Managementstrategien internationaler Unternehmen in der VR China
1
Inhaltsverzeichnis
I Abbildungsverzeichnis 3
II Abkürzungsverzeichnis 4
1. Einleitung 6
1.1 Problemstellung 7
1.2 Ziel und Gang der Untersuchung 7
2. Investitionsstandort Volksrepublik China 9
2.1 Politischer Transformationsprozess 9
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen 13
2.3 Ökonomische Situation 16
2.3.1. Bruttoinlandsprodukt 16
2.3.2. Außenhandel 18
2.3.3. Ausländische Direktinvestitionen 20
2.4 Kulturelle Aspekte: Guanxi und Mianzi 22
2.5 Zwischenfazit 25
3. Strategien des Managements internationaler Unternehmen Darstellung
des Untersuchungsgegenstandes 26
3.1 Internationale Unternehmensstrategie 27
3.2 Internationale Markteintrittsstrategie 27
4. Die Transaktionskostentheorie 31
4.1 Grundlagen der Transaktionskostentheorie 32
4.1.1. Transaktion 32
4.1.2. Transaktionskosten 33
4.2 Einflussgrößen auf die Höhe der Transaktionskosten 35
4.2.1. Verhaltensannahmen 36
4.2.2. Umweltmerkmale 38
4.3 Koordinationsformen der Transaktion: Markt und Hierarchie 47
4.4 Zwischenfazit 50
Managementstrategien internationaler Unternehmen in der VR China
2
5. Equity Joint Ventures (EJV) in der VR China 52
5.1 Grundlagen: Abgrenzung EJV von CJV 53
5.2 Voraussetzungen 55
5.3 Motive 60
5.3.1. Seitens der chinesischen Unternehmen 60
5.3.2. Seitens der internationalen Unternehmen 60
5.4 Der Prozess eines EJV in der VR China 61
5.4.1. Ex ante: Initiierungsphase 61
5.4.2. Ex ante: Verhandlungs- bzw Gründungsphase 66
5.4.3. Ex post: Betriebs- und Kontrollphase 76
5.4.4. Ex post: Beendigungsphase 83
5.5 Zwischenfazit 85
6. Wholly Foreign-Owned Enterprises (WFOE) in der VR China 87
6.1 Grundlagen 87
6.2 Voraussetzungen 89
6.3 Motive 90
6.4 Der Prozess eines WFOE in der VR China 91
6.4.1. Ex ante: Initiierungsphase 91
6.4.2. Ex ante: Verhandlungs- und Gründungsphase 91
6.4.3. Ex post: Betriebs- und Kontrollphase 93
6.4.4. Ex post: Beendigungsphase 97
6.5 Zwischenfazit 98
7. Gegenüberstellung: EJV versus WFOE 98
7.1 Vorteile: EJV versus WFOE 99
7.2 Nachteile: EJV versus WFOE 100
7.3 Strategiealternativen 101
7.3.1. Vom EJV zum WFOE 102
7.3.2. EJV und WFOE 104
7.4 Fazit 105
III Literaturverzeichnis 107
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I. Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Außenhandelswachstum der VR China (Index 1970=1)
Abbildung 2: Level und Zusammensetzung der Brutto-Kapitalzuflüsse in
Mrd. USD (1982-2003)
Abbildung 3: Formen internationaler Markteintrittsstrategien
Abbildung 4: Transaktionskostenarten
Abbildung 5: „Organizational Failures Framework“
Abbildung 6: Koordinationsformen zwischen Markt und Hierarchie
Abbildung 7: Vorgehensweise mittelgroßer internationaler Unternehmen
beim Markteintritt in der VR China
Abbildung 8: EJV und WFOE als Markteintrittsstrategie internationaler
Unternehmen in der VR China
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4
II. Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung
AHK Außenhandelskammer
ASEAN Association of South East Asian Nation
ATC Agreement on Textiles and Clothing
BIP Bruttoinlandsprodukt
BfAI Bundesstelle für Außenhandelsinformationen
BoD Board of Directors
BR Bundesrepublik
ca. circa
bspw. beispielsweise
bzw. beziehungsweise
CJV Contractual Joint Venture
China National Automotive Industry Corporation CNAIC
EIU Economic Intelligence Unit
EJV Equity Joint Venture
et al. et alii
etc. et cetera
f. folgende
ff. fort folgende
First Automobile Works FAW
FIE Foreign Invested Enterprise
FDI Foreign Direct Investment
General Motors GM
GM General Manager
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
IHK Industrie- und Handelskammer
IJV International Joint Venture
IPR Intellectual Property Right
IWF Internationaler Währungsfond
KKP Kaufkraftparitäten
KPCh Kommunistische Partei Chinas
Ltd. Limited
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MNE Multinational Enterprise
MOFERT Industry of Foreign Economic Relations and Trade
MOFTEC Ministry of Foreign Trade and Economic Cooperation
NBS National Bureau of Statistics of China
OCC Open Coastal City
OECD Organisation for Economic Co-operation and Development
o.V. ohne Verfasser
PRC Peoples Republic of China
S. Seite
SAR Special Administrative Region
Shanghai Automobile and Tractor Industry Corporation SATIC
SFJV Sino-foreign Joint Venture
SOE State-owned Enterprise
Shanghai Volkswagen Automotive Company Ltd. SVW
SWOT Strength, Weaknesses, Opportunities and Threats
SWZ Sonderwirtschaftszone
TC Transaction Cost
TK Transaktionskosten
u.a. unter anderem
United Corporate China Apparel Ltd. UCCAL
UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development
USD United States Dollar ($)
u.U. unter Umständen
vgl. vergleiche
Vol. Volume
VR Volksrepublik
WTO World Trade Organization
WFOE Wholly Foreign-owned Enterprise
z.B. zum Beispiel
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6
1. Einleitung
Epochale Umbrüche haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie werden in der Regel als solche nicht sofort wahrgenommen. Der wirtschaftliche Wiederaufstieg der VR China 1 hingegen hat mittlerweile fast jeden Haushalt und jedes Unternehmen erfasst. Derzeit wundert sich kaum noch ein Konsument darüber, dass sein Mobiltelefon oder sein Notebook im „Reich der Mitte“ produziert worden ist. Dass diese Produkte aber immer noch das ihm vertraute Label eines internationalen Unternehmens tragen zeigt nur, wie sehr die Weltwirtschaft bereits von dem Standort China profitiert hat. So wird allenthalben davon ausgegangen, dass der Zuwachs an Effizienz, den die chinesische Volkswirtschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten vorzuweisen hatte, fast ausschließlich auf das Konto der internationalen Investoren geht (Baron et al., 2005: 24). Für die internationalen Unternehmen ist dies jedoch nur die eine Seite derselben Medallie. Denn China verfügt auch noch über einen der attraktivsten Binnenmärkte weltweit, den es zu erschließen gilt.
