Einleitung 4
I Über Verhalten in direkter Kommunikation 5
1. Techniken der Imagepflege 5
2. Image und soziale Beziehung 7
3. Die Auswirkungen von gestörter Kommunikation auf das Verhalten 10
II Die schleichende Demontage der Familie durch Individualisierungsprozesse 12
III Teamlernen im Arbeitsprozess 14
1. Neue Formen der Metakommunikation 14
2. Lernhemmnisse 14
3. Dialog und Team-Lernen 15
Schlußwort 20
Biographisches zu David Bohm und Peter Senge 21
Literatur 22
„Ich entspringe durch den anderen und er durch mich. Wir sind unser gegenseitiges
Eigenverhalten. Das Wissen um den anderen ist also mein Ge-Wissen“
( aus: Einführung in den Konstruktivismus, 5. Aufl., Piper)
Einleitung
Das Thema Interaktion interessiert mich deshalb besonders, weil ich durch längeres Nachdenken darüber, bei meiner eigenen Verantwortung lande. Zu dieser Sichtweise kam ich zum einen durch die Beschäftigung mit der konstruktivistischen Idee über subjektive Wirklichkeitskonstruktion und zum anderen durch meine Assistenz im Bereich Personalentwicklung und Coaching. Gerade hier wird meiner Meinung nach, nach neuen viablen Interaktionsformen gesucht, die zu den jeweiligen Inhalten passen, denn wir leben in einer Zeit der wirtschaftlichen Umstrukturierung und der Suche nach zeitgemäßen Sozialformen der Gesellschaft und ich glaube, dass wir uns nach Sicherheit, nach Ritualen sehnen, etwas das uns hinter all dieser rasanten Entwicklung, der scheinbaren Entwurzelung, Halt gibt. Aber was bedeutet das: Halt und Stabilität und können wir dauerhaft umsetzen, nach was wir uns sehnen?
Stichwort Stabilität. Ich schaue mir Familie an und ihren sozialen Wandel. Die Familie ist der Ort, wo die Generationen am nachhaltigsten aufeinander treffen. Hier werden die Menschen für die Zukunft geformt. Aber die Demontage der Familie schreitet voran. Wer also gibt die so notwendige Stabilität in der Kindheit?
„Ich entspringe durch den anderen und er durch mich, wir sind unser gegenseitiges Eigenverhalten...“, dieses Zitat fand ich im Buch „Einführung in den Konstruktivismus“ und es trifft meiner Meinung nach genau das, was ich zu Anfang ansprach, die Erkenntnis, das wir nur durch das Erkennen der Verantwortung für uns selbst in der Lage sind, durch unruhige Gewässer zu schwimmen und trotzdem bei uns zu bleiben. Denn Interaktion verläuft, mit Watzlawick gesprochen, kreisförmig, d.h. jedes Verhalten ist zugleich Ursache und Wirkung, was wiederum bedeutet, daß wir uns die Frage nach der Ursache/ dem Anfang sparen können, wenn es um konfliktäre Beziehungen geht. Die einzige Möglichkeit aus diesem Teufelskreis auszubrechen ist praktizierte Metakommunikation, womit ich mich im Kapitel Teamlernen in Arbeitsprozessen auseinandersetze. Ich schreibe über den sich seit langem abzeichnenden Individualisierungstrend und die damit einhergehenden Schwierigkeiten heutiger Anforderungen in der Wirtschaft. Ich versuche, gerade in der Arbeitswelt, systemische Möglichkeiten zu diskutieren, um von der Hierarchie zum Holismus durch neue „alte“ Formen des miteinander Denkens und Lernens, zu gelangen, zu neuen Formen der Interaktion.
Bevor ich aber zu all dem komme, schaue ich mir die „dahinterliegende“ Theorie der Interaktion mit Goffman und Watzlawick an, um mich gut gerüstet an die analogische Sichtweise zu machen.
I. Über Verhalten in direkter Kommunikation
1. Techniken der Imagepflege
Durch Interaktion baut sich mein Selbstbild und, mit Goffman gesprochen, mein Image auf. In der Interaktion mit und im Verhältnis zu den anderen Mitgliedern der Gesellschaft bildet der Einzelne eine spezifische Identität aus, und in ihr muß dieselbe sich bewähren. Es werden Rollenspiele übernommen, Verhaltenserwartungen und Normen aufgestellt.
Interagierende treffen in Rollenverhältnissen aufeinander, erkennen sich in Ihren Rollen wieder und versuchen, sich so zu verhalten, daß das eigene „Gesicht“ oder „Image“ und das der anderen möglichst erhalten bleibt, so daß darauf aufgebaut werden kann und Beziehungen entstehen können. Eine Interaktion bedeutet auch immer eine Gefährdung für das Individuum, denn durch unerwartete Ereignisse oder Handlungen, kann es sein erschaffenes „Gesicht“ oder „Image“ verlieren. Das würde für den Interagierenden bedeuten, unglaubwürdig in seiner Rolle zu wirken. Nach Goffman gibt es bestimmte Grundregeln von Interaktionsprozessen, an denen sich Individuen orientieren, obwohl sie eigentlich Schöpfer ihres eigenen Verhaltens und ihrer eigenen Handlungen sind.
