1. Einführung 3
2. „Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen
sein , die Lina Braake hat“ (Bernhard Sinkel 1975) 4
2. 1. Inhalt. 4
2.2. Eine Filminterpretation unter besonderer Beachtung der Verarbeitung
gesellschaftlicher Problemthemen 4
2.2.1. Sinkels Grundhaltung und Darstellung der Personen 4
2.2.2. Hauptschauplatz: Altersheim 5
2.2.4. Die„Heiminsassen“ und das Leben in der Anstalt 5
2.2.5. Stilistische Mittel 6
2.2.6. Der Anzug als Zeichen des gesellschaftlichen Gegners 7
2.2.7. Aufstand der Alten und Schwachen 7
2.2.8. Sinkels Plädoyer 7
2.2.9. Diskussion: Wird die Sozialkritik des Films durch übermäßige Betonung
der Unterhaltungselemente verwässert? 8
3. „Das Brot des Bäckers“ (Erwin Keusch 1976) 8
3.1 Inhalt 8
3.2. Eine Filminterpretation unter besonderer Beachtung der Verarbeitung
gesellschaftlicher Problemthemen 10
3.2.1. „Illusion des Fortschritts“ 11
3.2.2. Schauspieler als zentrales Element 11
3.2.3. Entfremdung des Handwerks 12
3.2.4. Die Kleidung der Personen. 13
3.2.5. Veränderte Arbeitswelt des Bäckers 14
3.2.6. Keuschs Kernaussage 14
4. Von der List Lina Braakes zum Brot des Bäckers: Parallelen und
Unterschiede. 15
4.1.2. Hoffnungslosigkeit und Widerstand 15
4.1.3. Gleiche Kernthematik. 16
5. Resümee. 17
Literaturverzeichnis 18
2
1. Einführung
„Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat“ und „Das Brot des Bäckers“ : Zwei Filme, die Mitte der siebziger Jahre entstanden sind und sich beide der Zielsetzung verpflichtet haben, Sozialkritik mit Unterhaltung zu verbinden. Ein Anspruch mit dem sie damals (gemessen an ihrem Erfolg an Kinokasse und auf Preisverleihungen) den Nerv der Zeit trafen. 1 Beide Werke verbindet darüber hinaus, dass sie sich als „`Lehrfilme´ über deutsche kapitalistische Zustände“ 2 bezeichnen lasen. In dem Referat zum Sitzungsthema „Soziale Realitäten und Utopien“ am 11. Dezember 2003 wurde nur „Lina Braake“ besprochen. Die Inhaltsangabe fällt daher bei dem zuvor nicht behandelten Film „Das Brot des Bäckers“ etwas ausführlicher, bei „Lina Braake“ dagegen etwas knapper aus. Hauptaugenmerk der Interpretationen beider Werke in der vorliegenden Referatsausarbeitung liegt auf der Art und Weise, wie die Regisseure Bernhard Sinkel und Erwin Keusch gesellschaftliche Probleme verarbeiten und welche Denkanstöße sie dem Publikum zu vermitteln versuchen. Die Filmanalysen (Kapitel 2.2. und 3.2.) sind zur besseren Übersichtlichkeit über die verschiedenen Aspekte des jeweiligen Films in knappe Teilüberschriften gegliedert. Die Diskussion in der Sitzung endete mit der Fragestellung, inwieweit die anfängliche Gesellschaftskritik in „Lina Braake“ im weiteren Verlauf des Films durch zunehmende
Unterhaltungselemente geschmälert wird (vgl. 2.2.9.). In Kapitel 4. Von der List Lina Braakes zum Brot des Bäckers untersuche ich wesentliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Filme in ihrer sozialen Thematik und der Herangehensweise der Regisseure und ziehe abschließend ein kurzes Resümee (5.).
Schwierigkeiten ergaben sich bei der Suche nach Sekundärliteratur. Selbst die im Literaturverzeichnis angegebenen, wenigen Quellen widmen sich den beiden Filmen meist nur in einem kurzen Abschnitt. Die Ausarbeitung enthält daher entsprechend wenig Fußnotenverweise. Als hilfreich erwiesen sich zwei Filmkritiken des Magazins Der Spiegel aus den Jahren 1975 und 1977, die in ihrer knappen Analyse der Werke weiter reichten, als ein Großteil der Sekundärliteratur.
