6
• Fragen sollten konkret sein, d.h. die Frage „Wie zufrieden sind Sie mit dem Zimmerservice?“ ist besser als die Frage „Wie zufrieden sind Sie mit dem Hotel?“; abstrakte Begriffe sollten in konkrete überführt werden;
• Fragen sollten nicht suggestiv, sondern so neutral wie eben möglich gestellt werden. Der Zweck dieser Forderung ist es zu verhindern, dass sich in den Antworten statt der persönlichen Meinung des Befragten die Auffassungen des Forschers oder gesellschaftliche Vorurteile widerspiegeln;
• Fragen sollten neutral formuliert sein, keine „belasteten“ Worte (wie z.B. „Kommunist“, „Boss“, „ Ehrlichkeit“) enthalten;
• Fragen sollten nicht hypothetisch formuliert werden; d.h. Fragen wie: „Angenommen, Sie würden im Lotto gewinnen, würden Sie das Geld sofort ausgeben oder würden Sie das Geld sparen?“ sind unzulässig;
• Fragen sollten sich nur auf einen Sachbehalt beziehen (Vermeidung von Mehrdimensionalität);
5 vgl. Atteslander (2003): S. 173
6 vgl. Kromrey (2002): S. 363f
Studienarbeit 5 Michael Schäffner
Stelle landet der Fragebogen auf dem Altpapier;
2.3 Operationalisierung und Messung
2.3.1 Operationalisierung: Übersetzung der Forschungsfrage
„Unter der Operationalisierung eines Begriffes ist die Angabe derjenigen Vorgehensweisen derjenigen Forschungsoperationen zu verstehen, mit deren Hilfe entscheidbar wird, ob und in welchem Ausmaß der mit dem Begriff bezeichnete Sachverhalt in der Realität vorliegt.“ 9
Dazu gehört die Angabe des Datenerhebungsinstrumentes und bei nur indirekt empirischen Begriffen auch die Auswahl geeigneter Indikatoren. Im letzteren Fall ist die Operationalisierung ein zweistufiger Prozess, d.h. zuerst müssen die Indikatoren bestimmt werden und im zweiten Schritt sind diese zu operationalisieren („übersetzen“). Bei der Operationalisierung geht es um genaue Anweisungen, wie im konkreten Fall vorzugehen ist, um die gewünschten Informationen aus der Realität zu erhalten. Dazu gehören z.B. Bestimmungen, wie ein „Messinstrument“ (Fragebogen) zu gestalten und „vor Ort“ (d.h. beim Befragten) zu benutzen ist. Welche Fragen sollen in welcher Reihenfolge und in welche Formulierungen gestellt werden? Soll man standardisierte Interview- oder eher „weichere“ Befragungsformen wählen? Soll eine schriftliche oder eine telefonische Befragung vorgenommen werden?
Operationalisierung meint: Wissenschaftliche Begriffe müssen so formuliert sein, dass jederzeit darüber entschieden werden kann, ob dieser Begriff zutrifft oder nicht. „Aussagen können nur dann als wissenschaftlich akzeptiert werden, wenn die in ihnen enthaltenen relevanten Begriffe operationalisierbar sind, da nur dann festgestellt werden kann, ob diese Aussage zutrifft.“ 10
7 vgl. Atteslander (2003): S. 173
8 vgl. Kirchhoff (2003): S. 27
9 Kromrey (2000): S. 183
10 Klüver (1980): S. 464
Studienarbeit 6 Michael Schäffner
2.3.2 Skalen und Skalierungsverfahren
Neben der Operationalisierung sind Skalen eine ebenso wichtige Vorraussetzung für die Fragebogenkonstruktion.
„Eine Skala ist eine numerische Abbildung eines Merkmals entlang einer Dimension.“ 11
Bei der Fragebogengestaltung steht man häufig vor dem Problem, dass man psychische Phänomene messen möchte, die sich nicht unmittelbar beobachten lassen. Beispiele für solche Phänomene sind Markenzugehörigkeit, Risikobereitschaft und Traditionsbewusstsein.
Um derartige Phänomene dennoch der Messung zugänglich zu machen, bedarf es zunächst der exakten Definition der Begriffe, dann der Ableitung entsprechender Indikatoren und schließlich der nach bestimmten Vorschriften konstruierten Skala. 12 „Diesen Vorgang, die theoretisch abgesicherte und nach strengen Regeln durchgeführte Konstruktion einer Skala, bezeichnet man als Skalierung.“ 13 Von Skalierung spricht man also, wenn man einen theoretischen, nicht unmittelbar beobachtbaren Sachverhalt mit Hilfe einer Skala abbildet. Die Methoden, die zur Konstruktion einer Skala eingesetzt werden, nennt man Skalierungsverfahren.
In dieser Arbeit werden nur die beiden einfachsten, aber zugleich die am häufigsten eingesetzten Formen der Skalen vorgestellt: die Rating Skala und das Semantische Differential. Die restlichen Skalenformen sind in Form einer Abbildung im Anhang A-III beigeheftet.
11 Reiter (1996): S. 45
12 vgl. Reiter (1996): S. 45
13 Schnell (1995): S. 171ff
Arbeit zitieren:
Michael Schäffner, 2006, Die Gestaltung von Fragen als wichtiger Aspekt bei der Konzeption eines Fragebogens, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Wie erstelle ich einen Fragebogen für eine empirische Forschungsarbeit...
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Das Konzept des handlungsorientierten Lernens: Eine Darstellung von Jo...
Studienarbeit, 24 Seiten
Die sozialwissenschaftliche Methode der Befragung - Eine Darstellung, ...
Medien / Kommunikation - Methoden und Forschungslogik
Seminararbeit, 29 Seiten
Die Entwicklung des Jugendlichen in der Adoleszenz am Beispiel der Ent...
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit, 17 Seiten
Deutungsmuster und pädagogisches Handeln in der Erwachsenenbildung
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Seminararbeit, 23 Seiten
Ein Lehrplan-Entwurf für angeh...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Hausarbeit, 19 Seiten
Kommunikationsstörungen und Gesprächsführung in der Schule
Hausarbeit, 22 Seiten
Arbeiten in der Illegalität - Illegale Beschäftigung von Migranten in ...
Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten
Seminararbeit, 19 Seiten
George Herbert Mead - Symbolischer Interaktionismus
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Seminararbeit, 12 Seiten
Lösen sich Klassen und Schichten auf? Entstrukturierung, Pluralisierun...
Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Journalismus - eine Profession?
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Michael Schäffner hat den Text Die Gestaltung von Fragen als wichtiger Aspekt bei der Konzeption eines Fragebogens veröffentlicht
Michael Schäffner hat einen neuen Text hochgeladen
Boomwhackers im Kreis Das DrumCircle-Konzept mit Boomwhackers
Das DrumCircle-Konzept mit Boo...
Andreas von Hoff
A Ambuhl
Interdisziplinäre Aspekte des Übersetzens und Dolmetschens. Interdisci...
Judith Muráth, Agnes Oláh-Hubai
Ethische Aspekte der Forschung und Verwendung menschlicher Stammzellen
Der Text von der Stellungnahme
. Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien, Europäische Kommission
Helmut Schmid: Gestaltung ist Haltung / Design Is Attitude
Gestaltung Ist Haltung / Desig...
Victor Malsy, Philipp Teufel, Fjodor Gejko
0 Kommentare