I Gliederung
I Gliederung I
II Abbildungsverzeichnis III
III Abkürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1. Zugang zum Thema Skill-Management 1
1.2. Darstellung der Ziele und des Aufbaus der Arbeit 5
2. Grundlagen des Skill-Managements 7
2.1. Status und Grundcharakteristika des Skill-Managements 7
2.2. Anwendungsgebiete und Aufgabenbereiche des Skill-Managements 9
2.3. Die Aufgaben des Personalwesens als funktionaler Bezugsrahmen 13
2.4. Schwerpunkt: Skill-Management im Personalwesen 18
3. Anforderungen an ein Skill-Management-Konzept 21
3.1. Ein ganzheitlicher Ansatz als grundsätzliche Anforderung 21
3.1.1. Darstellung eines ganzheitlichen Ansatzes und Notwendigkeit für dessen Anwendung 21
3.1.2. Problem der Anwendung eines ganzheitlichen Ansatzes für die Anforderungsanalyse 22
3.2. Konzeption eines Anforderungs - und Kompetenzkataloges 22
3.2.1. Erstellen von Anforderungsprofilen 23
3.2.2. Erstellen von Kompetenzprofilen 26
3.3. Analysen der Datenbasis 30
3.3.1. Such- und Auswertungsfunktionalität für das Personalwesen 30
3.3.2. Such- und Auswertungsfunktionalität für den operativen Geschäftsbereich 33
3.4. Berücksichtigung des Datenschutzes 34
3.4.1. Regelungen des BetrVG 35
3.4.2. Regelungen des BDSG 36
3.4.3. Betriebsvereinbarung als quasi-gesetzliche Regelung 37
3.5. Einbettung des Skill-Management-Systems in die Systemumgebung 38
4. Empirische Untersuchung zum Skill-Management 41
4.1. Darstellung der empirischen Untersuchung 41
4.1.1. Auswahl der Datenerhebungsmethodik 41
4.1.2. Methodisches Vorgehen bei der Konzeption und Auswertung der Interviews 42
4.1.3. Auswahl der Unternehmen 46
4.1.4. Ablauf und Inhalt der empirischen Untersuchung 50
4.2. Formulierung der Thesen 55
4.2.1. These zum Status des Skill-Managements in den Unternehmen 55
4.2.2. Thesen zur auslösenden Problemstellung und zu den Hauptanwendungsgebieten 56
4.2.3. Thesen zu Aufgaben und Nutzen eines SMT in den Hauptanwendungsgebieten 56
4.2.4. Thesen zu Problemen bei Entwicklung und Betrieb eines SMT 58
I
4.2.5. Thesen zu Stellenwert Möglichkeit und Realisationsgrad der Identifikation und
Bewertung von Mitarbeiter-Eigenschaften in einem SMT 60
4.3. Darstellung der Analyseergebnisse 61
4.3.1. Fakten über die Unternehmen mit Relevanz zum Thema Skill-Management 61
4.3.2. Auslösende Problemstellungen 79
4.3.3. Anwendungsgebiete und Aufgabenbereiche des Skill-Managements 81
4.3.4. Aufgaben und Nutzen des Skill-Managements 81
4.3.5. Generelle Probleme des Skill-Managements 83
4.3.6. Stellenwert Möglichkeit und Realisierungsgrad der Identifikation und Bewertung von
Mitarbeiter-Eigenschaften 86
4.3.7. Gründe für die Identifikation Bewertung von Mitarbeiter-Eigenschaften 92
4.4. Überprüfung der Thesen 95
4.4.1. These zum Status des Skill-Managements in den Unternehmen 95
4.4.2. Thesen zur auslösenden Problemstellung und zu den Hauptanwendungsgebieten 96
4.4.3. Thesen zu Aufgaben und Nutzen eines SMT in den Hauptanwendungsgebieten 97
4.4.4. Thesen zu Problemen bei Entwicklung und Betrieb eines SMT 99
4.4.5. Thesen zu Stellenwert Möglichkeit und Realisationsgrad der Identifikation und
Bewertung von Mitarbeiter-Eigenschaften in einem SMT 100
5. Gestaltungsempfehlung für ein Skill-Management-Konzept im Personalwesen 103
5.1. Systemkomponente: Aufgaben 103
5.1.1. Gestaltungsempfehlung für das Erstellen von Anforderungsprofilen 106
5.1.2. Gestaltungsempfehlung für das Erstellen von Kompetenzprofilen 111
5.1.3. Gestaltungsempfehlung für die Analyse der Datenbasis 119
5.2. Systemkomponente: Technik 123
5.2.1. Gestaltungsempfehlung für technische Datensicherungsmaßnahmen 124
5.2.2. Gestaltungsempfehlung für eine technische Unterstützung der Datenaktualität 127
5.3. Systemkomponente: Organisation 129
5.3.1. Aufbauorganisatorische Gestaltungsempfehlung 129
5.3.2. Ablauforganisatorische Gestaltungsempfehlung 132
5.4. Systemkomponente: Mensch 137
5.4.1. Gestaltungsempfehlung für akzeptanzschaffende Maßnahmen bei dem Betriebsrat 137
5.4.2. Gestaltungsempfehlung für akzeptanzschaffende Maßnahmen bei den Systembenutzern
139
6. Literaturverzeichnis 143
7. Anhang 156
7.1. Anhang A - Interviewleitfaden V1 V2 156
7.1.1. Interviewleitfaden Version 1 156
7.1.2. Interviewleitfaden Version 2 166
7.2. Anhang B - Evaluationsbogen V1 V2 174
7.2.1. Evaluationsbogen Version 1 174
II
7.2.2. Evaluationsbogen Version 2 177
7.3. Anhang C - Interviewdokumentationen 180
7.3.1. Interviewdokumentation U1 180
7.3.2. Interviewdokumentation U2 181
7.3.3. Interviewdokumentation U3 182
7.3.4. Interviewdokumentation U4 183
7.3.5. Interviewdokumentation U5 184
7.3.6. Interviewdokumentation U6 185
7.3.7. Interviewdokumentation U7 186
7.3.8. Interviewdokumentation U8 187
7.3.9. Interviewdokumentation U9 188
II Abbildungsverzeichnis
Abb 1 Drei Triebkräfte steigern die Bedeutung der Ressource Wissen 3
Abb 2 Spektrum der Aufgabenbereiche des Skill-Managements in den verschiedenen
Anwendungsgebieten 13
Abb 3 Für das zu entwickelnde Skill-Management-Konzept relevante Aufgabenbereiche 19
Abb 4 Darstellung der verschiedenen Profilarten in einem SMT und deren
Ermittlungsmethoden 32
Abb 5 Wieviel Unternehmen identifizieren welche Kompetenzarten 78
Abb 6 Wieviel Unternehmen bewerten welche Kompetenzarten 78
Abb 7 Berechnung des Identifikations- (Bewertungs-) Realisierungsgrades 86
Abb 8 Merkmalsausprägungen der verwendeten Ordinalskalen 86
Abb 9 Berechnung des Matching-Realisierungsgrades 88
Abb 10 Generelle Möglichkeit der Identifikation Bewertung von Mitarbeiter-Eigenschaften
91
Abb 11 Wichtigkeit der Identifikation Bewertung von Mitarbeiter-Eigenschaften 91
Abb 12 Begründungen für die Identifikation von Mitarbeiter-Kompetenzen 92
Abb 13 Begründungen für die Identifikation von Mitarbeiter-Erfahrungen 93
Abb 14 Begründungen für die Identifikation von Mitarbeiter-Wünschen und -Interessen 94
Abb 15 Begründungen für die Bewertung von Mitarbeiter-Kompetenzen 94
Abb 16 Basiskomponenten des zu entwickelnden SMT für das Personalwesen 104
Abb 17 Ein Skill-Management-Konzept für das Personalwesen 106
Abb 18 Erweiterter Prozess der qualitativen Personalbedarfsplanung 108
Abb 19 Darstellung der Zugriffsberechtigungsstruktur und Funktionsvorbehalte des SMT 126
III
III Abkürzungsverzeichnis
BetrVG Betriebsverfassungsgesetz
BDSG Bundesdatenschutzgesetz
bzw. beziehungsweise
ca. circa
CV Curriculum Vita
Experten-DB Experten-Datenbank
E Eigenschaft
fachl. fachlich
gen. generell
ggf. gegebenenfalls
insg. insgesamt
IS Informationssystem
K Kompetenzart
KMS Knowledge-Management-System
MA Mitarbeiter
MbO Management by Objectives
org. organisatorisch
o.J. ohne Jahr
o.O. ohne Ort
o.V. ohne Verfasser
PIS Personalinformationssystem
SMT Skill-Management-Tool (Skill-Management-System)
s.u. siehe unten
tats. tatsächlich
U. Unternehmen
u.U. unter Umständen
V1 Interviewleitfaden Version 1 (für Unternehmen mit SMT)
V2 Interviewleitfaden Version 2 (für Unternehmen ohne SMT)
WP Wirtschaftsprüfung
z.B. zum Beispiel
IV
Weitere Infos zum Thema „Skill-Management“ und zu dieser Diplomarbeit können im
Forum & Resource Center „Skill-Management“
unter http://www.skill-management.com abgerufen werden!
1. Einleitung
1.1. Zugang zum Thema „Skill-Management“
„Jedes Problem in einem Unternehmen
ist letztlich ein Personalproblem“
Alfred Herrhausen
Dieses Zitat Herrhausens beschreibt zutreffend die Problemstellung, die als Ausgangspunkt für die thematische Auseinandersetzung mit Skill-Management in dieser Arbeit dienen soll, denn Skill-Management beschäftigt sich im Kern mit dem Management der Fähigkeiten des Personals im Unternehmen. Was umschreibt nun jedoch der Begriff „Skill-Management“? Ist Skill-Management als ein neuer Managementansatz anzusehen, oder nur ein weiteres Buzzword für eine neue Software-“Lösung“ im Bereich des Personalwesens, das erst im Zuge der sich rasant entwickelnden Informations- und Kommunikationstechnologien entstanden ist? Ist Skill-Management somit letztendlich nur ein mehr oder weniger inhaltsleerer Anglizismus, oder ein Ansatz, der der steigenden Bedeutung der Kompetenzen
der Mitarbeiter 1 für den Unternehmenserfolg Rechnung trägt, indem er dem Personalwesen neue Möglichkeiten des Managements der Mitarbeiter-Kompetenzen eröffnet? 2 .
Sucht man in der Literatur Antworten auf diese Frage, muss man recht schnell feststellen, dass bisher nur sehr wenige wissenschaftliche Beiträge zum Thema „Skill-Management“ veröffentlicht wurden, obwohl schon vor zehn Jahren erste Veröffentlichungen zu diesem
Thema die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit Skill-Management skizzierten 3 . Ein
ähnliches Bild schien zu jener Zeit auch in der betrieblichen Praxis vorzuliegen. Beispielsweise erkannte IBM bereits 1985 den hohen Stellenwert eines Softwaresystems zum Management des Einsatzes und der Weiterbildung der Mitarbeiter: “One of the most important and most costly resources for a company are employees. Therefore the company directs much time and effort in attaining the best use of its employees and in maintaining
1 Der Begriff “Mitarbeiter” umfasst die Gesamtheit aller im Unternehmen beschäftigten Personen. Zwecks einer
einfacheren Leseweise wird der Begriff „Mitarbeiter“ sowohl für die männliche als auch für die weibliche Form verwendet.
2 „From a cynical perspective, knowledge and skills management might be viewed as the latest management fad
or trend, a successor to concepts such as Total Quality Managment or Business Re-engineering. However, an alternative viewpoint suggests that despite the veracity of systems implemented under the auspices of knowledge or skills management, real economic and environmental drivers underlie the renewed interest in understanding human capabilities as part of an organizations assets” [Dorsey; Baugham; Norris /Modern Demands for Knowledge and Skills Management Capabilities 1999/ 236]
3 Vgl. beispielsweise Faix; Buchwald; Wetzler /Skill-Management 1991/
1
satisfaction. To this aim it is necessary for a company to develop an effective and
professional Personnel Information System” 4 .
