Inhalt
V o r w o r t 1
1 L e b e n 2
2. Hintergrund und Einführung 3
3. Was ist Soziologie? 4
3.1. Verflechtungen 4
3.2. Bewegung, Prozess und Wandel 7
3.3. Der Begriff der Figuration 8
3.4. Theorie gesellschaftlicher Entwicklung 11
3 5 M a c h t 1 2
N a c h w o r t 1 3
Bibliographie 14
Vorwort
Diese Hausarbeit ist aus dem Rahmen eines Proseminars, abgehalten im Sommersemester 2005, an der Technischen Universität Dresden, bei Prof. Dr. Rehberg hervor gegangen. Unter gleichnamigen Titel referierte ich das Thema im Seminar und möchte dieses nun hier, unter Bezugnahme weiterer Literatur schriftlich niederlegen und vorstellen.
1
1. Leben
Norbert Elias gilt heute als einer der einflussreichsten Soziologen überhaupt. Seine bedeutendste Schrift ist „Über den Prozess der Zivilisation“. Dieses Werk, welches Elias in England verfasste (1939) steht heute auf Platz sieben der „Books of the Century“ 1 . Sein Gesamtwerk wird inzwischen weltweit von Soziologen wie von Historikern gleichermaßen rezipiert.
Von 1903 bis 1915 besuchte Elias das Johannes Gymnasium in Breslau. Nach seiner Schulzeit meldete er sich als Kriegsfreiwilliger in den ersten Weltkrieg. Nach Fronteinsätzen an Ost- und Westfront war Elias ab 1917 feldunfähig und wurde Sanitätssoldat in Breslau. 1917 beginnt Elias ein Studium der Philosophie, der Psychologie und der Medizin in Breslau, Heidelberg und Freiburg.
Im Jahre 1924 erfolgte seine Promotion zum Dr. phil. An der Universität Breslau. Titel seiner Dissertation war „Idee und Individuum“, deren Betreuer Richard Hönigswald 2 war. 1924 ging Elias nach Heidelberg um sein Studium der Soziologie fortzusetzen. Er wurde von Alfred Weber 3 für eine Habilitation zum Thema „Die Bedeutung der Florentiner Gesellschaft und Kultur für die Entstehung der Wissenschaft“ zugelassen, welche er allerdings 1930 abbrach, um Karl Mannheim 4 nach Frankfurt am Main zu folgen. Dort arbeitete er als dessen Assistent an der Universität und begann seine Habilitation mit der Schrift „Der höfische Mensch“. 1933 wurde als Folge der Machtergreifung der Nationalsozialisten das Institut für Soziologie geschlossen und das Habilitationsverfahren abgebrochen. Die Schrift erschien erst 1969 in veränderter Form unter dem Titel „Die höfische Gesellschaft“. Im Jahre 1935 ging Norbert Elias ins Exil zunächst nach Frankreich und später nach Großbritannien. Ab 1962 war er Professor für Soziologie an der University of Ghana in Accra 5 . Ab 1975 hatte er seinen ständigen Wohnsitz in Amsterdam und hielt Gastprofessuren in verschiedenen Städten Deutschlands. Erst jetzt wurde Elias Arbeit in Deutschland „wieder entdeckt“ und allgemein
1 Die wichtigsten soziologischen Werke, nachzulesen bei: International Sociological Association (ISA) unter
http://www.ucm.es/info/isa/books/vt/bkv_000.htm
2 Richard Hönigswald (18.07.1875 - 11.06.1947) war ein bekannter Philosoph, der dem weiten Kreis des
Neukantianismus zuzurechnen ist
3 Alfred Weber (30.07.1868 - 02.05.1958) war Nationalökonom und gilt als Begründer der Standorttheorien
(1909) in der Volkswirtschaftslehre, wirkte aber später ins besondere als Kultursoziologe. Er war Professor in
Heidelberg und in Prag. Bei der Bundespräsidentenwahl 1954, wurde er von der KPD für das Amt des
Bundespräsidenten vorgeschlagen.
