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Spiel als kulturelles Gedächtnis am Beispiel des afro-brasilianischen Kampfspiels Capoeira

Title: Spiel als kulturelles Gedächtnis am Beispiel des afro-brasilianischen Kampfspiels Capoeira

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 35 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sabine Kahlenberg (Author)

Theater Studies, Dance
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Einleitung

Die Quelle, aus dem die menschliche Gemeinschaft als Kultur entspringt, ist das kommunikative Handeln und damit das Spiel. Darunter subsumiert ist die Sprache, die Entstehung sozialer Verhaltensregeln und das Gedächtnis als der diachrone Bezug von Geschehenem. Spielen bedeutet stets kommunizieren, bedeutet Übermittlung von Information und ist damit Ausdruck einer kulturellen Leistung. In der vorliegenden Arbeit möchte ich die These untersuchen, ob historisch und kulturell bedingte Inhalte durch das Spielen tradiert werden können - dabei dient das Spiel u.a. auch als kulturelles Gedächtnis. Spielelemente sind auch im Theater enthalten, welches gleichzeitig innerhalb einer Kultur als Wissenssystem und Wissensspeicher dienen kann.

Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen Kultur, Geschichte, Spiel und Gedächtnis im afro-brasilianischen Kampfspiels capoeira, welches ich in meiner Arbeit als Beispiel für die Verknüpfung zwischen Spiel, Theater und kulturellem Gedächtnis näher untersuchen möchte. Die capoeira ist ein orales, bewegungs- und körperorientiertes Wissenssystem, das spielerisch tradiert wird. Ich versuche zu zeigen, dass das Spiel die Struktur des kulturellen Gedächtnisses bildet, eng an das religiöse Ritual anknüpft und dadurch als eine Bewältigungsstrategie für ein soziales Drama, das sich in Kultur- und Sozialsysteme fortschreibt, funktionieren kann.
Die capoeira weist wesentliche Elemente des Kampfs auf. Dennoch ist sie eher den Spielen zuzuordnen, bedeutet doch das brasilianische Wort "jogar" spielen. Die nach Caillois definierten Spielelemente des Wettkampfs (Agon), der Nachahmung und Verkleidung (Mimikry) und des Rauschs (Ilinx) sind in diesem Spiel enthalten.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 BESCHREIBUNG UND HERKUNFT DER CAPOEIRA

1.1 BESCHREIBUNG DER CAPOEIRA

1.2 HERKUNFT UND ENTSTEHUNG

2 CAPOEIRA ALS THEATER UND SPIEL

2.1 THEATRALE ELEMENTE

2.1.1 Der capoeirista als Schauspieler

2.2 DIE RODA ALS SEMIOTISCHES SYSTEM

2.3 RITUAL UND SPIEL – DAS SOZIALE DRAMA IN DER CAPOEIRA

3 CAPOEIRA ALS WISSENSSYSTEM: DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS

3.1 DIE KONNEKTIVE STRUKTUR DER CAPOEIRA

3.2 DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS

4 ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das afro-brasilianische Kampfspiel Capoeira als kulturelles Gedächtnis fungiert und historische sowie kulturelle Inhalte durch das Spiel tradiert. Dabei wird analysiert, wie sich das Spiel als eine Form des Theaters und als soziales Drama begreifen lässt, welches durch körperorientierte Wissensvermittlung identitätsstiftende Funktionen innerhalb der afro-brasilianischen Kultur erfüllt.

  • Theoretische Untersuchung von Capoeira als theatrale Performance
  • Analyse der semiotischen Zeichenstruktur in der Roda
  • Untersuchung von Capoeira als soziales Drama nach Victor Turner
  • Funktion von Capoeira als nicht-schriftliches, kulturelles Gedächtnis
  • Die Rolle des Körpers als Speicherort für historische und kulturelle Informationen

Auszug aus dem Buch

1.1 Beschreibung der capoeira

Das fließende, rauschhafte, nicht-lineare Moment einer capoeira-Performance ist nur schwer und meistens unzulänglich in Worte zu fassen. Um dem Leser eine ungefähre Vorstellung davon zu vermitteln, was bei einer capoeira roda passiert, möchte ich folgende, meines Erachtens gelungene Beschreibung des Beginns eines Spiels zweier capoeiristas zitieren:

"The two men squatted facing each other in the hot sun, sweat pouring off their faces, their clothes wet and clinging to their bodies. Behind them colleagues played musical bows and tambourines as the crowd pressed in on the cleared area in the plaza which was the arena for their contest. The festival had already been going on for two days and the capoeira players - for that was the name of the sport the men were playing - had kept the action going continuously for most of that time. The games had moved from time to time, from the market plaza to the main plaza and back, once even onto the portico of the church, but breaks in the action had been brief, and the players had achieved a state of exhaustion that bordered on trance. Yet it was precisely that bone weariness which the men sought, as a kind of liberation, freeing them from social obligations and personal worries, relaxing bodies to an elastic flexibility and focusing their attention on the game and the game alone. [...] As the two men hunkered, trying to slow their breathing, they each stared into the other´s eyes, as if to take measure of his soul.