Die Motivation zur Auseinandersetzung mit Skill-Management basiert auf der Erkenntnis,
dass aufgrund unternehmerischer und mitarbeiterorientierter Gründe die Ressource
„Mensch“ im Unternehmen gewinnbringender entwickelt und eingesetzt werden müsse.
Diese unternehmerischen und mitarbeiterorientierten Gründe sollen im Folgenden dargestellt
werden, um die betriebliche Notwendigkeit der Entwicklung eines Konzeptes zum Skill-
Management zu verdeutlichen:
Seit einigen Jahren findet in der Managementforschung und –praxis eine rege Diskussion
unter dem Stichwort Wissensmanagement statt, in der vor allem die Ressource „Wissen“ als
ein wichtiger, wenn nicht sogar der entscheidende Wettbewerbsfaktor für ein Unternehmen
propagiert wird 5 . Der hochqualifizierte Mitarbeiter – als Träger des Wissens – ist durch seine intellektuelle Arbeit gleichzeitig Produzent und Inhaber immaterieller Vermögenswerte und
wird für wissensintensive Unternehmen zum „Hauptwertschöpfer“ 6 . Die Gründe für diese qualitative Aufwertung der Ressource „Mensch“, die im diametralen Gegensatz zum
tayloristischen Verständnis der Arbeitskraft als „Produktionsfaktor“ steht, sind im
Unternehmensumfeld zu suchen. In diesem Zusammenhang identifiziert North drei treibende
Kräfte, die die zunehmenden Bedeutung der Ressource Wissen für Unternehmen erklären
(vgl. Abb. 1) 7 .
Die Informations- und Kommunikationstechnologie 8 ermöglicht eine in immer stärkerem Maße exponentielle Vermehrung des (global) verfügbaren Wissens und trägt gleichzeitig zu
einer rapide abnehmenden Halbwertszeit des aktuellen Wissens bei 9 . Wissenschaftliche Erkenntnisse sowie Innovationen im Industrie- und Dienstleistungsbereich entstehen in
einem immer schnelleren Rhythmus 10 , was gleichzeitig zu einer steigenden „Wissenstiefe“
für die Leistungserstellung führt 11 . Die Folge ist ein struktureller Wandel von arbeits- und
4 IBM /Personnel System 1985/ 2
5 In einer 1997 vom Frauenhofer-IAO durchgeführten Studie halten 96% der befragten die Thematik
„Wissensmanagement“ für wichtig oder sogar sehr wichtig. Der Anteil des Produktionsfaktors Wissen ist nach Meinung der befragten Unternehmen mit mehr als 50% an der Wertschöpfung beteiligt. 80% der befragten Unternehmen geben an, dass der Anteil des Produktionsfaktors Wissen an der Wertschöpfung in Zukunft noch zunehmen wird [Vgl. Bullinger, Wörner, Prieto /Wissensmanagement heute 1997/ 16f.]; vgl. ebenfalls Aulinger, Fischer /Daten zum Wissensmanagement 2000/ 646.
6 Vgl. Probst, Raub, Romhardt /Wissen managen 1999/ 41; Vgl. ergänzend dazu Lullies, Bollinger, Weltz
/Wissenslogistik 1993/ 24: Analysiert man die Ressource „Wissens“ hinsichtlich des Entwicklungsprozesses, so besteht das Wissen eines Menschen aus all seinen fachlichen Kenntnissen und Erfahrungen, die er sich durch Ausbildung und berufliche Tätigkeit erworben hat.
7 Vgl. North /Wissensorientierte Unternehmensführung 1998/ 14-15 8 „Informations- & Kommunikationstechnologie = Lehre von den Informationstechnik-Systemen“ [Seibt
/Grundzüge der Wirtschaftsinformatik 1999/]
9 Vgl. Probst, Raub, Romhardt /Wissen managen 1999/ 23 10 Vgl. Probst, Raub /Wissensmanagement in der Praxis 1996/ 34 11 Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 4
2
kapitalintensiven zu informations- und wissensintensiven Aktivitäten 12 . Außerdem führt die von einer fortschreitenden Liberalisierung der Weltmärkte angetriebene Globalisierung zu
einer Intensivierung des Wettbewerbs, die den Innovationsdruck auf die Unternehmen weiter
erhöht und den strukturellen Wandel in den Unternehmen vorantreibt.
Abb. 1 Drei Triebkräfte steigern die Bedeutung der Ressource Wissen
Aufgrund dieser strukturellen Veränderungen im Unternehmensumfeld sehen sich die
Unternehmen veranlasst, sich diesen verändernden Rahmenbedingungen durch stärkere
Geschäftsprozessorientierung, Business Reengineering, Total Quality Management und
durch den Abbau hierarchischer Organisationsstrukturen anzupassen 13 . Neue Organisationsmodelle finden Anwendung, die es den Unternehmen erlauben, effektiver und
flexibler zu agieren 14 . So wird beispielsweise in der Literatur der Trend zum projektorientierten Unternehmen, das Teams als die dominierende Arbeits- und
Kooperationsform flexibel einsetzt, festgestellt, wobei das projektorientierte Unternehmen
sogar als die „Organisationsform der Zukunft“ bezeichnet wird 15 . Bei der Gestaltung solcher flexiblen Organisationen stehen künftig das Gestalten von Prozessen, die Auswahl von
Personen, Maßnahmen des „Teambuilding“, „Networking“ und „Relationenmanagement“ viel
stärker im Vordergrund als formale, regelgebundene Organisationsstrukturen 16 . Diese Entwicklungstendenzen und deren eingangs erwähnte auslösenden Triebkräfte
12
Vgl. North /Wissensorientierte Unternehmensführung 1998/ 14
13
Vgl. Boes /Culture Change 1995/ 1
14
Vgl. Ganz, Hermann /Wissensintegrative Dienstleistungen 1999/ 4
15
Gareis /Management by Projects 1992/ 145; Krcmar, Elgass /Teams und Informationsmanagement 1992/ 2
16
Vgl. Heyse, Erpenbeck /Kompetenzbarriere 1997/ 25
3
verdeutlichen auf Unternehmensebene die Wichtigkeit des Managements der Ressource
„Mensch“.
Darüber hinaus verlangt die zunehmende Komplexität und Dynamik des wettbewerblichen
Umfeldes auf der Emergenzebene des Individuums eine immer schnellere Aneignung neuen
Wissens und den Aus- bzw. Aufbau individueller, vor allem sozialer Kompetenzen 17 : Die oben beschriebenen Veränderungen auf Unternehmensebene führen für den einzelnen
Mitarbeiter einerseits zu einem zunehmenden Informationsbedarf, andererseits zu einer
rasant steigenden Informationsflut, wobei die Verarbeitungs- und Verantwortungskapazität
des Einzelnen begrenzt bleibt 18 . Dies hat zur Folge, dass sich der Prozess der beruflichen Differenzierung, der Professionalisierung und Spezialisierung bei den Mitarbeitern
verstärkt 19 . Das Spezial- und Detailwissen der Mitarbeiter gewinnt somit in wissensintensiven Tätigkeitsbereichen an Umfang, ein klarer Überblick über das Wissen der Mitarbeiter und
das Management dessen wird daher immer wichtiger, aber auch schwieriger. Dem Auffinden
von Experten oder Trägern spezifischen Wissens für eine effiziente Wissensnutzung wird im
Unternehmen somit eine hohe Bedeutung beigemessen 20 .
Die Notwendigkeit zum Skill-Management wird vermehrt von Unternehmen, die den oben
beschriebenen Triebkräften unterliegen, wahrgenommen. Als Folge dessen nimmt die
Nachfrage nach Skill-Management-Systemen in der betrieblichen Praxis erheblich zu 21 und es werden vermehrt Bestrebungen auf Seiten dieser Unternehmen unternommen, Skill-
Management-Systeme zu entwickeln bzw. in bestehende Wissensmanagementsysteme zu
integrieren 22 .
17 Vgl. Heyse, Erpenbeck /Kompetenzbarriere 1997/ 25; vgl. bzgl. der zunehmenden Bedeutung sozialer und
personaler Kompetenzen ebenda S. 19 u. 25
18 Vgl. Schneider, Knebel /Team und Teambeurteilung 1995/ 1 19 Vgl. Schneider, Knebel /Team und Teambeurteilung 1995/ 1 20 Vgl. Müller; Strahringer /Wissensmanagement – eine empirische Analyse 2000/ URL siehe Literaturverzeichnis 21 Vgl. Kreitmeier; Krauter /Skill-Management 1998/ 22 22 “It is a truism to say, “the world of work is changing.” Yet, organizations and the people who run them are
scrambling to understand the nature of this change, and respond accordingly. In the midst of this flurry has arisen a profound understanding of the key role that knowledge and skills will play in tomorrow’s world of work. The rise in “knowledge management” initiatives and skills-based human resource practices reflect this realization among organizations” [Norris; Searcy; Dorsey /An Investigation of the Role of Skill and Knowledge Information 1999/ 240]
4
1.2. Darstellung der Ziele und des Aufbaus der Arbeit
Die Hauptzielsetzung dieser Diplomarbeit liegt in der Beantwortung folgender Forschungsfrage:
Die Vorüberlegungen zum Thema Skill-Management aus dem Kapitel 1.1 haben gezeigt,
dass sowohl aus Unternehmens- als auch Mitarbeiterperspektive Skill-Management zu
einem immer wichtigeren Faktor für den Erfolg eines Unternehmens wird. Diese Entwicklungen stellten den Ausgangspunkt für die thematische Auseinandersetzung mit dem
Thema Skill-Management im Rahmen dieser Arbeit dar.
In Kapitel 2 werden dann zunächst die Grundlagen des Skill-Managements dargestellt. Ausgehend von den Grundcharakteristika des Skill-Managements werden die in der Literatur
zum Skill-Management diskutierten Anwendungsgebiete und Aufgabenbereiche von Skill-
Management-Systemen vorgestellt. Es zeigt sich, dass die vorgestellten Skill-Management-
Systeme einen Anwendungsschwerpunkt im Personalwesen haben. Daher wird das Personalwesen als funktionaler Bezugsrahmen für das Skill-Management gewählt und
diejenigen Teilfunktionen des Personalwesens vorgestellt, die durch ein Skill-Management-
System unterstützt werden können.
Es schließt sich in Kapitel 3 eine Anforderungsanalyse an. Auf der Basis dieser
Literaturanalyse sollen Anforderungen an ein Konzept zum Skill-Management identifiziert
werden. Hierfür soll grundsätzlich ein ganzheitlicher Ansatz gewählt werden. Das heißt, es werden Anforderungen an eine Software zum Skill-Management sowohl aus technischer und
aufgabenlogischer Sicht formuliert, als auch aus der Organisationssicht und der Sicht der
Anwender 23 und Benutzer 24 des Systems.
In Kapitel 4 folgt die Darstellung der Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Skill- Management.
23
„Anwender = Organisatorische Einheit, die ein oder mehrere Anwendungssysteme zur Erfüllung ihrer Aufgaben
einsetzt“. Dies kann beiepielsweise eine betriebliche Stelle oder Abteilung eines Unternehmens sein [Seibt
/Grundzüge der Wirtschaftsinformatik 1999/]
24 „Benutzer = Person, die ein Anwendungssystem bei ihrer Arbeit bzw. zur Erfüllung ihrer Aufgaben (im
Aufgabenerfüllungsprozess) benutzt“. Häufig wird in diesem Zusammenhang auch von „Endbenutzer“
gesprochen [Seibt /Grundzüge der Wirtschaftsinformatik 1999/]
5
Aufbauend auf den Ergebnissen der empirischen Untersuchung und auf den in der Literatur
aufgeführten Anforderungen an das Skill-Management werden in Kapitel 5
Gestaltungsempfehlungen für ein ganzheitliches Skill-Management-Konzept, das
insbesondere die Aufgaben des Personalwesens unterstützen soll, formuliert.
6
2. Grundlagen des Skill-Managements
2.1. Status und Grundcharakteristika des Skill-Managements
Gegenstandsobjekt des Skill-Managements ist der einzelne Mitarbeiter. Ausgangspunkt für Überlegungen zum Skill-Management stellt im betrieblichen Alltag häufig das Problem
dar, dass Unklarheit über den Umfang des im Unternehmen vorhandenen Wissens herrscht.
