Gliederung
1. Einleitung
2. Stadttypen
2.1 Die Arabisch- islamisch beeinflußte Küstenstadt
2.2 Landstädte der White Highlands
2.3 Expansiver Wachstumspol
2.4 Gateway Towns
2.5 Die Fremdenverkehrssiedlung
3. Urban Agriculture
3.1 Allgemeines Urban agriculture als Teil des informellen Sektors
3.2 Waste is food
4. Schlußwort
5. Literatur
6. Anhang
2
1. Einleitung Kenya ist ein Staat vieler unterschiedlicher Formen und Gestalten. Zu diesen Formen gehören nicht nur physische Merkmale der Landschaft oder die offensichtlichen Komponenten aus Flora und Fauna, sondern auch Erscheinungen, die einer völlig anderen Genese entsprechen. Als Tourist oder aufmerksamer Beobachter bemerkt man unweigerlich unterschiedliche Details des Beobachteten. Ob man ein Naturschutzgebiet besucht oder eine Stadt besichtigt. Für europäische Städte und Metropolen lassen sich anhand der Stadtviertel sehr viele Erklärungen dazu finden, wie die Stadt einmal ausgesehen haben mag oder wie die Entstehungsgeschichte nachvollziehbar erscheint. Ob dies im Großen und Ganzen auch auf kenianische Städte zutrifft, werden die Ausführungen zeigen.
2. Stadttypen
In Kenya hab en sich aufgrund unterschiedlicher Entwicklungen verschiedene Städtetypen entwickelt, die nach bestimmten Kriterien definiert werden können. Lamu repräsentiert den am deutlichsten in Afrika verbreiteten Typus der arabisch-islamisch geprägten Küstenstadt. Mit der wichtigste Gesichtspunkt war der frühe Handel, der wesentlich zur Entwicklung der Stadt beigetragen hat. Malindi ist ein Beispiel für eine typische Fremdenverkehrssiedlung mit touristischen Einrichtungen und ausgedehnten Stränden. Gilgil ist ein typisches Landstädtchen in den ehemaligen White Highlands mit wichtigen zentralen Funktionen. Eldoret beschreibt besonders die Merkmale expansiven Wachstums mit auch bedeutender Industrieansiedlung. Isiolo steht für Grenzstädte, die eine Verknüpfung zwischen den von Hirten und Bauern besiedelten Räumen darstellen. Diese werden als “Gateway Towns“ bezeichnet.
Eine besondere Stellung in der Entwicklung der Städte Kenyas nehmen die beiden Metropolen Nairobi und Mombasa ein.
3
2.1 Die Arabisch- islamisch beeinflußte Küstenstadt Trotz ihres Sonderstandes innerhalb von Kenya ist neben Lamu auch Mombasa zu nennen. Dieser Typus einer Stadt ist in Afrika nur an der ostafrikanischen Küste verbreitet. Die topographische Lage Mombasas ist sehr günstig zur Errichtung eines Hafens gewesen. Die
kleine Insel Mombasa ist von tief ins Landesinnere greifenden Buchten umgeben. Ursprünglich entwickelte sich dort eine Stadt mit Schwerpunkt des Fernhandels, der mit großer Beteiligung Arabiens entstand. Im 19. Jh. gingen von dort aus auch Karawanen ins Binnenland. Die vorkoloniale Stadt machte nur einen kleinen Teil der Insel aus. Die Fläche lag nie über 0,5 km².
Omani-Araber und im 17. Jh. auch die Portugiesen errichteten in direktem Anschluß an die Stadtgrenze ihre militärischen Stützpunkte. Mombasa war die dominierende Handelsstadt an der Küste und auch zu Beginn der britischen Herrschaft veränderte sich erstmals nichts. Auch die Briten errichteten südlich der vorkolonialen Stadt ihren Stützpunkt. Mit dem Beginn des Baus der Uganda-Bahn, die in Mombasa starten sollte, verstärkte sich natürlich die Bedeutung der Stadt. In vielen Städten ließ sich eine solche Entwicklung nachvollziehen, daß der ursprüngliche Siedlungsbereich, heute meist die Altstadt oder der zentrale Distrikt, an Bedeutung verlor. Im Fall Mombasa entwickelte sich zwischen dem Verwaltungsquartier und dem Hafen als Hauptwarenumschlagsort das moderne Geschäftsviertel der asiatischen Ladeninhaber, der Banken und der europäischen Handelshäuser. Entsprechend der kolonialen Herrschaft und der Arbeitsteilung innerhalb der Stadt entwickelten sich auch die Wohnviertel. Auf begünstigten Lagen entstanden die Wohnanlagen der europäischen „Oberschicht“, in der Nähe der Arbeitsstätten, häufig auch am Hafen, wohnten die hauptsächlich afrikanischen Arbeitskräfte und der asiatische Teil der Bevölkerung lebte und arbeitete im Geschäftsviertel.