Durch diese ungeschriebenen Gesetze und Verhaltensstrukturen, die in jedem sozialisierten Individuum verinnerlicht sind und einen gesellschaftlichen Ursprung besitzen, wird Interaktion erst möglich.
Um die Analyse zwischenmenschlicher Interaktionen zu veranschaulichen, bedient sich Goffman der Metapher des Theaters. Er benutzt die Begriffe der Schauspielkunst wie Bühne, Bühnenbild, Darstellung, Rolle, Publikum und Fassade und setzt sie in den Bedeutungszusammenhang zwischenmenschlicher Interaktionsverhältnisse. Gegenstand der Untersuchungen sind reale Prozesse zwischen Individuen.
Individuen folgen in Interaktionen stets einer bestimmten Verhaltensstrategie, um Position zu beziehen und um ein bestimmtes Image aufzubauen.1 Durch Handlungen (verbaler und nicht- verbaler Art) nach einem bestimmten Muster, also durch folgen einer bestimmten Strategie, erwirbt man für sich selbst und in den Augen anderer ein Image, falls die Strategie ein konsistentes Bild vermittelt. Das Image bezeichnet Goffman als ein umschriebenes Selbstbild von sozial anerkannten Eigenschaften - ,,ein Bild, das die anderen übernehmen können."2 Hat
ein Individuum erst ein Image aufgebaut, so wird es seine Verhaltensstrategie danach richten, daß sein Image weiterhin vom sozialen Umfeld akzeptiert wird.
Dies bedeutet, es wird Anstrengungen unternehmen müssen, die eine Gefährdung des Image ausschließen, denn wird das Image, durch äußere Umstände, zufällige Ereignisse oder unerwartete Handlungen verletzt, dann besteht die Gefahr, daß diese Person ihr ,,Gesicht" verliert. Dies liegt weder im Interesse des Individuums, noch im Interesse des Interaktionspartners, denn Interaktionen zeichnen sich dadurch aus, daß erwartet wird, neben Selbstachtung, auch Rücksicht auf das Image der anderen zu nehmen. Es herrscht geradezu eine selbstverständliche Kooperation (aufgrund emotionaler Identifikation mit den anderen), gegenseitig sein Image zu schonen und sich somit gegenseitig anzuerkennen. Face-to-face Interaktionen zeichnen sich durch gegenseitige Anerkennung aus, obwohl es sich hierbei - so Goffman - oft nur um ,,taktvolle Lippenbekenntnisse" (anstatt wirklicher Anerkennung) handelt.3 Hat jemand erst ein bestimmtes Image aufgebaut oder erworben, dann wird von ihm erwartet, daß er danach lebt und das er Taktgefühl, Diplomatie und soziale Geschicklichkeit besitzt um auch weiterhin sein Gesicht und das der anderen wahren zu können. Dem Interagierenden steht dann in gewisser Weise nur noch ein begrenztes Muster an Verhaltens- und Darstellungsweisen zur Verfügung.
,,Anerkannte Eigenschaften und ihre Beziehung zum Image machen aus jedem Menschen seinen eigenen Gefängniswärter; dies ist ein fundamentaler sozialer Zwang, auch wenn jeder Mensch seine Zelle gerne mag."4
Dieser Zwang, sein Image (und das der anderen) aufrechtzuerhalten ist eine grundlegende Bedingung für Interaktion, denn ohne Verhaltensstrategien, die zum Aufbau und Erhalt eines Image beitragen und vor allem ohne gegenseitige Anerkennung dieser, wäre Interaktion zwischen Individuen nicht möglich bzw. ein Aufbau einer stabilen Beziehung wäre gänzlich unmöglich, da eine radikale Umstellung der Verhaltensstrategie für Verwirrung und Unverständnis sorgen würde. Durch gegenseitige Anerkennung und Ausübung der Verhaltensstrategien können sich Interaktionspartner bei späteren Begegnungen auf die vorher präsentierte Verhaltensstrategie beziehen, sich danach richten und ihre Beziehung darauf aufbauen.5
Die Maßnahmen, die getroffen werden, um alle Handlungen in Übereinstimmung mit seinem Image zu bringen, nennt Goffman die Techniken der Imagepflege. „So ist z.B. Gelassenheit eine
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Andrea Kleinau, 2000, Neue Formen der Interaktion in der Arbeitswelt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Zu: Paul Watzlawick, Menschliche Kommunikation - Formen und Störungen
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