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Gliederung
1. Der Friede von Venedig: Seite 3
ein Kaiser - Papst - Treffen
2. Forschungsentwicklung Seite 4
3. Der Friede von Venedig: Das historische Ereignis Seite 5
4. Symbolischer Gehalt der Darstellung Seite 8
4.1. Bußgang Seite 8
4.2. Ablegen des Mantels Seite 8
4.3. Fußkuss Seite 9
4.4. Friedenskuss Seite 9
4.5. Marschall- und Stratordienst Seite 9
5. Diskussion der Triumphfrage: Seite10
Vergleich des Vorvertrags von Anagni
mit dem Friedensvertrag von Venedig
6. Zusammenfassung und persönliche Meinung Seite12
7. Literaturverzeichnis Seite14
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1. Der Friede von Venedig: ein Kaiser - Papst - Treffen
Der Friede von Venedig im Jahre 1177 war ein Kaiser - Papst - Treffen der besonderen Art. Kaiser Friedrich Barbarossa I. und Papst Alexander III. beendeten mit diesem Friedensschluss das so genannte alexandrinische Schisma (1159-1177), „ein Konflikt, von dem Zeitgenossen behaupteten, er habe die Kirche und den Erdkreis in zwei feindliche Hälften gespalten“ 1 , und brachten somit geistliche und weltliche Gewalt wieder einen Schritt aufeinander z u. Das historische Ereignis der Friedensschließung auf dem Markusplatz in Venedig zeigt ein auffälliges Verhalten voller Rituale und wird fast ausschließlich durch symbolische Kommunikation abgehalten. Dieses Aufeinandertreffen eines geistlichen und eines weltlichen Herrschers wirft die gewichtige Frage auf, welcher der beiden Akteure letztendlich als Sieger dieses geschichtlichen Ereignisses hervorging und welcher als Verlierer. Endete diese Auseinandersetzung mit einem Triumph des Papstes oder gebührte der Sieg mehr dem Kaiser? In dieser wissenschaftlichen Arbeit soll diskutiert werden, ob man diese Frage klären und zu einer geeigneten Lösung gelangen kann.
Nebenbei sollte hier erwähnt werden, dass nicht nur der Papst und der Kaiser mit jeweiligem Gefolge am Frieden von Venedig beteiligt, sondern auch zahlreiche andere Gruppen involviert waren, wie die „Städte und Reichsfürsten, die in die Friedens- und Waffenstillstandsvereinbarungen mit einbezogen waren.“ 2 Weiterhin wurden die Kaiserin Beatrix, der König Heinrich VI., der byzantinische Basileus und die Könige von England, Frankreich und Sizilien namentlich in den Friedensvertrag aufgenommen. 3 Hier soll diese Tatsache jedoch keine weitere Rolle spielen, da ich mich ausschließlich auf die beiden Hauptakteure Friedrich Barbarossa und Alexander III. konzentrieren möchte.
1 Klaus Schreiner, Vom geschichtlichen Ereignis zum historischen Exempel. Eine denkwürdige
Begegnung zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Papst Alexander III. in Venedig 1177 und ihre
Folgen in der Geschichtsschreibung, Literatur und Kunst, in: Peter Wapnewski (Hg.),
Mittelalter-Rezeption. Ein Symposion. (Germanistische Symposien. Berichtsbände, 6), 1986, S. 145-
176, hier S. 146.
2 Vgl. MGH DD F I. Nr.687, 689 und 693.
3 Vgl. Johannes Laudage, Gewinner und Verlierer des Friedens von Venedig, in: Stefan Weinfurter
(Hrsg.), Stauferreich im Wandel. Ordnungsvorstellungen und Politik in der Zeit Friedrich Barbarossas
(Mittelalter-Forschungen 9), Stuttgart 2002, S. 108.
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2. Die Forschungsentwicklung
Die Forschung beschäftigte sich schon sehr lange mit der bereits genannten Frage. So kamen schon Luther und Melanchton, angefangen im späten Mittelalter, zu ihrem Ergebnis, „dass der Friede eine ungeheure Demütigung Barbarossas gewesen sei“ 4 . Diese Erkenntnis bezog sich jedoch lediglich auf die dargestellten Szenen, die sich auf dem Markusplatz abgespielt haben. Als Beispiel wurde auf einen Holzschnitt hingewiesen, auf dem der Papst den Kaiser mit den Füßen auf seinen Hals trat. 5 Eine hierzu völlig konträre Ansicht vertritt in diesem Fall die „moderne“ Forschung. Hier „konzentrierten sich die Historiker auf einen (bestimmten) Text. Es handelte sich um den Wortlaut des in Chioggia ausgehandelten Friedensvertrags“ 6 . Als Beispiel werden hier die Historiker Paul Kehr und Johannes Haller erwähnt, die die Meinung vertraten, dass Friedrich Barbarossa, der auch als „der im Feld geschlagene“ bezeichnet wurde, „aus den Verhandlungen als Gewinnender hervorgegangen war“ 7 . Jedoch schwankten die Ergebnisse bis heute von Historiker zu Historiker. Dieses Thema mit seinen Quellen betrachtete man aus verschiedenen Sichtweisen und gelangte dadurch zu unterschiedliche n Interpretationen, die zu konträren Antworten führten.
