Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 3
2. Die gemeinsame Jugend von Ludwig dem Bayern und Friedrich dem 3
Schönen am Habsburger Hof
3. Die Auseinandersetzung zwischen Ludwig und Friedrich 4
3.1 Ludwigs Wechsel zur habsburgerfeindlichen Politik im Zuge der 4
Niederbayern-Angelegenheit
3.2 Die Königswahl 1314 6
3.3 Der Kampf der Gegenkönige bis zur endgültigen Entscheidung 7
3.4 Die Entscheidungsschlacht bei Mühldorf und deren Auswirkungen 10
3.4.1 Die Schlacht von Mühldorf 10
3.4.2 Friedrichs Gefangenschaft 11
3.4.3 Langfristige Folgen der Schlacht von Mühldorf 11
4. Der Versöhnungsprozess zwischen Ludwig und Friedrich bzw. den 12
Habsburgern
4.1 Die Verträge von Trausnitz, München und Ulm 12
4.2 Ludwigs Motive für sein Verhalten 13
4.3 Die Beziehung zwischen Ludwig und Friedrich nach den Verträgen 14
5. Schluss 15
6. Literaturverzeichnis 16
6.1 Quellen 16
6.2 Literatur 16
7. Abbildungsverzeichnis 18
2
1. Einleitung
Kein anderer deutscher Herrscher im Spätmittelalter hat wohl so polarisiert wie Ludwig der Bayer, ein König bzw. Kaiser, der zum einen als ein „Ausbund nahezu aller Laster“ 1 dargestellt wird, zum anderen bei manchen Geschichtsschreibern die Hochachtung erfahren hat, dass sie ihn „als einen wahrhaft christlichen Herrscher“ 2 bezeichneten. Offenbar muss die Verhaltensweise des Wittelsbacher relativ vielfältig gewesen sein, um solch völlig unterschiedliche Meinungen über ihn aufkommen zu lassen. So scheint es interessant, einmal das Leben die ses Kaisers näher zu betrachten, das so viele verschiedene Brennpunkte aufweist. Vor allem der lodernde Streit mit der Kurie ließ Ludwig den Bayern zu einer umstrittenen Berühmtheit werden, aber etwa auch die Auseinandersetzung mit seinem Bruder Rudolph prägte sein Leben. E benfalls ein besonderer Dreh- und Angelpunkt war die Beziehung zu seinem habsburgischen Vetter Friedrich dem Schönen, die für die politische Laufbahn des Herrschers von entscheidender Bedeutung war. Wichtige Abschnitte in Ludwigs Leben waren oft eng mit der Beziehung zu dem Habsburger verknüpft. Welches Verhältnis bestand aber zwischen den beiden? Gibt es Phasen, in denen sich die Beziehung zwischen dem Wittelsbacher und dem Habsburger verändert hat? Und nicht zuletzt: Welche Konsequenzen resultierten aus deren Verlauf? All diesen zentralen Fragen soll in dieser Arbeit auf den Grund gegangen werden. Um den Verlauf des Verhältnisses zwischen den Vettern untersuchen zu können, ist es natürlich nötig, die politischen Ereignisse, an denen Ludwig und Friedrich maßgeblich beteiligt waren, näher ins Auge zu fassen. Eine relativ umfassende Forschungs- und Que llenlage ermöglicht es, die Beziehung der beiden konsequent nachzuvollziehen. Lediglich die gemeinsame Jugend der beiden Vettern in Wien ist wenig dokumentiert und daher auch in der vorliegenden Arbeit nicht ausführlich dargestellt.
2. Die gemeinsame Jugend von Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen am Habsburger Hof
Dazu, wie es den Wittelsbacher an den Habsburger Hof, den Ort, an dem sich Ludwig und Friedrich näher kennen lernten, verschlug, sei nur wenig gesagt: Nach dem Tod von Ludwigs Vater Ludwig II. hielt Mechthild von Habsburg, Ludwigs Mutter, endgültig nichts mehr länger in München. Auseinandersetzungen mit ihrem Sohn Rudolph gaben
1 Schmid, Ludwig, S.5
2 Pertz, Quellen, S.103
3
ihr den entscheidenden Anstoß, zusammen mit ihrem zweiten Sohn Ludwig nach Wien umzusiedeln. 3 Ohne Zweifel ist, dass der spätere Kaiser dort zusammen mit seinen habsburgischen Vettern Leopold und Friedrich aufwuchs. Abgesehen von einer Diessener Quelle ist nichts Sicheres über diesen Zeitabschnitt in Ludwigs Leben überliefert 4 , doch durch die se kann man sich zumindest ein grobes Bild von der gemeinsamen Erziehung der Jungen machen: „filius Ludovic us Dux adhuc puerulus Viennae literis erat applicatus, nec non cum filiis Austriae Principis disciplinis honestioribus et morum gravitate imbuebatur, in per progressum temponis ad summum Romani Imperii culmen prae cunctis terrarum Principibus eligeretur.“ 5 Im Angesicht der spärlichen Überlieferungen über die Beziehung zwischen Ludwig und seinen habsburgischen Vettern lässt sich Gertrud Be nker zu Mutmaßungen hinreißen: „Man könnte sich denken, daß es manches Auftrumpfen und Rangeln gab zwischen ihnen, Wettbewerb und Zorn über kleine Niederlagen”. 6 Schmid spricht allerdings davon, dass Ludwig und Friedrich „Jugendfreunde“ 7 waren, also eine durchaus freundschaftliche Beziehung pflegten.