Voraussetzung hierfür war zunächst die wirtschaftliche Öffnung der Volksrepublik, die durch wirtschaftspolitische Reformmaßnahmen umgesetzt worden ist (vgl. Deng, 2001: 63). Hiernach ist die Zahl internationaler Unternehmen aus aller Welt, die sowohl von den chinesischen Produktionsbedingungen als auch von der Attraktivität des chinesischen Binnenmarktes überzeugt sind und die darin ihr Zielgebiet einer geschäftlichen Expansion gefunden haben, ständig gewachsen (Meng, 2003: 1). Aus eigener Notwendigkeit heraus nutzen die Chinesen hierbei geschickt die Kräfte der Globalisierung und des Kapitalismus nach ihren eigenen Vorstellungen und für ihre eigenen Zwecke. Denn die Entscheidung der internationalen Unternehmen für den Standort der VR China wird auch zukünftig durch die Sachzwänge erleichtert, denen sie auf den Weltmärkten unterworfen sind. Diese ergeben sich durch den gegen- wärtigen Globalisierungsprozess, auf den im Rahmen verknüpfter Weltwirtschafts- strukturen mit neuen strategischen Ausrichtungen seitens der Unternehmen reagiert werden muss. Nur so lässt sich vor dem Hintergrund eines zunehmenden Wett- bewerbsdrucks auf internationalen Märkten weiterhin erfolgreich operieren. Hierzu bedarf es der Entwicklung und Umsetzung nachhaltiger Erfolgsstrategien durch die Unternehmen, um hinsichtlich der bestehenden internationalen Kapitalmobilität und
1 Die Termini „China“ und „Volksrepublik China (VR China)“, beziehen sich – falls nicht aus-
drücklich anders angegeben – auf das Gebiet der Volksrepublik China exklusive der Sonder-
verwaltungszonen Hongkong SAR und Macau. Taiwan wird ebenfalls nicht unter diesen Begriff
subsumiert. In der Literatur wird deshalb auch häufig der Begriff „Mainland China“ verwendet.
Managementstrategien internationaler Unternehmen in der VR China
7
des internationalen Standortwettbewerbs wirtschaftliche Erfolge in verschiedenen Ländern langfristig zu sichern. Dies zu erreichen macht in zunehmendem Maße Direktinvestitionen in den jeweiligen Zielmärkten notwendig. Vor diesem Hinter- grund lassen sich insbesondere so komplizierte Märkte wie die der VR China besser erschließen (vgl. Gutowski, 2003: 5; Gutowski, 1998: 1).
1.1 Problemstellung
Die meisten internationalen Unternehmen würden die Behauptung unterschreiben, dass der Markteintritt mittels Direktinvestition in der VR China keine strategische Option, sondern eher eine strategische Notwendigkeit für die Zukunft darstellt (Teng, 2004: 381). Die Frage, die sich viele internationale Unternehmen stellen ist also nicht die, ob überhaupt ein Investment in der VR China getätigt werden soll, sondern wie sie ihr Engagement in den weltweit komplexesten Märkten der VR China am erfolgreichsten strukturieren und managen sollten (Mechem, 2004: 6; vgl. Schlevogt, 2000b: 201). Hieran knüpft das Ziel der Untersuchung an, wonach sich anschließend der Gang der Untersuchung ausrichtet.
1.2 Ziel und Gang der Untersuchung
Ziel der vorliegenden Arbeit wird es sein, die beiden hauptsächlich gewählten Markteintrittsstrategien mit Direktinvestitionen in der VR China, nämlich das Equity Joint Venture (EJV) 2 und das 100%ige Auslandsunternehmen (WFOE) 3 hinsichtlich der Koordination von Transaktionen und deren Kosten im chinesischen Umfeld einander gegenüberzustellen. Die Analyse soll schließlich eine Entscheidungshilfe bei der Wahl der effizientesten Strategie für das Management eines internationalen Unternehmens in der VR China sein.
Der Erreichung des Zieles ordnet sich der Gang der Untersuchung unter, welche in sieben Kapitel unterteilt ist. Im Anschluss an die oben vollzogene Einführung in die Thematik beginnt die Analyse im zweiten Kapitel mit der Beschreibung des
2 Im Folgenden wird der englische Begriff des „Equity Joint Venture“ (EJV) verwendet.
3 Im Folgenden wird der englische Begriff des „Wholly Foreign-Owned Enterprise“ (WFOE)
verwendet.
Managementstrategien internationaler Unternehmen in der VR China
8
Investitionsstandorts VR China, die sich sowohl in politische und rechtliche als auch ökonomische und kulturelle Aspekte gliedert. Im dritten Kapitel werden der Gegen- stand der Untersuchung und daran anschließend die zu analysierende Hauptfrage der Arbeit hergeleitet. In einem vierten Kapitel wird die der Arbeit zugrunde liegende Theorie näher erläutert. Sie kommt erstmalig in Kapitel fünf zur Anwendung in dem der Autor die Koordination von Transaktionen innerhalb eines EJV in der VR China analysiert. In derselben prozessualen Art und Weise wird im darauf folgenden sechsten Kapitel das WFOE in der VR China untersucht. Nachdem beide Strategien erörtert worden sind, können sie im siebten Kapitel einander abschließend gegen- übergestellt werden.
Managementstrategien internationaler Unternehmen in der VR China
9
2. Investitionsstandort Volksrepublik China
Die Beschreibung des Investitionsstandortes VR China beinhaltet in einem ersten Schritt den politischen Transformationsprozess, auf dem sich das Land in den letzten Jahren befindet. Hieran soll deutlich werden, wie sich die Investitionsmöglichkeiten für internationale Unternehmen im Zuge dieses Prozesses verändert haben und auf welchem politischen Weg sich die Volksrepublik derzeit befindet. Die Umsetzung dieses politischen Prozesses kommt in den rechtlichen Rahmenbedingungen zum Ausdruck, welche einerseits die Wahl der Unternehmensform beeinflussen und die Grundlage für die erzielten ökonomischen Ergebnisse bilden. Letztere weisen zudem darauf hin, mit welcher allgemeinen Konkurrenzsituation ein Investor auf den Märkten der VR China derzeit rechnen kann. Nicht minder wichtig für die solide Vorbereitung eines China-Engagements ist die Berücksichtigung einiger kultureller Aspekte, der hier Folge geleistet werden soll. Denn unabhängig von der Wahl einer China-Strategie kann sich dieser kein internationales Unternehmen entziehen.
2.1 Politischer Transformationsprozess
Nach Jahrzehnten einer geschlossenen Volkswirtschaft und Abkopplung vom Weltmarkt, begannen die Chinesen Ende der 1970er Jahre mit einer vorsichtigen Liberalisierungs- und Öffnungspolitik die das Ziel verfolgte, durch eine zunehmende Integration der Volksrepublik in die Weltwirtschaft, auch ihren Einfluss in dieser zu stärken (vgl. Bühler, 2000: 9). Parallel hierzu leitete die kommunistische Partei Chinas (KPCh) mit ihren Reformbeschlüssen aus dem Jahre 1978 den Wandel des chinesischen Wirtschaftssystems (Systemtransformation) 4 ein, um damit zunächst eine größere Effektivität der ökonomischen, politischen und sozialen Strukturen zu erreichen (vgl. Meng, 2003: 1). Man verständigte sich auf eine Transformations- politik 5 , die einem „(...) path of incremental reforms instead of fundamental changes, „shock therapies”, or „big bangs“ (Schlevogt, 2000a: 93) folgen sollte (vgl.
