Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Definitionsversuche 4
1.1 Gedächtnis 4
1.2 Kultur 5
1.3 Erinnern und Vergessen 6
1.4 Sprache und Schrift 6
1.5 Kanon 8
2 Forschungsansätze aus der Vergangenheit 9
2.1 Emile Durkheim 9
2.2 Henri Bergson 10
2.3 Maurice Halbwachs’ Gedächtniskonzept 10
2.4 Jan Assmanns Gedächtniskonzept 12
3 Das Gerücht als ein Kommunikationsmittel 16
3.1 Medium der Kommunikation 16
3.2 Geschichten und Gerüchte 17
3.2.1 Kommunikatives Gedächtnis 17
3.2.2 Versuch der Definition des Gerüchts 18
3.2.3 Soziale Erinnerung 19
3.3 Verbreitung 22
3.3.1 Vertraulichkeit 22
3.3.2 Verbreitung durch Medien 23
3.3.3 Glaubwürdigkeit der Quellen 24
1
3.4 Akt des Erzählens und des Zuhörens 25
3.4.1 Funktion von Geschichten für die soziale Gruppe 27
3.4.2 Formen des Gerüchtes 29
3.5 Der Reiz am Klatsch 31
Schluss /Fazit 34
Quellenverzeichnis 35
2
Einleitung
Die Begriffe des kommunikativen und kulturellen Gedächtnisses haben eine neue Bedeutung erlangt. In der nachfolgenden Arbeit wollen wir in Ansätzen zeigen, welches Ausmaß diese Aktualität des Forschungsbereichs Gedächtnis annimmt.
Zunächst haben w ir für ein besseres Verständnis der Thematik versucht, wesentliche Begriffe z u klären. Hierbei ist anzumerken, dass das Wort Definitionen in der Überschrift als Begriffsklärung gebraucht wird, und keine exakte und vollständige Definition in dem Sinne darstellt. Darauf aufbauend soll das zweite Kapitel Einblicke in die Forschungsansätze der Gedächtnistheorie einiger berühmter Soziologen geben. Abschließend soll das Gerücht auf das Thema angewendet werden. Es steht in direkter Verbindung mit dem menschlichen Kommunikationsmittel Sprache. So ist es durchaus als ältester Rundfunk oder erstes Massenmedium anzusehen. Unser Forschungsgegenstand erstreckt sich also rund über das kommunikative und kulturelle Gedächtnis.
Wir haben versucht, eine Analyse der Thematik vorzunehmen. Damit tritt neben die Frage nach dem Was der Erinnerung die Frage nach dem Wie. Welche Rolle spielt die Erinnerung bei der Herausbildung gesellschaftlicher Identitäten? Welche Formen kultureller Erinnerung gibt es und wie werden sie organisiert? In der vorliegenden Arbeit unternahmen wir den Versuch der Klärung dieser Fragen.
Es ist zu betonen, dass die Analyse eines derart komplexen Themas nur einen Streifzug dessen darstellen kann, was es wirklich beinhaltet, wobei es schon fast unmöglich ist zu entscheiden, wo die Grenzen zu setzen sind und wie groß dieser Inhalt ist.
Das Thema dieser Arbeit hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt unzählige Bereiche, die hier aus inhaltlichen und formalen Gründen keine Beachtung finden können. Grenzen innerhalb des Themas können nicht gezogen werden, da sich nahezu alle Bereiche überschneiden und ein Bereich ohne den anderen nicht existiert.
3
1 Definitionsversuche
1.1 Gedächtnis
Eine exakte, alles umfassende wissenschaftliche Definition für das Gedächtnis existiert nicht.
