Einleitung
Jeder Mensch, der schon einmal in einer Schule für geistigbehinderte Kinder war hat bemerkt, dass auch dort die Schüler unterschiedliche Qualifikationen aufweisen. Allerdings sind es meistens die schwerstbehinderten Kinder, die aufgrund ihrer Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen, extrem auffallen. Oft sitzen diese Kinder nur teilnahmslos auf ihrem Stuhl/ Rollstuhl und es scheint, als ob nichts, was um sie herum geschieht zu ihnen durchdringt. Andreas Fröhlich beschäftigte sich mit diesen Kindern und entwarf das Modell der Basalen Stimulation®, welches helfen soll die schwerstbehinderten Kinder aus ihrer Isolation herauszuführen. Häufig wird diese Therapieform bereits in der Frühförderung verwendet, um behinderten, oder von Behinderung bedrohten Kindern zu helfen und ihre Teilhabe in der Gesellschaft zu sichern.
Ob dieses Modell nun viel versprechend ist oder nicht, soll in der folgenden Abhandlung geklärt werden.
1. Was eigentlich ist eine Frühförderung? 2.1. Definitionsversuch
Es ist sehr schwer eine genaue Definition für Frühförderung zu finden, da von sehr verschiedenen Problemen ausgegangen wird, die man mit sehr unterschiedlichen Angeboten von ebenso vielen Arbeitern zu lösen versucht.
Die Arbeitshilfe der Bundesvereinigung Lebenshilfe fasst die Zielstellung der Frühförderung folgendermaßen zusammen: „Frühförderung hat immer zum Ziel, im Zusammenwirken von Eltern und Fachleuten, die Entwicklung des behinderten und entwicklungsverzögerten Kindes sowie die Entfaltung seiner Persönlichkeit anzuregen, zu unterstützen, seine Erziehung zu fördern und zu helfen, sie sicherzustellen.“ (vgl. Arbeitshilfe der Bundesvereinigung Lebenshilfe)
Hier werden die Ziele (die Entwicklung und die Entfaltung der kindlichen Persönlichkeit anzuregen, zu unterstützen, seine Erziehung zu fördern und zu helfen, sie sicherzustellen), sowie die grundlegende Methodik (Zusammenwirken von Eltern und Fachleuten) und der Zuständigkeitsbereich (das behinderte und entwicklungsverzögerte Kind)der Frühförderung benannt. Damit ist eine grobe Definition der Frühförderung gegeben.
2.2. Wer braucht die Frühförderung?
Die Antwort hierauf bietet ansatzweise schon die Zielsetzung, nämlich das behinderte und entwicklungsverzögerte Kind. Hierzu gehören Kinder, bei denen eine geistige und/oder
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körperliche Behinderung diagnostiziert wurde. Aber solche, bei denen frühkindlicher Autismus, das Katzenschrei-Syndrom oder das Rett-Syndrom beobachtet wurde. Darüber hinaus wird auch die Entwicklungsverzögerung genannt, die sich auf Motorik, Kommunikation, Wahrnehmung und Selbstständigkeit eines Kindes auswirken kann. Auch Verschlossenheit, geringes Interesse, unruhiges oder aggressives Verhalten fallen in den Zuständigkeitsbereich der Frühförderung (vgl. Finger & Steinbach, 1992, S. 42). Ein großer Anteil der Kinder, die eine Frühförderung bekommen, leidet unter dem so genannten ADHS-Syndrom (Aufmerksamkeits-Defizit und Hyperaktivitäts-Syndrom). Was das Alter des zu fördernden Kindes betrifft, sollte das Kind so bald wie möglich gefördert werden, denn je eher begonnen wird, desto größer sind die Chancen die Folgeschäden zu reduzieren, die Behinderung zu minimieren, oder sie sogar zu vermeiden. In der Regel werden Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren, also bis zur Einschulung in die Förderung aufgenommen.
2.3. Wo findet die Frühförderung statt?
Die unterschiedlichen Einrichtungen der Frühförderung lassen sich grob in 3 Teilsysteme untergliedern:
- Teilsystem A: Die freipraktizierenden, niedergelassenen Ärzte, Therapeuten, Psychologen, (Heil-)Pädagogen, die zum Teil mit Frühförderstellen in Kooperationsbeziehungen stehen
- Teilsystem B: Regionale (im Bereich der Kinder mit Sinnesbeeinträchtigung auch überregionale) Frühförderstellen, die ihren fachlichen Schwerpunkt zum großen Teil in sonder- und heilpädagogischen, psychologischen sowie sozialpädiatrischen Bereichen haben. Sie arbeiten darüber hinaus überwiegend interdisziplinär und zwar sowohl durch die direkte Teameinbindung ärztlich medizinischer Professionen als auch durch offene Formen der interdisziplinären Kooperation.
- Teilsystem C: Überregionale, zentrale Einrichtungen des medizinischen Komplexes (Sozialpädiatrische Zentren, spezialisierte Kliniken bzw. Fachabteilungen für Neuro-und Sozialpädiatrie u.a.) (vgl. Wilken, 1999, S.23)
Häufig findet die Frühförderung bei dem Kind zu Hause statt, also in seiner gewohnten Umgebung. Hiermit soll ein Herausgerissenwerden aus der Alltagswelt vermieden werden. In dieser vertrauten Welt fasst das Kind leichter Vertrauen und lässt sich meist besser auf die Therapie ein. Außerdem müssen neu erlernte Fähigkeiten nicht erst auf die Alltagssituation übertragen werden, sondern können da geübt werden, wo sie auch zum Einsatz kommen sollen.
