Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2-3
2. Max Webers These von „Protestantischer Ethik“ und dem
„Geist des Kapitalismus“ 4
2.1.„Kapitalismus“ im Sinne Max Webers 5-6
3. Unternehmertum in Deutschland im 19. Jahrhundert 6-7
3.1.Definition des Unternehmers 7-9
3.2. „Protestantische Ethik“ und „Geist des Kapitalismus“ 9-13
4. Exemplarische Vorstellung zweier Gebiete zur Veranschaulichung der These Max
Webers - Calw und das Rheinland 14
4.1. Calw 14-15
4.2. Das Rheinland 16-17
5. Inwieweit ist Max Webers These für das Unternehmertum des 19. Jahrhunde rts
in Deutschland zu belegen? 18-19
6. Schlussbemerkung 20
7. Literaturverzeichnis 21
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1.) Einleitung
„Der Mensch ist auf das Erwerben als Zweck seines Lebens, nicht mehr das Erwerben auf den Menschen als Mittel zum Zweck der Befriedigung seiner materiellen Lebensbedürfnisse bezogen.“ 1
Die Industrielle Revolution - ein weltgeschichtliches Ereignis, das ab ca. 1850 ausgehend von Großbritannien durch Industrialisierung und Rationalisierung zu radikalen Veränderungen in nahezu allen Lebensbereichen führte und schnell auf andere europäische Länder wie z.B. Deutschland und Skandinavien, aber auch nach Übersee übergriff. Neuerungen im technischen Bereich und der damit verbundene Fortschritt, die Entwicklung eines Klassenverständnisses unter den Bürgern, Zentralisation der Produktion, demographische Veränderungen, eine neue Beschäftigungsstruktur von der Landwirtschaft zur Industrie und ein modernes betriebswirtschaftliches Denken - dies sind nur einige bedeutende Faktoren der Industriellen Revolution.
1904/05 veröffentlichte der deutsche Ökonom und Soziologe Max Weber (1864 - 1920) seine berühmte Studie „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ 2 im „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“.
Er entwickelte die These, dass Länder mit einer dominanten protestantischen Gesellschaft, z.B. England und die Niederlande, im historischen Ablauf in der Entwicklung des Kapitalismus eine Vorreiterrolle einnahmen, katholische Länder hingegen eher Nachzügler blieben.
In Bezug auf Deutschland stellte Weber fest, dass protestantische Gebiete vermögender waren als katholische und schließt somit auf einen Zusammenhang von Religion und Wirtschaftsentwicklung.
Ist es also möglich, einen Zusammenhang zwischen den Dogmen einer Religion und dem Entstehen der modernen Form des Kapitalismus herzustellen? Und welche Rolle spielt hierbei das moderne Unternehmertum des 19. Jahrhunderts?
1 Weber, Max: „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, Erftstadt, 2005, S.41.
2 Ebd.
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Hervorzuheben wäre hierzu, dass Weber keinesfalls einen rein empirischen Beweis seiner aufgestellten These erbringen wollte, wichtig war ihm der Ansatz seiner Theorie als Ganzes, der zur Diskussion um die Rolle der Religion im Modernisierungsprozess der Gesellschaft seit dem Ende der Reformation beitragen sollte.
Er geht bei seinen Überlegungen nicht von kausalen Zusammenhängen aus, vielmehr stehen Beobachtungen und Annahmen psychologische r Affinitäten zwischen innerweltlicher Askese und der neuen, antitraditionalistischen Berufsauffassung im Vordergrund. Die vorliegende Arbeit hat nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, den „Geist des Kapitalismus“ zu erklären oder etwa ein gesamtwirtschaftliches Modell aufzubauen. Die These Webers wird bis heute kontrovers diskutiert, Forscher aus aller Welt und verschiedenster Fachgebiete streiten noch immer heftig um die Forschungsergebnisse Webers. „[…] alles, was in der Gesellschafs- und Wirtschaftsgeschichte der letzten fünfzig Jahre Rang und Namen hat, hat sein Wort dazu gesprochen oder sein Buch dazu beigesteuert, von den Deutschen Sombart und Troeltsch über die Engländer Tawney und Robertson, die Franzosen Hauser und Sée bis zum gegenwärtigen italienischen Ministerpräsidenten Amintore Fanfani;[…]“ 3
Deshalb kann auch bei dem Vergleich der beiden deutschen Gebiete kein Anspruch auf Vollständigkeit bestehen. Es soll lediglich exemplarisch aufgezeigt werden, auf welche Weise die These nachgewiesen werden könnte. Der Versuch eines kompletten Nachweises (oder auch Gegenbeweises) der These würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen und sich auf den Umfang einer Promotion ausweiten.
Ziel der vorliegenden Arbeit soll es lediglich sein, die These Max Webers zu erläutern und ein Ergebnis zu erhalten, das gegebenenfalls aufzeigen kann, ob es einen direkten Zusammenhang zwischen Konfession und der Entwicklung und Ausbreitung des Kapitalismus gibt oder nicht.
3 Lüthy, Herbert: „Nochmals: „Calvinismus und Kapitalismus““, in Braun, Rudolf, Fischer, Wolfram,
Großkreutz, Helmut, Volkmann, Heinrich (Hrsg.): Gesellschaft in der industriellen Revolution, Neue
Wissenschaftliche Bibliothek 56 Geschichte, Köln 1973, S.18.
