Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Empirischer Zugang 4
2.1 Forschungsgegenstand 4
2.2 Forschungsfragen 4
2.3 Methodisches Vorgehen 5
3 Weihnachtsessen 5
4 Ministudie 12
5 Auswertung 12
6 Weihnachtliches Backwerk 16
6.1 Gebildegebäcke 16
6.2 Lebkuchen 18
6.3 Stollen 23
6.4 Spekulatius 24
7 Fazit 26
8 Quellenverzeichnis 28
8.1 Literaturverzeichnis 28
8.2 Internet-Links 29
8.3 Verzeichnis der Abbildungen 30
9 Anhang 31
9.1 Fragen Ministudie 31
9.2 Antworten Ministudie 31
2
1 Einleitung
Mit dem Begriff Fest assoziiert man im alltäglichen Sinne etwas Besonderes, ein positiver Anlass, gemeinsam mit Bekannten und Freunden zusammen zu sein. Aufgrund von individuellen Erfahrungen verbindet jeder Mensch verschiedene Vorstellungen mit einem Fest. Eines jedoch darf selten fehlen: das Festmahl, wie Helga Maria Wolf kurz und bündig schreibt: „Kein Fest ohne Mahl.“ 1 In diesem Zusammenhang stellt Ingeborg Weber-Kellermann ein Paradebeispiel heraus: „Wenn man von Weihnachten spricht, dann erwacht für viele als erstes die Assoziation zu gutem Essen. Es riecht zugleich nach Gänsebraten und Pfefferkuchen. Tatsächlich ist das gemeinsame gute Essen und Trinken wohl das älteste soziale Element jeder großen Festzeit.“ 2 Ebenso widmet sich Nina Gockerell dieser Thematik und scheint W eber-Kellermanns Annahmen in ihrer Abhandlung „Weihnachtszeit. Feste zwischen Advent und Neujahr in Süddeutschland und Österreich 1840-1940“ 3 zu bestä tigen: „Da von allen Kulturgütern die eßbaren am vergänglichsten sind, kommt derlei Materialienneben Rezepten und schriftlich erinnerten Genüssen - eine wichtige Rolle als Zeugnis dieses unvegeßlichen Anteils am weihnachtlichen Geschehen zu.“ 4 Das Festtagsmahl und dessen Zutaten - Welche Bedeutung hatte es in früheren Zeiten? Findet man Parallelen zur heutigen Symbolik der festlichen Speisen? Ändert sich im Strom der Geschichte auch der weihnachtliche Speiseplan? Oder findet man Indizien für Überlieferung und Traditionsbewusstsein? Was ist von der ursprünglichen Bedeutung dieser Genüsse heute noch erkennbar? Zur Klärung dieser Fragen soll die vorliegende Arbeit einen Einblick in die Kulturgeschichte des Weihnachtsessens geben, wobei hierfür Personen zum selbigen Thema befragt werden. Im zweiten Kapitel werden die empirischen Grundlagen des Forschungsvorhabens vorgestellt. Dabei wird speziell auf den Forschungsgegenstand, die Forschungsfragen und das methodische Vorgehen eingegangen. Indessen richtet sich das Hauptaugenmerk im dritten Abschnitt auf theoretische Grundlagen des Weihnachtsessens.
1 Wolf, Helga Maria: Das neue Brauchbuch, 2000, 62.
2 Weber-Kellermann: Das Weihnachtsfest, 1987, 166.
3 Gockerell: Weihnachtszeit, 2000.
4 Gockerell: Weihnachtszeit, 2000, 103.
3
Kapitel vier und fünf sind dem Forschungsgegenstand selbst gewidmet und verbinden zwei wesentliche Aspekte miteinander: zum einen die Grundlagen aus der bereits vorhandenen Literatur und zum anderen neu erworbene Kenntnisse aus der Forschungsarbeit. Während der inhaltliche Fokus in den Abschnitten drei bis fünf auf Weihnachtsfestessen liegt, bezieht sich Kapitel sechs primär auf die Weihnachtsbäckerei. Im siebten und letzten Abschnitt wird Resümee gezogen.
2 Empirischer Zugang
2.1 Forschungsgegenstand
Diese Hausarbeit ist durch Anregung an das im Wintersemester 2004/2005 an der FSU Jena stattgefundene Seminar „Weihnachtsfest, Weihnachtskultur“ entstanden. Aus kulturwissenschaftlicher Sicht spielen Festtagsspeisen als Forschungsgegenstand eine große Rolle. Das Essen, speziell Festessen, dient als Spiegel für die Kulturgeschichte einer Lebenswelt, so dass die Beschäftigung mit dieser Thematik verschiedene kulturell bedingte Muster entschlüsselt. Im Mittelpunkt der folgenden Betrachtungen steht das Festessen zur Weihnachtszeit. Dabei liegt der inhaltliche Schwerpunkt zum einen auf dem Festessen an Heiligabend, am ersten und am zweiten Weihnachtsfeiertag, zum anderen auf der Weihnachtsbäckerei in der Adventszeit, wobei ausschließlich Deutschland berücksichtigt wird. Ergo beschäftigt sich die vorliegende Hausarbeit mit allgemeinen sowie mit speziellen Aspekten des Themas Weihnachtsessen.