„Man weiß weder, was man weiß, noch wer es weiß“ 25 . Ein gezielter Austausch des
vorhandenen Wissens innerhalb eines Unternehmens wird häufig dem Zufall überlassen 26 . So gab in einer Studie zum Wissensmanagement in deutschen Unternehmen keiner der
Befragten an, einen sehr guten Überblick über das im Unternehmen vorhandene Wissen zu
haben 27 . Einen guten Überblick glaubten nur 18% zu haben. Teilweise das Wissenspotential im Unternehmen zu erfassen glaubten 46%. 37% gaben an, sie hätten keinen bzw. kaum
einen Überblick über das im Unternehmen vorhandene Wissen.
Dieses Ergebnis kann nicht überraschen, betrachtet man die weiteren Ergebnisse dieser
Studie. Diese zeigten auf, dass die Aktionen, die in Unternehmen unternommen werden, um
Experten oder Träger spezifischen Wissens im Unternehmen zu finden, in den wenigsten
Fällen die Nutzung von Skill-Management-Systemen umfassen: Die häufigste Vorgehensweise liegt gemäß der Ergebnisse dieser Studie mit 46% in der Nachfrage per
Telefon, gefolgt von einer E-mail an Kollegen (37%), einem persönlichen Gespräch (35%)
und in dem Nachfragen bei einer Besprechung (15%) 28 .
Ein weiterer Ausgangspunkt für eine erste thematische Auseinandersetzung mit Skill- Management stellt im betrieblichen Alltag die Erkenntnis dar, dass die Ressource „Mensch“
gerade in dezentral organisierten Unternehmen mit hoch qualifizierten Mitarbeitern und
komplexen Produkten und Dienstleistungen immer mehr zum Hauptwertschöpfer avanciert 29 . Aufgrund dieser zunehmenden Bedeutung des „Humanpotentials“ bedürfen auch die
personalwirtschaftlichen Aufgabengebiete einer Neustrukturierung, was nicht nur neue
Anforderungen an die personalwirtschaftlichen Aufgaben- und Entscheidungsträger stellt, sondern ebenfalls an die informationswirtschaftlichen Methoden und Verfahren zu deren
Unterstützung 30 .
25 Starke /Ansatz zum Corporate Knowledge Management 1998/ 66
26 Vgl. Zacconi /Wettbewerbsvorteile für Knowledge Management 1998/ 50f.
27 68 Großunternehmen der Branchen System- & Softwareentwicklung, Banken/Versicherungen und Chemie/Pharma nahmen an der schriftlichen Befragung teil. 75% der Unternehmen setzten Wissensmanagement bereits aktiv ein [Vgl. Müller; Strahringer /Wissensmanagement – eine empirische Analyse 2000/ URL siehe Literaturverzeichnis]
28 Vgl. Müller; Strahringer /Wissensmanagement – eine empirische Analyse 2000/ URL siehe Literaturverzeichnis 29 Vgl. Kreitmeier; Rady; Krauter /Potenzial von Skill-Management-Systemen/ URL siehe Literaturverzeichnis; vgl. auch Kapitel 1.1
30 Vgl. Pfeiffer /Personalinformationsmanagement 1995/ 1
7
Der Sinn in der Schaffung von Transparenz über die Mitarbeiter-Kompetenzen wird in
diesem Zusammenhang mit der Zielsetzung für ein Skill-Management-System verknüpft, einen möglichst effizienten Einsatz und zielgerichtete Weiterentwicklung der Mitarbeiter im
Unternehmen zu ermöglichen 31 . Da nun jedoch der Aufwand der Identifikation von Expertenwissen, dessen Expertise sich gerade aus den impliziten Wissensbestandteilen
konstituiert, sehr hoch sein kann und unter Umständen in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Ertrag steht, ist es für solche Fälle meistens ausreichend, einen „raschen“
Verweis auf den zuständigen Experten zu erhalten 32 . Hier genau setzt Skill-Management an, indem es einen pragmatischen Lösungsansatz für ein derartiges Identifikationsproblem
liefert. Dieser Lösungsansatz zeichnet sich dadurch aus, “dass der Zugang zum
vorhandenen Wissen im Unternehmen über den Mitarbeiter erfolgt“ 33 . Ein solcher Ansatz ist insofern als pragmatisch anzusehen, als er dem Umstand Rechnung trägt, dass implizites
Wissen nur schwer formulier- und formalisierbar ist, wohingegen explizites Wissen leichter
kommunizierbar und in Worten und Zahlen dokumentierbar ist 34 : Skill-Management-System zielen nicht darauf ab, (implizites) Wissen zu explizieren und allen zur Verfügung zu stellen
(das wäre Ziel von Wissensmanagementsystemen). Skill-Management-System verfolgen vielmehr das Ziel, Personen, die bestimmtes Wissen haben, mit Personen, die bestimmtes
Wissen suchen, zusammen zu bringen 35 . Skill-Management-Systeme verwalten demnach das Meta-Wissen über die explizierbaren Fähigkeiten der Mitarbeiter im Unternehmen (Wissen über Wissensträger), wohingegen Wissensmanagementsysteme das expizierbare
Wissen im Unternehmen selbst verwalten 36 . Daher wird Skill-Management auch als Person-
to-Person-Ansatz klassifiziert 37 und kann aufgrund seiner Nähe zum Wissensmanagement als eine Komponente eines Wissensmanagementsystems in das umfassendere Konzept des
Wissensmanagements eingeordnet werden 38 .
31 Vgl. Kreitmeier; Rady; Krauter /Potenzial von Skill-Management-Systemen/ URL siehe Literaturverzeichnis
32 Vgl. Probst; Raub; Romhardt /Wissen managen 1999/ 115f.
33 Kreitmeier, Krauter /Skill-Management 1998/ 22
34 Vgl. Nonaka; Takeuchi /Organisation des Wissens 1997/ 18 – 19. Schindler merkt in diesem Zusammenhang an: „Während der Austauch von explizierbarem Wissen durch Überführung von in IKT abbildbaren Informationen
relativ einfach möglich ist, ist der Austausch von implizitem Wissen durch IKT nur schwer möglich“ [Schindler
/Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 106]
35 Vgl. Deiters; Lucas; Weber /Management flexibler Teams 1999/ 19
36 Vgl. Föcker /Werkzeuge des Wissensmanagements 2001/ URL siehe Literaturverzeichnis
37 Vgl. Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 78. Der Wissensmanagementansatz stellt hingegen einen Person-to-Document-Ansatz dar [Vgl. ebenda, S. 78]
38 Deiters; Lucas; Weber /Management flexibler Teams 1999/ 2. Zu einer identischen Einschätzung kommen beispielsweise auch Kreitmeier und Krauter, die Skill-Management als eine „besondere Ausprägung“ von
Wissensmanagementsystemen definieren [Vgl. Kreitmeier, Krauter /Skill-Management 1998/ 22].
8
2.2. Anwendungsgebiete und Aufgabenbereiche des Skill-Managements
In der Literatur existieren verschiedene Definitionen und Konzepte zum Skill-Management,
die Skill-Management in den Kontext verschiedener Anwendungsgebete mit vielfältigen
Aufgabenbereichen stellen. Ausgehend von diesen Definitionen und Konzepten wird im
Folgenden die Spannweite dieser Anwendungsgebiete und Aufgabenbereiche dargestellt.
Eine Definition von Skill-Management, die aufgrund Ihrer definitorischen Breite als
geeigneter Ausgangspunkt für die Erörterung der Anwendungsgebiete eines Skill-
Management-Konzeptes dienen soll, ist einem Forschungsbericht des Frauenhofer-Instituts
für Software- und Systemtechnik (ISST) zu entnehmen. In diesem heißt es, dass Skill-
Management
sei 39 . Aus den Ausführungen dieses Berichtes wir ersichtlich, dass die Autoren Skill- Management in den Kontext des Projektmanagements stellen und als ein Bestandteil des
Wissensmanagements klassifizieren 40 . Die grundsätzlich Zielsetzung des Skill-Managements ist, „Personen mit bestimmten Kenntnissen aus einer Menge von Mitarbeitern zu
identifizieren“ 41 .
Insoweit ist ein Skill-Management-System mit den in der angelsächsischen Literatur
diskutierten „People-Finder Knowledge Management Systems“ (People-Finder KMS) 42 oder
– im Spezialfall der Suche nach Experten – mit Expert-Finder Systems 43 identisch. Eine Definition für ein “People-Finder KMS” liefert Becerra-Fernandez:
Die Frage, die sich im Zusammenhang mit dieser und der zuvor genannten Definition stellt,
ist, wer Anwender und Benutzer dieser Systeme in der betrieblichen Praxis ist. Die Autoren
des Frauenhofer-ISST führen diesbezüglich aus, dass mit einem Skill-Management-System
39 Deiters; Lucas; Weber /Management flexibler Teams 1999/ 2
40 Deiters; Lucas; Weber /Management flexibler Teams 1999/ 1f.
41 Deiters; Lucas; Weber /Management flexibler Teams 1999/ 8 42 Vgl. Becerra-Fernandez /People-Finder knowledge management systems 2000/ 315 – 320 43 Vgl. Yimam /Expert Finding Systems 1999/ 1 – 18 44 Becerra-Fernandez /People-Finder knowledge management systems 2000/ 315
9
die Teambildung, der Wissenstransfer und die Schulungsplanung unterstützt werde 45 . Anwender eines Skill-Management-Systems ist demnach primär das Personalwesen und die
operativen Geschäftsbereiche, Benutzer des Systems sind Personalverantwortliche
(Teambildung und Schulungsplanung) und Fachkräfte des Unternehmens (Wissenstransfer –
schnelles Auffinden von Wissensträgern bei Ad-hoc-Anfragen).
Zu einer ähnlichen Aussage kommt Becerra-Fernandez, die in Ihrem Aufsatz fünf in der
betrieblichen Praxis implementierte People-Finder KMS vorstellt, welche zum Zwecke des
„Wissenstransfers“, der „Teambildung“ und der „Expertensuche“ 46 eingesetzt werden. Eine Unterstützung der Personalentwicklungsplanung findet in diesen Systemen nicht statt.
Insofern umfassen Skill-Management-Systeme ein breiteres Aufgabenspektrum als People-
Finder KMS. Anwender eines People-Finder KMS sind das Personalwesen und die
operativen Geschäftsbereiche, Benutzer des Systems sind somit Personalverantwortliche
und Fachkräfte des Unternehmens.
Analog zu People-Finder KMS stellen Expert-Finding Systems nach Auffassung von Yimam
ein enger gefasstes Management-Konzept als Skill-Management-Systeme 47 dar. Anwender eines Expert-Finding Systems ist das Personalwesen, da Expert-Finding Systems aus Sicht
des Personalwesens für den Zweck des Personaleinsatzes bzw. der Personaleinsatzplanung
von Experten verwendet werden. Die Personalentwicklungsplanung wird nicht von einem
solchen System unterstützt. Aus der Sicht der Fachkräfte des Unternehmens ist ein weiterer
Aufgabenbereich in der Unterstützung des Wissenstransfers zu sehen. Dies impliziert ein
weiteres Anwendungsgebiet, nämlich den operativen Geschäftsbereich der Mitarbeiter. Die
Benutzer eines Expert-Finding System sind Personalverantwortliche und Fachkräfte bzw.
Experten des Unternehmens, die (andere) Experten im Unternehmen suchen.