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2.) Max Webers These von „Protestantischer Ethik“ und dem „Geist des Kapitalismus“
In seinem in den Jahren 1904/05 erschienenen Werk „Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ 4 stellt Max Weber eine Kausalbeziehung zwischen der protestantischen Glaubenslehre, insbesondere der calvinistischen und pietistischen, der dadurch geprägten asketischen 5 Lebensführung und dem Entstehen des Systems des modernen Kapitalismus, dem neuen Wirtschaftsethos her.
Er versuchte darzulegen, dass es ohne die protestantische Reformation keine Entwicklung des modernen, westlichen Kapitalismus gegeben hätte.
Webers Interesse gilt der „Ermittlung derjenigen durch den religiösen Glauben und die Praxis des religiösen Lebens geschaffenen psychologischen Antriebe, welche der Lebensführung die Richtung wiesen und das Individuum in ihr festhielten.“ 6 Er arbeitet heraus, dass in Ländern mit gemischten Konfessionen zumindest ein höherer Anteil an Protestanten im Unternehmertum sowie im modernen Arbeitertum zu finden ist, dass die Protestanten am Kapitalbesitz und leitenden Stellungen innerhalb der modernen Wirtschaft den Katholiken überlegen sind, und dass eine schnellere Durchsetzung des Kapitalismus in den Ländern mit überwiegend protestant ischer Bevölkerung stattgefunden hat.
Weber betont „den ganz vorwiegend protestantischen Charakter des Kapitalbesitzes und Unternehmertums sowohl, wie der oberen gelernten Schichten der Arbeiterschaft, namentlich aber des höheren technisch oder kaufmännisch vorgebildeten Personals der modernen Unternehmungen.“ 7 Den Protestantismus deutet Max Weber als die treibende Kraft des Kapitalismus.
Für die Industrialisierung bildeten die spezifische Weltanschauung der Protestanten, insbesondere die der Calvinisten, und das Prinzip von konzentrierter Arbeit und der daraus folgenden Kapitalbildung und Reinvestition der Gewinne eine ideale Basis.
Zum besseren Verständnis der angeführten These ist es vorweg unumgänglich, den Begriff „Kapitalismus“ im Sinne Max Webers und seiner Auffassung von moderner Wirtschaftsethik, zu erläutern.
4 Weber, Max: „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, Erftstadt, 2005.
5 Askese: [griech.], religiös begründete Einschränkung oder völlige Enthaltung von bestimmten Speisen und
Getränken, Wohnung, Schlaf, Kleidung und Besitz, vornehmlich zeitweiliger oder gänzlicher verzicht auf
Geschlechtsverkehr / Meyers Lexikonredaktion (Hrsg.): „DUDEN - Das Neue Lexikon“, Band 1, Mannheim
1996, S.233.
6 Weber, Max: „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, Erftstadt 2005, S.81.
7 Ebd. S.25.
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2.1. „Kapitalismus“ im Sinne Max Webers
Rein ökonomisch betrachtet, beschreibt der Begriff „Kapitalismus“ in der klassischen Wirtschaftstheorie ein Wirtschaftssystem, das sich durch Angebot und Nachfrage selbst reguliert. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Akkumulation von Kapital. Kern der Weberschen Forschung zur Entwicklung des modernen Kapitalismus ist jedoch nicht nur die ökonomische Variante der Definition von Kapitalismus, sondern die Vorstellung eines rationalen Umgangs mit dem vorhandenen bzw. erwirtschafteten Kapital - der „Geist des Kapitalismus“.
„“Erwerbstrieb“, „Streben nach Gewinn“, nach Geldgewinn, nach möglichst hohem Geldgewinn, hat an sich mit Kapitalismus nichts zu schaffen.“ 8 Und: „Schrankenloseste Erwerbsgier ist nicht i m mindesten gleich Kapitalismus, noch weniger gleich dessen „Geist““. 9
Kapitalismus ist demnach eine spezifische, sich durch Rationalismus auszeichnende, effiziente Lebensführung und die Orientierung der Handlungen unter Berücksichtigung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Vermeidung von Zeitverschwendung. Dies zusammengefasst ist laut Weber der Grundpfeiler des Kapitalismus. Hervorzuheben wäre hier, dass Weber die ökonomische Variante des Kapitalismus keinesfalls vernachlässigt. „ Allerdings ist Kapitalismus identisch mit dem Streben nach Gewinn, immer erneutem Gewinn, nach „Rentabilität““. 10
Er verweist jedoch darauf, dass man die Entwicklung des Kapitalismus immer in Verbindung mit anderen gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedingungen der Zeit der Industriellen Revolution betrachten muss. Er betont gleichzeitig „die Gesamtheit der gesellschaftlichen Kulturbedingungen, insbesondere auch der ökonomischen“ 11 , die Einfluss auf das Leben und die Verhaltensweisen der Menschen genommen haben. Der Begriff „Geist des Kapitalismus“ „muß aus seinen einzelnen der geschichtlichen Wirklichkeit zu entnehmenden Bestandteilen allmählich komponiert werden.“ 12 Somit müssen also besonders die sozio-kulturellen Elemente berücksichtigt werden, die eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aus den Bereichen der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Anthropologie, Soziologie und Psychologie unabdingbar machen. 13
8 Weber, Max: „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, Erftstadt, 2005, S.10.
9 Ebd. S.11.
10 Ebd. S.11.
11 Tawney, R.H.: „Religion und Frühkapitalismus. Eine historische Studie“, Bern 1946, S.9.
12 Weber, Max: „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, Erftstadt, 2005, S.36.
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Arbeit zitieren:
Meike Seiffert, 2005, Protestantische Ethik und Unternehmertum in Deutschland im 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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