4 Die Systemtransformation bezeichnet dabei den grundlegenden Ordnungswandel der Wirtschaft und Gesellschaft (Streit, 1996: 3). Als fundamentales Ziel der Systemtransformation kann die Substitution einer ineffizienten Organisationsform der Volkswirtschaft durch eine andere Organisationsform gelten, welche die Effizienzkriterien eines Wirtschaftssystems besser erfüllt. Zu den Effizienzkriterien zählen dabei die Input-Output-Effizienz, die Produktivität, das Wachstumstempo, die Innovations- dynamik und die Allokationseffizienz (vgl. Lösch, 1993: 17).
5 Allgemein wird unter Transformationspolitik diejenige Politik verstanden, welche die Ziele der Systemtransformation durchzusetzen versucht (vgl. Streit, 1996: 3).
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Gutowski, 2003: 11 ff.). Diese graduelle Transformation lässt sich charakterisieren als eine „(...) policy of opening and economic reforms while holding on to the communist ideology in the political sphere“ (Schlevogt, 2000a: 88). Genauer führte diese, von der KPCh gesteuerte und kontrollierte Politik vermehrt marktwirt- schaftliche Elemente in das bis dahin rein planwirtschaftlich organisierte Wirt- schaftssystem und förderte den wirtschaftlichen wie technischen Austausch mit dem Ausland (Bühler, 2000: 9; Chong, 2001: 4). Neben einer stärkeren Außenhandels- verflechtung wurden ausländische Direktinvestitionen (FDI) 6 gezielt begünstigt und sollten helfen, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben. „Indeed, attracting FDI has been the key pillar of China’s „opening up“- policies” (Tseng et al., 2002: 2). Außer der Bereitstellung von Kapital ermöglichen FDI zusätzlich den wichtigen Zugang zu Technologie und Know-how und schaffen damit die Basis für langfristiges Wirtschaftswachstum (vgl. Mohr, 2002: 20; Meng, 2003: 3).
Ein Charakteristikum des politischen Transformationsprozesses ist die stufenweise Vorgehensweise, weshalb er sich auch in einzelne Transformationsphasen unterteilen lässt. Diese lassen sich sowohl in kleinere, den 5-Jahresplänen angelehnte, als auch in größere, die mittel- bis langfristigen Ziele beschreibende Phasen disponieren. 7 Folgt man der letztgenannten, so lässt sich der Transformationsprozess nach Meng unterscheiden in eine erste Phase bis ins Jahr 1992, die man „(...) als Vorbereitungs- phase auf den Bedarf marktwirtschaftlicher Gesetzmäßigkeiten identifizieren kann“, während eine zweite Phase seit Anfang der 1990er Jahre mit der „tatsächlichen Umstrukturierung zur Marktwirtschaft“ begonnen hat, welche auf eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Volksrepublik abzielt und bis heute andauert (vgl. Meng, 2003: 1).
1. Transformationsphase: „Vorbereitungsphase“ (1978-1992)
2. Transformationsphase: „Umstrukturierung zur Marktwirtschaft“ (1992-heute)
6 Im Folgenden wird auf den englischen Begriff des „Foreign Direct Investment“ (FDI) abgestellt. 7 Nach Bosch und Bühler lassen sich die Schritte der Transformationspolitik in Anlehnung an 5- Jahrespläne in vier Transformationsphasen unterscheiden. Diese bestehen aus der ersten Phase der „vier Modernisierungen“ (Landwirtschaft, Industrie, Verteidigung, Wissenschaft und Technik) von 1978 bis 1983, der zweiten Phase der „planmäßigen Warenwirtschaft“ von 1984 bis 1991, der dritten Phase der „Sozialistischen Marktwirtschaft mit chinesischen Charakteristika“ von 1992 bis 1997 und schließlich der vierten Phase, der „Theorie des Anfangsstadiums des Sozialismus“ von 1997 bis heute (Bosch et al., 2003: 17 ff.; Bühler, 2000: 12). Die „Theorie des Anfangsstadiums des Sozialismus“ impliziert, dass die Entwicklung der Produktivkräfte noch nicht abgeschlossen ist. Es gilt, hierzu die Industrialisierung und Modernisierung der Volkswirtschaft voranzutreiben, was durch die System- transformation in die sozialistische Marktwirtschaft verwirklicht werden soll (vgl. Bühler, 2000: 21).
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11
Die einzelnen Transformationsphasen beschreiben dabei auch den wirtschaftlichen Öffnungsprozess der VR China gegenüber den FDI. Die Summe von Investitions- möglichkeiten für FDI kann dabei als Indikator des Öffnungsgrades, sowohl Regionen als auch Sektoren betreffend eingesetzt werden (Bühler, 2000: 13). Unter diesem Fokus werden hier kurz die Maßnahmen und Zielsetzungen der beiden großen Transformationsphasen analysiert.
In der ersten Phase setzte neben allgemeinen Wirtschaftsreformen auch ein Beginn der Liberalisierung der bis dahin strikten Zulassungskontrollen für ausländisches Kapital ein. Ziel war es herauszufinden, welche Auswirkungen FDI auf die Wirt- schaftsentwicklung ausgewählter Regionen in der VR China haben, um sie dann im Erfolgsfall gezielt für die eigenen Zwecke zu nutzen. Hierfür wurden neben den vier errichteten Sonderwirtschaftszonen (SWZ) auch einige so genannte „Open Coastal Cities“ (OCC) entlang der chinesischen Küste bestimmt, welche den internationalen Unternehmen zu einem sicheren ökonomischen Umfeld unter attraktiven Konditionen verhalfen (vgl. Chong, 2001: 4; Schlevogt, 2000a: 97). 8 Im Ergebnis konnte, aus Gründen der von internationalen Investoren erfolgreich genutzten Produktionskostenvorteile, der Zweck einer Integration in die internationale Arbeits- teilung über ein allmählich ansteigendes Exportvolumen erreicht werden (Schlevogt, 2000b: 220).