4 Karl Mannheim (27.03.1893 - 09.01.1947) war ab 1930 ordentlicher Professor für Soziologie an der
Universität Frankfurt am Main, musste jedoch 1933 nach England emigrieren und war dort bis zu seinem Tode
Dozent für Soziologie an der London School of Economics and Political Science.
5 Hauptstadt von Ghana.
2
anerkannt. !977 erhält Elias den zum ersten Mal vergebenen Theodor- W.- Adorno- Preis 6 . Von 1978 bis 1984 arbeitete er unter anderem am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld. Am 01. August 1990 starb Norbert Elias in Amsterdam.
2. Hintergrund und Einführung
Im Jahre 1965 folgte Norbert Elias einer Einladung als Gastprofessor, von Dieter Claessens 7 , nach Münster. Zu diesem Zeitpunkt gab Claessens die Buchreihe: „Grundfragen der Soziologie“ heraus, welche äquivalent zu einer erfolgreichen nordamerikanischen Einführungsreihe sein sollte. Als Band I dieser Reihe, sollte die Übersetzung von „What is Sociology?“ von Alex Inkeles 8 dienen. Claessens gab Elias das gerade frisch eingetroffene Buch und erzählte ihm von seinem Vorhaben. Elias sein Kommentar war deutlich: „What is Sociology?. Das ist eine wichtige Frage, aber Herr Claessens, Sie können ganz sicher sein, Herr Inkeles weiß die Antwort nicht.“ Darauf hin überredete Claessens Elias den Band selbst zu übernehmen und Elias beantwortete diese Aufforderung mit seinem Buch: „Was ist Soziologie?“, fünf Jahre später (Korte, Hermann: Über Norbert Elias, Das Werden eines Menschenwissenschaftlers, Baden-Baden 1988, S. 28).
Norbert Elias ist ein Denker, dessen soziologische Wurzeln in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegen 9 . Er steht somit in unmittelbarer Tradition zu den großen Klassikern, zu welchen er mittlerweile selbst zählt (vgl. Kaesler, Dirk (Hrsg.): Klassiker der Soziologie I. München 2003). Er reihte sich sozusagen in die Linie von Comte, Marx, Durkheim, Weber und Simmel ein, wobei er insbesondere deren Interesse an Fragen der geschichtlichen Entwicklung teilt 10 . Elias versucht Geschichte als einen Prozess zu kennzeichnen, der prinzipiell ungeplant und ungesteuert verläuft und trotzdem durch eine Ordnung und eine Entwicklungsrichtung gekennzeichnet ist. Er nutzt eine Prozesstheoretische Vorgangsweise
6 Der Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main wird seit 1977 zur Anerkennung herausragender
Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film verliehen.
7 Nach dem Abitur und begonnenem Studium der Theaterwissenschaft in Berlin, dann Fronteinsatz und (bis
1949) russischer Kriegsgefangenschaft und zunächst einer Ausbildung als Sozialarbeiter, studierte er Soziologie,
Anthropologie, Psychologie und Ethnologie an der Freien Universität Berlin. Nach der Promotion zum Dr. phil.
1957 arbeitete er dort als Assistent. 1960 wechselte er zur Sozialforschungsstelle an der Universität Münster und
habilitierte bei Helmut Schelsky im Bereich „Soziologie“. 1962-66 war er Professor an der Universität Münster,
sodann bis zur Emeritierung an der FU Berlin; zugleich 1974-78 Rektor der Berliner „Fachhochschule für
Sozialarbeit und Sozialpsychologie“. Bis zuletzt Forscher starb er 1997.
8 Professor für Soziologie am Hoover Institut an der Universität Stanford.
9 Vgl. Redebeitrag zur Diskussion über „die Konkurrenz“, in: Verhandlungen des 6. Deutschen Soziologentages
vom 17.-19.9.1929 in Zürich. Tübingen, S281-284.
10 Zitat Elias: „ Die Geschichte ist das Laboratorium des Soziologen“, in: Interview mit Carmen Thomas, Aufn.
WDR 30.05.1985.
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Arbeit zitieren:
Erik Buder, 2005, Was ist Soziologie? Prozeß- und Figurationstheorie von Norbert Elias, München, GRIN Verlag GmbH
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am Monday, May 18, 2009-