Motive und Probleme freiwilliger Publizität von Finanzinformationen II
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Problemstellung. 1
2 Publikation von Finanzinformationen 2
2.1 Abgrenzung der Publizität im Kontext der Offenlegung. 2
2.2 Motive freiwilliger Publizität. 3
2.3 Die Bedeutung skeptischer Erwartungen. 4
2.4 Publizitätskosten als Motiv für den teilweisen Informationsausweis. 5
3 Ausweisverhalten in Konkurrenzsituationen. 6
3.1 Änderung der Rahmenbedingung durch Konkurrenzsituationen 6
3.2 Ausweisverhalten unter latenter Konkurrenz 7
3.3 Ausweisverhalten bei bestehender Konkurrenz. 9
3.4 Kapitalbedarf bei bestehender Konkurrenz 11
4 Beurteilung der Modelle. 13
4.1 Theoretische und methodische Kritik 13
4.2 Empirische Beobachtungen 15
5 Zusammenfassung und Ausblick. 16
6 Literaturverzeichnis 18
Motive und Probleme freiwilliger Publizität von Finanzinformationen III Symbolverzeichnis
α Anteil an einem Unternehmen β Prohibitivpreis eines Marktes γ ⋅ ( ) Eintrittsstrategie eines Konkurrenten π Verteilung des unbeobachtbaren Unternehmenswertes (Zufallsvariable) Ψ Informationsmenge eines Subjektes zum Zeitpunkt t
t ⋅ , Stückkosten der Produktion c k Direkte Kosten der Publizität bzw. durch den Markteintritt eines Konkurrenten verursachte Kosten m ⋅ ( ) Ausweisstrategie des Unternehmens p Preis eines Gutes Zeitpunkt t
Produktionsmenge eines Unternehmens x ⋅
y Werthaltige Information (Realisation einer Zufallsvariable) Menge aller auszuweisenden Informationen (Ausweisbereich) D
Aufzunehmender Eigenkapitalbetrag EK Kosten des Markteintritts K N Menge aller nicht auszuweisenden Informationen (Nichtausweisbereich) Marktwert des Unternehmens P
Verteilung einer werthaltigen Information (Zufallsvariable) Y ( , ) Y Unif a b Gleichverteilte Zufallsvariable im Intervall [a,b] ∂ Partielle Ableitung der Funktion y nach x y
∂ x E ⋅ [ ] Erwartungswert-Operator E ⋅ ⋅ [ | ] bedingter Erwartungswert-Operator
Motive und Probleme freiwilliger Publizität von Finanzinformationen 1
1 Einführung und Problemstellung
Die Offenlegung von Informationen, die Aufschluss über Chancen und Risiken von Unternehmen geben, spielt eine zentrale Rolle im Rechnungswesen. Dazu zählt nicht nur die rechtlich festgelegte, sondern auch die darüber hinaus gehende freiwillige Offenlegung von Informationen. 1 Interesse an Informationen besteht bei
Bilanzadressaten als auch bei Management und Eigentümern. Geprägt durch die eher gläubigerorientierten HGB-Bilanzierungsvorschriften besteht in vielen deutschen Unternehmen in Bezug auf die Kommunikation mit der Öffentlichkeit ein Minimalprinzip. 2
Eine langsame Öffnung der Kommunikationsstrategie von Unternehmen mit der interessierten Öffentlichkeit ist maßgeblich auf drei, eng miteinander verbundene, internationale Entwicklungen zurückzuführen: die Anerkennung der befreienden Wirkung bestimmter internationaler Konzernabschlüsse, 3 die Internationalisierung der Kapitalmärkte 4 und die erhöhten aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Die bei-
den erstgenannten Gründe ermöglichen den Unternehmen, durch unwesentlich mehr Aufwand ihre Wettbewerbsposition auf dem Kapitalmarkt zu verbessern. Voraussetzung ist dafür die freiwillige Einhaltung internationaler Rechnungslegungssysteme, die i.d.R. mit erweiterten Offenlegungspflichten verbunden sind. 5
Ein Zwang zur erweiterten Offenlegung folgt aus den jüngsten Gesetzesnovellen und nationalen Umsetzungen internationaler Vereinbarungen. 6 Von steigender Bedeutung sind auch qualitative Informationen. 7
Die genannten Aspekte verdeutlichen, dass es sinnvoll ist, eine positive Theorie der Offenlegung zu entwickeln und mit ökonomischen Modellen die Konsequenzen der Offenlegungsaktivitäten aufzuzeigen. 8 Ein wesentlicher Erkenntnisanteil kann da-
bei aus der Literatur gezogen werden, die mit spieltheoretischen Ansätzen das Verhalten von Kapitalmarktteilnehmern zu erklären versucht. 9 Grundlage dieser Erklä-
rungsansätze in der Princial-Agent-Theorie sind rationale Kapitalmarktteilnehmer, die in einer asymmetrischen Informationsverteilung ihre Entscheidungen unter Be-