In der zweiten Phase, die auch als „(...) era of renewed confidence and entrepreneur- ship“ (Tseng et al., 2002: 3) bezeichnet wird, wurde das Systemziel der Trans- formation von einer sozialistischen Planwirtschaft in eine sozialistische Marktwirt- schaft als langfristige Strategie für die VR China vereinbart (Schlevogt, 2000a: 95). 9 Zwar wurde die Fortführung der bis dahin Erfolg versprechenden Wirtschafts- reformen in regionaler wie sektoraler Hinsicht zusätzlich beschleunigt und weiter
8 Zu diesen vier SWZ gehören Shenzen, Zhuhai, Shantou und Xiamen (Pan, 1994: 5). Unter den attraktiven Bedingungen lassen sich Investitionsanreize wie Steuerbegünstigungen, weniger staatliche Kontrollen in Form administrativer Auflagen, sowie eine marktwirtschaftliche Ordnung subsumieren. Ab 1984 zählen zu den Open Coastal Cities (OCC) 14 Städte, darunter Lioning, Hebei, Tianjing, Shandong, Jiangsu, Shanghai, Zhejiang, Fuijian, Guangzhou, Hainan, Guangxi, Dalian, Ningbo und Qingdao. Diese liegen in Provinzen, die teilweise zu speziellen Entwicklungszonen gemacht worden sind. Die Flußdeltas Yangtse-, Perl-, und Fuijianflußdelta sowie die Insel Hainan wurden ein Jahr später als wirtschaftliche Präferenzgebiete geöffnet. (vgl. Chong, 2001: 4; vgl. Bühler, 2000: 16). 9 Dies wurde auf dem 14. nationalen Parteikongress im Jahr 1992 vollzogen (vgl. Schlevogt, 2000a: 95). Charakteristisch für das Modell der sozialistischen Marktwirtschaft ist, dass die Produktions- faktoren zwar weiterhin als kollektives Eigentum betrachtet werden, die Verwendung dieser jedoch an marktwirtschaftlichen Prinzipien ausgerichtet sein soll (vgl. Mohr, 2002: 19).
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ausgedehnt. Allerdings standen einfache Zugeständnisse vorteilhafter Konditionen an internationale Investoren von Beginn an eher weniger im Vordergrund, denn ein langfristiges Engagement internationaler Unternehmen. Auf diese Weise will die VR neben einer tatsächlichen Umstrukturierung zur Marktwirtschaft eine langfristige und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung erreichen (vgl. Bühler, 2000: 20).
Aus Sicht der VR China ist eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung untrennbar mit dem Ausgleich der regionalen Disparitäten verbunden. Die einseitige Anziehung von FDI in der ersten Transformationsphase hat die Heterogenität zuungunsten der Inlandsprovinzen noch zusätzlich verschärft. Letztere drückt sich nicht nur in einem, mit zunehmender Arbeitslosigkeit steigendem Einkommensunterschied zwischen Inlands- und Küstenprovinzen, sondern auch in einem Gefälle der ohnehin nicht ausreichenden sozialen Sicherungssysteme aus (vgl. Weltbank, 2004: 2; Schlevogt, 2000a: 94). 10 Dieses Ungleichgewicht zwischen Küste und Inland soll langfristig durch einen sukzessiven geographischen Verlauf der Reformen von Süden nach Norden und von Osten nach Westen egalisiert werden (vgl. Meng, 2003: 2). Hieraus werden sich neue und weit reichende Investitionsmöglichkeiten für internationale Investoren ergeben. 11
Der unbedingte Wille einer Umstrukturierung zur Marktwirtschaft wird vor allen Dingen durch den in dieser Phase begonnenen Prozess der Privatisierung und Re- strukturierung der Staatsbetriebe unterstrichen. Im Rahmen der Privatisierungs- bemühungen begann sich der Staat langsam aus der Führung staatseigener Unter- nehmen (SOE) 12 zurückzuziehen (Bosch et al., 2003: 20). Eine Konkurrenzfähigkeit der SOE konnte trotz hoher Subventionierung im Anschluss nicht erreicht werden, so dass eine „Alimentierung der Staatswirtschaft aus den öffentlichen Haushalten“ (Bosch et al., 2003: 20) heute weitestgehend eingestellt worden ist (vgl. Bosch, et al., 2003: 20; Chong, 2001: 5; Yan et al., 2001: 6; Mohr, 2002: 24). „Critical industries
10 Für eine genauere Darstellung der Entwicklung des sozialen Netzes in der VR China siehe Weltbank (2004: 6).
11 Bessere Investitionsbedingungen für ausländische Investoren sollen bspw. durch einen verstärkten Abbau von Marktbeschränkungen sowie durch staatliche Subventionen, Steuererleichterungen und andere Maßnahmen wie etwa ein vereinfachtes Gründungsverfahren geschaffen werden (Bittmann, 2001: 4 ff.). Die VR China ist also durchaus an einer zunehmenden und landesweiten Markt- erschließung durch internationale Unternehmen interessiert.
12 Im Folgenden wird hier auf den englischen Begriff des „State-Owned Enterprise“ (SOE) zurück- gegriffen.
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13
from energy to defence and especially China´s banks, which desperately need foreign owners, will probably remain under state control“(Economist, 2005: 74).
Unwiderruflich und mit großen Chancen hinsichtlich einer langfristigen und nach- haltigen wirtschaftlichen Entwicklung verbunden, ist der bisher bedeutendste Schritt innerhalb dieser Transformationsphase: der Beitritt der VR China zu Welthandels- organisation (WTO) 13 im Dezember 2001 (o.V., 2003). Einerseits haben sich daraus enorme Ansprüche und eine wichtige außenpolitische Stärkung für die VR China ergeben. Denn durch diese neue Stellung findet sich Peking in einer Position wieder, in der es über die Ausgestaltung der Spielregeln des Welthandels mitentscheidet. Andererseits verpflichtet der WTO-Status die VR zu weiteren außenwirtschaftlichen Liberalisierungsprozessen, zur Schaffung eines chinesischen Binnenmarktes sowie zur Beseitigung noch bestehender Marktzugangsbeschränkungen (Bosch, et al., 2003: 29). Sicher ist, dass „China´s implementation of it´s WTO commitments has significantly expanded foreign investors´ ability to participate in the country´s economy” (Mechem, 2004: 6).
Die beibehaltene Steuerung und Kontrolle des Transformationsprozesses durch die KPCh, drückt sich in den rechtlichen Bestimmungen aus, die zur Anziehung von Direktinvestitionen erlassen worden sind. Sie sollen im nächsten Unterabschnitt genauso kurz erwähnt werden, wie eine generelle Einschätzung des aktuellen Rechts- systems.
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
Seit dem Ende der siebziger Jahre wurde schrittweise ein rechtliches Rahmenwerk geschaffen, um die politischen Vorgaben umzusetzen. Dieses hat die Bedingungen für FDI zunächst begrenzt und dann langsam erweitert hat. 14 In der ersten Transformationsphase wurde die gesetzliche Grundlage für die Attrahierung von FDI im Jahr 1979 mit dem „Law on Joint Ventures Using Chinese and Foreign Investment“ geschaffen, was im Jahre 1983 noch um weitere Details 13 Im Folgenden wird auf den englischen Begriff „Worls Trade Organisation“ (WTO) zurück-
gegriffen.
14 Eine genaue Auflistung der die Direktinvestitionen betreffenden Bestimmungen findet sich unter
anderem bei Tseng et al. (2002: 12 ff.). Vgl. auch Prasad et al.(2005: 32ff.) und Rumbaugh et al.
(2004).
