Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung 3
2. Die innenpolitischen Verhältnisse im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen 4
3. Die Bedeutung der Sizilienkatastrophe und die Verurteilung des Alkibiades 6
4. Die Machtergreifung der Vierhundert 9
5. Die Konterrevolution der Demokraten auf Samos 15
6. Der Sturz des Regimes und die Verfolgung der Oligarchenführer 18
7. Zusammenfassung und Ausblick 19
Quellenverzeichnis 22
Literaturverzeichnis 22
2
1. Einleitung
Der oligarchische Umsturz im Jahre 411 v. Chr. in Athen ließ die schlimmsten Befürchtungen vieler Menschen wahr werden. Bereits vier Jahre vor dem eigentlichen Umsturz ist in der Hauptquelle dieses Ereignisses, dem Werk des Thukydides über den Peloponnesischen Krieg, in der Schilderung des Hermenfrevels in einer Passage geschrieben:
„Denn das Volk wusste vom Hörensagen, wie die Tyrannis des Peisistratos und seiner Söhne gegen Ende drückend geworden war, dazu nicht einmal von den Athenern selbst und Harmodios gestürzt worden war, sondern von den Spartanern; darum war es [das Volk] immer in Angst und hatte jeden in Verdacht.“ 1
Im Folgenden wird der oligarchische Umsturz näher beleuchtet, wobei zwei Quellen einbezogen werden. Zum einen ist dies das bereits erwähnte Werk des Thukydides und zum anderen das Werk des Aristoteles „Der Staat der Athener“ mit dem Originaltitel „Athenaion Politeia“. Konzentrieren möchte ich mich in meiner Arbeit auf die Untersuchung der Beweggründe des Alkibiades, der innerhalb kürzester Zeit dreimal die Seiten wechselte. Wollte er tatsächlich die Demokratie stürzen oder war sein oberstes Ziel als einflussreicher Politiker nach Athen zurückzukehren, ohne dass ihm die Staatsform von Bedeutung war?
Die Hausarbeit gliedert sich wie folgt: Im Gliederungspunkt zwei möchte ich die innenpolitischen Verhältnisse des 5. Jahrhunderts v. Chr. in Athen näher beleuchten, um dann im Punkt drei auf die Bedeutung der Sizilienkatastrophe für den oligarchischen Umsturz zu sprechen zu kommen. Dieser Exkurs in das Jahr 415 v. Chr. ist deshalb wichtig, weil darin die Ursache der Abkehr Athens von seinem Politiker Alkibiades zu finden ist. Unter Punkt vier werde ich die eigentliche Umsturzbewegung, welche vom athenischen Flottenstützpunkt auf Samos ausging behandeln, um im Punkt fünf die demokratische Konterrevolution auf Samos zu beschreiben. Wie die Darstellung der Ereignisse zeigen wird, hat Alkibiades inzwischen wieder Partei für die Demokraten bezogen und ist am Sturz des Oligarchen- Regimes maßgeblich beteiligt. Dies wird im Gliederungspunkt sechs behandelt. Im siebenden und letzten Gliederungspunkt komme ich zu meinem Fazit und werde die oben gestellte Frage beantworten. Die Ereignisse des oligarchischen Umsturzes 411 v. Chr. werden in der Forschung bereits seit langer Zeit diskutiert. Wie die Hausarbeit zeigen wird, sind die Wissenschaftler an einigen Punkten auf Spekulationen angewiesen.
1 siehe Thuk. 6, 53,3
3
Dies liegt an der mangelnden Anzahl von Primärquellen. So hat die Wissenschaft zum Beispiel nur wenig Erkenntnisse von der Herrschaftszeit der Oligarchen in Athen im Jahre 411/ 412 v. Chr. In der „Athenaion Politeia“ wird dieser Bereich völlig übergangen und auch Thukydides behandelt das Thema nur in einer kurzen Passage 2 .
2. Die innenpolitischen Verhältnisse im 5. Jahrhundert v. Chr. in Athen
Die Innenpolitik in Athen wurde durch die beherrschende Rolle der Volksversammlung geprägt. Während der Versammlungen waren nach Schätzungen nur etwa 1/5 bis 1/4 der Bürger Athens in die Beschlussfassung eingebunden. Es gab nur wenige Versammlungen, bei denen ein Quorum vorgegeben war, zum Beispiel mussten bei der Ostrakisierung mindestens sechstausend Bürger anwesend sein. 3 Es galt die versammelten Menschen von der Richtigkeit einer Sache zu überzeugen. Um dieses Ziel erreichen zu können, war es notwendig, dass der jeweilige Politiker über die notwendige Überzeugungskraft verfügte. Die so genannten Sophisten galten im Athen des 5. Jahrhunderts als die professionellen Denker und Lehrer. Sie lehrten die Prinzipien der Redekunst und der Rhetorik. Die Sophisten waren es, die Theorien über die Grundlagen des sozialen und des politischen Lebens innerhalb der Polis entwarfen. Diese Entwicklung der Diskussion von Machtpolitik, Naturrecht und Gesetzmäßigkeiten des Verfassungswandels führte zu einer Abkehr von den traditionellen Anschauungen und Normen. 4 Vor allem die Aristokraten sahen in der Demokratie eine Staatsform, die ihre Interessen nicht entscheidend vertreten konnte. Dies lag vor allem an der Interessenvielfalt der Bevölkerungsgruppen. Die Einführung der Diäten, des Losverfahrens und das Recht auf Partizipation gab jedem Bürger in Athen die Möglichkeit, sich in der Politik zu engagieren. Für die Aristokraten bedeutete diese neue Interessenvielfalt jedoch die Reduzierung der aristokratischen
Gefolgschaftsbildung und der aristokratischen Freigiebigkeit. Diese Politik zu Zeiten des Perikles war für die aristokratische Schicht der Bevölkerung nicht akzeptabel. Doch blieb die Oberschicht ruhig und es kam zu keinen Umsturzversuchen.