1 Vgl.Verrecchia (2001) 1.
2 Vgl. Ewert/Wagenhofer (2003) 284 ff..
3 Vgl. § 291 HGB.
4 Vgl. Ewert/Wagenhofer (2003) 282.
5 Vgl. Ewert/Wagenhofer (2003) 284.
6 Vgl. §§325ff. HGB und §15 WpHG. Darüber hinaus existieren branchenspezifisch weit reichende
Mindestanforderungen für die Offenlegung, zum Beispiel im Kreditwesen durch die dritte Säule der
Internationalen Konvergenz der Eigenkapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen („Basel II“)
und deren nationale Umsetzungen in der Solvabilitätsverordnung, im Kreditwesengesetz und durch
die Mindestanforderungen an das Risikomanagement der Kreditinstitute („MaRisk“).
7 So sind nach dem derzeitigen Konsultationsstand der MaRisk die Geschäftsstrategie eines Kredit-
instituts mit dem obersten Gremium zu erörtern und Teile daraus zu veröffentlichen.
8 Vgl. Verrecchia (2001) 98.
9 Vgl. Rasmusen (2001) 162 f..
Motive und Probleme freiwilliger Publizität von Finanzinformationen 2
rücksichtigung der Erwartungen über das Verhalten des Gegenspielers fällen. Als typisches Beispiel einer asymmetrischen Informationsverteilung kann der natürlich entstehende Informationsvorsprung des Managements (Agent) gegenüber den Unternehmenseigentümern (Principal) angesehen werden. Diese Arbeit analysiert das Ausweisverhalten unter verschiedenen Aspekten in einer Konkurrenzsituation. Abschnitt 2 definiert die Publizität und diskutiert die Motive zur freiwilligen Offenlegung von Informationen. Zum besseren Verständnis werden an einem einfachen Modell die elementaren Begriffe des common knowledge, skeptischer Erwartungen und das unraveling-Prinzip vorgestellt. Abschnitt 3 beschäftigt sich mit den Auswirkungen verschiedener Wettbewerbssituationen auf die Ausweisstrategie. 10 Abschnitt 4 analysiert die Modelle anhand wesentlicher
empirischer und theoretischer Aspekte. Abschnitt 5 fasst die Ergebnisse zusammen und gibt Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
2 Publikation von Finanzinformationen
2.1 Abgrenzung der Publizität im Kontext der Offenlegung Der Begriff Publizität beschreibt die Veröffentlichung bestimmter unternehmensbezogener Daten. 11 Der artverwandte Begriff der „Offenlegung“, wie er durch den Gesetzgeber oder regulierende Behörden verwendet wird, kann als Oberbegriff zur Publizität verstanden werden. In diesem Fall ist zwischen der adressatenbezogenen Offenlegung, die durch Mindestvorschriften gesetzgebender Einheiten und Regulierungsbehörden reglementiert ist, und der freiwilligen Offenlegung (=Publizität), die an keinen bestimmten Adressaten gerichtet ist, zu unterscheiden. 12 Diese Abgrenzung ist nicht überschneidungsfrei, vielmehr bleiben durch das bewusste Setzen von Mindeststandards Interpretations- und Entscheidungsspielräume, die durch Publizität gefüllt werden. 13 In dieser Arbeit erfolgt die Einschränkung des Publizitätsbegriffs auf Daten im Rahmen der Finanzberichterstattung. 14 Die Ausübung der Publizität kann durch Nutzung zusätzlicher Informationsmedien, durch Bekanntgabe von Zusatzinformationen oder durch Ausnutzung oben beschriebener Entscheidungsspielräume erfolgen.
10 Auf die Details der analytischen Gleichgewichtsermittlung wird zugunsten der ökonomischen
Interpretation und Sensitivitätsanalysen verzichtet. Bei den Gleichgewichten handelt es sich um
sequentielle Gleichgewichte, deren Ermittlung beispielsweise in Darrough/Stoughton (1990) 226 f.
beschrieben wird.