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14
(Durchführungsbestimmungen) ergänzt wurde (Tseng et al., 2002: 12; Tetz, 1995: 143). Die Investitionstätigkeit ausländischer Unternehmen sollte in diesem ersten Schritt einer Liberalisierung der Zulassungskontrollen für ausländisches Kapital gefördert werden, allerdings nur unter Einbeziehung eines chinesischen Partners. Im Jahr 1986 folgte die Genehmigung der Gründung einer Gesellschaft in 100%igem Auslandsbesitz (WFOE) (auch außerhalb der SWZ), vertreten durch das „Law on Wholly Foreign Owned Enterprises“ (Janus, 2004a: 1; Tseng et al., 2002: 12; Bühler, 2000: 14).
In der zweiten Transformationsphase sind die FDI in vier verschiedene Klassen, nämlich in „encouraged, permitted, restricted, and prohibited“ unterteilt worden. Hierzu sind vom Ministerium für Außenhandel und wirtschaftliche Zusammenarbeit im Jahre 1995 (MOFTEC) 15 gesetzliche Bestimmungen erlassen worden, die so genannten „Interim Provisions Guiding Foreign Investment Direction“. Dieser „Guidance Catalouge” spiegelt dabei überaus deutlich die Steuerung und Kontrolle der FDI in die zur erfolgreichen Gestaltung des Transformationsprozess benötigten Gebiete und Sektoren wieder. 16 „The regulations aim to encourage greater geo- graphic dispersion of FDI flows within China, and promote FDI flows into targeted sectors and industries, such as export-oriented and high-technology industries, agriculture, and infrastructure” (Tseng et al., 2002: 12 f.). Insbesondere seit dem WTO-Beitritt ist es der chinesischen Führung allerdings nicht mehr bedingungslos möglich, alle FDI in rein chinesischem Interesse zu überwachen und zu lenken. So verpflichtete sich die Volksrepublik zur Einhaltung von Zusagen, zu denen bspw. die Nicht-Diskriminierung ausländischer Unternehmen und die Einhaltung der WTO- Regeln im Bezug auf gewerbliche Schutzrechte, den Schutz des geistigen Eigentums (IPR) oder das Streichen einiger Anforderungen an FDI, wie z.B. die überwiegende Exportorientierung gehören. Hinzukommt die Verpflichtung internationalen Unter- nehmen den Marktzugang zu erleichtern und die Restriktionen im Dienstleistungs-
15 Im Folgenden wird auf den englischen Begriff des „Ministry of Foreign Trade and Economic Cooperation” (MOFTEC) abgestellt.
16 Dabei sind beispielsweise die Industriebereiche, nach denen die Projekte innerhalb der Klassen untergliedert sind neu gruppiert worden. Einige Projekte sind für den ausländischen Investor insofern eingeschränkt worden, als dass bei JV die chinesische Seite mehrheitlich beteiligt werden muss und/oder keine Gründung eines WFOE möglich ist. „Encouraged“ sind alle Investitionen in die mit High-Tech und Infrastrukturaufbau in den Inlandsprovinzen zu tun haben. Auch wenn es zu einem langfristigen Ziel der chinesischen Regierung zählt, den Dienstleistungssektor zu öffnen, so ist auffällig, dass dieser keine grundlegenden Veränderungen im neuen „Guidance Catlouge“ erfahren hat und dadurch die bestehenden Restriktionen beibehalten worden sind. (o.V., 2001a: 6 ff.). Für eine Zusammenfassung des „Guidance Catalouge“ siehe Vanhonacker (1996a: 11).
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15
bereich zu lockern (Tseng et al., 2002: 13). 17 Zwar schreibt das Rechtssystem vor, dass die internationalen Abkommen, denen China vorbehaltlos beigetreten ist, über dem chinesischem Recht stehen (Kuhn et al., 2001: 99). Gleichwohl ist vier Jahre nach dem Beitritt so manche Illusion verflogen. Immer noch werden lediglich diejenigen Klauseln einwandfrei umgesetzt, die der VR nach Ansicht der KPCh nützen (Baron et al., 2005: 28). Letzten Endes bedeutet dies zwar, dass „(…) foreign companies will have more opportunities to enter the business area in China” (Yan et al., 2001: 17), die Steuerung und Kontrolle der FDI durch die KPCh, verkörpert durch den „Guidance Catalouge“, ist dennoch beibehalten worden.
Natürlich werden internationale Unternehmen während ihres Engagements in der VR China nicht nur von den gesetzlichen Regelungen betroffen, die ihre Investitions- möglichkeiten angehen, sondern auch grundsätzlich von der aktuellen Situation des chinesischen Rechtssystems. Zweifels ohne kann im Blick darauf festgestellt werden, dass sich, in besonderer Weise nach dem Beitritt zur WTO, die Bemühungen zum Aufbau eines formalen Rechtssystems nach internationalen Standards erheblich ver- stärkt haben. Unabhängig davon ist das Rechtssystem in der VR China bis heute, gemessen an einer nach westlichen Standards ausgerichteten, rechtssicheren Ge- schäftstätigkeit, noch äußerst unzureichend und volatil. Der Aufbau eines solchen verläuft schwerfällig, was zunächst auf die Tatsache zurückzuführen sein dürfte, dass im Allgemeinen ein formales Rechtssystem im Sinne derer westlicher Demokratien in der VR China keine Tradition hat (vgl. Baron et al., 2005: 32). Die Ge- schäftstätigkeit ist seit jeher geprägt durch das Nebeneinander von formellen und informellen Ordnungsstrukturen. Für viele Sachverhalte des Wirtschaftslebens existieren bis heute keine oder nur unzureichend definierte Rechtsgrundlagen. Diese Graubereiche werden zu Ermessensspielräumen der Behörden, die bisher zu einer hohen Rechtsunsicherheit bei den ausländischen Investoren geführt haben (Düerkop, 2001: 55 ff.). Die informelle Rechtsordnung, das „Guanxi“-System, genauer beschrieben in Abschnitt 2.4, vermag bislang die Lücke zur formellen Rechts- ordnung zu verringern. Andererseits wird der Aufbau auch dadurch verlangsamt, dass „(...) bis heute in China Politik und Recht nicht voneinander zu trennen“ sind (Kuhn et al., 2001: 90). Durch die staatliche Einflussnahme in Verwaltungs- wie Unternehmensentscheidungen wird eine wirksame und rechtssichere Geschäfts-
17 Eine zusammenfassende Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen nach Branchen findet
sich bei o.V. (2004d: 12).
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führung zusätzlich erschwert. So ergeben sich bspw. Schwierigkeiten, wenn Behörden nach internen Anweisungen agieren, die überhaupt nicht veröffentlicht oder selten eingesehen werden dürfen (Tommsdorff, 1994: 36). Hierbei handelt es sich um von der KPCh erlassene Politnormen, welche aufgrund ihrer Richtungs- weisung als solches über dem chinesischen Recht stehen. Dies schafft deshalb Unsicherheiten für internationale Investoren, da schon für die Gründung einer Firma die Bewilligung der zuständigen Behörde notwendig ist. Somit liegt die letzte Entscheidung auch in der Legislative oftmals in der Parteizentrale (vgl. Kuhn et al.; 2001: 90 f.). 18 Insgesamt ist für die Zukunft zu erwarten, dass „mit dem Beitritt zur WTO auch das Rechtssystem differenzierter, effizienter und vor allem transparenter ausgestaltet werden [dürfte]“ (Bosch et al., 2003: 29). Welche ökonomischen Ergebnisse sich unter dem Mantel des derzeitigen Rechtssystems und den verbesserten Investitions- möglichkeiten internationaler Unternehmen bereits erzielen ließen, soll im nächsten Abschnitt erläutert werden.
