Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die geschichtliche Entwicklung der Gesetzgebung 5
3. Die Verfahren der Gesetzgebung 7
3.1 Das Unterrichtungsverfahren 7
3.2 Das Konsultationsverfahren 7
3.3 Das Kooperations- oder Zusammenarbeitsverfahren 8
3.4 Das Zustimmungsverfahren 9
3.5 Das Mitentscheidungs- oder Kodezisionsverfahren 10
4. Das Haushaltsverfahren 14
5. Fazit 17
6. Literaturverzeichnis 19
2
1. Einleitung
Nach dem Scheitern der Abstimmung über die geplante Verfassung der Europäischen Union in Frankreich und den Niederlanden und der danach aufkommenden Diskussion über die Frage „Wie soll es mit der Europäischen Union weitergehen?“, ist es wichtig sich genauer mit den einzelnen Organen der Europäischen Union zu beschäftigen, um so ein besseres Verständnis für die Sensibilität des Problems zu erhalten.
In der nachfolgenden Arbeit soll das Thema: „Der Einfluss des Europäischen Parlaments auf
die Gesetzgebung in der EU“ diskutiert und untersucht werden.
Dabei werde ich die fünf verschiedenen Verfahren der Gesetzgebung vorstellen und dann untersuchen welche Möglichkeiten der Einflussnahme dem Parlament zur Verfügung stehen. Die Leitfrage meiner Hausarbeit ist: „Hat sich das Europäische Parlament hinsichtlich seines Einflusses auf die Gesetzgebung von einem Forum zu einem aktiven Mitgestalter gewandelt?“ Dabei habe ich diese Frage unter folgenden Gesichtspunkten untersucht:
- kann das Europäische Parlament Änderungsvorschläge einbringen und durchsetzen
- wie viele Lesungen im Parlament sind für ein Verfahren vorgeschrieben
- hat das Parlament eine Vetomöglichkeit
Dazu habe ich meine Arbeit in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil stelle ich die historische Entwicklung der Gesetzgebung in der Europäischen Union vor. Der daran anschließende zweite Teil stellt den Schwerpunkt der Arbeit dar. In ihm stelle ich die verschiedenen Verfahren der Gesetzgebung vor und arbeite die Möglichkeiten der Einflussnahme durch das Parlament heraus. Dabei liegt mein Hauptaugenmerk auf dem Mitentscheidungsverfahren, denn wie schon aus dem Namen ersichtlich, scheint das Parlament hier die größten Einflussmöglichkeiten zu haben. Weiterhin lege ich in diesem Teil die Entwicklung dieses Verfahrens von seiner Einführung 1993 bis zum Vertrag von Nizza 2001 dar. Im dritten Teil meiner Arbeit stelle ich das Verfahren der Haushaltsaufstellung vor. Dieser Teil ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig, da die Festsetzung und Kontrolle des Haushaltes zwei der wichtigsten Kompetenzen eines Parlaments sind. Im abschließenden Fazit werde ich meine Leitfrage beantworten und die Ergebnisse dieser Arbeit zusammenfassen.
Ich werde in dieser Arbeit nicht auf die geplante Europäische Verfassung eingehen, da es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie in ihrer bestehenden Form jemals Gültigkeit erlangen wird und die Arbeit daher einen spekulativen Charakter erhalten würde.
