Friedrich – Schiller - Universität Jena
Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Bereich Medienwissenschaften
Lehrstuhl für Geschichte und Ästhetik der Medien
Hausarbeit für das TPS
„Einführung in die Phänomenologie des Films“
Sommersemester 2002
Verfasser:
Daniel Heß
„Das Kino und die neue Psychologie“
von Maurice Merlau-Ponty.
Eine Anwendung des Textes
auf den Film „Barfly“ von Barbet Schroeder
1 Einleitung
Wahrnehmung ist mehr als die Summe der Reize. Sie ist mehr als die digitale Wiedergabe des Empfundenen. Wahrnehmung ist die Abbildung der Umwelt in unserem Denken. Unsere Wahrnehmungsorgane kommunizieren mit dem Gehirn in 0 und 1, ähnlich der Bits und Bytes eines Computers. Das Gehirn setzt diese schwachen elektrischen Impulse in ein Gesamtbild zusammen. Doch wie Merlau-Ponty in seinem Artikel zeigt, reicht diese Erklärung nicht für die Dinge aus, die wir letztendlich wahrnehmen. In seinem Beitrag „Das Kino und die neue Psychologie“ stellt er die klassische Betrachtungsweise der Wahrnehmung den neuen Erkenntnissen der Psychologie gegenüber.
2 Die klassische und die neuere Betrachtungsweise der Wahrnehmung
2.1 Die klassische Psychologie
Dem Menschen werden fünf Sinne zugesprochen. Das Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und das Riechen. In der klassischen Psychologie wurden alle Funktionen die zu diesen Sinnen gehören von ihrem rein biologischen Ablauf betrachtet. Diese Ansicht kritisiert Merlau-Ponty zu Recht. In dem hier zu Grunde liegenden Artikel nutzt er die Beispiele des Sehens und Hörens für die Widerlegung der Behauptung, dass sich die Wahrnehmung nur durch die Summierung der Reize und deren Interpretation durch die eigene Intelligenz erklären ließe. In klassischen Psychologie wurde der Mensch als funktionierendes Wesen, ähnlich einer Maschine, begriffen. Man versuchte, alles Verhalten durch wissenschaftliche Analyse zu erklären. Wo die Wissenschaft und Medizin versagte, wurde die Intelligenz herangezogen. Dies war umso nützlicher, da die Intelligenz eines Individuums nicht direkt gemessen werden kann. Auch in heutiger Zeit bedient man sich noch indirekter Anzeichen und Leistungen, um diesen Wert festzulegen. Meines Erachtens war die Argumentation mit der Intelligenz ein gelungener Versuch, das Unerklärbare erklärbar zu machen. Dies wird in der Ausführung Descartes (1637, 1641) deutlich. Descartes sieht nur die Oberfläche der Dinge seines Gesichtsfeldes. Die Interpretation des Gesehenen überlässt er seiner Intelligenz. Merlau-Ponty geht in seinem Text noch einen Schritt weiter und diskutiert diesen Ansatz mit perspektivisch verzogenen Gegenständen und verdeckten Flächen. Wenn wir einen Würfel auf einem Tisch sehen, ist dieser durch seine räumliche Ausdehnung in die 3. Dimension verzerrt. In der klassischen Psychologie sehen wir aber nicht sofort einen Würfel. Unsere Rezeptoren im Auge, bestehend aus Zapfen und Stäbchen, nehmen das vom Würfel reflektierte Licht auf. Dabei werden einige Rezeptoren stärker, andere schwächer gereizt. Da unser Nervensystem aber nur Reiz und Nichtreiz unterscheiden kann, senden auch nur die Rezeptoren Signale an das Gehirn, die ausreichend mit ihrem Schlüsselreiz (hell, dunkel, Farbe) belichtet wurden. Haben diese Signale den Kortex erreicht, werden sie zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Natürlich kann das Gehirn nur das real Wahrgenommene erkennen. Daher ist eine weiter entfernte Kante des Würfels bei gleicher Länge scheinbar kürzer als eine näher liegende. Hier schaltet sich aber nach Merlau- Pontys Beschreibung die Intelligenz ein. Sie erkennt, dass es sich um einen Würfel handelt und informiert das Bewusstsein darüber. Ebenso verhält es sich mit einer verdeckten Fläche. Die Intelligenz erkennt, dass der Würfel auf der Tischplatte liegt und macht uns diesen Umstand bewusst. So entsteht aus 13 unterschiedlich langen Linien in unserem Bewusstsein das Wissen, dass dort ein Würfel mit 12 Kanten auf einer durchgehenden Fläche mit 4 Rändern liegt. Auch wenn Merlau-Ponty diesen Vergleich nicht nennt, so denke ich doch, dass diese Ansichten der klassischen Psychologie mit der modernen Informatik vergleichbar sind. Eine Kamera wäre in die sem Fall das Auge, der Computer das Gehirn und der Monitor zeigt uns den Inhalt des Bewusstseins. Die Funktion der Intelligenz wird von der Software übernommen. Da die Software fehlerhaft oder von unterschiedlicher Qualität sein kann, simuliert sie unterschiedliche Intelligenzquotienten.
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Daniel Pagels, 2002, Das Kino und die neue Psychologie von Maurice Merlau-Ponty. Eine Anwendung des Textes auf den Film "Barfly" von Barbet Schroeder, Munich, GRIN Publishing GmbH
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