Einen auf das Personalwesen beschränkten, dort aber im Vergleich zu den vorherigen
Konzepten wesentlich weiter gefassten Aufgabenbereich des Skill-Management-Systems
formulieren Faix, Buchwald, Wetzler. Sie sehen Skill-Management als „einen Aspekt der
Unternehmensplanung“. Die Autoren definieren Skill-Management zunächst als
45 Vgl. Deiters; Lucas; Weber /Management flexibler Teams 1999/ 8
46 “Experten sind Personen, die über Spezialwissen verfügen und daraus fachliche Autorität zur Einschätzung
zukünftiger Ereigniseintritte begründen.“ [Macharzina /Unternehmensführung 1993/ 628]
47 Vgl. Yimam /Expert Finding Systems 1999/ 3
48 Faix, Buchwald, Wetzler /Skill-Management 1991/ 11
10
Alsdann konkretisieren die Autoren diese Definition, indem sie erläutern, dass ein Software
zum Skill-Management „sämtliche Skill-Management-Aspekte“ abdecken solle. Diese sind
nach Auffassung der Autoren: Qualifizierungsplanung, Ausbildung, Mitarbeitereinsatz, Weiterbildung, Umschulung, Mitarbeiterbeurteilung, Führungskräfte-Entwicklung, Einstellung
und Outplacement 49 . Darüber hinaus wird als weiterer Aufgabenbereich die Unterstützung der Unternehmensführung durch Bereitstellung von Analysen über den derzeitigen und zukünftigen qualitativen Personalbestand aus gesamtunternehmerischer Perspektive
gesehen 50 .
Anwender eines Skill-Management-Systems sind demnach das Personalwesen (Schwerpunkt) und die Unternehmensführung. Benutzer des Systems sind die
Personalverantwortlichen, Vertreter der Unternehmensführung und Führungskräfte mit
Personalverantwortung, die die Mitarbeitergespräche leiten. Dieses Konzept stellt im Kontext
des Personalwesens den umfassendsten Ansatz eines Konzeptes zum Skill-Management dar.
Die Darstellung dieser grundlegenden Konzepte zeigt, dass die diskutierten Skill-
Management-Konzepte einen Anwendungsschwerpunkt im Personalwesen aufzeigen,
darüber hinaus aber auch für die Anwendungsgebiete „Unternehmensführung“ und
„operativer Geschäftsbereich“, dort insbesondere im Bereich des „Projektmanagements“ geeignet erscheinen.
Aufgrund des Anwendungsschwerpunktes „Personalwesen“ stellt sich nun die Frage,
inwiefern sich ein Skill-Management-System von einem Personalinformationssystem
unterscheidet. Eine aufgabenlogische Abgrenzung beider Systeme wird daher notwendig. Schindler führt diesbezüglich an:
In diesen Ausführungen sind zwei Abgrenzungsmerkmale aufgeführt, die Skill-Management-
Systeme von Personalinformationssystemen trennen. Zum einen werden
Personalinformationssysteme in einem engeren Anwendungsgebiet, nämlich nur dem des
49 Faix, Buchwald, Wetzler /Skill-Management 1991/ 12
50 Vgl. Faix, Buchwald, Wetzler /Skill-Management 1991/ 115 – 117
51 Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 185
11
Personalwesens eingesetzt. Dort aber unterstützen Personalinformationssysteme – und das
ist das zweite Abgrenzungsmerkmal – in der Regel einen weiter gefassten Aufgabenbereich
als Skill-Management-Systeme. Weiter gefasst insofern, als PIS neben den dispositiven
Aufgaben des Personalwesens vor allem die administrativen Aufgaben des Personalwesens
unterstützen (Schindler nennt hier beispielhaft die Lohn- und Gehaltsabrechnung).
Grundsätzlich ließe sich die Funktionalität von Skill-Management-Systemen jedoch immer
weiter in Richtung Personalinformationssysteme ausdifferenzieren 52 , was eine klare Unterscheidung von Personalinformationssystemen und spezifisch auf das Personalwesen
ausgerichteten Skill-Management-Systeme bei zunehmender Ausdifferenzierung eines Skill-
Management-Systems unmöglich bzw. auch unnötig macht 53 .
Ergänzend zu den oben benannten Aufgabenbereichen der verschiedenen Skill-
Management-Systeme wird in der Literatur noch der Vertrieb als ein spezifischer operativer
Geschäftsbereich aufgeführt 54 : Im Vertrieb wird der Aufgabenbereich eines Skill- Management-Systems in der schnellen Identifikation von Experten im Unternehmen
gesehen 55 . Die gefundenen Experten sollen dann zwecks Akquise eines Auftrages mögliche Lösungen mit den Kunden diskutieren. Des weiteren dienen Skill-Management-Systeme im
Vertrieb der Unterstützung der Angebotserstellung 56 . Eine Unterstützung des Vertriebs findet hier insofern statt, als die Vertriebsmitarbeiter im Rahmen der Angebotserstellung auf die
Profildatenbank des Skill-Management-Systems zugreifen, um sich ein Bild darüber zu
verschaffen, ob der Kundenauftrag mit den im Unternehmen vorhandenen Kompetenzen
erfüllt werden kann.
Die in diesem Abschnitt identifizierten Aufgabenbereiche, die ein Skill-Management-System
in den benannten drei Anwendungsgebieten unterstützt, stellen die Hauptaufgabenbereiche
dar. Darüber hinaus werden in der Literatur noch weitere Aufgabenbereiche in einigen
Anwendungsgebieten genannt, die im Folgenden noch kürz erwähnt werden. Im Bereich des
Personalwesens sind dies die Nachfolgeplanung 57 und die Karriereplanung 58 . Im Rahmen der operativen Geschäftsbereiche der Mitarbeiter wäre die Unterstützung der Bildung von
52 Vgl. Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 192
53 Ein Anbieter eines PIS mit integrierten Skill-Komponenten ist die Firma Meta4 (www.meta4.de) Ein Überblick
über die Komponenten und Funktionalitäten der Software „Meta4Mind“ und eine Darstellung des Systems anhand eines Beispiels finden sich in Vogelsang /Computergestützte Personalarbeit mit Meta4Mind 1999/ 129 - 143
54 Vgl. Liao u.a. /Competence Knowledge Base System 1999/ URL siehe Literaturverzeichnis 55 Vgl. Liao u.a. /Competence Knowledge Base System 1999/ URL siehe Literaturverzeichnis 56 Vgl. Ballauf / IABG Mitarbeiterprofile 1997/ 69 57 Vgl. Hüneke; Zimmermann /Skill-Datenbanken 2000/ 53 58 Vgl. Cooke; Hendrickson; O’Connel/ Implementing a Knowledge and Skills Management System 1999/ 251;
vgl. Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 189
12
Communities of Practice und Expertennetzwerken als weitere Aufgabenbereiche des Skill-
Managements zu nennen 59 .
Abb. 2 Spektrum der Aufgabenbereiche des Skill-Managements in den verschiedenen
Anwendungsgebieten
Mit der Festlegung des funktionalen Schwerpunktes des Skill-Management-Konzeptes auf
das Personalwesen kann die Personalwirtschaftslehre als theoretische Bezugsrahmen bzw.
das Personalwesen als funktionaler Bezugsrahmen festgelegt werden. Die Aufgaben des
Personalwesens werden im folgenden Kapitel dargestellt
2.3. Die Aufgaben des Personalwesens als funktionaler Bezugsrahmen
„Eine Personalwirtschaftslehre macht Aussagen über den Einsatz von Personal in
Unternehmungen“ 60 . Organisatorisch manifestiert sich die Personalwirtschaftslehre in der
59 Vgl. Elbert /Skill-Management bei Bertelsmann mediaSystems 2001/ 2
13
Funktion des Personalwesens. Der Begriff „Personalwesen“ bezeichnet somit die
Organisationseinheit der Personalwirtschaft innerhalb eines Unternehmens 61 . Die Aufgaben des betrieblichen Personalwesens sind sehr umfangreich und eignen sich nur zum Teil für
eine Unterstützung durch eine Skill-Management-System. Die in Abb. 2 dargestellten Aufgabenbereiche werden bereits durch Skill-Management-Systeme oder ähnliche
computergestützte Systeme unterstützt. Diese Aufgabenbereiche lassen sich gemäß der
Terminologie der klassischen Personalplanungsaufgaben den Teilfunktionen
§ Personaleinsatzplanung,
§ Personalentwicklungsplanung
§ Personalbeschaffungsplanung und
§ Personalfreisetzungsplanung zuordnen (vgl. bzgl. der Zuordnung Abb. 3 in Kapitel 2.4). Diese Teilfunktionen mit
Ausnahme der Personalfreisetzungsplanung werden in diesem Kapitel dargestellt. Für die
Durchführung dieser Planungsaufgaben wird eine detaillierte Informationsbasis zum einen über die Kompetenzen der Mitarbeiter und zum anderen über die zukünftigen
Stellenanforderungen im Unternehmen benötigt. Diese Informationsbasis wird mittels
Methoden der
§ Personalbestandsplanung und
§ Personalbedarfsplanung realisiert und in ihren Grundzügen in diesem Kapitel vorgestellt. Weitere Aufgabenbereiche
des Personalwesens wie die betriebliche Sozialpolitik, die Personalpolitik und die Personalverwaltung, aber auch Planungsaufgaben wie die Personalkostenplanung und die
Personalfreisetzungsplanung werden nicht weiter behandelt 62 , da das Skill-Management diese Aufgaben größtenteils nicht unterstützen kann bzw. im Rahmen des Skill- Managements keine große Bedeutung aufweisen. Der personalwirtschaftliche
Aufgabenbereich „Mitarbeiterführung“ wird nicht in seiner gesamten Komplexität diskutiert.
Im Rahmen dieser Arbeit wird das Aufgabengebiet der „Mitarbeiterführung“ auf die Führungsinstrumente „Mitarbeitergespräch“ und „Mitarbeiterbeurteilung“ beschränkt, da
ausschließlich diese beiden Aspekte in Kapitel 5 noch Erwähnung finden. Beide
Führungsinstrumente zählen zu den sogenannten personalen Instrumenten der
Mitarbeiterführung 63 .
60 Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 7
61 Vgl. Jung /Allgemeine Betriebswirtschaftslehre 1999/ 851
62 Vgl. bzgl. Erläuterungen zu den Aufgabenbereichen „betriebliche Sozialpolitik“, „Personalpolitik“,
„Personalverwaltung“, „Personalkostenplanung“ und „Personalfreisetzungsplanung“ die einschlägige Literatur:
Gaugler /Personalwesen 1993/ 3146 – 3152; Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ Teil II Kapitel 2-6
63 Vgl. Drumm /Personalführung 1993/ 3310
14
Das zentrale Planungsobjekt der Personalbedarfsplanung bildet die betriebliche Stelle 64 . Die Personalbedarfsplanung stellt den Ausgangspunkt und das Kernstück einer jeden
Personalplanung dar, weil erst die genaue Kenntnis der Zahl und Art benötigter Mitarbeiter
es ermöglicht, dass Maßnahmen der Personalbeschaffung, des Personaleinsatzes, der
Personalentwicklung und der Personalfreisetzung geplant werden können 65 . „Die qualitative Personalbedarfsplanung legt fest, über welche Qualifikationen das Personal bis zum
Planungshorizont verfügen muss und zu welchen Stellentypen oder Personalkategorien
diese Qualifikationen gebündelt werden können“ 66 . Der qualitative Personalbedarf umschreibt also die Fähigkeiten und Kenntnisse (Kompetenzen), über die ein Mitarbeiter bei
seinem Einsatz verfügen soll und spiegelt so die Anforderungen der Stellenaufgaben wider 67 . Aufgrund der zumeist dynamischen wirtschaftlichen Umfeldbedingungen eines
Unternehmens ändern sich die Anforderungen an eine Stelle jedoch schnell, so dass sich
eine qualitative Personalbedarfsplanung als schwierig erweist 68 .
Das zentrale Planungsobjekt der Personalbestandsplanung bildet der einzelne Mitarbeiter. Gegenstand der qualitativen Personalbestandsplanung ist die inhaltliche und methodisch
differenzierte Erfassung von gegenwärtigen und zukünftigen Kenntnissen und Fähigkeiten
der vorhandenen Mitarbeiter 69 . Im Rahmen dieser Arbeit soll nur eine für das Skill- Management geeignete Methoden zur Identifikation der gegenwärtigen Kenntnisse und
Fähigkeiten der Mitarbeiter vorgestellt werden, da für die Erfassung zukünftiger Kenntnisse
und Fähigkeiten der Mitarbeiter ein Potentialprofil je Mitarbeiter erstellt werden müsste. Die
Potentiale eines Mitarbeiters werden jedoch zumeist über Potentialanalysen beispielsweise
in Form von Testverfahren abgeschätzt, was zu vielfältigen Problemen führt. Hauptsächlich
problematisch sind hier – neben methodischen Problemen der Testkonzeption – aus
Mitarbeiter-Sicht der Aspekt „Ergebnisakzeptanz“, da die Testergebnisse nur eine
Momentaufnahme darstellen und somit keine gesicherten Aussagen über strategische
Entwicklungspotentiale des Mitarbeiters machen können und Datenschutzaspekte, da
Testverfahren insbesondere soziale und personale Kompetenzen erfassen 70 . Würde die Möglichkeit der Darstellung eines Potentialprofils im Skill-Management-System umgesetzt,
müsste das System eine Funktionalität für die Erstellung von Trendprognosen beinhalten.