2.3 Ökonomische Situation
Die chinesische Volkswirtschaft befindet sich seit Jahrzehnten auf einem dynamisch wachsenden Expansionspfad, der auf die Reform- und Öffnungspolitik im Zuge des oben beschriebenen Transformationsprozesses zurückzuführen ist. Die ausländischen Direktinvestitionen bilden dabei den Kern dieses Expansionspfades. Ihm nähert sich die Abfolge der hier vorgestellten makroökonomischen Kennzahlen.
2.3.1. Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Mit einer über die letzten 25 Jahre gerechneten jahresdurchschnittlichen Zuwachsrate von 9,5% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gehört die Volksrepublik China zu einer der sich am schnellsten entwickelnden Volkswirtschaften weltweit (vgl. Sachver-
18 Auf besondere Schwierigkeiten einzelner Rechtsbereiche kann an dieser Stelle nicht genauer eingegangen werden. Allerdings gilt für die verschiedensten Rechtsbereiche die oben beschriebene Unsicherheit, die sich für internationale Unternehmen aus dem immer noch eher formlosen Rechtssystem ergeben. Für ein genaueres Studium solcher Rechtsbereiche wie Vertragsrecht, Formen der Streitbeteiligung, die Vollstreckung von Gerichtsurteilen und Schiedssprüchen, Gesellschaftsrecht, Gewerblicher Rechtsschutz, Landnutzungsrecht und Steuerrecht siehe Kuhn et al. (2001: 91 ff.).
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ständigenrat, 2005: 56). 19 „Economic growth has remained high, fuelled especially by strong investment“ (Weltbank, 2004: 3). Jetzt schon rangiert das Land auf dem weltweit siebten Platz (vgl. Sachverständigenrat, 2005: 56; Deutsche Bundesbank, 2005: 38), wobei das BIP des Jahres 2003 bereits bemerkenswerte 62% der Größe der deutschen Wirtschaft betrug (o.V., 2004a: 3). Der rasante Anstieg des BIP und das Vertrauen in eine Fortführung dessen zeigt sich in aktuellen Hochrechnungen der Economist Intelligence Unit (EIU) aus dem Jahr 2004, nach denen die Volksrepublik bereits im Jahr 2008 den vierten Platz einnehmen, und damit solch wirtschaftlich starke Länder wie Frankreich oder England überholt haben wird (o.V., 2004a: 2). Gemessen an den Kaufkraftparitäten (KKP) der Wirtschaftsnationen war China bereits im Vorjahr weltweit die Volkswirtschaft Nummer zwei (o.V., 2004a: 4). 20 Durch einen Anteil von 4% am gesamten Welt-Output leistet das Land heute einen beachtlichen Beitrag zum Wachstum der gesamten Weltwirtschaft. 21 Insbesondere seit dem Beginn der zweiten Transformationsphase hat China demnach deutlich aufgeholt; denn 1990 lag dieser Wert noch bei ca. 1,7% (Sachverständigenrat, 2005: 56). Nicht unterschätzt werden sollte allerdings das BIP pro Kopf, welches mit ca. 1300 USD (in jeweiligen Preisen) noch immer relativ gering ausfällt (Deutsche Bundesbank, 2005: 38).
Die Regionen sind in unterschiedlichem Maße an der Erbringung des BIP beteiligt. Der Anteil der Küstenprovinzen am BIP des Jahres 2004 betrug immer noch mehr als 60% (o.V., 2004a: 5). Bspw. erwirtschafteten fast 35 Millionen Einwohner in der östlichen Provinz Fujian in etwa den Anteil am BIP des Jahres 2004, wie knapp 87 Millionen Einwohner der süd-westlichen Provinz Sichuan (o.V., 2004a: 6).
Sektoral gesehen entfielen im Jahr 2004 anteilig am BIP 15% auf den primären, 53% auf den sekundären und schließlich 32% auf den tertiären Sektor. Im industriellen Sektor beeindruckt vor allem der High-tech Bereich mit einer Zuwachsrate von 23,1% im Vergleich zum Jahr 2003 (NBS, 2005b). „Of this total, the output of optical telecommunications facilities, program-controlled switchboards, mobile telephones and microcomputers rose by a range of 14.7 percent to 40.3 percent” (NBS, 2005b).
19 Die aktuelle Zuwachsrate des Jahres 2004 beträgt laut National Bureau of Statistics of China (NBS)
und Deutscher Bundesbank ebenfalls bei einem Wert von 9,5% (NBS, 2005a; Deutsche Bundesbank,
2005:39). Das aktuelle Volumen liegt bei 1649,4 Mrd. USD (Deutsche Bundesbank, 2005: 39).
20 Anteil am Welt-BIP zu Kaufkraftparitäten im Jahr 2004 von 13,2% (Deutsche Bundesbank,
2005:39).
21 Zu Kaufkraftparitäten des IWF gerechnet sind es fast 13% (vgl. Deutsche Bundesbank, 2005: 38).
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Des Weiteren nimmt, zurückzuführen auf die zunehmende Privatisierung, die relative Bedeutung der reinen Staatsbetriebe (SOE) am BIP (Tseng, 2002: 2) und hier insbesondere in der industriellen Produktion ab. Danach ging der Anteil aller SOE an der industriellen Produktion von über zwei Drittel zu Beginn der Reformpolitik (Bühler, 2000: 37) auf ein deutlich niedrigeres Niveau zurück. Nach amtlichen Angaben des National Bureau of Statistics of China (NBS) liegt der Anteil der SOE am Mehrwert der industriellen Produktion im Jahr 2004 zwar immer noch bei 42,3% (NBS, 2005b). Eine Konkurrenzfähigkeit der SOE gegenüber den internationalen Unternehmen konnte dennoch nicht erreicht werden. „Despite years of restrucuring state-owned firms remain poorly profitable and under-capitalised“ (Economist, 2005: 74). Zur gleichen Zeit stieg allein im Jahr 2004 der Anteil der privaten Großunter- nehmen am industriell produzierten Mehrwert um 22,8%. Diese Verschiebungen bei den Unternehmen mit verschiedenen Eigentumsformen weisen unmissverständlich auf die wesentlichen strukturellen Veränderungen hin, die sich durch die andauernde Transformationspolitik ergeben haben.
Die in den letzten Jahrzehnten in Form eines höheren Anteils an der Weltproduktion gestiegene Bedeutung Chinas für die übrige Welt war zunächst Ausdruck eines kräftigen Zuwachses des Außenhandels (Tseng, 2002: 7).