Es gibt verschiedene Arten von Gedächtnis, denen Eigenschaften zugeordnet werden; oder es kann die Funktionen dieser unterschiedlichen Arten von Gedächtnis in unserem Gehirn bezeichnen, wie beispielsweise Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis, die Gehirnforscher als solche festgelegt haben; des Weiteren können die von einigen Sozialwissenschaftlern benannten Begrifflichkeiten gemeint sein, die sich auf Vergangenheit und Gegenwart beziehen und die Gesellschaft als Bezugspunkt hat. Was wir ganz sicher wissen, ist, dass Gedächtnis die Fähigkeit ist, durch welche es uns möglich ist, mit Hilfe des Erinnerns und Vergessens bestimmter Geschehnisse aus dem Alltag eine Sinnwelt aufzubauen. Wir können ohne Übertreibung sagen, dass bei komplexen Wahrnehmungen unser Gedächtnis das wichtigste Wahrnehmungsorgan ist. (Roth, 2003, S.84) Die Gegenstände dieses Erinnerns und Vergessens bestimmen und beeinflussen das kollektiv geprägte Gedächtnis einer Gesellschaft. Dieses Kollektivgedächtnis ist eine Ansammlung von individuellen Gedächtnissen, die zu einem Ganzen verschmelzen. 1
Was das individuelle Gedächtnis inhaltlich aufnimmt, wie es diese Inhalte organisiert und wie lange es was behält, ist im weitesten Sinne eine Frage gesellschaftlicher und kultureller Rahmenbedingungen. Das Gedächtnis einer Kultur reicht etwa drei bis vier Generationen weit in die Vergangenheit zurück. Ihr Erinnerungshorizont wandert mit den Generationen mit. 2 Assmann bezeichnet diese Form der Erinnerung als kommunikatives Gedächtnis. Den Begriff des kulturellen Gedächtnisses, also durch Kommunikation vergegenwärtigte Vergangenheit, stellt er dem kommunikativen Gedächtnis gegenüber. Das kollektive Gedächtnis beinhaltet das kommunikative und kulturelle Gedächtnis. (Bolten & Ehrhardt, 2003, S. 61-65)
1 http://seminare.design.fh-aachen.de/mind/discuss/msgReader$218
2 http://www.uni-essen.de/literaturwissenschaft-aktiv/Vorlesungen/ausblick/kult_gedaechtnis.htm
4
1.2 Kultur
Schaut man im Bertelsmann Wörterbuch der deutschen Sprache unter Kultur nach, findet man Definitionen, wie „Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Errungenschaften einer Gesellschaft; […]; Anbau und Aufzucht von Pflanzen; […]; [und] geistige und seelische Bildung [beziehungsweise] verfeinerte Lebensweise, Lebensart; […]“. 3
Kultur ist ursprünglich ein Begriff aus der Landwirtschaft. Cultura kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet zunächst den Landbau und später die Pflege von Körper und Geist. Daraus hat sich die heutige Bedeutung von Kultur entwickelt - sowohl die Ganzheit aller menschlichen Schöpfungen im Gegenstück zur Natur als auch die geistige und seelische Bildung. Der landwirtschaftliche Aspekt findet sich in Begriffen wie Monokultur für den Anbau nur einer Pflanzenart auf einer Fläche wider. Dementsprechend bezeichnet Wohnkultur den Geschmack bei Ausstattung und Pflege der Wohnung. Das Kultusministerium schließlich ist das Fachressort für kulturelle Angelegenheiten. 4
Eine Kultur bildet sich heraus, indem sich Individuen zu einer Großgruppe vereinigen. Dies geschieht in zwei Richtungen. Auf sozialer Ebene besteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe von Zeitgenossen untereinander, insbesondere gekennzeichnet durch den jeweiligen Rollentausch. Auf der historischen Ebene existiert das Verbundenheitsgefühl mit früheren Generationen, den jeweiligen Vorfahren. Jeder befindet sich innerhalb einer Vielzahl solcher Gruppen.
Eine Kultur wird durch rituelle Formung meist innerhalb der Gruppen erhalten. Die Angehörigen dieser Kultur wiederholen diese Riten und Gebräuche ihrer Vorgänger in ihren (mündlich) überlieferten Formen. (Welzer, 2002, S. 22)
3 http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUNAME=Suche&SEARCHTYPE=topic&query=kultur
4 http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUNAME=InfoContainerPrintArticle&MENUID=40%2C1
56%2C538%2C547&OCCURRENCEID=WD001GW00054611.WD001SDTPB0111.5000065.full
5
1.3 Erinnern und Vergessen
Vergangenheit wird nicht als solche bewahrt, sondern von den sich wandelnden Bezugsrahmen der fortschreitenden Gegenwart her reorganisiert. (Assmann, 1992, S.52)
Erst durch Kommunikation und Interaktion mit der sozialen Gruppe sind wir in der Lage uns an Dinge zu Erinnern. Dabei erinnern wir uns nicht nur an Dinge, die uns andere erzählt haben, sondern auch an solche, die uns von anderen als bedeutsam bestätigt und reflektiert wurden.
Während Gedächtnis und Erinnerung eng zusammen gehören, wird Vergessen definiert als Informationsverlust nach erfolg tem Lernen eben dieser Information. (Lefrancois, 1972, S.163)
„Ein Mensch - und eine Gesellschaft - sind nur das zu erinnern imstande, was als Vergangenheit innerhalb der Bezugsrahmen einer jeweiligen Gegenwart rekonstruierbar ist. Es wird genau das Vergessen, was in der Gegenwart keinen Bezugsrahmen mehr hat.“ (Fraas, 2000, S. 36)
1.4 Sprache und Schrift
Wieso spricht der Mensch? Wenn es nach der Bibel geht, ist der Ursprung der Sprache göttlicher Natur: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort."
Seit Mitte dieses Jahrhunderts rückt insbesondere die Sprache ins Zentrum der Analyse. Es ist ein Synthesebegriff für ein Kommunikationsmittel zum Austausch und Bewahren von Gedanken, Ideen und Informationen. Sprache ist zum eine n die allgemeine menschliche Fähigkeit der Sprachbegabung. Des Weiteren ist sie Laut- und Zeichensystem einer bestimmten Menschengruppe beziehungsweise einer Sprachgemeinschaft. Sie bezeichnet auch den Sprachbesitz sowie Sprachgebrauch eines bestimmten Individuums, und außerdem werden Aussprache und Klangbild der Sprache eine bedeutende Rolle zugesprochen.