Aufgrund der geschilderten Probleme wird im Rahmen dieser Arbeit auf
64 „Unter Stelle versteht man in der Organisationstheorie eine Menge von Aufgaben, die einer Person auf Dauer
zur Erfüllung übertragen werden“ [Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 185]
65 Vgl. Jung /Allgemeine Betriebswirtschaftslehre 1999/ 862
66 Drumm /Personalplanung 1992/ 1763
67 Vgl. Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 183
68 es sei hier angemerkt, dass sich schnell ändernde Umfeldbedingungen ebenfalls einen Einfluss auf die
quantitative Personalbedarfsplanung ausüben.
69 Vgl. Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 228
70 Vgl. Bühner /Personalmanagement 1994/ 134
15
Gestaltungsempfehlungen für die Erstellung eines Potentialprofils auf Basis eines Skill-
Management-Systems verzichtet.
Unter dem Begriff „Personaleinsatzplanung“ werden im Rahmen dieser Arbeit sowohl
Aspekte des Personaleinsatzes aus operativer Sicht (kurzfristiger Planungshorizont), als
auch Aspekte des Personaleinsatzes aus strategisch-taktischer Sicht (mittel- bis langfristiger
Planungshorizont) diskutiert. Der kurzfristig ausgelegte Personaleinsatz wird zumeist
dezentral von den Linienvorgesetzten der Mitarbeiter vorgenommen (Führungskraft mit
Personalverantwortung) 71 , da bei kurzfristiger Planung die Stellenstruktur unveränderlich
ist 72 . Die kurzfristigen Planungsaufgaben bestehen folglich in der Optimierung der
Stellenbesetzung 73 , was in der Theorie durch die Anwendung von linearen
Optimierungsverfahren wie Assignment-Modellen zu lösen versucht wird 74 . Die mittel- bis langfristige Personaleinsatzplanung hingegen wird von der Personalabteilung selbst
durchgeführt, da der mittel- bis langfristigen Personaleinsatzplanung eine
Gestaltungsaufgabe zukommt, deren Umsetzung nicht durch die Linienvorgesetzten geleistet
werden kann. „Gegenstand der Personaleinsatzplanung ist die optimale Zuordnung der in
der Unternehmung beschäftigten Mitarbeiter zu den einzelnen Stellen entsprechend den
quantitativen, qualitativen, zeitlichen und räumlichen Erfordernissen des
Leistungsprozesses“ 75 . Es gilt bei dem Personaleinsatz und der Personaleinsatzplanung sowohl unternehmens- als auch mitarbeiterbezogene Ziele zu berücksichtigen, um eine
möglichst effiziente Durchführung des Leistungserstellungsprozesses zu erreichen. Aus der
Unternehmensperspektive bedeutet dies vor allem nach einer optimalen Kosten-Leistungs-
Relation bei dem Personaleinsatz und der Personaleinsatzplanung zu streben 76 . Aus der Mitarbeiterperspektive bedeutet dies vor allem die Verwirklichung der individuellen Wünsche
und Interessen der Mitarbeiter. Hier sind neben der Mobilität die Aspekte Qualifikation und
Motivation der Mitarbeiter zu nennen 77 .
Wie auch schon bei der Personalbedarfsplanung ist bei der Personaleinsatzplanung zu
beachten, dass weder der Kompetenzen der Mitarbeiter, noch die Anforderungen der Stellen
im Unternehmen statisch sind, sondern im Zeitablauf der Veränderung unterliegen.
„Die Personalentwicklungsplanung bereitet den Vollzug der Personalentwicklung vor“ 78 und umfasst all diejenigen Maßnahmen, die der planmäßigen Erweiterung der fachlichen,
methodischen, sozialen und persönlichen Kompetenzen der Mitarbeiter im Hinblick auf
71 Vgl. Scholz /Personalmanagement 1993/ 341
72 Vgl. Bühner /Personalmanagement 1994/ 148 73 Vgl. Scholz /Personalmanagement 1993/ 341 74 Vgl. Moser /Assignment-Problem 1979/ 209 – 232 75 Jung /Allgemeine Betriebswirtschaftslehre 1999/ 914 76 Vgl. Jung /Allgemeine Betriebswirtschaftslehre 1999/ 914 77 Vgl. Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 299 78 Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 310
16
Organisations- und Individualziele dienen 79 . Somit versteht sich die Personalentwicklung analog zur Personaleinsatzplanung einerseits mitarbeiterorientiert (die persönlichen
Zielvorstellungen berücksichtigend) und andererseits unternehmensorientiert (die
ökonomischen Zielvorstellungen berücksichtigend) 80 . Ziel ist somit der Abbau von Kenntnis- und Fähigkeitsdefiziten der Mitarbeiter, die Erfüllung derer persönlicher Entwicklungsziele
und eine institutionelle Verstetigung des Lernens 81 . Um den Entwicklungsbedarf abschätzen
zu können, müssen Deckungslücken 82 identifiziert werden, die in einem
Entwicklungsbedarfsprofil münden 83 . Für die Ermittlung der Deckungslücke durch ein
Matching können zwei Ansätze gewählt werden 84 . Der „gegenwartsorientierte“ Ansatz prüft, ob und welcher Mangel bei der Leistungserstellung vorliegt, um dann später geeignete
Personalentwicklungsmaßnahmen zum Abbau dieses Mangels bestimmen zu können. Bei
dem „zukunftsorientierten“ Ansatz wird je zukünftigem Anforderungsmerkmal der Stelle die
Differenz zur gegenwärtigen Ausprägung des entsprechenden Kenntnis- oder
Fähigkeitsmerkmals gebildet.
„Ziel jeder Personalbeschaffungsplanung ist die rechtzeitige Bereitstellung von benötigtem
und geeignetem Personal aller Kategorien für die Erfüllung von Aufgaben vakanter Stellen“ 85 . Man unterscheidet grundsätzlich zwei Arten der Personalbeschaffung: die interne und die
externe Personalbeschaffung 86 . Beide Personalbeschaffungsarten werden unter einem langfristigen Entscheidungshorizont im Rahmen dieser Arbeit betrachtet, da kurzfristige
Personalbeschaffungsprobleme beispielsweise durch Personalleasing gelöst werden, was
nicht durch ein Skill-Management-System unterstützt wird.
79 Vgl. Bühner /Personalmanagement 1994/ 123
80 Vgl. Jung /Allgemeine Betriebswirtschaftslehre 1999/ 894 81 Vgl. Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 310 82 Deckungslücken geben dabei je Mitarbeiter an, wie weit zukünftige Anforderungen im Tätigkeitsfeld von z.B.
heutigen Kenntnissen und Fähigkeiten abweichen [Vgl. Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 310]
83 Vgl. Bühner /Personalmanagement 1994/ 126 84 Vgl. Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 332 85 Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 267 86 Vgl. Jung /Allgemeine Betriebswirtschaftslehre 1999/ 871
17
2.4. Schwerpunkt: Skill-Management im Personalwesen
Im Rahmen dieser Arbeit wird ein Schwerpunkt bei den in Kapitel 5 vorzunehmenden Gestaltungsempfehlungen für ein Skill-Management-Konzept auf das Anwendungsgebiet des Personalwesens gelegt (vgl. Abb. 3). Diese Schwerpunktsetzung erfolgt ebenfalls in der allgemeinen Literatur zum Skill-Management. Dort wird das Skill-Management vielfach in Zusammenhang mit softwarebasierten Konzepten zur Unterstützung der Personalarbeit
diskutiert 87 . Insbesondere werden dabei die günstigen Möglichkeiten der Unterstützung der dispositiven personalwirtschaftlichen Planungsaufgaben herausgestellt 88 : Dieser
Schwerpunktsetzung auf das Personalwesen, insbesondere auf die dispositiven Aufgaben des Personalwesens und der damit verbundenen Konkretisierung der Zwecksetzung für ein Skill-Management-System kommt eine maßgebliche, wenn nicht sogar die maßgebliche
Rolle für die Ausgestaltung einer Software zum Skill-Management zu 89 , da solch eine
Schwerpunktsetzung erst eine gezielte Gestaltungsempfehlung ermöglicht.
Der operative Tätigkeitsbereich der Mitarbeiter als Anwendungsgebiet mit dem Fokus auf Unterstützung des Wissenstransfers unter den Mitarbeitern wird hier in die Diskussion über ein Skill-Management-Konzept für das Personalwesen explizit miteinbezogen, da erstens mit der Entscheidung, auch den Mitarbeitern das Skill-Management-System zugänglich zu machen, Akzeptanz bei den Mitarbeiter im Unternehmen erzeugt wird (die Akzeptanz entsteht dadurch, dass die Mitarbeiter einen direkten Nutzen aus dem Gebrauch des Systems erzielen können, z.B. „schneller Problemlöser finden“) und zweitens sich die Wichtigkeit dieser Unterstützungsfunktion aus den Konsequenzen der freien unternehmensinternen Zugänglichkeit des Systems ergibt: Durch die Akzeptanz der Mitarbeiter wird das Tool aktiv genutzt. Somit kann schnell eine kritische Masse an Informationen im Skill-Management-System erzielt werden, was ja gerade Voraussetzung dafür ist, dass das Skill-Management-System überhaupt sinnvoll die dispositiven Aufgabengebiete des Personalwesens unterstützen kann. Darüber hinaus unterstützt die so gewonnene Akzeptanz des Systems die fortwährende Aktualität der Skill-Informationen in dem System.
Es ergeben sich folgende in Abb. 3 dargestellte Aufgabenbereiche, die durch das im Rahmen dieser Arbeit zu entwickelnde Skill-Management-Konzept zu unterstützen sind.
87 Vgl. beispielsweise Palass / Monitor Management 2000/ URL siehe Literaturverzeichnis; Vgl. Elbert /Skill-
Management bei Bertelsmann mediaSystems 2001/ 2; Vgl. Kreitmeier; Rady; Krauter /Potenzial von Skill-
Management-Systemen / 72; Vgl. Faix; Buchwald; Wetzler /Skill-Management 1991/ 12, 14, 49 – 51
88 Vgl. Faix; Buchwald; Wetzler /Skill-Management 1991/ 12, 14, 49 – 51
89 Vgl. Kreitmeier; Rady; Krauter /Potenzial von Skill-Management-Systemen/ URL siehe Literaturverzeichnis
18
Abb. 3 Für das zu entwickelnde Skill-Management-Konzept relevante Aufgabenbereiche
Das auf diesem Konzept basierende Skill-Management-System kann aufgrund der Schwerpunktlegung auf das Personalwesen auch als Personalplanungssystem bezeichnet werden.
Es lassen sich nun erste grundsätzliche Anforderungen an ein Skill-Management-System für das Personalwesen hinsichtlich seiner Aufgaben formulieren, die im folgenden Kapitel 3 zu konkretisieren und gemäß eines ganzheitlichen Ansatzes noch zu erweitern sind:
§ Ein Skill-Management-System muss eine detaillierte Informationsbasis über zukünftige Stellenanforderungen im Unternehmen enthalten, um die personalwirtschaftliche Aufgabe der Personalbedarfsplanung unterstützen zu können. Diese Anforderung wird in Kapitel
3.2.1 konkretisiert.