2.3.2. Außenhandel
Während der Welthandel in den letzten 20 Jahren ein durchschnittliches Wachstum von 7% aufwies, stiegen die Exporte und Importe der VR China mit jeweils über 15% an (Sachverständigenrat, 2005: 57; Rumbaugh et al., 2004: 3). Die Phase der höchsten Handelszuwächse hat ihren Ausgangspunkt dabei in der zweiten politischen Transformationsphase. Insbesondere seit dem Beitritt der Volksrepublik in die WTO wird die weltwirtschaftliche Integration Chinas vorangetrieben. Export- wie Import- wachstum haben sich im Anschluss daran noch beschleunigt und geben somit auch der weltweiten Außenhandelsentwicklung bedeutende Impulse (vgl. Deutsche Bundesbank, 2005: 39; Rumbaugh et al.; 2004: 3; Weltbank, 2004: 3). Allein im Jahr
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2004 stiegen die chinesischen Exporte und Importe um beachtenswerte 35,5% bzw. 36% an (NBS, 2005b; Deutsche Bundesbank, 2005: 39). 22
Abbildung 1: Außenhandelswachstum der VR China (Index 1970=1)
Quelle: Rumbaugh et al. (2004: 19).
Nach mehreren Jahren hoher Außenhandelszuwächse nimmt die Volksrepublik heute im Ergebnis mit einem Anteil am (nominalen) Welthandel von 6,5% hinter den Vereinigten Staaten und Deutschland den dritten Rang der wichtigsten Welthandels- nationen ein (Deutsche Bundesbank, 2005: 39). 23
Der Zusammenhang zwischen zunehmender, weltwirtschaftlicher Integration und den durch die Volksrepublik gezielt geförderten Direktinvestitionen lässt sich daran erkennen, dass im Jahr 2002 fast die Hälfte aller chinesischen Exporte auf WFOE, Beteiligungen und Joint Ventures mit ausländischer Kapitalbeteiligung entfielen (vgl. Deutsche Bundesbank, 2005: 43; Davies, 2003: 47). Wie bedeutend ihre Rolle für den eingangs erwähnten, anhaltenden Expansionspfad der VR China ist, soll in den Ausführungen des nächsten Abschnitts zum Ausdruck kommen.
22 Das Wachstum der exportierten High-Tech und New-Tech Produkten von 50,2% im Jahr 2004 ist
dabei besonders bemerkenswert; der Anstieg exportierter mechanischer und elektronischer Produkte
lag in diesem Jahr bei 42,3% (NBS, 2005b).
23 Noch vor 20 Jahren lag der Anteil am Welthandel bei 1%-Punkt (Sachverständigenrat, 2005:57).
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2.3.3. Ausländische Direktinvestitionen (FDI)
Auch wenn die FDI in den beiden Transformationsphasen unterschiedlich hoch ausfallen, sind ein seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik ein kontinuierlicher Anstieg und somit auch ein zunehmender Öffnungsgrad zu identifizieren. „FDI rose gradually from the early 1980s to early 1991 and then rose dramatically through the mid-1990s” (Prasad et al., 2005: 5). Gründe des anfangs zögerlichen Kapital- zuflusses waren trotz günstiger Konditionen in den SWZ und Küstenstädten in erster Linie weiter bestehende Kapitalverkehrskontrollen und die Unsicherheit gegenüber einer Investition in eine sozialistische Ökonomie mit schwachen Institutionen. Daneben ist die schwache Integration der Volksrepublik in den Welthandel der Grund für relativ zurückhaltende FDI während der ersten Transformationsphase gewesen (Prasad et al., 2005: 4). Erst unter der Anfang der 90er Jahre gegebenen Zusicherung der chinesischen Führung, die Reform- und Öffnungspolitik fort- zuführen, sowie durch zunehmendem Außenhandel entstanden neue Möglichkeiten für ausländische Investoren.
Abbildung 2: Level und Zusammensetzung der Brutto-Kapitalzuflüsse in Mrd.
USD (1982-2003)
Quelle: Prasad et al. (2005: 51).
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„The reduction of barriers to FDI and policies to improve the investment environment has played a key role in attracting FDI to China“ (Tseng, 2002: 11). Vorläufiger Höhepunkt dieser kontinuierlich steigenden Engagements internationaler Unternehmen war das Jahr 2002, in dem China das weltweit höchste Niveau mit einer Gesamtsumme von ca. 53,5 Mrd. USD an zufließenden FDI erreicht hat (Sachverständigenrat, 2005: 58; o.V., 2004a: 4; o.V., 2004b). 24 Damit hatte die VR einen Bestand an FDI von ca. 500 Mrd. USD vorzuweisen, was einem Anteil von über 35% des BIP des Landes entsprach. Daran lässt sich der Einfluss des Zustroms ausländischer Direktinvestitionen bemessen, die gewissermaßen als kritische Kraft in Form von ausländischem Kapital, Managementfähigkeiten und technischem Wissen entscheidend zum Wachstum der Volkswirtschaft Chinas beitragen. Noch zu Beginn der zweiten Transformationsphase hatte dieser, die Korrelation zwischen BIP und
FDI verdeutlichende Wert ca. 6% betragen (Deutsche Bundesbank, 2005: 43;
Sachverständigenrat, 2005: 59). 25 Der IWF geht nach eigenen Berechnungen für das Jahr 2004 von einen Anstieg von 61 Mrd. USD aus, womit der Rekord des Jahres 2002 erneut gebrochen wäre (Prasad et al., 2005: 5). Damit zog das „Reich der Mitte“ ca.10% des internationalen Direktinvestitionskapitals an und war hinter den Vereinigten Staaten bedeutendster Empfänger von FDI weltweit (vgl. Deutsche Bundesbank, 2005: 42).
Innerhalb des Landes konzentrierten sich die internationalen Unternehmen mit ihrem Investment hauptsächlich auf die SWZ und OCC in den östlichen Küstenprovinzen. Dies liegt daran, dass die Öffnungspolitik von den Küstenprovinzen ausging und erst in den letzten Jahren die Inlandsprovinzen erreichte. Trotz verstärkter Bemühungen der chinesischen Regierung, die Investitionsbedingungen für internationale Unter- nehmen auch in diesen Gebieten zu verbessern, konnten zentrale und westliche Provinzen die aus Sicht der Investoren herrschenden Vorteile der Küstengebiete bislang nicht egalisieren (Davies, 2003: 46). 26
24 Allerdings relativieren sich die oben beschriebenen Werte, legt man entweder die schon früher erreichten Volumina an ausländischen Direktinvestitionen der Schwellenländer Taiwan und Singapur zugrunde, oder sieht sie im Verhältnis zur Größe des Landes (Sacherständigenrat, 2005: 59; Prasad et al., 2005: 5).
25 Damit einher geht ein rapider Zuwachs von Währungsreserven bis Ende 2003 auf 457 Mrd. USD. Damit ist China hinter Japan das Land mit den meisten Währungsreserven weltweit (Prasad et al., 2005: 9).