4
Besonders im Vordergrund der städtebaulichen Entwicklungsabschnitte stehen natürlich einerseits die koloniale Verwaltung und andererseits die industrielle Entwicklung innerhalb der Region und der Stadt. Besonders auffallend ist die räumliche Trennung der Menschen durch unterschiedliche Stadtviertel. Trotz einer Ablehnung der Segregation entwickelten sich unterschiedliche Wohnbereiche, die hauptsächlich durch unterschiedliche Preisniveaus hervorgerufen wurden. Vor allem den europäischen Bewohnern kam dies zu Gute, da ihnen bevorzugte Lagen zur Verfügung gestellt wurden. Aber nicht nur die Wohnfrage war entscheidend, sondern auch besonders die Wohndichte. Zahlen von Nairobi belegen, daß schon 1979 im europäischen Wohnviertel Spring Valley-Sublocation nur eine Einwohnerdichte von 788 Einwohner/km² bestand, hingegen Pumwani, das älteste Afrikanerquartier eine Einwohnerdichte von 36.000 Einwohnern/m² aufwies. (VORLAUFER,1990, S. 120f)
2.2 Landstädte der White Highlands Nach Fertigstellung der Uganda-Bahn wurden Entwicklungsprojekte erstellt, die die Besiedlung der nicht so dicht erschlossenen Gebiete betrafen. Einerseits stand die marktwirtschaftliche Inwertsetzung der Region im Vordergrund, aber auch die Steigerung der Rentabilität der Bahnstrecke durch eine Ansiedlung von wirtschaftlichen Komponenten. Somit war die Entwicklung stark an die Bahnlinie gebunden. Es wurden Siedlerkolonien in die Highlands implementiert. Die dortigen Landressourcen sollten den Siedlern zum Erwerb dienen. Alles nicht von den “Natives“ genutzte Land wurde der Krone unterstellt und zu bestimmten Anteilen an europäische Siedler verkauft. Jeder Siedler hatte Anspruch auf 259 ha Neuland. 64 ha wurden ihm bei der Vermessung direkt zugesprochen (homestead) und auf die restlichen 195 ha (freehold) hatte der Siedler ein Vorkaufsrecht. Später wurde dieser “freehold“ auf 405 ha erweitert. Für große Unternehmen wurde diese Grenze auch noch verzehnfacht, so daß Großbetriebe entstanden. Eldoret ist ein solches Entwicklungszentrum, das auf die Landnahme zurückzuführen ist. Besonders die Verwaltungseinheiten für die landwirtschaftliche Entwicklung hatten eine hohe Bedeutung für die Siedler. Die Ansiedlung vieler europäischer Großbetriebe mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße 1920 von 2103 ha führte zu einem akuten Landmangel. Die eigentlichen Afrikaner durften in diesen erschlossenen Gebieten kein Land erwerben und wurden wohntechnisch in Reservate verbannt. Aber bei den immer geringer werdenden Landflächen siedelten sich viele Afrikaner als sog. “Squatter“ (wilde Siedler) in
5
Quote paper:
Guido Bürger, 2001, Stadttypen und Stadtentwicklung in Kenya unter Berücksichtigung der Urban Agriculture, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Siedlungsentwicklung und -probleme von Nairobi
Geography / Earth Science - Demographics, Urban Management, Planning
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 8 Pages
Päpste und deren Position gegenüber Hexenverfolgungen - Im Focus 8. Jh...
Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Die Umgestaltung des römischen...
History - World History - Early and Ancient History
Presentation (Elaboration), 9 Pages
Handlungs- und produktionsorientierter Unterricht: Eine schülerzentrie...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
English - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 32 Pages
Die tribunicia potestas im Prinzipat des Augustus
History - World History - Early and Ancient History
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
Das kirchliche Judenrecht bis zum Konzil von Basel (1431/1449)
Law - Philosophy, History and Sociology of Law
Scholary Paper (Seminar), 33 Pages
Sklaverei im klassischen Athen
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Die Rolle der Vergangenheit für die Hauptcharaktere in Virginia Woolfs...
English Language and Literature Studies - Literature
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Termpaper, 28 Pages
Das Verhalten der Herrscher zu den Ausschreitungen gegenüber den Juden...
History Europe - Other Countries - Middle Ages, Early Modern Age
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Die Weimarer Republik und die Ursachen ihres Scheiterns
Politics - Political Systems - History
Termpaper, 28 Pages
Frieda Geier - die Unternehmerin als Ikone weiblicher Selbständigkeit?
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Reichswehr und Wehrverbände in der Weimarer Republik
History Europe - Germany - World War I, Weimar Republic
Scholary Paper (Seminar), 12 Pages
Planspiel als Methode der politischen Bildung
Politics - Didactics, Political Education
Termpaper, 15 Pages
Guido Bürger's text Stadttypen und Stadtentwicklung in Kenya unter Berücksichtigung der Urban Agriculture is now available as a printed book
Guido Bürger has published the text Stadttypen und Stadtentwicklung in Kenya unter Berücksichtigung der Urban Agriculture
Guido Bürger has uploaded a new text
A City of Farmers: Informal Urban Agriculture in the Open Spaces of Na...
Donald B. Freeman
Cities, Poverty and Food: Multi-Stakeholder Policy and Planning in Urb...
Henk De Zeeuw, Marielle Dubbeling, Rene Van Veenhuizen
Urban Agriculture: Growing Healthy, Sustainable Communities
Kimberley Hodgson, Marcia Campbell, Martin Bailkey
Farm Equipment Supply Chains. Guidelines for Policy-Makers and Service...
Food and Agriculture Organization (Fao)
Waste Composting for Urban and Peri-Urban Agriculture: Closing the Rur...
Pay Drechsel, Dagmar Kunze
0 comments