1 Vgl. Fischer, Robert; Nembus, Joe: Der Neue Deutsche Film (1969-1980). München 1981. S. 107, S. 125-126.
2 Pflaum, Hans Günther; Prinzler, Helmut: Film in der Bundesrepublik Deutschland. Bonn 1992. S.90.
3
2. „Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die
Interessen sein, die Lina Braake hat“ (Bernhard Sinkel 1975)
Buch und Regie: Bernhard Sinkel Darsteller: Lina Carstens (Lina Braake), Fritz Rasp (Gustav Härtlein), Herbert Bötticher (Körner), Benno Hoffmann (Lawlonski), Rainer Basedow (Fink) Kamera: Alf Brustellin Musik: Joe Haider Ausstattung: Nikos Peraikis Produktion: Bernhard Sinkel Filmproduktion / WDR Länge: 85 Minuten
2. 1. Inhalt
Der 1975 uraufgeführte Spielfilm „Lina Braake“ erzählt die Geschichte einer aufgeweckten, alten Dame, die von einer Bank um ihr Wohnrecht gebracht wird und sich auf listige Weise rächt. Die 81jährige Lina Braake, eine „rüstige Rentnerin“, hat von ihrem Vermieter lebenslanges Wohnrecht zugesprochen bekommen. Doch dieser stirbt und der neue Besitzer, eine Bank, schiebt Lina Braake gegen ihren Willen in ein Altersheim ab. Die sympathische alte Dame kann sich dort nicht einleben. Sie wird schwächer und depressiver bis sie durch die Freundschaft mit Lawlonski, dem Hausmeister des Heims, und Dr. Gustav Härtlein, 84, ebenfalls „Heiminsasse“ neuen Mut bekommt. Härtlein, ein ehemaliger Finanzberater und Branchenkenner, entwickelt zusammen mit Lina Braake einen Plan, um sich an Linas Bank zu rächen. Sie erschwindelt sich Kreditwürdigkeit, nimmt 20.000DM Schulden und kauft davon im Namen ihres befreundeten italienischen Gastarbeiters Falcone ein Haus in Sardinien. Falcones Familie sichert der alten Dame lebenslanges Wohnrecht zu. Der Betrug währt nicht lange und die Rentnerin wird von der italienischen Polizei festgenommen. Sie wird zwar entmündigt, geht allerdings wegen ihres hohen Alters straffrei aus und weiß, dass sie gewonnen hat: Denn die Bank kann das Geld weder von ihr noch von den Falcones zurückverlangen.
2.2. Eine Filminterpretation unter besonderer Beachtung der
Verarbeitung gesellschaftlicher Problemthemen
Bernhard Sinkels gesellschaftskritische Komödie thematisiert die inhumanen Methoden der Bankenbranche und den abwertenden Umgang der Gesellschaft mit alten Menschen, vor allem aber stellt „Lina Braake“ ein Plädoyer für Würde und Selbstbewusstsein dar.
2.2.1. Sinkels Grundhaltung und Darstellung der Personen
Sinkel orientiert sich in seiner Inszenierung nicht an einer möglichst realen Darstellung gesellschaftlicher Missstände, sondern vielmehr daran, eine
4
unterhaltsame Parodie der Wirklichkeit zu erzeugen. Abgesehen von den beiden Hauptcharakteren Braake und Härtlein gleichen die übrigen Figuren wie der Heimleiter Körner, die grotesken Alten, der Hausmeister Jawlonski oder der Antiquitätenverkäufer Fink eher einer Karikatur. Dagegen wird die Protagonistin liebevoll mit ihren Ecken und Kanten gezeigt. Zu Beginn des Films zeigt sie beispielsweise dem Bankier, der ihr den Gebäudeabriss verkündet, offen ihren Zorn: „Das ist Betrug!“. Dem Heimleiter Körner z eigt sie ihre Abneigung durch den trockenen Kommentar: „Sie brauchen nicht so laut sprechen.“ Und nachdem der aufwendig geplante Coup funktioniert hat, gibt die sonst eher reservierte Braake ihrem Komplizen Härtlein vor Freude einen Kuss auf die Wange.
Sinkel versteht es, Mitgefühl für seine Heldin zu erwecken: Die sympathische Hauptfigur wird nicht nur aus Profitgier einer Bank ihrer Wohnung entledigt, sondern muss dann noch an den menschenunwürdigen Zuständen im Pflegeheim leiden. Der spätere Kreditbetrug wird also vor allem durch die Gewogenheit des Zuschauers gegenüber Braake und dem daraus resultierenden, uneingeschränkten Verständnis für ihre Rache an dem „hinterhältigen“ Wohnrechtsentzug getragen. Die prinzipiell unrechtmäßige Hintergehung der Bank wird so über die Identifikation mit der Heldin im persönlichen Rechtsempfinden des Rezipienten legitimiert. Die Vorgehensweise Braake als Charakter auszugestalten und ansonsten überwiegend karikierte Figuren zu zeigen, hebt die Individualität, den Eigensinn und die starke Persönlichkeit Lina Braakes besonders hervor.
2.2.2. Hauptschauplatz: Altersheim
Schauplatz der Handlung ist größenteils ein marodes Altersheim, das unter Leitung des unbeholfenen Heimleiters Körner steht. Die malerische Lage der Pflegeanstalt auf einer Anhöhe hebt hervor, dass sich das, was innerhalb der Mauern geschieht, gleichsam abgehoben von der Wirklichkeit vollzieht. Ähnlich dem Sanatorium in Thomas Manns Roman „ Der Zauberberg“ findet man auch hier eine für die meisten Alten hermetisch abgeriegelte Welt mit eigenen Gesetzen vor. Außerdem wird hiermit metaphorisch der gesellschaftliche Ausschluss der Alten, die Verbannung in einen kontrollierten, abgeschlossenen Raum akzentuiert.
2.2.4. Die„Heiminsassen“ und das Leben in der Anstalt
Die „Heiminsassen“ bestehen aus skurrilen Zeitgenossen wie etwa einem grotesken alten Zwillingspaar, das kurz nach Lina Braakes Einzug in deren Zimmer das
5
Arbeit zitieren:
Julian Amershi, 2004, Filmanalyse: Bernhard Sinkels "Lina Braake" (1975) und Erwin Keuschs "Das Brot des Bäckers" (1976), München, GRIN Verlag GmbH
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