Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionsversuch des Begriffs Supervision
3. Die Entstehung von Supervision
4. Die Notwendigkeit von Supervision
5. Ziele der Supervision
6. Der Supervisor
7. Rahmenbedingungen einer Supervision
8. Der Ablauf eines Supervisionsprozesses
8.1 Vorbereitung
8.2 Falldarstellung / Problembeschreibung
8.3 Interview
8.4 Gruppenfeedback
8.5 Problemanalyse und Hypothesenbildung
8.6 Strategieplanung
8.7 Rückmeldung
8.8 Umsetzung und Kontrolle
8.9 Variation: Ein Phasenmodell der Gestaltberatung
8.9.1 Orientierungsphase
8.9.2 Bestandsaufnahme
8.9.3 Bedeutung
8.9.4 Perspektiven
8.10 Variation: Das reflektierende Team
9. Methoden der Supervision
9.1 Methoden auf der akustische-verbalen Ebene
9.1.1 Das Blitzlicht
9.1.2 Der kontrollierte Dialog
9.1.3 Die Kunst des hilfreichen Fragens
9.1.4 Die Arbeit am Selbstkonzept und an überdauernden Einstellungen
9.1.5 Fragen zum Selbstschutz
9.1.6 Phantasiereisen
9.1.7 Rollenspiele
9.1.7.1 Variation: Rollenspiel mit leerem Stuhl
9.1.7.2 Variation: Rollentausch
9.2 Methoden auf der visuellen Ebene
9.2.1 Die System-Struktur-Zeichnung
9.2.2 Das Soziogramm
9.2.3 Das Rollenhutmodell
9.3 Methoden auf der kinästhetischen Ebene
9.3.1 Die Motorinspektion
9.3.2 Die Skulpturarbeit
9.3.3 Die Symbolisierung von Lehrer-Eltern-Grenzen mit Seilen
2
10. Probleme und Widerstände in der Supervisionsarbeit
10.1 Der Umgang mit dominantem Sprechverhalten
10.2 Mangelndes Vertrauen in die Gruppe
11. Themenzentrierte Interaktion in der kollegialen Lehrersupervision
12. Zusammenfassung
13. Literaturangaben
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1. Einleitung
Lehrer und vor allem auch Beratungslehrer sind im Alltag erheblichen Belastungen ausgesetzt. Probleme mit bestimmten Schülern oder Klassen, Vorwürfe von Elternseite, der nachvollzogene Leidensdruck von Klienten, Konflikte im Kollegium und ähnliche Dinge können die Bewältigung des Alltags erschweren und sogar zum burn-out führen. Supervision als Spezialform der Beratung soll dazu beitragen, im Austausch mit Kollegen durch die Reflexion der Praxis auftretende Probleme zu verstehen, alternative Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten und damit die Bewältigung des Berufsalltags zu erleichtern und einem burn-out vorzubeugen.
Meine folgenden Ausführungen beginnen aus Gründen der besseren Verständlichkeit mit einem Definitionsversuch des Begriffs Supervision, woran sich deren Entstehungsgeschichte anschließt. Die Beschreibung der Notwendigkeit von Supervision sowie damit angestrebte Ziele sollen den Nutzen von Supervision weiter verdeutlichen.
Im Anschluss daran möchte ich die Tätigkeit eines professionellen Supervisors sowie Vorteile und Nachteile, die aus der Arbeit mit einem solchen entstehen können, beschreiben. Da Supervisoren jedoch kaum verfügbar sind und es daher realistischer ist, von einer Arbeit ohne Supervisor auszugehen, beziehen sich meine folgenden Darstellungen vorwiegend auf Supervisionsgruppen, die ohne Supervisoren arbeiten.
Danach möchte ich die Rahmenbedingungen erläutern, die eingehalten werden sollten, wenn man einen erfolgreichen Supervisionsprozess anstrebt.
Auch verschiedene Phasenmodelle in Bezug auf den Ablauf von Supervisionen möchte ich beschreiben.
Daran schließt sich die Darstellung verschiedener konkreter Methoden an, die während der Supervision angewendet werden können.
Natürlich muss auch berücksichtigt werden, dass Supervisionen nicht immer unproblematisch ablaufen. Daher finden auch mögliche Probleme sowie Widerstände der Teilnehmer in meiner Arbeit Berücksichtigung.
Den Abschluss bildet die Übertragung der themenzentrierten Interaktion auf Supervisionsgruppen.