Finally one of the musicians, himself a fellow player, grew impatient and started to sing: dá, dá, dá no nêgo, no nêgo você não dá - give, give, give it to him, you´re not giving him a thing.

The other players, and some of the spectators, came in on the chorus: dá, dá, dá no nêgo - give, give, give it to him."

Zusammenfassung der Kapitel

1 BESCHREIBUNG UND HERKUNFT DER CAPOEIRA: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen des Spiels, seine Entstehungsgeschichte aus der Sklaverei und den historischen Kontext als Mittel der Verteidigung und des Widerstands.

2 CAPOEIRA ALS THEATER UND SPIEL: Hier wird Capoeira unter theatersemiotischen Gesichtspunkten analysiert, wobei Merkmale wie die Rolle der Akteure, das Ritual und die Symbolik des Kampfes im Mittelpunkt stehen.

3 CAPOEIRA ALS WISSENSSYSTEM: DAS KULTURELLE GEDÄCHTNIS: Dieses Kapitel untersucht die Funktion der Capoeira als kultureller Wissensspeicher, der durch Wiederholung, rituelle Kohärenz und körperliche Tradierung historisches Gedächtnis bewahrt.

4 ZUSAMMENFASSUNG: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bekräftigt die Bedeutung der Capoeira als nicht-schriftliches Medium zur Erhaltung kultureller Identität.

Schlüsselwörter

Capoeira, kulturelles Gedächtnis, Theatersemiotik, soziales Drama, Afro-Brasilien, performative Künste, Roda, Körperwissen, Identität, Sklaverei, Widerstand, Ritual, Tradierung, Bewegungslehre, Mestre.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt Capoeira als ein komplexes kulturelles Phänomen, das weit über einen reinen Kampfsport hinausgeht und als Ausdrucksform eines kulturellen Gedächtnisses sowie als Theaterform fungiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittmenge von Spiel, Theater und Ritual, der soziologischen Betrachtung als soziales Drama und der Analyse der körperbasierten Wissensvermittlung innerhalb der afro-brasilianischen Kultur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Autorin untersucht die These, ob Capoeira als kulturelles Gedächtnis dient, das historisch bedingte Informationen überlebensfähig macht und durch performative Strukturen an nachfolgende Generationen weitergibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein interdisziplinärer Ansatz gewählt, der vor allem auf theatersemiotischen Theorien, gedächtnistheoretischen Modellen (nach Jan Assmann) und soziologischen Ansätzen (nach Victor Turner) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theatralen Elemente der Capoeira, die semiotische Struktur der "Roda", die Rolle des Schauspielers (capoeirista) sowie die Bedeutung von Ritualen und Mythen für die Speicherung kultureller Identität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind neben Capoeira vor allem kulturelles Gedächtnis, soziales Drama, Theatersemiotik, Körperwissen, Identität und Widerstand.

Wie unterscheidet sich die Wissensvermittlung in der Capoeira vom klassischen europäischen Theater?

Während europäisches Theater stark auf schriftlich fixierten Rollentexten basiert, nutzt Capoeira eine mündliche und körperliche Tradierung durch Gesang, Rhythmus, rituelle Abläufe und Nachahmung, was es zu einem nicht-schriftlichen Gedächtnis macht.

Was bedeutet die "malicia" in der Capoeira?

Malicia beschreibt eine trickreiche Verhaltens- und Lebensweise, die in der Welt der Capoeira positiv bewertet wird. Sie dient als "Waffe der Schwachen", um sich in unterdrückerischen Systemen indirekt zu behaupten und ist ein zentrales spielerisches Element.

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Details

Title
Spiel als kulturelles Gedächtnis am Beispiel des afro-brasilianischen Kampfspiels Capoeira
College
Free University of Berlin  (Institut für Theaterwissenschaft)
Course
Grundbegriffe der Theaterwissenschaft: Spiel
Grade
1,3
Author
Sabine Kahlenberg (Author)
Publication Year
2002
Pages
35
Catalog Number
V4908
ISBN (eBook)
9783638129930
ISBN (Book)
9783656759935
Language
German
Tags
Capoeira Spiel Gedächtnis Brasilien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sabine Kahlenberg (Author), 2002, Spiel als kulturelles Gedächtnis am Beispiel des afro-brasilianischen Kampfspiels Capoeira, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4908
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