In seinem Werk setzt sich Swinburne mit der Frage nach der Existenz Gottes auseinander. Seiner Argumentation liegt die Annahme zugrunde, daß sich „aufgrund rationaler Argumente einigermaßen gut begründete Ergebnisse (bezüglich der Frage nach der Existenz Gottes) erzielen“ ließen, d.h. daß die Vernunft wahrscheinliche, nicht aber zweifelsfreie Aussagen über die Existenz Gottes machen könne. In diesem Sinne ist es nicht Swinburnes Anliegen, die Existenz Gottes zu beweisen, sondern es geht ihm vielmehr darum, den schon vorhandenen Glauben rational und plausibel zu machen. In der „religiösen Praxis (bleibe somit) ein weiter Raum für den Glauben“ bestehen. Mit dieser Absicht vor Augen untersucht Swinburne verschiedene Argumente, die für und gegen die Existenz Gottes sprechen, um anschließend zu bestimmen, ob das „Abwägen (dieser Argumente) eher für die Behauptung „Gott existiert“ oder eher für die gegenteilige „Gott existiert nicht“ spricht.“ Die Aussage „Gott existiert“ meint hierbei : „Es existiert eine Person“ mit bestimmten Eigenschaften : sie ist körperlos, ewig, vollkommen frei, allmächtig, allwissend, vollkommen gut und Schöpfer aller Dinge. „Gott“ ist demzufolge der Name für diese Person.
II. Grundlage der Argumentation:
Zunächst legt Swinburne die Grundlage seiner Argumentation dar. Ausgehend von der Annahme, daß keine zweifelsfreien Aussagen über die Existenz Gottes gemacht werden könnten (s.o.), stelle sich die Frage nach der Wahrscheinlichkeit einer Aussage oder eines Arguments für die Existenz Gottes.
Swinburne unterscheidet 2 Kategorien von Argumenten. Als deduktiv schlüssige Argumente bezeichnet er solche, bei denen die Voraussetzungen (Prämissen) die Schlußfolgerung gewiß machen.
Bei induktiven Argumenten dagegen stützen die Prämissen lediglich die Schlußfolgerung, machen sie jedoch keineswegs gewiß. Unterschieden wird zudem zwischen einem korrekten P - induktiven Argument (p= plausible), bei dem die Prämissen die Schlußfolgerung wahrscheinlich machen, d.h. wahrscheinlicher als ihr Gegenteil, und einem C - induktivem (c= confirm) Argument. Bei diesem machen die Prämissen die Konklusion nur
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wahrscheinlicher, d.h. sie ist mit den Voraussetzungen wahrscheinlicher als ohne sie.
Als „gutes Argument“ wird ein Argument dann bezeichnet, wenn die Prämissen selbst als wahr anerkannt werden.
In seiner Argumentation geht Swinburne so vor, daß er zunächst jedes Argument für sich betrachtet. In einem zweiten Schritt untersucht er, in welche Kategorie von Argument er das jeweilige Argument einzuordnen hat, und beurteilt, ob es zu einem kumulativen Effekt kommt, d.h. ob sich die Argumente untereinander stützen. Schließlich stellt er sich die Frage, welchen Beweiswert das ganze Beweismaterial zusammengenommen ergibt.
III. Das kosmologische Argument
Swinburne befasst sich zunächst mit dem kosmologischen Argument, das aus der Existenz eines komplexen physischen Universums die Existenz eines Gottes folgert.
Zu Anfang verteidigt er Hume gegenüber die Berechtigung des Forschens überhaupt nach einem Ursprung der Welt. Hume behauptet, daß sich nur Aussagen über „Gegenstände einer Klasse“ machen ließen. Da das Universum aber einzig sei, könne man auch keine Aussagen über das Universum und damit auch nicht seinen Ursprung machen. Swinburne hält dagegen, daß Einzigartigkeit ein relativer Begriff sei. Jeder Gegenstand habe sowohl für ihn spezifische Eigenschaften als auch solche, die er mit anderen gemeinsam habe. Da dies auch für die Welt gelte, sei der Ursprung des Universums ergründbar. Swinburne schließt für das kosmologische Argument zunächst die Möglichkeit des guten deduktiven Arguments aus, da die Existenz des Universums sowohl mit der Nicht - Existenz als auch mit der Existenz Gottes logisch vereinbar sei. Demnach bleibe zu untersuchen, um welche Art von induktiven Argument es sich handelt.
Das Universum in seiner Geschichte wird von Swinburne als „eine Reihe von aufeinanderfolgenden Zuständen“ bezeichnet. Von der Gegenwart zurück in die Vergangenheit sei jeder Zustand das Ergebnis des vorausgegangenen Zustands unter Einwirken eines Naturgesetzes. Dieser Prozeß bedürfe einer Erklärung, ob naturwissenschafftlicher oder personaler Art.
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Gott könnte nun am Anfang der Kette stehen, d.h. den Prozess der aufeinanderfolgenden Zustände in Gang setzen. Dies wird jedoch sogleich wieder ausgeschlossen, da die Naturwissenschaft noch nicht imstande sei zu beweisen, ob das Universum überhaupt einen Anfang habe, oder ob es schon immer existiert habe.
Als zweite mögliche Erklärung könnten die Naturgesetze dienen, die zusammen mit dem jeweils vorausgegangenen Zustand jeden einzelnen Zustand vollständig erklärten. Doch fehle hier noch eine Erklärung für das Gesamte. Diese müsse außerhalb der Kette, i.e. außerhalb des Universums, liegen, da innerhalb der Kette jeder Zustand seine Ursache im vorausgegangenen Zustand habe, so daß man niemals einen abschließenden Grund finden würde, warum das Universum überhaupt existiere. Da die Naturwissenschaft die Naturgesetze nicht erklären könne, müsse die Erklärung entweder personaler Art sein, oder das Universum selbst sei d er Endpunkt des Erklärens.
In Anlehnung an Leibniz Satz vom zureichenden Grund lässt Swinburne letztere Folgerung nicht gelten : da das Universum metaphysisch nicht notwendig sei, d.h. es nicht aus sich selbst heraus existiere, bedürfe es einer Erklärung für seine Existenz. Dem zufolge hätte die Welt einen personalen Ursprung, nämlich Gott.
Zuletzt erläutert Swinburne, warum das Universum nicht aus sich selbst heraus bestehen könne. Grund sei seine Komplexität, die nach einer Erklärung verlange, da es sehr unwahrscheinlich sei, daß sie rein zufällig existiere. Folglich sei es wahrscheinlicher, daß es ein Universum gibt, wenn Gott existiert, als wenn Gott nicht existiert. Insofern stelle das kosmologische Argument ein gutes C - induktives Argument dar.
IV. Das teleologische Argument
Das teleologische Argument ist ein Argument, das von allgemeinen Ordnungsstrukturen im Universum ausgeht und auf einen Gott schließt, der für diese Ordnung verantwortlich ist.
Swinburne unterscheidet zwischen teleologischen Argumenten zeitlicher und räumlicher Ordnung. Da er selbst der räumlichen Ordnung kein Gewicht beimißt, sie als ein schwaches Argument abtut, werde auch ich diese vernachlässigen und mich auf die zeitliche Ordnung konzentrieren.
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Arbeit zitieren:
Sarah von Oettingen, 2001, Gottesbeweise bei Richard Swinburne: ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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