3. Die Auseinandersetzung zwischen Ludwig und Friedrich
3.1 Ludwigs Wechs el zur habsburgerfeindlichen Politik im Zuge der Niederbayern-Angelegenheit
Die möglicherweise recht freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Vettern blieb allerdings nicht lebenslang bestehen. Zwar behielt Ludwig auch nach dem Tod seiner Mutter einen habsburgerfreundlichen Kurs bei - schließlich war er „zunächst auf die Unterstützung durch seinen Onkel König Albrecht I. gegen seinen Bruder Rudolph angewiesen” 8 -, doch sobald er sich einen politischen Vorteil daraus verschaffen konnte, zögerte er nicht, sofort die Seiten zu wechseln. Diese Situation ergab sich am Tag des 9. Septembers 1312, an dem der niederbayerische Herzog Otto III. s tarb. Mit dessen Tod übernahm Ludwig die Vormundschaft über seine Vetter, den noch unmündigen Herzögen Heinrich XIV., Heinrich XV. und Otto IV. und damit gleichzeitig die niederbayerische Regentschaft. Zu dieser Zeit konnte Ludwig sein diplomatisches Fingerspitzengefühl unter Beweis
3 Vgl. Schmid, Ludwig, S.7
4 Vgl. Schlögl, Jugendgeschichte, S.195
5 Oefele, Scriptores, S.650
6 Benker, Ludwig, S.22
7 Schmid, Ludwig, S.9
8 Ebenda.
4
stellen, indem er eine Gratwanderung zwischen der Partei der Niederbayern und die der Habsburger vollzog. Diese waren einander nämlich feindlich gesinnt, so dass Ludwig nicht ohne Komplikationen gleichzeitig mit beiden zusammenarbeiten konnte. Aus diesem Grund versuchte der Wittelsbacher zunächst Niederbayern und Habsburg einander anzunähern 9 , was auch von einstweiligem Erfolg gekrönt war: Einerseits gewann er die „zwölf Adelsvertreter des «Herzoglichen Rates» von Niederbayern für sich“ 10 , andererseits bot er den Habsburgern an, Heinrich den Älteren mit einer habsburgischen Prinzessin zu verheiraten, was laut Benker mit einem „Freundschaftsbündnis“ gleichzusetzen ist. 11 Diese zweigleisige Politik stieß aber nicht überall auf offene Ohren, so dass die Regentschaft des Wittelsbacher in Niederbayern keineswegs unumstritten war. Der gegen Ludwig gerichtete Schirm- und Bundesvertrag zwischen niederbayerischen Städten und Ludwigs Bruder Rudolph veranlasste den Wittelsbacher zu einer folgeschweren Entscheidung: Er gab die habsburgerfreundliche Politik gänzlich auf und „versöhnte“ sich wieder mit seinem Bruder, um seine Position zu stärken. 12 Auf diese Weise gelang es Ludwig dem Bayern, Niederbayern hinter sich zu stellen. Doch damit war der Konflikt mit Friedrich und dessen Brüdern natürlich vorprogrammiert, da die Habsburger ebenfalls Niederbayern für sich gewinnen wollten. Auch ein Versuch der beiden Parteien, sich in dieser Angelegenheit in Landau auszusprechen, konnte diese Auseinandersetzung nicht schlichten, ja es wird sogar von einem lautstarken Streit zwischen Ludwig und Friedrich berichtet, „in dessen Verlauf sich Herzog Ludwig vom Jähzorn hinreißen ließ“ 13 . Da sich sowohl Ludwig als auch Friedrich „im Recht fühlten“ 14 , ist allerdings zu bezweifeln, dass bei diesem Gespräch ernsthafte Versöhnungsversuche erwartet wurden. 15 Zum weiteren Verlauf der Rivalität trugen die Witwen der Herzöge Otto III. und Stephan I. entscheidend bei, indem sie Friedrich von Habsburg „um Hilfe für ihre Kinder gegen Ludwig und Friedrich ins Land riefen“ 16 . So wurde ein Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten unausweichlich, was sich am 9. November 1313 in der Schlacht bei Gammelsdorf bestätigte. Ludwigs Sieg in dieser militärischen Auseinandersetzung hatte allerdings nicht nur Folgen für die Angelegenheit um Niederbayern, sondern noch viel
9 Vgl. Hundt, Ludwig, S.75
10 Benker, Ludwig, S.66
11 Vgl. Ebenda.
12 Vgl. Hundt, Ludwig, S.76
13 Pertz, Quellen, S.43
14 Benker, Ludwig, S.69
15 Vgl. Ebenda., S.68 f
16 Schmid, Ludwig, S.9
5
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Annette Schießl, 2004, Kaiser Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne von Habsburg, Munich, GRIN Publishing GmbH
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