2 siehe Thuk. 8, 70, 1 f
3 Tarkiainen, Tuttu: Die athenische Demokratie, München 1972, S. 224- 225
4 Raaflaub, Kurt: Politisches Denken und Krise der Polis. Athen im Verfassungskonflikt des späten 5. Jahrhunderts v. Chr., München 1992, S. 21-22
4
Dies lag hauptsächlich daran, dass die Politik des Perikles neue Entfaltungsmöglichkeiten (durch Seemachtstellung) bot und dass die Aristokraten nicht über eine vergleichbare Autorität, wie es Perikles war, verfügten. 5 Solange der Krieg siegreich gestaltet wurde, bot sich trotz der innenpolitischen Unzufriedenheit der Aristokraten kein zwingender Grund zum Umsturz. Erst als die Sizilienexpedition scheiterte 6 und Athen in Finanznöte geriet 7 musste die Oberschicht mehr als die anderen Bürger an Finanzen aufbringen, hatte aber in der Volksversammlung ihrer Meinung nach zu wenig Einfluss.
In einer Passage des Thukydides heißt es diesbezüglich:
„Einige von Samos gingen zu Alkibiades hinüber, um zu verhandeln, und da er ihnen verhieß, er wolle ihnen die Freundschaft des Tissaphernes erst, dann auch des Königs vermitteln, wenn nicht das Volk herrsche […], so hegten sie die besten Hoffnungen für sich selbst, die Großen unter den Bürgern, die ja auch am meisten zu leiden haben, einmal selbst die Macht an sich zu ziehn [...].“ 8
Neuzeit, Stuttgart 1980, S. 64-74
6 siehe Gliederungspunkt 3
7 siehe Thuk 8, 15, 1
5
3. Die Bedeutung der Sizilienkatastrophe und die Verurteilung des Alkibiades
Mit der Sizilienexpedition wollten die Athener ihr Einflussgebiet vergrößern. Alkibiades gewann immer mehr an Einfluss in der Volksversammlung und begeisterte die Athener für den Sizilienfeldzug. Der Neffe des großen Perikles gehörte zu den schillerndsten Figuren aus der Zeit des Peloponnesischen Krieges. 9 Aus der Sicht des Thukydides war Alkibiades das Negativbeispiel einer Person, die sich politisch in den Vordergrund spielte, um seine rücksichtslose und egoistische Politik durchzusetzen. 10 So setzte er gegen die Empfehlung von Nikias, der in der Volksversammlung zur Vernunft riet und den Plan nach Sizilien zu fahren für zu gefährlich hielt, die Expedition durch. 11 Nikias sagte in seiner Rede vor der Volksversammlung: „Dies also muss man bedenken […], und nicht nach einem neuen Reich greifen, eh wir unser jetziges gefestigt haben, […].“ 12
Bereits vor Beginn der Expedition wurde der so genannte Hermenfrevel bekannt. Unbekannte hatten die Hermesstatuen in der Stadt verstümmelt. 13 Alkibiades geriet in Verdacht in den Hermenfrevel verwickelt zu sein, doch wurde vorerst beschlossen, keinen Prozess gegen ihn zu eröffnen. Schließlich zog Alkibiades, Nikias und Laches im Jahre 415 v. Chr. nach Sizilien. Obwohl die Flotte Erfolge verzeichnen konnte, wurde Alkibiades nach Athen zurückgerufen und sollte sich wegen des Hermenfrevels und des Religionsfrevels einem Prozess stellen. Alkibiades und die Mitbeschuldigten fuhren aber nicht nach Athen zurück, denn sie wollten auf Grund der aufgebrachten Stimmung nicht nach Athen zurückkehren. Sie gingen bei Thurioi an Land und waren für ihre Verfolger nicht mehr auffindbar. Alkibiades lief daraufhin zum Gegner Sparta über und wurde deshalb in Athen in seiner Abwesenheit zum Tode verurteilt. 14 Die Athener unter Nikias belagerten zunächst Syrakus. Nikias musste einige Rückschläge einstecken, wagte aber aus Furcht vor dem Zorn der Volksversammlung nicht den Rückzug und erhielt Ende 414 v. Chr. noch einmal Verstärkung.
9 Sonnabend, Holger: Thukydides, Hildesheim 2004, S. 78
10 siehe Thuk. 6, 15, sowie Sonnabend, Holger: Thukydides, Hildesheim 2004, S.78- 79
11 siehe Thuk. 6, 8- 26
12 siehe Thuk. 6, 10, 5
13 siehe Thuk. 6, 27
14 siehe Thuk. 6, 61
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Arbeit zitieren:
Thomas Koneczny, 2005, Der oligarchische Umsturz 411 v. Chr. in Athen, München, GRIN Verlag GmbH
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