§ Ein Skill-Management-System muss eine detaillierte Informationsbasis nicht nur über die gegenwärtigen Stellenanforderungen im Unternehmen enthalten, sondern zusätzlich auch über die zukünftigen, um den Mitarbeitern eine eigenverantwortliche
19
Weiterbildungs- und Karriereplanung zu ermöglichen. Diese Anforderung wird in Kapitel
3.3 konkretisiert
§ Ein Skill-Management-System muss eine detaillierte Informationsbasis über die gegenwärtigen Kompetenzen der Mitarbeiter im Unternehmen enthalten, um die Personalbestandsplanung und den Wissenstransfer zwischen den Fachkräften im Unternehmen zu ermöglichen. Die Anforderung bzgl. der Personalbestandsplanung wird in Kapitel 3.2.2 konkretisiert. Die Anforderung bzgl. des Wissenstransfers wird in Kapitel
3.3.2 konkretisiert.
§ Ein Skill-Management-System muss einen Vergleich der gegenwärtigen Kompetenzen der Mitarbeiter mit den gegenwärtigen und zukünftigen Stellenanforderungen ermöglichen, damit die Personaleinsatzplanung, Personalentwicklungsplanung und auch Personalbeschaffungsplanung unterstützt werden kann. Diese Anforderung wird in Kapitel 3.3.1 konkretisiert.
20
3. Anforderungen an ein Skill-Management-Konzept
Die bisherigen Ausführungen haben die Notwendigkeit für Skill-Management auf
Veränderungen im Unternehmensumfeld und auf daraus resultierende innerbetriebliche
Anpassungsbemühungen aus Unternehmenssicht und Mitarbeitersicht zurückgeführt (Kapitel 1). In Kapitel 2 wurde das Personalwesen als funktionaler Bezugsrahmen für die in der
Literatur vorzufindenden Konzepte von Skill-Management-Systemen identifiziert und als
Hauptanwendungsgebiet für das Skill-Management in dieser Arbeit definiert. In den folgenden Abschnitten des Kapitels 3 werden nun die grundsätzlichen Anforderungen an ein
solches Skill-Management-System auf Basis der Literatur analysiert. Diese grundsätzlichen
Anforderungen dienen dann ergänzend zu den Ergebnissen der empirischen Untersuchung
als Informationsbasis für die in Kapitel 5 zu formulierenden Gestaltungsempfehlungen für ein Skill-Management-Konzept im Personalwesen.
3.1. Ein ganzheitlicher Ansatz als grundsätzliche Anforderung
3.1.1. Darstellung eines ganzheitlichen Ansatzes und Notwendigkeit für dessen
Anwendung
Aus Sicht der Organisationswissenschaft wird argumentiert, dass Organisationen als
komplexe Systeme zu verstehen sind, in denen vier untereinander verknüpfte Komponenten (Variablen) als Grundpfeiler dieser Systeme ausgemacht werden können. Diese sind nach
Auffassung von Leavitt „Task“, „Technology“, „Structure“ und “People (Actors)“ 90 . Diese vier Variablen sind insofern eng miteinander verknüpft, als eine Änderung der einen
Veränderungen der anderen hervorruft 91 . Aufgrund dieser engen Verknüpfung können die Variablen als globale Determinanten für organisationale Veränderungen interpretiert werden.
Die Anwendung eines solchen ganzheitlichen Konzeptes wird auch im Zusammenhang mit
der Gestaltung und Implementierung von computergestützten Informationssystemen gefordert, um den „multidimensionalen Kontext“ der jeweiligen Trägerorganisation, in die das
System eingebettet werden soll, angemessen berücksichtigen zu können 92 . In den Mittelpunkt der IS-Gestaltung rücken gemäß der Terminologie von Seibt die vier Komponenten
§ Aufgaben („Task“),
§ Technik („Technology“),
90 Vgl. Leavitt /Organizational Change 1965/ 1144
91 Vgl. Leavitt /Organizational Change 1965/ 1145
21
§ Struktur der Organisation („Structure“),
§ Mensch („People“) 93 .
Die Abstimmung dieser vier grundlegenden Komponenten ist nicht nur bereits ab dem Start
einer Informationssystem-Entwicklung in Gang zu setzen, sondern auch während der gesamten Systementwicklungsdauer und des gesamten System-Lebenszyklus bewusst und
aktiv zu verfolgen 94 .
Ein Skill-Management-System ist nach Maßgabe dieses Gestaltungsansatzes als ein ganzheitliches System zu konzipieren und in die individuelle Struktur eines Unternehmens
einzubetten.
3.1.2. Problem der Anwendung eines ganzheitlichen Ansatzes für die
Anforderungsanalyse
Die Anforderungsanalyse auf Basis eines ganzheitlichen Ansatzes gestaltete sich als schwierig, da das Thema Skill-Management in der Literatur bisher oft nur unter dem Fokus
„Anwendungsgebiete und Aufgabenbereiche des Skill-Managements“ diskutiert wird. Eine
Erörterung der Komponenten „Organisation“ und „Mensch“, sowie „Technik“ findet in der Literatur nur in sehr begrenztem Umfang statt. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen,
dass Skill-Management noch ein sehr „junges“ Thema ist und Softwarekonzepte erst
allmählich entwickelt werden (vgl. Kapitel 1.1).
Aufgrund dieses Fokus auf die Anwendungsgebiete und Aufgabenbereiche des Skill- Managements lassen sich die Anforderungen an ein Skill-Management-Konzept auf Basis
der Informationen aus der Literatur hauptsächlich nur auf die Komponente „Aufgaben“
beziehen. Im Rahmen dieser Arbeit wird unter diese Komponente sowohl die Aufgaben der Konzeption eines Anforderungs- und Kompetenzkataloges als Entwicklungsaufgabe, als
auch die Aufgabe der Durchführung von Personalanalyse (Analyse der Datenbasis) als
Aufgabe während des Systembetriebs (vgl. Kapitel 3.3) subsumiert.
3.2. Konzeption eines Anforderungs- und Kompetenzkataloges
Ein Anforderungskatalog enthält in strukturierter Form die Gesamtheit der in den
Anforderungsprofilen enthaltenen Anforderungsmerkmale der einzelnen Stellen im
Unternehmen. Analog dazu bildet ein Kompetenzkatalog ebenfalls in strukturierter Form sämtliche im Unternehmen vorhandene Fähigkeiten und Kenntnisse der Mitarbeiter in Form
92 Vgl. Seibt /Informationssystem-Architekturen 1991/ 253
93 Vgl. Seibt /Informationssystem-Architekturen 1991/ 253
94 Vgl. Seibt /Informationssystem-Architekturen 1991/ 253
22
verschiedener Kompetenzarten ab. Aus dem Anforderungs- bzw. Kompetenzkatalog werden
die Anforderungs- bzw. Kompetenzprofile generiert. Anforderungsprofile stellen dabei die
Anforderungen der jeweiligen Stelle dar, Kompetenzprofile die Kompetenzen, über die ein
Mitarbeiter verfügt. Die Anforderungen an den Erstellungsprozess dieser Profile werden nun
dargestellt.
3.2.1. Erstellen von Anforderungsprofilen
Im Zentrum der Entwicklung eines Skill-Management-Systems steht die exakte Erfassung
bzw. Modellierung eines Arbeitsplatzes und seiner Anforderungen an die Person, die ihn
ausfüllt 95 . Anforderungen sind definiert als „die erforderliche Ausprägung eines
Verhaltensmerkmals eines Individuums in einem bestimmten Verhaltensbereich“ 96 . Die Erfassung der Arbeitsanforderungen ist deshalb so entscheidend, weil sie die
informatorische Basis für die Erstellung eines Anforderungskataloges und somit von
Anforderungsprofilen der Stellen darstellt.
Ausgangspunkt für die Herleitung von Arbeitsanforderungen, die eine Stelle an einen
Mitarbeiter (Stelleninhaber) stellt, können einerseits die Stellenbeschreibung (unter
Berücksichtigung des Stellen- und Organisationsplans) selbst sein 97 , andererseits
Informationen über die geschäftlichen Erfordernisse des Unternehmens 98 . Die Stellenbeschreibungen haben in diesem Anwendungszusammenhang den Nachteil,
dass sie – wenn sie überhaupt in den Unternehmen existieren – oft unausgereift und insofern
mangelhaft sind, als sie gegenwartsorientiert sind und somit nicht die zukünftigen
Anforderungen der Stelle zu erfassen vermögen 99 . Das Ableiten von Arbeitsanforderungen aus den geschäftlichen Erfordernissen kann hingegen gegenwartsorientiert und
zukunftsorientiert ablaufen 100 . Das direkte Ableiten von Arbeitsanforderungen aus den geschäftlichen Erfordernissen stößt jedoch in der betrieblichen Praxis ebenfalls auf
erhebliche Operationalisierungsprobleme. Diese Operationalisierungsprobleme äußern sich
zumeist dadurch, dass die Erfassung von Arbeitsanforderungen nur über „kombinatorische
Kleinstarbeit“ lösbar ist 101 : Da im Unternehmen eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen, für die Personen ausgewählt werden müssen, existiert, gibt es auch eine beinahe
95 Vgl. Huge /Skill-Management o.J./ URL siehe Literaturverzeichnis
96 Westhoff; Kluck: Psychologische Gutachten 1991/ 19 97 Vgl. Bühner /Personalmanagement 1994/ 129 98 Vgl. Franzen; Schoon /Kompetenzmanagement 2000/ 50 99 Vgl. Faix; Buchwalder; Wetzler /Skill-Management 1991/ 67 100 Vgl. Kreitmeier; Rady; Krauter /Potenzial von Skill-Management-Systemen/ URL siehe Literaturverzeichnis 101 Vgl. Faix; Buchwalder; Wetzler /Skill-Management 1991/ 67
23
unüberschaubare Vielzahl von Anforderungen, denen diese Personen genügen müssen 102 . Dieses Operationalisierungsproblem ist jedoch ein grundsätzliches Problem bei der
Erstellung eines Anforderungskataloges, das grundsätzlich auch bei der Erstellung von
Stellenanforderungsbeschreibungen auftritt, und liegt somit in der Natur der Sache.
Berücksichtigt man diesen Aspekt, kann folgende erste Anforderung an die Erstellung eines
Anforderungskataloges formuliert werden:
Die Erfassung dieser Anforderungen kann nun – wie bereits oben dargestellt – grundsätzlich
gegenwartsorientiert und zukunftsorientiert ablaufen. Die Prozessschritte zur Herleitung der
Anforderungen aus den zukünftigen geschäftlichen Erfordernissen ist Gegenstand der
qualitativen Personalbedarfsplanung, die die informatorischen Grundlage für
Personalplanungsentscheidungen liefet 103 . Die Prozessschritte der qualitativen Personalbedarfsplanung werden im Rahmen der Gestaltungsempfehlung für ein Skill-
Management-System im Personalwesen (vgl. Kapitel 5.1.1) näher dargestellt. Die
gegenwartsorientierte Erfassung der Arbeitsanforderungen ist zudem für die kurzfristige
Personaleinsatzentscheidung und für die Unterstützung des Wissenstransfers im
Unternehmen notwendig.
Eine berechtigte Kritik an dem gegenwartsorientierten Ansatz gründet sich auf die in Kapitel
1.1 dargelegte Tatsache, dass sich mit dem dynamischen Wandel im Unternehmensumfeld
auch die geschäftlichen Erfordernisse des Unternehmens sehr schnell ändern. Dies führt
dazu, dass die Gegenwartsorientierung schnell in eine Vergangenheitsorientierung hinüber
wechselt 104 . Dieser „Veralterungsprozess“ der Anforderungen wird zudem noch dadurch beschleunigt bzw. verstärkt, dass in der betrieblichen Praxis die neuen Anforderungen
aufgrund von Zeitdruck im Tagesgeschäft zumeist nicht in den Anforderungskatalog und
somit in die Anforderungsprofile des Skill-Management-Systems eingearbeitet werden (es
102 Vgl. Klöckner /Computerunterstützte Personalauswahl 1993/ 56
103 Vgl. bzgl. des Begriffs „Personalbedarfsplanung Kapitel 2.3
104 Vgl. o.V. /Kritik am Skill-Management o.J./ URL siehe Literaturverzeichnis
24
findet eine unzureichende Pflege des Systems statt) 105 . Insofern muss die Anforderung formuliert werden, dass die Datenbasis des Anforderungskatalogs im Skill-Management-
System regelmäßig gepflegt werden muss.