4
2. Definitionsversuch des Begriffs Supervision
Zunächst soll ein Definitionsversuch des Begriffs Supervision dazu beitragen, zu einem grundlegenden Verständnis zu gelangen.
Der Begriff stammt aus dem englischen Sprachraum und kann nur schwer übersetzt werden. In der Fachliteratur werden meist die Begriffe „Praxisanleitung“ oder „Praxisberatung“ verwendet. In diesem Sinne werden in der beruflichen Praxis entstandene Probleme aufgearbeitet. Dies kann mit Hilfe eines Supervisors geschehen, der entweder Einzelpersonen oder üblicherweise Gruppen bei der Aufarbeitung von Problemen zur Seite steht. 1 Supervision ist daher eine Beratung für ein spezielles Berufsfeld, aus dem alle Gruppenmitglieder stammen. Eine solche Supervisionsgruppe besteht meist über einen längeren Zeitraum und basiert auf Freiwilligkeit und Vertrauen.
Nach Neuschäfer ist Supervision „ein auf Dauer angelegter Lernprozess,...der den Supervisanden mit den Ergebnissen seines gegenwärtigen Handelns und seinen alternativen konfrontiert.“ 2 Handlungsentwürfen Die Reflexion des Handelns sowie
Verbesserungsmöglichkeiten stehen daher im Mittelpunkt des Prozesses. In sozialen Berufsfeldern sowie in Industrie und Wirtschaft ist Supervision bereits ein wichtiger Bestandteil, wohingegen die Verbreitung im schulischen Bereich noch relativ gering ist. Dass es aber auch in der Schule sinnvoll ist, Supervision einzusetzen und welcher Nutzen daraus gezogen werden kann, soll an späterer Stelle erläutert werden. Es lassen sich verschiedene Formen der Supervision unterscheiden. Zum einen kann die Einzelsupervision von der Gruppensupervision unterschieden werden. In der Einzelsupervision stehen die Anliegen einer Einzelperson im Mittelpunkt, die mit einem Supervisor besprochen werden. Meine folgenden Ausführungen beziehen sich allerdings auf die Gruppensupervision, bei der mehrere Personen, die „aus dem gleichen Berufsfeld“ 3 stammen und einer ähnlichen Hierarchieebene angehören, Probleme des beruflichen Alltags bearbeiten. Falls diese Personen auch im Alltag zusammenarbeiten, spricht man von Teamsupervision.
1 Vgl. Bachmair, Sabine u.a., 1982: Beraten will gelernt sein. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
2 Kliebisch, Udo W., 1995: Beraten kann man lernen. Essen: Wingen Verlag, 144.
3 Thiel, Heinz-Ulrich, 2003: Supervision und Coaching als berufsbezogene Unterstützungsformen. In: Krause,
Christina u.a., 2003: Pädagogische Beratung. Paderborn: Ferdinand Schöningh Verlag, 317.
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Eine erst vor kurzem entstandene Form der Supervision ist die Organisationssupervision. Hierbei wird „die Eigendynamik von Organisationen“ 4 und der Einfluss, den diese auf die berufliche Arbeit haben, mitreflektiert.
Eine weitere Form ist die kollegiale Supervision, auch „kollegiale Fallbesprechung“, „kollegiale Beratung“, „Intervision“, „Peer-Supervision“ oder „kooperative Beratung“ 5 genannt, die sich dadurch auszeichnet, dass kein Supervisor zur Leitung zur Verfügung steht. Die einzelnen Gruppenmitglieder sind vielmehr gleichberechtigt. In der Sozialarbeit und vor allem unter Lehrern ist diese Beratungsform am weitesten verbreitet.
3. Die Entstehung von Supervision
In der Geschichte der Supervision lassen sich Bedeutungsverschiebungen feststellen, Supervision hatte demnach „verschiedene Aufgaben und Funktionen zu erfüllen.“ 6 Die historischen Wurzeln der Supervision können im kirchlichen Bereich gesehen werden, wobei so genannte Superioren Visitationen von Klosterniederlassungen durchführten. Dies erfüllte den Zweck der Aufsicht und Kontrolle.
Eine weitere Wurzel d er Supervision kann in der Sozialarbeit im Amerika des 19. Jahrhunderts gesehen werden, wobei ein Supervisor Laienhelfer auf ihre Tätigkeit vorbereite. Im Mittelpunkt stand hierbei die Qualitätssicherung der Arbeit. Im Zusammenhang mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds lässt sich eine Bedeutungsverschiebung von Supervision feststellen. In diesem Bereich eingesetzte Supervisoren fokussierten nicht mehr in erster Linie das beurteilende, sondern das beratende Element. Wichtig war es hier, dass sich die Supervisanden durch den Supervisionsprozess weiterqualifizierten.