3
Es gibt ein breites Spektrum an Literatur über das Europäische Parlament und in fast allen Büchern findet sich auch etwas über die Gesetzgebungskompetenzen. Jedoch ist mir auch nach der Literatursuche kein Buch bekannt, welches sich ausschließlich mit den Gesetzgebungskompetenzen des Europäischen Parlaments befasst. Als primäre Quelle habe ich das Buch von Andreas Maurer und Wolfgang Wessels „Das Europäische Parlament nach Amsterdam und Nizza“ benutzt, da in ihm die einzelnen Verfahren ausführlich vorgestellt werden und es außerdem den neuesten Forschungsstand widerspiegelt. Im Gegensatz dazu werden in dem Buch von Peter Schönberger „Hauptsache Europa“ zwar auch die Verfahren vorgestellt, da es aber schon elf Jahre alt ist, fehlen daher die Neuerungen beim Mitentscheidungsverfahren. Eine weitere ausführliche Darstellung über den Gesetzgebungsprozess bietet der Text von Stephan Dreischer „Das Europäische Parlament. Eine Funktionsbilanz.“ aus dem Buch von Werner Patzelt: „Parlamente und ihre Funktionen. Institutionelles Lernen im Vergleich“. Auch dieser Text stellt den neuesten Forschungsstand dar und zeigt auf, an welchen Stellen die einzelnen Verfahren ihre Schwachpunkte haben. Das Buch von Werner Weidenfeld „Amsterdam in der Analyse“ beleuchtet den Vertrag von Amsterdam und hierbei besonders die Reformen beim Verfahren der Mitentscheidung. Claus Giering stellt in seinem Text „Die institutionellen Reformen von Nizza“ die Neuerrungen am Mitentscheidungsverfahren nach dem Vertrag von Nizza vor. Jedoch sind sowohl der Text von Weidenfeld als auch der von Giering nicht so umfangreich und für das Thema ergiebig, aber beide Texte gehören dem neuesten Forschungsstand an. Ein weiteres Werk, in dem die einzelnen Verfahren der Gesetzgebung detailliert vorgestellt werden, ist der Text von Andreas Maurer: „Parlamentarische Demokratie in der Europäischen Union“.
4
2. Die geschichtliche Entwicklung der Gesetzgebung
Bereits mit den ersten Anfängen einer gemeinsamen Europäischen Politik und der damit verbundenen Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) im Jahre 1951, bekam das Europäische Parlament sein erstes Recht auf dem Gebiet der Gesetzgebung. Damals wurde das Verfahren der Unterrichtung eingeführt, welches die bis heute schwächste Form der parlamentarischen Mitgestaltung darstellt, und auch gegenwärtig noch Anwendung findet.
Bereits am 27. November 1959 kam das Verfahren der Konsultation hinzu. Zu diesem Verfahren gehört auch der Sonderfall des Konzertierungsverfahrens. Dieses ergab sich daraus, dass die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ein Eigenmittelsystem einführte und seit dem 22. April 1970 die Letztentscheidungsgewalt über die nicht- obligatorischen Ausgaben des Haushalts beim Parlament liegt. Denn dadurch entstand ein Missverhältnis zwischen den Rechtssetzungskompetenzen und den Haushaltsbefugnissen des Parlaments 1 . Bei diesem Missverhältnis ging es darum, dass das Parlament zwar die Letztentscheidungsgewalt bei den nicht- obligatorischen Ausgaben hatte, aber der Rat allein entscheiden konnte, was obligatorische und was nicht- obligatorische Ausgaben sind. Die obligatorischen Ausgaben sind dabei solche, die sich aus den Verträgen oder entsprechenden Rechtsakten ergeben. Darunter fallen die Ausgaben zur Stützung der Agrarpreise, der landwirtschaftlichen Strukturpolitik, der gemeinsamen Fischereipolitik sowie auch Teile der Entwicklungshilfe. 2 In dieser Situation drohte das Europäische Parlament der Kommission mit einem Misstrauensvotum, falls diese nicht einen Vorschlag zur Erweiterung der Gesetzgebungskompetenzen des Parlaments einbringen würde. Um dem Misstrauensvotum zu entgehen, wurde 1975 gemeinsam von Parlament, Rat und Kommission das Konzertierungsverfahren eingeführt.
Des Weiteren hat das Europäische Parlament seit 1975 auch die Möglichkeit, den gesamten Haushaltsplan abzulehnen.
Seit der Einführung der Einheitlichen Europäischen Akte (EEA) im Jahr 1987 stehen dem Europäischen Parlament zwei neue Verfahren im Bereich der Gesetzgebung zur Verfügung.
1 Dreischer, Stephan (2003): Das Europäische Parlament. Eine Funktionsbilanz, in: Patzelt, Werner (Hrsg.)
(2003): Parlamente und ihre Funktionen. Institutionelle Mechanismen und institutionelles Lernen im Vergleich,
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, S. 239.
2 Maurer, Andreas / Wessels, Wolfgang (2003): Das Europäische Parlament nach Amsterdam und Nizza: Akteur,
Arena oder Alibi? Baden- Baden: Nomos Verlagsgesellschaft S.75.