Nach dem Ableiten von gegenwärtigen und auch zukünftigen Anforderungen kann bereits ein
Anforderungskatalog erstellt werden. Eine Erstellung von Anforderungsprofilen ist jedoch noch nicht in vollem Umfang möglich, da die Anforderungen je Anforderungsprofil noch
bewertet werden müssen, damit ein differenziertes Anforderungsprofil für eine Stelle erstellt
werden kann. Berücksichtigt man die erforderliche Ausprägung der einzelnen
Anforderungsmerkmale einer Stelle, wird also eine Bewertung der jeweiligen Anforderungsmerkmale vorgenommen, so ergibt sich ein Profil, das als Anforderungsprofil
oder auch als Soll-Profil bezeichnet wird 106 . Eine Bewertung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Mindestwert für die Anforderungsausprägung definiert wird, der das Anforderungsniveau determiniert, dem der Mitarbeiter mindestens genügen muss, damit
er seine Aufgabe erfolgreich erfüllen kann 107 . Alternativ kann die Bewertung auch die
durchschnittlich zu erwartenden Normalanforderungen 108 , oder auch eine Wunschausprägung ausdrücken. Anforderungsprofile enthalten somit bewertete Informationen über alle konkreten Anforderungen, die von einem Stelleninhaber gefordert
werden 109 . Sämtliche bewertete Anforderungsmerkmale einer Stelle bilden den Anforderungsvektor dieser Stelle.
Bezüglich der grundsätzlichen Wahl der Bewertungsstufen und Bewertungsart sei auf die
Ausführungen zur Bewertung von Kompetenzmerkmalen in Kapitel 3.2.2 verwiesen, da die
Anforderungsbewertung in der Methodik identisch zu der für die Kompetenzbewertungen erfolgt.
105 Vgl. o.V. /Kritik am Skill-Management o.J./ URL siehe Literaturverzeichnis
106 Vgl. o.V. /Anforderungsprofile o.J./ URL siehe Literaturverzeichnis 107 Vgl. Franzen; Schoon /Kompetenzmanagement 2000/ 50 108 Vgl. o.V. /Einführung und Anwendung eines Skill-Management-Systems o.J./ URL siehe Literaturverzeichnis 109 Vgl. o.V. /Anforderungsprofile o.J./ URL siehe Literaturverzeichnis
25
Abschließend sei noch auf eine letzte Anforderung an den Anforderungskatalog, nämlich auf
die Forderung nach Strukturgleichheit zu den Kompetenzen im Kompetenzkatalog,
hingewiesen. Die Anforderungen im Anforderungskatalog müssen in Form von
Kompetenzarten definiert werden, damit im Rahmen der Datenanalyse (vgl. Kapitel 3.3) ein Profilvergleich zwischen Anforderungs- und Kompetenzprofilen durchgeführt werden kann
(Matching, vgl. hierzu Kapitel 3.3.1). Die Strukturgleichheit umfasst sowohl die Definition und
Bezeichnung der einzelnen Kompetenzarten als auch deren mögliche Bewertungsstufen und Bewertungsbeschreibungen.
3.2.2. Erstellen von Kompetenzprofilen
Ein weiteres wesentliches Element eines Skill-Management-Systems ist das
Kompetenzprofil. Das Kompetenzprofil, das synonym auch als Fähigkeitsprofil,
Qualifikationsprofil oder Skillset bezeichnet wird 110 , stellt das Pendant zu den Anforderungsprofilen in einem Skill-Management-System dar. Es beinhaltet die bewerteten
Merkmale eines Mitarbeiters in Form von Fach- und Methodenkompetenzen. Die Erfassung
sozialer und personaler Kompetenzen in einem Kompetenzprofil wird aufgrund ihres sensiblen Charakters und der Subjektivität bei der Selbsteinschätzung von einigen Autoren
abgelehnt 111 .
Die Erfassung (Identifikation) und Bewertung der Kompetenzmerkmale in einem
Kompetenzprofil sollte als Self-Assessment erfolgen 112 . Mit dem Begriff „Self-Assessment“ wird eine selbstgesteuerte und fachlich übergreifende Standortbestimmung seiner Selbst
verstanden 113 . Self-Assessments beziehen sich dabei hauptsächlich auf die eigenen beruflichen Interessen, die Selbsteinschätzung beruflicher Stärken und
Entwicklungsbereiche sowie auf die Analyse der eigenen Kompetenzen 114 . In der betrieblichen Praxis gibt es Darstellungen, die die Nachteile eines Self-Assessments
110 Vgl. Böhm /Mitarbeiterprofile 1999/ 119
111 Vgl. Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 186
112 Vgl. Böhm /Mitarbeiterprofile 1999/ 122
113 Vgl. Hossiep; Paschen; Mühlhaus /Persönlichkeitstests 2000/ 255
114 Vgl. Hossiep; Paschen; Mühlhaus /Persönlichkeitstests 2000/ 257
26
für die Erstellung eines Kompetenzprofils herausstellen. So stellte beispielsweise ein
Manager von Mobil fest: „when the oil company’s employees were asked to rate their own
skill levels, „experts were modest about their capabilities and neophytes 115 overstated
theirs“ 116 . Diese Bewertungsverzerrungen werden darauf zurückgeführt, dass Experten einen umfassenderen Überblick über ihr Wissensgebiet haben und dadurch in der Lage sind, im
Vergleich zu Neulingen ein differenzierteres (zutreffenderes) Urteil über ihre Fähigkeiten
abzugeben. Andere Darstellungen sehen das Problem, das aus der Subjektivität der
Bewertung resultiert, allerdings nicht. So stellt Schindler als ein Ergebnis seiner Studien fest,
dass es in einem Unternehmen, das seinen Mitarbeitern die eigenverantwortliche Pflege
ihrer Kompetenzen in dem Yellow-Pages-System erlaubte, zu einem als realistisch
empfundenen Abbild der Kompetenzen der Teilnehmer in den Yellow-Pages kam, da man
sich im Falle einer Überbewertung seiner Kompetenzen u.U. Anfragen durch Kollegen
ausgesetzt sah, die man nicht beantworten konnte. Nach einem mehrmonatigen Zyklus
entstand ein durch Vergleich mit den subjektiven Einschätzungen der Kollegen als realistisch
empfundenes Abbild der Kompetenzen der Teilnehmer 117 :
Eine weitere Anforderung an das Skill-Management-System ergibt sich aus der zuvor
genannten Anforderung des Self-Assessments: Damit die Mitarbeiter ihre Kompetenzen
bewerten können, muss im Skill-Management-System eine Kompetenz-
Bewertungsfunktionalität integriert sein. Schindler macht drei Strategien zur Bewertung von
Kompetenzen in einem Kompetenzprofil aus 118 . Die Bewertungsmethodik für die Mitarbeiter- Kompetenzen kann aufgrund der Forderung nach Strukturgleichheit zwischen den
Kompetenzen im Anforderungs- und Kompetenzkatalog (vgl. Anforderung 5 in Kapitel 3.2.1)
analog auf die Bewertungsmethodik für die in dem Anforderungskatalog aufgeführten
Kompetenzen übertragen werden. Diese drei Strategien lauten:
§ Ausdrücken von Kompetenzen über eine Quantifizierung, wie beispielsweise über eine numerische Rangskala (Bewertungsskala),
§ Ausdrücken von Kompetenzen über qualitativ-beschreibende Ausführungen,
§ Kombination dieser beiden Strategien (merkmalsspezifische Stufenumschreibung). Bei der Entscheidung für eine dieser Strategien ist neben dem Erhebungsaufwand, der bei
merkmalsspezifischen Stufenumschreibungen am höchsten ist, dem Grad der
Internationalität der in einem solchen System abgebildeten Mitarbeiter Rechnung zu tragen,
115 „neophytes“ = „novice“, „newcomer“
116 O.V. /People-Finder-Systems 1999/ URL im Literaturverzeichnis
117 Vgl. Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 190
27
da unterschiedliche kulturelle Hintergründe und abweichende datenschutzrechtliche
Rahmenbedingungen zu berücksichtigen sind 119 .
Findet eine Bewertungsskala Anwendung, muss eine Entscheidung über die Anzahl der
Rangstufen gefällt werden. Hierzu wird im Folgenden eine empirische Untersuchung
herangezogen, die u.a. die Spannbreiten der in den befragten Unternehmen zur
Leistungsbeurteilung der Mitarbeiter eingesetzten Skalen zum Forschungsgegenstand hatte.
Diese empirische Untersuchung ergab, dass von 100 untersuchten Unternehmen
§ 50 eine „5-Stufen-Skala“ und
§ 23 eine „9-Stufen-Skala“ bevorzugten, wobei
§ die restlichen 27 Unternehmen die übrigen Stufungen in der Spannweite von 3 bis 20
aufwiesen 120 .
Bei einer hohen Skalenzahl (ab 9-Stufen-Skala) besteht die Gefahr, dass diese zu einer
bloßen Scheingenauigkeit führen kann, da die Mitarbeiter sich aufgrund der nur noch
marginalen Stufenunterschiede nicht genau einer Stufe zuordnen können 121 . Es liegt dann eine „feine Granularität“ der Bewertungsstufen vor. Außerdem sinkt bei einer zu feinen
Granularität der Informationsgehalt von Suchergebnissen, da nicht auszuschließen ist, dass
unterschiedliche Stufen die gleiche Fähigkeitsausprägung beschreiben 122 . Darüber hinaus entstehen aber auch Zuordnungsprobleme, wenn die Stufen zu grob gewählt werden
(„geringe Granularität“). In diesem Fall beurteilen viele Benutzer des Systems ihre
Kompetenzen auf der gleichen Stufe, obwohl diese signifikant voneinander abweichen
können.
Da viele Beurteiler dazu neigen, Werte des Durchschnittsbereichs bei einer
Fremdbeurteilung zu wählen 123 (die Beurteilenden sind beispielsweise sehr vorsichtig in ihrem Urteil oder möchten sich nicht festlegen), scheinen 3- bzw. 5-Stufen-Skalen für eine
Leistungsbeurteilung suboptimal zu sein. Somit wäre eine 7-Stufen-Skala zu empfehlen, die
außerhalb ihrer beiden Extrembereiche noch mit dem Intervall [3, 4, 5] ausreichend
Spielraum für ein differenzierendes Urteil zulässt 124 .
Da Anforderung 2 dieses Kapitels ein Self-Assessment im Rahmen des Skill-Managements
vorsieht, wäre eine 5-Stufen-Skala ausreichend, da die mit einer geringen Anzahl an
Beurteilungsstufen einhergehenden Beurteilungsverzerrungen (der Beurteiler wählt nur
Werte des Durchschnittsbereichs) bei einem Self-Assessment nicht auftreten. So haben
beispielsweise die Mitarbeiter der IBM Consulting Group in der Skill-Management-
118 Vgl. Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 188
119 Vgl. Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 188 120 Vgl. Gaugler /Leistungsbeurteilung 1978/ 124 121 Vgl. Crisand; Stephan /Personalbeurteilungssysteme 1994/ 70 122 Vgl. Deiters; Lucas; Weber /Management flexibler Teams 1999/ 18 123 „Tendenz zur Mitte“ [Vgl. Crisand; Stephan /Personalbeurteilungssysteme 1994/ 45] 124 Vgl. Crisand; Stephan /Personalbeurteilungssysteme 1994/ 70
28
Komponente des Wissensmanagementsystems (ICM Asset Web) die Möglichkeit, ihre
Kompetenzen mittels einer 5-stufigen Nominalskala selbst zu bewerten 125 .
Da im Zeitverlauf durchaus neue Kenntnisse und Fähigkeiten ergänzt werden müssen, sei es
aufgrund neu erworbener Kompetenzen der Mitarbeiter beispielsweise durch
Fortbildungsmaßnahmen, oder durch organisatorische Änderungen, die zu neuen
Anforderungen an die Mitarbeiter führen, muss der Kompetenzkatalog erweiterbar sein 126 . Darüber hinaus muss aus den Kompetenzprofilen zwecks Aufschluss über die Aktualität der
Daten ersichtlich sein, wann das Profil zuletzt editiert wurde.
