Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Das Reafferenzprinzip. 4
2.1 Das Reafferenzprinzip am Beispiel des Fliegenexperiments. 4
2.2 Das Reafferenzprinzip am Beispiel von Bewegungen. 6
3. Das Reafferenzprinzip für das Bewegungslernen? 10
3.1 Was ist Bewegungslernen? 10
3.2 Wie wichtig ist das Reafferenzprinzip für das Bewegungslernen 11
3.3 Welche Rolle spielt die Efferenzkopie? 12
4. Schlussfolgerungen. 14
5. Zusammenfassung. 15
6. Quellenverzeichnis. 16
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1. Einleitung
Die Verhaltensforscher VON HOLST & MITTELSTAEDT (1950) leiteten mit ihrem Artikel über das Reafferenzprinzip in der Zeitung Naturwissenschaften im Jahre 1950, einen Umbruch in der Erklärung über die Bewegungssteuerung ein. Mit ihrem wohl bekanntesten Experiment, dem Fliegenexperiment, widerlegten VON HOLST & MITTELSTAEDT (1950) die vorher weit verbreitete Reflextheorie. Sie besagt, dass jede Bewegung einem Reiz- Reaktions-Schema zugrunde liegt, d.h. also die Reaktion ist gleichzeitig wieder der Reiz für eine neue Bewegung. Durch ihre Entdeckung des Reafferenzprinzips wurden laut PÖHLMANN (1986) andere Forscher, wie ADAMS, ANOCHIN UND HACKER, dazu angeregt VON HOLST & MITTELSTAEDT’S Theorie weiter zu entwickeln (PÖHLMANN, 1986, 167).
Somit haben VON HOLST & MITTELSTAEDT (1950) mit dem Reafferenzprinzip den Grundstein für Adams „Closed- loop-theorie des motorischen Lernens“ (ADAMS, J. A., 1989, 71) gelegt.
Ziel dieser Arbeit ist es, zu bestimmen wie wichtig das Reafferenzprinzip für die Sportpraxis ist. Dazu wird im Verlauf dieser Arbeit zuerst erläutert, auf welchen experimentellen Entdeckungen dieses Prinzip basiert und wie das Reafferenzprinzip bei Bewegung seine Anwendung findet. Des Weiteren soll untersucht werden, welche Rolle dieses Prinzip beim Bewegungslernen einnimmt.
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2. Das Reafferenzprinzip
Der Grundgedanke des Reafferenzprinzips besteht darin, dass von jeder durchgeführten Bewegung eine Efferenzkopie in dem niedrigsten Zentrum angelegt wird, mit dessen Hilfe die Ist-Soll- Differenz der Bewegungsausführung bestimmt wird. Die Ist-Soll-Differenz von der durchgeführten Bewegung und der bereits gespeicherten Kopie entscheidet über Erfolg und Misserfolg der Bewegung. Die Efferenzkopie besteht aus vielen verschiedenen Informationen wie „Trägheits-, Elastizität-, Reibekräfte und Rezeptorenreizungen“ (ENNENBACH, 1994, 47).
VON HOLST & MITTELSTAEDT (1950) haben ihre Erkenntnisse aus einer Reihe von Experimenten mit Fliegen gewonnen, die im weiteren Verlauf kurz beschrieben werden sollen.
2.1 Das Reafferenzprinzip am Beispiel des Fliegenexperiments
Mit ihrem Fliegenexperiment, veranschaulichen die beiden Biologen das Reafferenzprinzip: Eine Stubenfliege (Eristalis) befindet sich in einem schwarzweiß gestreiften Zylinder, der von den Versuchsleitern gedreht wird. Dabei versucht die Fliege den Blick zu halten, auch bekannt als optomotorischer Reflex. Als der Fliege dann im Vergleichsversuch der Kopf um 180° um die Längsachse gedreht und mit einem Leimtropfen fixiert wird, ändern sich auch die Beobachtungen. Durch die veränderten Versuchsbedingungen reagiert die Fliege bei einer Rechtsdrehung des Zylinders mit einer Gegenbewegung nach l inks und bei einer Linksdrehung mit einer Bewegung nach rechts, bis die Fliege nach kurzen heftigen rechts- links Wendungen artuntypisch erstarrt stehen bleibt. Nach einer Rückdrehung des Kopfes ist das Verhalten der Fliege wieder normal (HOLST & MITTELSTAEDT, 1950, 464f).
Die Versuche zeigen, dass die Fliege eine bestimmte Bildverschiebung auf der Retina erwartet und darauf mit dem optomotorischen Reflex antwortet. Da b ei der Kopfdrehung die erwartete Bildverschiebung nicht der tatsächlichen gleicht, ist die Fliege optisch hin und her gerissen und reagiert mit kurzen Wendungen bis sie erstarrt (HOLST & MITTELSTAEDT, 1950, 465).
Unter optomotorischem Reflex wird der automatische Wechsel zwischen Blicksprung und Fixation verstanden, was gleichzeitig den Menschen die Möglichkeit gibt, viele
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Alltagssituationen, wie das Schreiben und das Lesen, zu bewältigen. Diese Blicksprünge werden nicht bewusst wahrgenommen, sind aber die Voraussetzung für eine einheitliche Wahrnehmung. Die Teilbilder werden zu einem kontinuierlichen Bild zusammengesetzt 1 .
Mit dem Fliegenexperiment haben VON HOLST & MITTELSTAEDT (1950) die vorher weit verbreitete Reflextheorie bezüglich des Bewegungslernens widerlegt (ENNENBACH, 1994, 46). Wenn Bewegungen tatsächlich als Reflexkette ablaufen würden, dann hätte die Fliege sowohl mit der Kopfdrehung um 180° als auch ohne die Kopfdrehung gleich reagieren müssen (ENNENBACH, 1994, 46).
Abb.1: Folgebewegungen und das Reafferenzprinzip 2 .
Am Beispiel des Fliegenexperiments kann die Abbildung 1 folgendermaßen erklärt werden: Die Fliege entwickelt bei einer Bewegung eine g ewisse Vorstellung bzw. Erwartung des bewegten Bildes auf der Retina. Das erwartete Bild wird mit dem der Retina im Komparator verglichen. Stimmen die beiden Bilder nicht überein, ist die Fliege optisch verwirrt, was dann im Erstarren mündet.
Wie schon im Fliegenexperiment deutlich wurde, ist das Reafferenzprinzip stark an das Auge und somit an die Wahrnehmung gekoppelt. Nachdem das Auge ein Objekt wahrgenommen hat, wird es anschließend mit der vorhandenen Kopie im Komparator verglichen. Wenn die Differenz nahe Null ist, dann wurde das richtige Objekt erkannt.
1 http://visor.unibe.ch/ws03/wahrnehmung/arbeiten/Blicksteuerung.pdf
2 http://www.uni-saarland.de/fak5/excops/download/wa7www05.pdf
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Arbeit zitieren:
Anett Senftleben, 2006, Das Reafferenzprinzip eine wichtige Voraussetzung für das Bewegungslernen?, München, GRIN Verlag GmbH
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