In den sechziger Jahren erfuhr die vor allem im Bereich der Sozialarbeit eingesetzte Supervision weitere Veränderungen. So traten in Bezug auf die Supervisanden „Kommunikation und Emanzipation als Ziele“ 7 stärker in den Vordergrund. Supervision sollte „von professionellen und institutionellen Abhängigkeiten befreien“ 8 und für den Alltag stark machen.
4 Ebd.
5 Ebd., 319.
6 Denner, Liselotte, 2000: Gruppenberatung für Lehrer und Lehrerinnen. Eine empirische Untersuchung zur
Wirkung schulinterner Supervision und Fallbesprechung. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 92.
7 Ebd., 93.
8 Ebd.
6
Zwischen 1980 und 1995 wurde Supervision dahingehend erweitert, dass sie auch in Schule, Verwaltung u nd Wirtschaft zum Einsatz kam, war sie doch bislang vorwiegend im „sozialen, therapeutischen und medizinischen Bereich“ 9 zu finden gewesen. Daraus folgte auch die Erkenntnis, dass Organisation und Institution eine wichtige Rolle im Supervisionsprozess spielen. In diesem Zeitraum sind ferner die Anfänge einer Professionalisierung von Supervision zu erkennen, genauso wie eine zunehmende Methodenvielfalt.
Insgesamt kann man von einer Generalisierung des Begriffs Supervision sprechen, sie kann nun allgemein als „Mittel zur Reflexion beruflichen Handelns“ 10 beschrieben werden. In jüngster Zeit lassen sich mehrere Strömungen auf dem Gebiet der Supervision feststellen. Zum einen gewinnt sie als professionelle Dienstleistung an Bedeutung. Zum anderen soll durch empirische Forschungen ein bislang noch fehlender Wirksamkeitsnachweis der Supervision erbracht werden. Der wissenschaftliche Diskurs sowie die Theorieentwicklung konnten bislang allerdings noch nicht ausreichend vorangetrieben werden.
4. Die Notwendigkeit von Supervision
Man mag sich nun vielleicht fragen, warum Personen, die eine Beratungstätigkeit ausüben und daher zeitlich meist seht ausgelastet sind, sich zusätzlich durch die Teilnahme an einer Supervisionsgruppe belasten sollten. Daher soll im folgenden erläutert werden, warum solche Gruppen von großem Nutzen sind.
Zunächst einmal muss erwähnt werden, dass es für jeden Berater essentiell wichtig ist, ständig dazuzulernen und neuen Dingen offen gegenüberzutreten. Vor allem im schulischen Bereich, wo immer wieder Innovationen durchgeführt werden, ist dies sehr wichtig. 11 Des weiteren muss angemerkt werden, dass Berater unter hoher emotionaler Belastung stehen. Diese wird zum einen durch die Probleme von Klienten erzeugt, mit denen man als Berater ständig konfrontiert ist und zum anderen durch die partnerzentrierte Gesprächsführung, deren Grundgedanke es ist, sich selbst zurückzunehmen und den Klienten in den Vordergrund treten zu lassen. Dies macht es nötig, Gegenregulationen durchzuführen. Beispiele hierfür sind Gespräche mit Kollegen und noch besser die Teilnahme an einer
9 Ebd., 94.
10 Ebd.
11 Vgl. Bachmair, Sabine u.a., 1982.
7
Supervisionsgruppe. Supervision stellt daher eine „Möglichkeit zur Weiterbildung und Reflexion“ 12 dar.
Lernprozesse in Supervisionsgruppen beginnen meist damit, dass Interaktionen, die sich in der beruflichen Praxis ereignet haben, nochmals aufgeführt werden. Daraufhin versucht die Gruppe gemeinsam, dies zu verstehen und zu hinterfragen. Dies ermöglicht dem Supervisanden sowohl neue Sichtweisen als auch das Erkennen neuer Zusammenhänge, wodurch sich meist neue Handlungsalternativen herauskristallisieren. Während eines solchen Prozesses können sich die Gruppenmitglieder in verschiedene Richtungen weiterentwickeln. Dies betrifft sowohl den Erwerb von Wissen als auch persönliche Entfaltung und den Zuwachs an sozialer Kompetenz.