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Eine weitere Möglichkeit ist die Frühförderung in dem Kindergarten, wo zusätzlich bestimmte Situationen, in denen das Kind Schwierigkeiten hat, an ort und stelle eingeübt werden. So kann es beispielsweise durchaus sein, dass man mit dem Kind einkaufen geht, um Kommunikation und Wahrnehmung zu fördern.
2.4. Was geschieht in der Frühförderung? 2.4.1. Die Eingangsphase
Die Angebote der Frühförderung beziehen sich auf die oben genannte Zielsetzung. Sie beginnt mit der so genannten Eingangsphase, welche die Kontaktaufnahme zwischen der Familie und der Frühförderstelle ermöglicht und dazu dient Informationen über das zu fördernde Kind und die bevorstehende Therapie zu sammeln. Diese Eingangsphase gliedert sich in folgende sechs Punkte:
a. Telefonischer Erstkontakt der Eltern: Die Eltern wollen sich ein grobes Bild der Frühförderung machen.
b. Erstgespräch und Anamnese: Das Erstgespräch gibt dem Anliegen der Eltern
c. Diagnostik: Ist in drei Bereiche unterteilt: 1. ärztliche Diagnostik, 2.
d. Diagnosemitteilung: Die Diagnose wird den Eltern mitgeteilt, Fragen aus dem Erstgespräch sollen beantwortet werden
e. Behandlungsempfehlung und Förderplan: Der Förderplan zeigt Strategien zur
f. Erstgespräch der Förderin/Therapeutin: Hier besteht eine Möglichkeit des
(vgl. Thurmair & Naggl, 2000, S. 47f)
2.4.2. Frühbehandlung und Therapie
Nach der oben beschriebenen Eingangsphase wird zur Frühbehandlung und Therapie übergegangen. Meist findet diese ein- bis maximal zweimal in der Woche statt, da eine häufigere Förderung in der Regel nicht finanziert werden kann. Aus diesem Grunde ist es
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enorm wichtig, dass die Eltern so genannte Kooperationspartner der Förderer sind, da die Anzahl an eigentlichen Frühförderstunden für eine kindgerechte Förderung viel zu gering ist.
Die verschiedenen angewandten Therapieformen der Frühförderung lassen sich grob in zwei Richtungen unterteilen. Zum einen die Frühbehandlung und Therapie mit medizinisch-neurologischem Schwerpunkt (Krankengymnastik, Ergotherapie,
Logotherapie, etc.) und zum anderen in Frühbehandlung und Therapie mit pädagogischpsychologischem Schwerpunkt (Heilpädagogik, Motopädie, Sonderpädagogik, Kinderpsychotherapie, etc.). (vgl. Finger & Steinebach, 1992, S.43) In der Frühförderung kommt es durchaus zu Überschneidungen der vielen verschiedenen Angeboten. Es ist also von großer Bedeutung, dass die interdisziplinäre Kooperation zwischen den einzelnen Therapeuten funktioniert, wenn zum Beispiel mehrere Therapeuten mit demselben Kind arbeiten. Häufig ist es aber auch der Fall, dass ein Therapeut Aufgaben aus verschiedenen Therapiebereichen mit übernimmt und somit ein relativ breites Methodenwissen erforderlich ist. Dies hat den Vorteil, dass sich das Kind nicht an mehrere Bezugspersonen gewöhnen muss.
2.4.3. Angebote der Frühförderung für die Eltern
Der Gang zur Frühförderung birgt viele Zweifel und Probleme für die Eltern. Der Gedanke „mit meinem Kind stimmt etwas nicht“ liegt der Frühförderung zu Grunde. Diese Erkenntnis ist für das Umfeld des Kindes und natürlich insbesondere für die Eltern häufig ein schwer verarbeitbares Ereignis. In den letzten Jahren ist die Kinderzahl gesunken, viele Kinder wachsen ohne, oder mit einer sehr geringen Zahl von Geschwistern auf, die Eltern sind bei der Geburt des ersten Kindes meist sehr viel älter als dies früher der Fall war. Das Verhältnis unserer Gesellschaft zu ihren Kindern hat sich gewandelt. Das Kind wird zu etwas ganz besonderem, dem man seine ganze Aufmerksamkeit widmet. Seine Entwicklung und seine Leistungen werden sehr genau verfolgt. Somit geraten sowohl die Kinder als auch die Eltern unter einen erhöhten Erwartungsdruck. Zusätzlich erweitern sich die Möglichkeiten einer Förderung für das Kind immer mehr. Die Gefahr hierbei besteht auch darin, dass eine Abhängigkeit der kindlichen Entwicklung von solchen Maßnahmen suggeriert wird, was teils auch eine übertriebene Sorge und manchmal unnötigen Einsatz der Frühförderung nach sich zieht. Darüber hinaus werden im Fall einer schweren Beeinträchtigung häufig zu unrealistische Hoffnungen bezüglich der Wirksamkeit der Frühförderung deutlich. (vgl. WILKEN 1999, S.8 f.)
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Arbeit zitieren:
Monika Blazek, 2005, Basale Stimulation als Frühförderung, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Das Konzept der Basalen Stimulation® zur Förderung der gestörten Wahrn...
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Basale Stimulation: Theorie und Anwendbarkeit - Ein Erfahrungsbericht
Hausarbeit, 23 Seiten
Basale Stimulation - Förderung oder Alltagssituation
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Seminararbeit, 15 Seiten
Geistliche Musik in der Schule - Elias: Ein romantisches Oratorium
Unterrichtsentwurf, 37 Seiten
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