„Die entsprechenden Zeugnisse sind weder vollständig gesammelt, noch quellenkritisch aufgearbeitet. Die meisten Spezialstudien beziehen sich auf eine Auswertung der Nachrichten (des Kardinals) Boso und (des Erzbischofs) Romuald (von Salerno)“ 8 , auf die auch im Folgenden zurückgegriffen werden soll. Romuald und Boso waren beide in Venedig anwesend, konnten aber „kaum als unvoreingenommen gelten“, weil Romuald G esandter des sizilianischen Königs und Boso der Kämmerer von Alexander III. war. 9 Quellen über die Entwicklung der vorangegangenen Verhandlungen über den Friedensvertrag wurden leider nicht überliefert. Dafür i st ein geheimer Vorvertrag aus dem Jahr 1176 vorhanden, der Vertrag von Anagni, der bei
4 Johannes Laudage, Gewinner und Verlierer des Friedens von Venedig, S.108.
5 Vgl. Klaus Schreiner, Vom geschichtlichen Ereignis zum historischen Exempel, S.145-176, hier S. 156
mit Abb. 3.
6 Johannes Laudage, Gewinner und Verlierer des Friedens von Venedig, S. 107-130. und MGH D F I.
Nr. 687, S. 203-206.
7 Johannes Haller, Das Papsttum. Idee und Wirklichkeit 3, Basel 1952, S. 239f. und 244.
8 Johannes Laudage, Gewinner und Verlierer des Friedens von Venedig, S. 110f.
9 Ebd., S.113.
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der Beantwortung der anfangs gestellten Frage mitunter eine Rolle spielen könnte.
3. Der Friede von Venedig: Das historische Ereignis
Um Hintergrundinformationen für die Diskussion zu liefern, die diese Arbeit zum Thema hat, wird hier das historische Ereignis des Friedens von Venedig geschildert. Auch wenn sich zahlreiche Forscher mit den verschiedensten Quellen beschäftigten, differenzierten sich die unterschiedlichen
Darstellungen nur in wenigen und bedeutungslosen Details. Dem Friedensschluss ging ein jahrelanger Konflikt zwischen Papst Alexander III. und Kaiser Friedrich Barbarossa voraus, dem so genannten alexandrinischen Schisma, in dem sich Barbarossa unter anderem weigerte, Alexander III. als rechtmäßigen Papst anzuerkennen und deshalb von diesem mit einem Bann belegt wurde. 10 Erst als Barbarossa nach seinen überaus brutalen Unterwerfungskriegen vor einer bitteren Niederlage stand, schickten beide Parteien ihre Vermittler, die mediatores aus, um den andauernden Streit zu schlichten. Die Hauptstreitpunkte dieser Auseinandersetzung waren
Grundsatzfragen der kirchlichen und politischen Ordnung. Denn während der Papst größere Freiheit der Kirche ( libertas ecclesiae) forderte, war „das erklärte Ziel von Kaiser Friedrich Barbarossa (…) die Wiederherstellung der Reichsherrschaft (renovatio imperii), insbesondere in Ober- und Mittelitalien“. 11 „Entschieden ist jedoch zu betonen, da(ss) die Verhandlungen, die letztendlich zum Ausgleich führten, durch Vermittler vonstatten gingen, die sich aus den beiden Konfliktparteien rekrutierten“. 12 Diese Vertreter der jeweiligen Gruppen hatten völlige Handlungsfreiheit, so fern sie im Interesse ihres Auftraggebers handelten. S ie konnten selbstständig und ohne Rücksprache
Kompromisslösungen durchsetzen, denen sich der Kaiser beziehungsweise
10 Knut Görich, Die Ehre Friedrich Barbarossas. Kommunikation, Konflikt und politisches Handeln im
12. Jahrhundert (Symbolische Kommunikation in der Vormoderne. Studien zur Geschichte, Literatur
und Kunst 1), Darmstadt 2001, S. 158ff.
11 Klaus Schreiner, Vom geschichtlichen Ereignis zum historischen Exempel, S. 146.
12 Gerd Althoff, Friedrich Barbarossa als Schauspieler? Ein Beitrag zum Verständnis des Friedens von
Venedig (1177), in: Trude Ehlert (Hrsg.), Chevaliers errants, demoiselles et l’ Autre. Höfische und
Nachhöfische Literatur im europäischen Mittelalter. Festschrift für Xenja von Ertzdorff zum 65.
Geburtstag (Göppinger Arbeiten zur Germanistik, 644), Göppingen 1998, S. 3-20, hier S. 5.
Arbeit zitieren:
Eva Sailer, 2005, Triumph des Papstes - der Friede von Venedig 1177, München, GRIN Verlag GmbH
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