2.2 Forschungsfragen
Die nachstehenden Ausführungen sind mit dem Ziel entstanden, auf folgende Fragen, die sich uns zu Beginn unserer Arbeit stellten, Antwort zu geben: Gibt es ein typisches Festessen, das jedes Jahr zu Weihnachten auf den Tisch kommt? Wenn ja, was wird jedes Jahr zu Weihnachten serviert? Warum kommt jedes Weihnachten das gleiche Essensgericht auf den Tisch?
4
Gibt es eine bestimmte Idee bzw. ein Konzept, das sich hinter dem sich jährlich wiederholenden Ritus steckt? Wenn es kein solches typisches Festessen gibt, worin liegen mögliche Gründe dafür?
Was ist das typische Weihnachtsgebäck? Hat es eine bestimmte Bedeutung? Wenn ja, welche und ist diese noch heute erkennbar?
2.3 Methodisches Vorgehen
Das methodische Vorgehen zur Beantwortung der eingangs gestellten Forschungsfragen umfasst die Durchführung von Interviews. Es soll überprüft werden, inwieweit die Befragten durch ihre Äußerungen der Thematik entsprechende theoretische Annahmen beispielhaft widerspiegeln oder ihnen widersprechen. Betont werden muss, dass aufgrund der fehlenden Repräsentativität der Untersuchung die Interviewantworten in keiner Weise als Grundlage zur Verifikation oder Falsifikation diesbezüglicher Hypothesen dienen können. Obgleich die geringe Anzahl an Interviewpartnern eine Verallgemeinerung der Aussagen n icht zulässt, ist zumindest eine Tendenz erkennbar, welche es ermöglicht, das zur Verfügung stehende Literaturmaterial am konkreten Beispiel zu überprüfen und diesbezügliche Vermutungen anzustellen.
3 Weihnachtsessen
„Ein hoher Festtag zeichnete sich in der vorindustriellen Zeit neben der kirchlichen Feier vor allem dadurch aus, daß an diesem Tage eine besonders reichhaltige Mahlzeit, ein spezielles Festtagsgericht oder ein Festgebäck verzehrt wurde.“ 5 Zu Weihnachten ein besonders üppiges Essen zu servieren, ist laut Paul und Richilde Werner scho n seit dem Mittelalter 6 üblich. Jedoch war und ist der Heiligabend bei vielen Familien nicht inbegriffen. Warum?
5 Sauermann: Von Advent bis Dreikönige. 1996, 150.
6 Vgl.: Werner, Paul & Werner, Richilde: Weihnachtsbräuche in Bayern, 1999, 196.
5
In der Literatur liegen unterschiedliche Angaben zum Zeitraum des so genannten Adventsfasten vor: „D ie Fastenzeit reicht vom ersten Adventstag bis zur Vergil von Weihnachten, also bis zur letzten Stunde des Heiligen Abends.“ 7 Das Adventsfasten erreichte seine größte Bedeutung im Hochmittelalter. „Vor diesem Fasten gab es nochmals einen traditionellen Schlachttermin, an dem man sich nochmals so richtig satt aß; auch die Metzger mußten schließlich von etwas leben und waren bemüht, die fleischlosen Zeiten durch verstärktes Schlachten an bestimmten Terminen zu überbrücken.“ 8 Dabei waren Allerseelen, der Hubertus -, der Martins- sowie der Andreastag traditionelle Schlachttermine, zu denen ein Schlachtfest -das ein dörfliches Ereignis darstellte- gefeiert wurde. 9 Erst nach Mitternacht bzw. nach der Christmette begann in vielen Familien das fette Essen. Mit der Völlerei glaubte man, die bösen Geister abzuwehren und das ganze Jahr über keinen Hunger leiden zu müssen. Dabei waren vor allem Fisch, Mohn, Schweinefleisch, Hülsenfrüchte, Brot und Kuchen sehr beliebt. In der vorindustriellen Zeit verbanden die Menschen gewisse Glaubensvorstellungen mit bestimmten Nahrungsmitteln. So stand der Mohn für Fülle, Schweine brachten Glück, Bohnen vertrieben die bösen Geister und Fisch stand für Leben und Fruchtbarkeit. Dieser Glaube an die Schutz- und Zauberkraft der Speisen spiegelt sich unter anderem in manchen Redensarten, in Ge- und Verboten wider. In diesem Zusammenhang ist das so genannte Siebenerlei bzw. Neunerlei, ein traditionelles Weihnachtsessen im Vogtland, zu erwähnen. Am 24.12. wurden Salate, bestehend aus sieben oder neun Zutaten, serviert. Wobei insbesondere keimende und quellende Speisen wie Bohnen oder Linsen bevorzugt wurden. Warum? Weil man glaubte, damit sprichwörtlich den quellenden Wohlstand herbeizuführen. Des Weiteren erhoffte man sich durch den Verzehr eines rogenreichen Herings oder eines körnerreichen Mohnkuchens Geld und Glück, soviel, wie sie Körner haben! 10