26 Immer noch sind bessere Infrastruktureinrichtungen, gut qualifizierte Arbeitnehmerschaft und der größere Privatsektor Grund genug nicht in Inlandsprovinzen unternehmerisch aktiv zu werden. Außerdem hat sich gezeigt, dass die größeren Steigerungsraten und die größere Kaufkraft Investoren weiterhin davon überzeugen, ein küstennahes Investment vorzuziehen (vgl. Bühler, 2000: 120 ff.).
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Stellt man auf die sektorale Unterscheidung der geflossenen Direktinvestitionen ab, so konzentrierte sich der größte Anteil auf den Industriesektor (Sachverständigenrat, 2005: 59; Deutsche Bundesbank, 2005: 43; Prasad et al., 2005: 42; NBSC, 2005: 12; Davies, 2003: 46). Der Schwerpunkt der industriellen FDI liegt dabei in den Bereichen Maschinenbau, Textilien, Elektrotechnik, chemischer Industrie und in den Baumaterialien. Besonders für die Bereiche Maschinenbau und Elektrotechnik ist der hohe Bedarf an technologischem Know-how charakteristisch (vgl. NBSC, 2005: 12). 27
Unabhängig von den einzelnen Motiven, die internationale Unternehmen von einem Investment in diesem komplexen und äußerst fragmentierten, chinesischen Markt überzeugen, müssen sich diese den kulturellen Herausforderungen in der VR China stellen. Nur die Unternehmen, welche die geschäftlichen Spielregeln kennen und richtig anwenden, können gewinnen. Dies betrifft nicht nur Investoren aus westlichen Industrieländern, sondern auch solche des asiatischen Kulturkreises. 28
2.4 Kulturelle Aspekte: „Guanxi“ und „Mianzi“
Die Chinesen haben eine sich seit 5000 Jahren entwickelnde Kultur und Wertesystem und sie bilden die größte ethnische Gruppe der Welt (Schlevogt, 2000b: 216). Natürlich unterscheiden sich deshalb die kulturellen Charakteristika in erheblichem Ausmaß von denen der „nicht-chinesischen“ Gesellschaften des Westens. In der Konsequenz ist es für die Akteure internationaler Unternehmen wichtig, diese zu beachten und beim Umgang mit den chinesischen Geschäftspartnern sorgsam in alle Handlungen mit einzubeziehen (Yang et al, 2002: 100).
27 Auch wenn dies auf die noch vorhandenen Restriktionen im Dienstleistungsbereich zurückgeführt werden kann, welche gemäß dem Beitrittsprotokoll zur WTO bis im Jahr 2007 gelockert werden müssen (Sachverständigenrat, 2005: 59), werden diese nach Schätzungen der UNCTAD auch in Zukunft weiterhin im sekundären Sektor am höchsten sein (UNCTAD, 2004: 2 ff.). Für ein genaueres Studium möglicher Szenarien der drei wichtigsten Dienstleistungsbereiche (Banken, Versicherungen, Telekommunikation) vgl. Whalley (2003).
28 Allerdings muss für die Gesellschaften aus Hongkong, Singapur und der chinesischen Provinz Taiwan, die unter anderem zu den Ländern mit dem größten Direktinvestitionsanteil gehören, erwähnt werden, dass diese gewissermaßen durch ihre soziokulturelle Nähe als „chinesische Gesellschaften“ gewertet werden können (vgl. Prasad et al., 2005: 6; Mohr, 2002: 123).
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Neben anderen kulturellen Einflussgrößen 29 auf die Geschäftstätigkeit internationaler Unternehmen, ist einer der wesentlichen kulturellen Aspekte in der VR China, die besondere Bedeutung der „Guanxi“ (Park et al, 2001: 455 ff.). In der Literatur wird „Guanxi“ als „Beziehung“ definiert, womit jegliche Formen von langfristigen Beziehungen und Verbindungen zwischen Individuen oder Organisationen gemeint sind (Tsang, 1998: 64, Standifird et al., 2000: 22). Wichtig für die Kontinuität jener ist dabei, dass beide Parteien in reziproker Weise von der Beziehung profitieren (vgl. Joffe, 2003: 122). Die inhaltliche Bedeutung von „Guanxi” in der VR China vermag folgende Aussage sehr genau verdeutlichen: „Who you know is more important than what you know“(Yeung et al., 2001: 54). 30 Dieses Zitat weist unmissverständlich auf die übergeordnete Stellung der „Guanxi” für die Geschäftstätigkeit eines jeden Unternehmens in China hin, weshalb der Aufbau solcher mithin als Teil der strategischen Unternehmensführung bezeichnet wird (Kuhn et al., 2001: 255). Ein nicht geringer Teil der Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen wird auf gut funktionierende Unternehmensbeziehungen zurückgeführt. Ein größeres „Guanxi“- Netzwerk zu besitzen als die Konkurrenz, „(...) allows transactions or exchanges aiming at mutual benefits“ (Fock et al., 2000: 35). Genauer wird der Zugang zu mehr Informationen ermöglicht, was dabei hilft, Unsicherheit zu reduzieren. Auf diese Weise kann durch eine Investition in „Guanxi“ eine höhere Effektivität und somit auch eine höhere Effizienz erzielt werden. 31 Besonders vorteilhaft sind „Guanxi“ im Umgang mit der Bürokratie und einem noch unzureichend ausgestalteten formellen Rechtssystem zu bewerten. „(...) the Chinese use guanxi to make up for the lack of the rule of law and transparency in rules and regulations“ (Yeung et al., 2001: 56). Chinesische Unternehmen fürchten die Diskontinuität von Politik und gesetzlichen Vorschriften und verlassen sich deshalb nicht allein auf die Wirtschaftspolitik,
29 Auszugsweise lassen sich einige Einflussgrößen der „chinesischen Gesellschaften“ im Vergleich zu „Nicht-chinesischen Gesellschaften“ darstellen als ein Gegenüber von chinesischem Kollektivismus versus westlichem Individualismus, Beziehungen versus schriftliche Verträge, „Gesicht waren“ versus ökonomische Rationalität, kultureller Patriotismus versus technokratischer Multinationalismus und einer für Chinesen typischen Beharrlichkeit versus Zeitdruck (Schlevogt, Part Two, 2000: 216 ff.). 30 Auf eine exakte Darstellung aller Unterschiede zwischen der Bedeutung der Beziehungen im Westen und den „Guanxi“ in China muss an dieser Stelle verzichtet werden. Dem interessierten Leser bieten sich hierfür besonders die Ausführungen von Yeung et al. (2001: 55 ff.) an.
31 Neben den genannten Vorteilen kann eine Investition in „Guanxi“ zukünftig den Zugang zu benötigten (Produktions-)ressourcen genauso sichern wie die Nutzung von besseren Informationen hinsichtlich der Regierungspolitik, Markttrends, Geschäftsmöglichkeiten, sowie der Zeitersparnis. Darüber hinaus sind der verbesserte Aufbau eines Unternehmensimage und die Unterstützung einer verbesserten Logistik ein wichtiger Vorteil der „Guanxi“ für internationale Unternehmen in einem ansonsten unsicheren politisch-rechtlichen und dynamischen ökonomischen Umfeld (Fock et al., 2000: 35 f.).
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