Zunächst möchte ich beschreiben, wie der Erwerb von Wissen vor sich geht. Durch den Austausch mit Kollegen können zum einen Kenntnisse und Erfahrungen weitergegeben werden. Ferner eröffnen sich durch die Diskussion unterschiedlicher Sichtweisen verschiedene Wahrnehmungsmöglichkeiten. Natürlich können während der
Gruppengespräche auch die rhetorischen Fähigkeiten verbessert werden. In Bezug auf die persönliche Entfaltung lässt sich anführen, dass die Teilnehmer erfahren, welche Wirkung sie auf andere haben. Diese Selbsterkenntnis kann sicherlich stellenweise schmerzhaft sein. Allerdings bewirkt dies, dass man „seine Identität als Person bzw. als Berater in neuem Licht“ 13 sieht, was echteres Handeln zur Folge hat. Eine verbesserte Sozialkompetenz kann dadurch erworben werden, dass auch der Umgang der Gruppenmitglieder untereinander, ihre zwischenmenschliche Beziehungen, zum Gegenstand von Supervisionssitzungen gemacht werden kann. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass in der Tiefenpsychologie angenommen wird, dass die Lebensgeschichte eines Menschen eine stark prägende Wirkung hat. Dies hat zur Folge, dass Erfahrungen aus der Vergangenheit unbewusst in gegenwärtige Beziehungen übertragen werden. In der Supervisionsgruppe ist es möglich, diese dem Bewusstsein zugänglich zu machen und damit sein eigenes Verhalten besser verstehen zu können. 14
12 Ebd., 123.
13 Ebd., 125.
14 Vgl.ebd.
8
5. Ziele der Supervision
Mit der Arbeit in Supervisionsgruppen sollen verschiedene Ziele erreicht werden. Hierzu gehört zum einen die Schärfung der Wahrnehmung. In diesem Zusammenhang soll die Sensibilität der Gruppenmitglieder erhöht werden. Auf der Ebene der Bedeutung ist es ein wichtiges Ziel, verschiedene Bedeutungsgebungen herauszuarbeiten und eventuell bestehende gegebenenfalls umzuarbeiten. Auch in Bezug auf innere Einstellungen sollen positive Veränderungen erzielt werden. Ferner ist es wichtig, mit negativen Gefühlszuständen umzugehen und diese zu verringern. In Bezug auf das Handeln und Verhalten strebt die Arbeit in Sup ervisionsgruppen eine „Erweiterung des Verhaltensrepertoires“ 15 an. Zum einen sollen alternative Handlungsstrategien erprobt und zum anderen die „Interaktion und Kommunikation“ 16 verbessert werden. Abschließend kann man sagen, dass sich durch den „Ausbruch aus der Vereinzelung des Lehrerberufs“ 17 vielfältige Chancen zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung auftun. Indem Hilfestellungen zur Bewältigung des Alltags gegeben werden, wird es möglich, zum einen die eigene berufliche Identität zu klären und in diesem Zusammenhang die berufliche Handlungskompetenz zu verbessern. Zum anderen können psycho-hygienische Entlastungen erfolgen.
6. Der Supervisor
Ein Supervisor ist ein professioneller Berater, der im Supervisionsprozess die Rolle eines Initiators und Faciliators einnimmt. Er ist in Supervisionsgruppen dafür zuständig, Interaktionsprozesse einzuleiten und bei deren Aufarbeitung zu helfen. Sehr wichtig ist es, dass ein Supervisor die Eigenschaften des Beratungssystems kennt, zu dem die Mitglieder der Supervisionsgruppe gehören. Er sollte sich mit der betreffenden Institution, beispielsweise der Schule, auskennen und möglichst selbst Erfahrungen in diesem Bereich haben. Dies wird als Feldkenntnis bezeichnet.
Dies ist zum einen deshalb nötig, weil sonst eine Glaubwürdigkeit gegenüber den Mitgliedern der Supervisionsgruppe nicht gewährleistet sein kann. Außerdem ist es für den erfolgreichen
15 Ehinger, Wolfgang, Hennig, Claudius, 1994: Praxis der Lehrersupervision. Leitfaden für Lehrergruppen mit
und ohne Supervisor. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, 55.
16 Ebd.
17 Ebd., 110.
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Julia Bitzer, 2004, Lehrersupervision - Supervision als Spezialform der Beratung, München, GRIN Verlag GmbH
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