7 Schönfeldt: 2000 Jahre Weihnachten, 1998, 106.
8 Werner, Paul & Werner, Richilde: Weihnachtsbräuche in Bayern, 1999, 196.
9 Vgl.: Werner, Paul & Werner, Richilde: Weihnachtsbräuche in Bayern, 1999, 196.
10 Vgl.: Weber-Kellermann: Das Weihnachtsfest, 1987, 169.
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Abb. 1: Johann Valentin (1959), ein Bauer aus der „Schwäbischen Türkei“ in Ungarn (Weber-Kellermann: Das Weihnachtsfest, 1987, 169.)
An dieser Abbildung wird deutlich, dass die Zusammensetzung des Neunerlei regional bedingt - zwangslä ufig variieren musste. So sind in einer anderen Aufzä hlung folgende Zutaten unentbehrlich: Klöße, damit die Taler im Haus nicht ausgehen; Hirsebrei, der quellenden Wohlstand bringen soll; Brot; damit immer Nahrung im Haus ist; Pfeffer und Salz sollen mit ihrer Schärfe böse Geister vertreiben. Preiselbeeren gelten als Schutz gegen Krankheit. 11 Das Neunerlei entstand i n Anlehnung an neun verschiedene Gewürze , auf die unter Gliederungspunkt 6.2 näher eingegangen wird.
Regionale Differenzen im Neunerlei stärken die Annahme, dass es ebenso das eine Weihnachtsessen nicht gibt. Dennoch werden bestimmte Speisen vorzugsweise an den Weihnachtsfeiertagen gegessen.
Wie oben erwähnt, wurden im Mittelalter regelrechte Schlachtfeste gefeiert. Die große Schlachtzeit begann meist schon im November. Dabei stellte das so genannte Herbstschlachten zum einen das letzte Arbeitsfest und den Abschluss des Wirtschaftsjahres dar, zum anderen war es ein besonderes Fest für die Ärmeren im Dorf.
11 http://www.weihnachtsstadt.de/kueche/Plaetzchen/plaetzchenstart.htm abgerufen am
03.12.2004.
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Nicht wenige Bauernfamilien zerrten bis zum Herbst von den Schlachtvorräten der vergangenen Neujahrs- oder Faschingszeit. Es galt sprichwörtlich als Glück, ein Schwein [zum Schlachten] zu haben. 12 Zu diesem Aspekt erzählt Schönfeldt: „Zu Martini […] wurde gefeiert und gebraten […]. Die Küchenknechte trugen am Weihnachtstag auch nicht mehr den ganzen gebratenen Eber auf.
12 Vgl.: Weber-Kellermann: Das Weihnachtsfest, 1987, 166.
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Ein Teil des Ganzen reichte als Symbol, der Eberskopf nämlich. Er kam auf eine große Platte, wurde mit Stechginsterranken umlegt und einmal durch den Saal getragen. Aus dem Ginsterkranz wurde später ein Kranz aus kleinen Würsten, und aus dem Eberkopf wurde der handliche gekochte Schinken. Und weil unterdessen die christlichen Symbole gepflegt wurden, legte man zwölf geschmorte Äpfel rund um den Schinkenbraten herum, für jeden Apostel einen. Oder man servierte den Schweinebraten mit drei Beilagen in Verehrung der Heiligen Dreifaltigkeit. Oder man vollendete ihn mit dreimal drei Kräutern oder Gewürzen.“ 13 Speziell im bayrischen Ra um galt/gilt die Schlachtschüssel mit Blut- und Leberwurst und die Mettensupp’n als typisches Weihnachtsessen.
Abb. 3.: Mettensupp’n im Berchtesgadener Land. Weihnacht 1998 (Werner: Weihnachtsbräuche in Bayern, 1999, 202.)
Doch allmählich löste die Weihnachtsgans die Mettensau ab.
Im Mittelalter stellte der 11. November einen besonderen Termin des Wirtschaftsjahres dar.
13 Schönfeldt: 2000 Jahre Weihnachten, 1998, 99.
9
Arbeit zitieren:
Claudia Felsch, Annekatrin Weiß, 2005, Die Kulturgeschichte des Weihnachtsessens, München, GRIN Verlag GmbH
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