Inhaltsverzeichnis
1. Sinn und Wert als Bildungsanspruch
1.1. 8OI3UHXVV/DXVLW Sozialisationswidersprüche heutiger Kinder und
M öglichkeiten der Wertebildung in der modernen Schule
1.2. HOPXW6FKUHLHU Welche Wertvorstellungen sollen wir Kindern
vermitteln ?
1.3. 5LFKDUG0HLHU: Werte fördern, Werte fordern
2. Perspektiven der Kinder
2.1. (JEHUW'DXPLebensorientierung und Lernen - Neue Aufgaben
von Schule und Unterricht
2.2. HOPXW DQLVFK Religiöse und moralische Orientierungen von
Kindern
2.3. 0DUOLHV HPSHO Das „eigene Leben“ als Zukunftsthema der
Grundschule
3. Welt, Kind, Sinn und Bildung - Fachdidaktische Zugänge
3.1. ,UHQH)URKQH Sinn und Sinnorientierung im Sachunterricht
3.2. 8WH6WROWHQEHUJ Sinn - Bildung durch Auseinandersetzung mit
Arbeit und Umwelt
3.3. 0LFKDHO6RRVWPH HU Sinn- und Wertorientierung des Lernens
imnaturwissenschaftlich orientierten Sachunterricht
1
4. Autorenspiegel
5. Literaturverzeichnis
3
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1.1 Sozialisationswidersprüche heutiger Kinder und Möglichkeiten der Wertebildung in der modernen Schule
Wenn man über Wertbildung in der Grundschule spricht, so muss man sich als erstes darüber klar werden, unter welchen Umständen Kinder heute aufwachsen, und welche äußeren Einflüsse außer der Schule zur Werteentwicklung der Kinder beitragen. Bei diesen Betrachtungen erkennt man schnell, dass ein Zeichen der heutigen Kindheit ist, dass alle Kinder sehr unterschiedlich aufwachsen. Das zweite Problem stellt der gesellschaftliche Wandel dar: dieser vollzieht sich heutzutage so schnell, das wissenschaftliche Daten bei ihrem Erscheinen meist schon veraltet sind.
Die heutige Kindheit lässt sich am besten als „Konsum- und Krisenkindheit“ beschreiben: „[...]die gesellschaftliche Situation einer Marktgesellschaft, in der der Konsum sowohl Motor des Wirtschaftens ist als auch zur subjektiven Definition vom „guten Leben“ gehört.“ 1
Kinder sind für viele Wirtschaftsbranchen durch ihr oft recht reichliches Taschengeld ein wichtiger Faktor. Wer bestimmte Produkte nicht besitzt, läuft Gefahr auch sozial in das Abseits gedrängt zu werden.
Früher war Armut durch Wohngegend, Beruf und gesellschaftliches Leben klar definiert, heute aber lässt sie sich durch den Erwerb bestimmter Produkte ( und damit meist hohen Verschuldungen) verbergen.
Kinder sind in diesen Kampf um soziale und gesellschaftliche Anerkennung meist schon früh mit einbezogen.
Die Konsumkindheit ist jedoch nur ein kleiner Teil dessen, was die Krisenkindheit ausmacht.
Kinder wachsen heutzutage in einem Umfeld voller Unsicherheit auf: Unsicherheit in Bezug auf Arbeit und Beruf. Ständig treten neue Prognosen auf, die die schlechtesten Zukunftsaussichten für verschiedenste Berufe und den Arbeitsmarkt überhaupt prophezeien, und in ihrer Verwandtschaft werden die meisten wohl selbst erleben, wie
1 Preuss- Lausitz, Sinn- und Wertorientierung in der Grundschule, Irene Frohne (Hrsg.), Bad Heilbrunn
1999, S. 18
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schnell man eine Arbeitsplatz verlieren kann, und wie schwer es ist einen neuen zu finden.
Das größte und allübergreifende Problem ist aber wohl das der Informalisierung der Werte. Sowohl Kinder als auch Erwachsenen müssen von Situation zu Situation neu entscheiden, was richtig und was falsch ist. „Werte werden also kontextabhängig.“ 2 Das Kind kann sich nicht mehr sicher sein, dass einmal erworbene Werte, beispielsweise die der Familie, immer angemessen sind.
Weiterhin kann man von einer Musikkindheit, Fernsehkindheit und Computerkindheit sprechen - Gebiete , in denen sich die Kinder meist besser auskennen als ihre Eltern, und Gebiete, in denen kein Verstehen, sondern nur ein Bedienen gefordert wird.
Letztendlich wäre da nun noch der Bereich der Familie, der die moderne Kindheit prägt: allerdings ist der Begriff der Familie heute sehr strittig.
80% der Kinder bis zum 18. Lebensjahr wachsen die beiden Elternteilen auf, ein Viertel davon ist Einzelkind und die Hälfte hat ein Geschwisterkind, nur 9% der Kinder haben 3 oder 4 Geschwister. Daraus lässt sich schließen, dass sich Kinder heute mehr denn je selber um soziale Kontakte kümmern müssen.
In den Familien wird im Gegensatz zu früher weniger befohlen sondern mehr verhandelt.
Kinder leben im 21. Jahrhundert also einerseits oft in günstigeren Lebensumständen als früher, auf der andren Seite müssen sie sich doch mit mehr Unsicherheiten und Krisen aus allen Lebensbereichen auseinandersetzen.
Aus den eben genannten Problemen der Kindheit ergeben sich nun Anforderungen an die Kinder uns Jugendliche, die nicht nur in der Familie, sondern auch in der Schule als Bildungsziele definiert werden sollten:
Hohes Bildungsniveau, dauerhafte Weiterqualifikation, sprachlich - kommunikative Kompetenz, Selbstständigkeit und Planungsfähigkeit, soziale Kompetenzen in der Herstellung, Pflege und auch Aufgabe von Freundschaften und sozialen Netzwerken,
2 Der Autor bringt hier folgendes Beispiel: Es wird nicht mehr automatisch von einem Kind verlangt, dass
es im Bus aufsteht, wenn ein älterer Herr oder eine ältere Dame keinen Platz findet. Wenn das Kind eine
schwere Tasche hat, die es sonst nicht abstellen könnte, kann es sich zu recht sagen, dass es den Platz
nötiger braucht. Ist der ältere Herr oder die Dame aber sichtlich gehbehindert, würde hier das Aufstehen
gefordert sein.
5
Arbeit zitieren:
Katharina Kruppa, 2000, Sinn- und Wertorientierung in der Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
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