Eine weitere Anforderung an das Skill-Management-System ist die Dokumentation von
Interessen und Karriere- und Entwicklungswünschen der Mitarbeiter: Über die Suche in sogenannten Soll-Wissensprofilen, die diejenigen Fähigkeiten und Kenntnisse der Mitarbeiter
angeben, die die Mitarbeiter zukünftig gerne (weiter-)entwickeln möchten, können
Kandidaten, deren Soll-Wissensprofil mit dem Anforderungsprofil der zu besetzenden Stelle übereinstimmt, identifiziert werden und gezielt (qualifikationsorientiert) auf die Tätigkeiten in
dieser Stelle vorbereitet werden 127 . D.h. der Mitarbeiter würde entsprechend seiner Vorstellungen gefördert werden. Dieses Vorgehen ist insofern sinnvoll, als insbesondere das Berücksichtigen der Mitarbeiter-Interessen (Entwicklungswünsche) bei der
Personaleinsatzplanung einen wesentlichen Einfluss auf die Motivation der Mitarbeiter und
somit auf die Qualität der Arbeit ausübt 128 .
125 Vgl. Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 187
126 Vgl. Kreitmeier; Krauter /Hohe Schule des Skill-Managements 1998/ 94
127 Vgl. Schindler /Wissensmanagement in der Projektabwicklung 2000/ 186
29
3.3. Analysen der Datenbasis
Analysen der Datenbasis (Personalanalysen) werden durch eine Such- und
Auswertungsfunktionalität im Skill-Management-System realisiert. Die Such- und
Auswertungsfunktionalität in einem Skill-Management-System ist grundsätzlich so
auszugestalten, dass sie die Erledigung der verschiedenen Aufgabenbereiche der Benutzergruppen effizient unterstützen kann. Wie in Abb. 3 in Kapitel 2.4 dargestellt, soll ein
Fokus auf dem Anwendungsgebiet Personalwesen unter Berücksichtigung des operativen
Geschäftsbereichs des Unternehmens liegen. Insbesondere die Aufgabenbereiche „Personaleinsatzplanung“, „Personalentwicklungsplanung“ und „Wissenstransfer“ sind dabei
durch die Such- und Auswertungsfunktionalität zu unterstützen.
3.3.1. Such- und Auswertungsfunktionalität für das Personalwesen
Eine konkrete Methode zur Ermittlung des Personaleinsatzes auf kurzfristiger
Entscheidungsebene stellt die Profilvergleichsmethode dar. Dabei orientiert sich die Profilvergleichsmethode an bereits vorhandenen Datenbeständen, nämlich an den
Kompetenzprofilen sowie an den Anforderungsprofilen 129 . Durch einen Profilvergleich, synonym Matching, können dann Unter- bzw. Überdeckungen (sog. Skill-Gaps) und Entsprechungen in den einzelnen Merkmalsausprägungen (Kompetenzarten) festgestellt
werden. Eine „Unterdeckung“ bedeutet, dass der Mitarbeiter bzgl. einer Anforderung der
Stelle nicht die erforderliche Kompetenz besitzt. Kommt es zu einer „Überdeckung“, ist der
Mitarbeiter hinsichtlich einer Anforderung der Stelle überqualifiziert und könnte – sofern mehrere Überdeckungen auftreten – effizienter im Unternehmen eingesetzt werden.
Ein derartiges Aufdecken von Unter- bzw. Überdeckungen ist möglich, wenn die in den
Profilen beschriebenen Anforderungen (Soll-Profil der Stelle) bzw. Kenntnisse und Fähigkeiten (Ist-Profil des Mitarbeiters) merkmalsgleich erfasst worden sind (vgl. Kapitel
3.2.1 – Anforderung 5). Die Summe der Über- bzw. Unterdeckungen und Entsprechungen
der einzelnen Merkmalsausprägungen je Profilvergleich bildet dann im Kontext der
Personaleinsatzplanung einen Eignungswert 130 , der die Eignung eines Mitarbeiters für eine bestimmte Stelle darstellt. Die Darstellung aller Über-, bzw. Unterdeckungen und
Entsprechungen der einzelnen Merkmalsausprägungen in einem Kompetenzprofil stellen ein
128 Vgl. Deiters; Lucas; Weber /Management flexibler Teams 1999/ 31
129 Vgl. Scholz /Personalmanagement 1993/ 342
130 der Eignungswert eij gibt Auskunft darüber, wie geeignet ein Mitarbeiter i für die Stelle j ist. Der Eignungswert
eij ergibt sich also aus der Aggregation der sich durch einen Profilvergleich ergebenen Differenzen zwischen den
Merkmalsausprägungen des Fähigkeitsprofils und des Anforderungsprofils einer bestimmten Stelle (Stelle j). Das
Eignungsprofil e ist die Zusammenstellung von n Eignungswerten eines Mitarbeiters für n Stellen und wird auch
30
sogenanntes Eignungsprofil dar. Dieses Eignungsprofil ist die informatorische Basis für eine
konkrete Zuordnung von Mitarbeitern zu Stellen im Unternehmen und ermöglicht so die
Anwendung von linearen Optimierungsverfahren wie dem Job-Assignment-Verfahren 131 . Für die Personalentwicklungsplanung ist die Profilvergleichsmethode insofern ein sinnvolles Analyseinstrument, als es sogenannte Skill-Gaps zwischen den Anforderungen einer Stelle
und den Kompetenzen, über die ein Mitarbeiter verfügt, je Kompetenzart aufzeigen kann. Im
Kontext der Personalentwicklungsplanung ergibt sich dann ein Entwicklungsbedarfsprofil 132 .
Des weiteren sollte die Personalanalyse zukunftsorientiert und gegenwartsorientiert
durchführt werden können. Über einen zukunftsorientierten Soll-Ist-Vergleich können aufgrund der ermittelten Skill-Gaps Weiterbildungsbedarfe der Mitarbeiter erkannt und
gezielte Schulungsmaßnahmen geplant werden 133 .
Wird der oben beschriebene Soll-Ist-Vergleich auf gegenwärtige geschäftliche Anforderungen basiert, erfolgt ein gegenwartsorientierter Soll-Ist-Vergleich. In diesem Fall
geben die ermittelten Skill-Gaps – wie bereits oben beschrieben – Entscheidungshilfen bzgl.
des kurzfristigen Personaleinsatzes und zeigen – sofern die entsprechenden Stellen nicht mit
anderen Mitarbeitern besetzt werden können – dringenden Weiterbildungsbedarf bzw. Personalbeschaffungsbedarf auf.
Kritisch bzgl. der Anwendung der Profilvergleichsmethode ist anzumerken, dass diese die
grundsätzliche Anforderung der Berücksichtigung der (Entwicklungs- und Karriere-)
Wünsche und Interessen der Mitarbeiter nicht erfüllt 134 . Ein Profilvergleich muss nicht nur auf Basis von Fähigkeits- und Anforderungsprofilen erfolgen, sondern noch das Bedürfnisprofil
als Eignungsvektor bzw. n-elementiges Eignungsprofil bezeichnet [Vgl. Scholz /Personalmanagement 1993/ 342f.].
131 Vgl. Heinrich; Pils /Das Aufgabensystem von Personalinformationssystemen 1979/ 17 – 19 132 Vgl. Bühner /Personalmanagement 1994/ 126f.
133 Vgl. Kreitmeier; Rady; Krauter /Potenzial von Skill-Management-Sys temen/ URL siehe Literaturverzeichnis 134 Vgl. hierzu auch Kapitel 2.3 insbesondere die Ausführungen zur „Qualitativen Personaleinsatzplanung“ auf
Seite 16
31
miteinbeziehen 135 . Hierfür wäre die Bereitstellung einer geeigneten Informationsbasis mit Anforderungs- und Fähigkeitsvektoren, sowie die eignungsmaximale Auswahl eines
zukünftigen Stelleninhabers mit Hilfe einer Entscheidungsregel oder eines
Entscheidungsmodells unter Beachtung sozialer und motivationaler Nebenbedingungen
erforderlich 136 . Diese sozialen und motivationalen Nebenbedingungen stellen die Intereressen und Entwicklungs- bzw. Karrierewünsche der Mitarbeiter dar, die
typischerweise in den Mitarbeitergesprächen erhoben werden 137 . Diese Mitarbeiter-Wünsche und -Interessen können im Rahmen des Skill-Managements in einem Bedürfnisprofil
dokumentiert werden 138 . Personalentscheidungen dürfen somit nicht allein die qualifikatorischen Aspekte, die in den Kompetenzprofilen des Skill-Management-Systems
hinterlegt sind, als Entscheidungsgrundlage verwenden, sondern müssen ebenfalls die
Intereressen und Entwicklungs- bzw. Karrierewünsche der Mitarbeiter berücksichtigen.
Daher sei hier nochmals auf Anforderung 5 in Kapitel 3.2.2 verwiesen.
Abb. 4 Darstellung der verschiedenen Profilarten in einem SMT und deren Ermittlungsmethoden
135 Vgl. Anforderung 5 in Kapitel 3.2.2
136 Vgl. Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 300
137 Vgl. Drumm /Personalwirtschaftslehre 1995/ 331
32
Abb. 4 stellt zusammenfassend die verschiedenen Profilarten eines Skill-Management-
Systems mit den für ihre Ermittlung erforderlichen Informationsbasen und deren
Ermittlungsmethoden dar. Über diese Profilarten sollte ein Skill-Management-System verfügen, damit die Personaleinsatz- und Personalentwicklungsplanung durch eine Such-
und Auswertungsfunktionalität unterstützt werden kann.
Problematisch hinsichtlich der Arbeit mit Bedürfnisprofilen ist, dass sie nicht, wie bei einem
Anforderungs- und Fähigkeitsprofil möglich, in Messwerten ausgedrückt werden können, da
diesem Vorgehen bislang ungelöste methodische Probleme entgegenstehen
(Strukturgleichheit) 139 . Somit können die Ergebnisse der Bedürfnisanalyse nur als ergänzende Entscheidungsprämissen in den Personalzuordnungs- und
Weiterbildungsprozess einfließen. Siehe bzgl. eines pragmatischen Lösungsansatzes für
eine strukturierte Darstellung der Mitarbeiter-Interessen die Ausführungen zu der Gestaltungsempfehlung 5 in Kapitel 5.1.2!
3.3.2. Such- und Auswertungsfunktionalität für den operativen Geschäftsbereich
Die Such- und Auswertungsfunktionalität des Skill-Management-Systems für den operativen
Geschäftsbereich gestaltet sich sehr ähnlich zu der Such- und Auswertungsfunktionalität für
den Bereich des Personalwesens. Da Führungskräften mit Personalverantwortung die
Aufgabe der kurzfristigen Personaleinsatzplanung zukommt 140 , müssen diese im gleichen Umfang wie die Personalverantwortlichen auf die Such- und Auswertungsfunktionalität des
Skill-Management-Systems zugreifen können. In diesem Nutzungszusammenhang gelten somit die Anforderungen aus Kapitel 3.3.1 analog und werden daher hier nicht erneut
aufgeführt.
Die Fachkräfte, die das System für den Wissenstransfer nutzen, müssen vor allem die Möglichkeit haben, über die Such- und Auswertungsfunktionalität gezielt nach
Kompetenzträgern zu suchen. Insofern besteht die Notwendigkeit, eine weitere Funktionalität
in die Such- und Auswertungsfunktionalität des Skill-Management-Systems zu integrieren:
Für die Suche nach spezifischen Kompetenzträgern müssen aus dem Kompetenzkatalog frei wählbare Kompetenzarten in die Suchmaske eingeben werden können. Ein Profilvergleich
zwischen Kompetenzprofilen und Anforderungsprofilen ist in diesem
Nutzungszusammenhang nicht notwendig.
138 Vgl. Bühner /Personalmanagement 1994/ 126
139 Vgl. Marr; Stitzel /Personalwirtschaft 1979/ 324f.
140 Vgl. hierzu in Kapitel 2.3 die Ausführungen zur „Qualitativen Personaleinsatzplanung“ auf Seite 16
33
Arbeit zitieren:
Dirk Schürholz, 2002, Skill-Management zur Unterstützung der dispositiven Aufgaben des Personalwesens - Konzeptvorschlag für einen ganzheitlichen Software-Ansatz auf Basis einer Anforderungsanalyse und einer empirischen Studie, München, GRIN Verlag GmbH
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