11 Vgl. Ewert/Wagenhofer (2003) 281.
12 Vgl. Rückle/Klatte (1989) 195.
13 Zur Vermeidung unselektierter Informationsveröffentlichung werden im Kontext der Internatio-
nalen Konvergenz über die Risikomessung und Eigenkapitalunterlegung („Basel II“) die Wesent-
lichkeit der Information hervorgehoben und ein so genannter Nutzertest zu deren Beurteilung vor-
geschlagen. Darüber hinaus existieren Schutzklauseln hinsichtlich sensibler Informationen (vgl. §§
725 ff.).
14 Vgl. Ewert/Wagenhofer (2003) 281.
Motive und Probleme freiwilliger Publizität von Finanzinformationen 3
2.2 Motive freiwilliger Publizität
Unabhängig von der Frage, ob eine Theorie der Publizität bereits existiert, 15 gehören zur Entwicklung einer solchen Theorie die Motive und Anreize (Nutzen), die den Beteiligten durch Publikation (oder Nichtpublikation) entstehen. Elliot/Jacobsen (1994) differenzieren die Anreize aus der Sicht der Kapitalmarktbeteiligten, d.h. das Unternehmen (Eigentümer und Angestellte), den Kapitalmarkt (In-vestoren) und die regulierenden staatlichen Einheiten („national interest“). 16 Betrachtet man die zahlreichen Studien, die sich mit dem Thema Publizität auseinander setzen, scheint eine differenzierte Betrachtung von Motiven für Unternehmenseigner und Management sinnvoll zu sein, da zwischen diesen beiden Parteien zusätzliche Interessenskonflikte entstehen können. Die durch den Informationsvorsprung entstehenden Spannungen zwischen Management und Unternehmenseigentümern können zu nicht vertragsgerechtem Verhalten der Beteiligten führen (mo- ralhazard). Diese Anreize sind Grundlage zahlreicher spieltheoretischer Verhaltensanalysen in der Principal-Agent-Theorie. 17
Healy/Palepu (2001) führen sechs Hypothesen zu den Motiven der Publikation (aus Unternehmenssicht) an, die im Folgenden skizziert und nach spieltheoretischen Aspekten klassifiziert werden. Auf die Spiele zwischen Management und Unternehmenseigentümern soll nicht tiefer eingegangen werden, zu diesen Publikationsmotiven zählen die Corporate-Governance-Hypothese (Rechtfertigung unterdurchschnittlicher Unternehmensentwicklungen), die Entlohnungshypothese (zielgerichtete Steuerung anteilsbasierter Entlohnungssysteme), die Prozesskostenhypothese (Vermeidung von Prozesslasten) und die Signalhypothese (Bekanntgabe der Managementqualitäten). 18 Zu den originären Spielen zwischen Unternehmenseigentümern und Kapitalmarkt gehören die Kapitalmarkttransaktionshypothese und die Informationskostenhypothese. Die Kapitalmarkttransaktionshypothese sieht die Verminderung von Informationsasymmetrien als ein Instrument zur Kontrolle der Kosten bei externer Finanzierung an. 19 In vielen Studien werden als weitere Motive für die Publikation die positiven Effekte der Ressoucenersparnis für die Informationsbeschaffung 20 und die Steigerung der Liquidität 21 (als Folge des Abbaus spekulativer Positionen durch homogenere Erwartungen der Marktteilnehmer) angeführt. Diese können unter der Kapitalmarkttransaktionshypothese subsumiert werden.
15 Vgl. z u diesem Wissenschaftsstreit Dye (2001), Verrecchia (2001) und Healy/Palepu (2001).
16 Vgl. Elliot/Jacobsen (1994) 80.
17 Vg. Rasmusen (2001) 162f..
18 Vgl. Healy/Palepu (2001) 420ff. für weiterführende Literatur zu diesen Hypothesen.
19 Vgl. Merton (1987) zur Beschreibung einer Risikoprämie, die von Investoren zur Übernahme von
Risiken durch Informationsasymmetrien verlangt wird sowie Myers/Majluf (1984) zur Entwicklung
einer Pecking-Order-Theorie der Finanzierungsformen.
20 Vgl. Diamond (1985) 1071.
21 Vgl. Verrecchia (1999) 282, Diamond/Verrecchia (1991) 1348.
Arbeit zitieren:
Christian Mechnik, 2005, Motive und Probleme freiwilliger Publizität von Finanzinformationen, München, GRIN Verlag GmbH
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