Die Sprache ist ein System von Zeichen für Begriffe und Gegenstände und ein System von Regeln für die Kombination dieser Zeichen. In erster Linie stellt die Sprache Sachverhalte mit Hilfe von Zeichen dar, die keine Ähnlichkeit mit
6
diesen haben. Im Hinblick auf den Menschen als Sender und Empfänger von sprachlichen Äußerungen dient die Sprache der Mitteilung. Eine Mitteilung ist aber nur möglich über die Repräsentation, dass die sprachlichen Äußerungen für den Sender und den Empfänger das Gleiche bedeuten. Alle Einzelsprachen verändern sich im Lauf ihrer Geschichte. Die Veränderung betrifft Lautstand, Wortschatz, Morphologie und Syntax. Veränderungen des Wortschatzes sind am häufigsten, auffälligsten und am leichtesten zu erklären durch veränderte Kulturbedingungen.
Sprache ist keine Fähigkeit des Einzelnen, sondern gemeinsam hergestellte Handlungspraxis.
Mit der Erfindung der Schrift als neuem Medium entsta nd eine stabilere Form der Tradierung des kulturellen Wissens. Aus dem bisher rituellen wird ein textueller Zusammenhang. Das Vergangene wird jetzt nicht mehr bloß wiederholt, sondern auch vergegenwärtigt. Dies wurde durch eine strenge Auswahl und Tradierung von angesehenen Texten möglich. Die Schrift ist ein System von Zeichen, die Begriffe oder Laute zum Zweck der Informationsvermittlung oder -aufbewahrung sichtbar machen. Vorstufen der Schrift fi nden sich in Felsmalereien und Felsritzungen schon in der Altsteinzeit. Heute erhöhen vor allem die digitalen Medien die Möglichkeit, kulturelle Überlieferungen einer Vielzahl von Menschen weltweit näher zu bringen. Im zweiten Jahrtausend vor Christus erfanden Semiten im Vorderen Orient die Buchstabenschrift. Darin entspricht im Wesentlichen ein Zeichen einem Laut. Die Buchstabenschrift kommt mit wenigen Dutzend Zeichen aus, während Begriffs-, Wort- und Silbenschriften Hunderte bis Tausende von Zeichen umfassen. Die ursprüngliche semitische Schrift bezeichnete nur die Konsonanten. Die Griechen übernahmen die semitischen Buchstaben und fügten ihnen Zeichen für Vokale hinzu. Von den Griechen gelangte die Buchstabenschrift nach Italien und wurde von da aus zur Grundlage der heutigen europäischen Schriften. (Brockhaus , 2003, S.911)
7
Arbeit zitieren:
Claudia Felsch, Simona Pietruschke, 2005, Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Das kulturelle Gedächtnis und die gesellschaftliche Bedeutung von Erin...
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Hausarbeit, 19 Seiten
Erinnerung und Gedächtnis: Die Konzepte von Halbwachs, Assmann & C...
Hausarbeit, 29 Seiten
Die Erotik der Kunst. Die ästhetische Erfahrung bei Susan Sontag
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit, 15 Seiten
John Stuart Mill über die Freiheit
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Seminararbeit, 22 Seiten
Naturmetaphorik und Naturorte in Gottfried von Straßburgs Tristan und ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 17 Seiten
Isaiah Berlin: Positive und negative Freiheit
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 19 Seiten
Automatenmenschen bei E.T.A. Hoffmann unter besonderer Berücksichtigun...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 15 Seiten
Welche Antworten hat die Emoti...
Studienarbeit, 36 Seiten
Vorbildliche Minne im Eneasroman Heinrichs von Veldeke
Ein Vergleich der beiden Minne...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 18 Seiten
Die Bedeutung der Augen in E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 23 Seiten
Evaluationsforschung: Qualitative und Quantitative Ansätze
Seminararbeit, 13 Seiten
Das Recht des gewalt(tät)igen Michael Kohlhaas
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 25 Seiten
Demographischer Wandel in Europa - Charakteristika und Ursachen
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit, 30 Seiten
John Stuart Mill - Prinzipien der Freiheit und Individualität
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 16 Seiten
Claudia Felsch's Text Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Claudia Felsch hat den Text Kommunikatives und kulturelles Gedächtnis veröffentlicht
Claudia Felsch hat einen neuen Text hochgeladen
Kulturelles Gedächtnis und interkulturelle Rezeption im europäischen K...
Kulturelles Gedächtnis und int...
Eva Dewes, Sandra Duhem
Zeit vergessen, Zeit erinnern - Hans Fallada und das "kulturelle Gedäc...
Carsten Gansel, Werner Liersch
Das kulturelle Gedächtnis Mesoamerikas im Kulturvergleich zum alten Ch...
Rituale im Spiegel von Schrift...
Daniel Grana-Behrens
Gedächtnis und kultureller Wandel
Erinnerndes Schreiben - Perspe...
Judith Klinger, Gerhard Wolf
0 Kommentare