5
Denn mit der EEA wurden die Verfahren der Zustimmung und der Kooperation eingeführt, was für das Parlament einen weiteren Kompetenzzuwachs darstellte.
Das bis dato letzte neue Verfahren ist das Mitentscheidungsverfahren, welches seit 1993 mit dem In-Kraft-Treten des Vertrags von Maastricht zur Anwendung kommt. In den Nachfolgeverträgen von Amsterdam 1997 und von Nizza 2001 wurden keine neuen Verfahren in den Gesetzgebungsprozess integriert, sondern das Mitentscheidungsverfahren wurde immer weiter reformiert, auf weitere Bereiche ausgedehnt und effizienter gestaltet. Wie aus dieser geschichtlichen Darstellung und den Namen der einzelnen Verfahren ersichtlich, wurden die Kompetenzen des Europäischen Parlaments im Bereich der Gesetzgebung immer mehr erweitert und ausgebaut. Wurde es anfangs nur über die Gesetzesvorlage unterrichtet, ist es heute ein aktiver Mitgestalter in diesem Prozess.
6
Arbeit zitieren:
Robert Küster, 2005, Der Einfluss des Europäischen Parlaments auf die Gesetzgebung in der Europäischen Union, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Carl Schmitt - Der Begriff des Politischen
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 19 Seiten
Über: Carl Schmitt - Der Begriff des Politischen
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 15 Seiten
Unternehmenskultur - Definition, Merkmale und Analyse einer bestehende...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 29 Seiten
Das 6. Buch der "10 Bücher Geschichten" von Gregor von Tours...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Zugang von Interessengruppen zur Politik der Europäischen Union
Der Fall der Erweiterung des E...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Magisterarbeit, 129 Seiten
Die Gründung der CDU. Geboren aus dem Widerstand?
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Seminararbeit, 26 Seiten
Mittelalterliche Geschichtsschreibung bei Gregor von Tours
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 17 Seiten
Die Stellung des Europäischen Parlaments in der EU - Geschichte und ak...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 24 Seiten
Chlodwigs Leben und Taufe in den Darstellungen Gregor von Tours
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Zwischen der „Festung Europa“ und dem „Raum der Freiheit“
Tendenzen von Dynamik und Bloc...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit (Hauptseminar), 40 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine juristische Hausarbeit für Microsoft ...
Ausarbeitung, 21 Seiten
Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung - Organisation und Aufgabe...
Seminararbeit, 16 Seiten
Demokratische Legitimation in der EU - 27 Staaten - (k)ein Volk?
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Konfiguration und Revision eines auf Datenbank basierenden elektronisc...
Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen
Vordiplomarbeit, 46 Seiten
Die Goldhagen-Debatte - Über das Buch "Hitlers willige Vollstreck...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Referat (Ausarbeitung), 18 Seiten
Zu: Rawls, John, Das Recht der Völker. Enthält: 'Nochmals: Die Ide...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Rezension / Literaturbericht, 8 Seiten
Robert Küster hat den Text Der Einfluss des Europäischen Parlaments auf die Gesetzgebung in der Europäischen Union veröffentlicht
Robert Küster hat einen neuen Text hochgeladen
Die Sozialisation der osteuropäischen Abgeordneten in das Europäische ...
Eine Analyse am Beispiel der E...
Jane Oispuu
Zugang zu den Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates
Gebrauchsanleitung
. Europäisches Parlament, . Rat der Europäischen Union, European Commission
Vorschlag für einen Beschluß des Europäischen Parlaments
Das 7. Rahmenprogramm der Euro...
. Generaldirektion Forschung und Innovation, Europäische Kommission
Der Europäische Bürgerbeauftragte und die Petitionen zum Europäischen ...
Eine Bestandsaufnahme zu Begin...
Annette Guckelberger
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat
Bessere Kompetenzen für das 21...
. Generaldirektion Bildung und Kultur, European Commission
30 Jahre Direktwahlen zum Europäischen Parlament (1979 - 2009)
Europawahlen und EP in der Ana...
Jürgen Mittag
Die Bürger wenden sich an das Europäische Parlament
Die Petitionen 1958-1979
European Commission
0 Kommentare